Wer denkt, dass die Natur nur aus Fressen und Gefressenwerden besteht, sollte mal Dirk Brockmann eine Chance geben. Der Typ serviert uns in „Survival of the Nettest“ eine ziemlich wilde Tour durch Bakterien, Viren, Pilze und sonstige schräge Mitbewohner, die seit Jahrmilliarden nichts anderes machen, als Deals auszuhandeln. Klingt nach einer Wirtschaftssimulation mit Schleim, ist aber faszinierender als jede Netflix-Doku.
Ständig dieses Gegeneinander, Survival of the Fittest und so – aber Brockmann dreht den Spieß um: Ohne Kooperation läuft gar nichts. Kein Baum, keine Mücke, nicht mal wir selbst wären hier ohne Symbiosen und clevere Team-Ups. Er macht aus trockener Biologie ein Feuerwerk aus Anekdoten, kuriosen Beispielen und manchmal so abgedrehten Bildern, dass ich mich gefragt habe, ob Bakterien nicht längst den besseren PR-Berater haben als wir Menschen.
Natürlich ist das Ganze kein Party-Roman. Manche Kapitel sind richtig wissenschaftlich, und da merkt man, dass Brockmann eben Forscher ist und nicht Stand-up-Comedian. Aber hey, man muss auch mal die Stirn runzeln dürfen, während man gleichzeitig über „nette Viren“ lacht. Ich schwöre, ich habe nach der Lektüre ernsthaft mein Frühstücksjoghurt mit völlig neuen Augen angesehen.
Was hängen bleibt? Kooperation ist das Ding. Wettbewerb bringt Evolution weiter, ja. Aber die richtig großen Knaller – Photosynthese, Nervensysteme, Kommunikation über Arten hinweg – sind das Ergebnis von Miteinander. Und Brockmann schafft es, diesen Gedanken nicht nur auf Biologie zu beschränken, sondern ganz sanft Richtung Gesellschaft zu schubsen.
Fazit: Ein Buch, das klug ist, Spaß macht und immer wieder kleine Mindblows liefert. Vier Sterne von mir, weil es trotz aller Leichtigkeit manchmal ein bisschen zu sehr ins Fachliche abtaucht. Aber definitiv eine dieser Lektüren, nach der man die Welt mit frisch polierten Augen sieht.