Ihr Leben könnte gegensätzlicher nicht sein: Der junge Adelige Valentin wächst im Prunk und im Luxus der Wolkentürme auf, von Kindesbeinen an dazu erzogen, einmal seinen Vater, den mächtigen Panarchen, zu beerben. Elster ist ein Kind der Schluchten – groß geworden in den endlosen Wäldern und seit ihrer Geburt dazu verpflichtet Frondienste zu leisten und den Türmen zu dienen.
Was bewegt Om, das allwissende Prinzip und Oberhaupt der Schluchter, und den Panarchen, den Herrscher der Türme, dazu, ausgerechnet diese beiden gemeinsam auf eine riskante Reise zu schicken?
Zumal das Schicksal ihrer beider Völker vom erfolgreichen Ausgang dieser Mission abhängt …
"Es steht geschrieben: Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!" S. 465
Klappentext
Ihr Leben könnte gegensätzlicher nicht sein: Der junge Adelige Valentin wächst im Prunk und im Luxus der Wolkentürme auf, von Kindesbeinen an dazu erzogen, einmal seinen Vater, den mächtigen Panarchen, zu beerben. Elster ist ein Kind der Schluchten – groß geworden in den endlosen Wäldern und seit ihrer Geburt dazu verpflichtet Frondienste zu leisten und den Türmen zu dienen. Was bewegt Om, das allwissende Prinzip und Oberhaupt der Schluchter, und den Panarchen, den Herrscher der Türme, dazu, ausgerechnet diese beiden gemeinsam auf eine riskante Mission zu schicken? Zumal das Schicksal ihrer beider Völker vom erfolgreichen Ausgang dieser Aufgabe abhängt …
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, ob noch eine Fortsetzung kommt, ist ungewiss
Meine Meinung
Ich wusste nicht genau, worauf ich mich bei diesem Buch einlassen würde und hab mich einfach überraschen lassen. Es ist mein erstes Buch von Susanne Gerdom und es wird sicher nicht mein letztes sein.
Was für eine Fülle an Ideen! Die Welt der Zukunft, wie sie hier beschrieben wird, ist strikt getrennt zwischen arm und reich, den Schluchtern und den Türmern. Während die einen hoch oben über den Wolken im Luxus leben, schuften die anderen in den untersten Geschossen oder in den Wäldern, versorgen dabei die Reichen mit allem, was sie zum Leben brauchen, während sie selbst nur Kälte und Hunger kennen. Mit ihrem Schreibstil hat mich die Autorin von der ersten Seite an gepackt: wunderbar flüssig, nicht zu kompliziert aber sehr greifbar und anschaulich konnte ich ihre Vision direkt vor Augen sehen. Erzählt wird in der dritten Person aus der Sichtweise verschiedener Charaktere.
Der Panarch, das Oberhaupt der Türmer, ist ein älterer, aber noch kräftiger Mann, der weiß, wo er hinwill. Ihn umgeben Kälte und Macht, weshalb die meisten größten Respekt vor ihm haben und gehorsam jeden seiner Befehle befolgen. Wie auch sein Sohn Valentin, der keine der Regeln seines Vaters infrage stellt; in seiner Gefühlswelt dagegen total unbeständig wirkt. Elster hingegen, aufgewachsen in den Schluchten, ist sehr mutig und risikofreudig. Mit ihrem besten Freund Indigo geht sie immer wieder auf Entdeckungstour und rebelliert innerlich gegen das unrechte System.
Doch obwohl die "Oberen" reich sind, leben sie in einer Welt des Verrats und der Untreue - die "Unteren" in einer Welt von Armut und Hunger. Das fordert natürlich geradezu einen Aufstand heraus und eine alte Prophezeiung gibt dem ganzen noch zusätzlichen Aufwind. Trotzdem entwickelt sich alles sehr überraschend und ich war durchwegs gespannt, wie es denn weitergehen wird. Gerade das liebe ich ja bei Büchern, wenn man die Handlung mal nicht so vorhersehen kann; auch die Beziehungen unter den Protas sind untypisch und erfrischend anders als erwartet. Anfangs wird man erstmal mit allem vertraut gemacht und die kuriosen Namen (Elster, Sonne, Lächler, Wolke) sind witzig und passen sehr gut in den Schauplatz. Die vielfältigen "Titel" der Personen haben mich etwas irritiert, aber davon braucht man sich nicht beirren lassen, man kommt mit der Handlung wunderbar zurecht. Auch weil die Autorin alles so perfekt beschreibt!
Die Sprichwörter und Phrasen, die jedes Kapitel mit den Worten "Es steht geschrieben ..." eingeleitet werden und Hinweise auf unsere Vergangenheit geben, haben der Atmosphäre nochmal mehr Realität verliehen.
Fazit
Mit den Wolkentürmen hat mich die Autorin in eine grausame Zukunft geschickt, die aber an das Gute im Menschen hoffen lässt. Man kann die Beweggründe eines anderen immer nur erahnen und jeder handelt nur so, wie es ihm als richtig erscheint. Eine unterhaltsame und spannende Geschichte, von der ich gerne eine Fortsetzung lesen würde!
Inhalt: Elster lebt in den Schluchten zwischen den Türmen, stets von Hunger geplagt. Ihre Zwillingsschwester Winter ist die Auserwählte und soll später die Schluchter anführen, Elster selbst ist nur ein wenig magiebegabt, ihr Talent noch nicht erwacht. Mit ihrem besten Freund Indigo geht Elster oft auf verbotene Erkundungsgänge in die Höhlen, wo sie eines Tages Kisten mit Cognac und Bücher finden – beides ist absolut selten und muss unbedingt den Greifern der Türmer übergeben werden. Eines Tages besuchen Greifer das Dorf und wollen ein Mädchen in die Türme entführen, wie sie schon so viele – auch aus Elsters Familie – geraubt haben. Elster greift ein und verletzt einen Türmer, ein absolutes Tabu, was ihre Auslieferung zur Folge haben sollte. Von dem ehrwürdigen Prinzip Mo, der Anführerin der Schluchter, bekommt sie jedoch ein ganz anderes Schicksal auferlegt: Sie soll einer uralten Prophezeiung folgen und den sagenumwobenen Turm Null finden.
Valentin ist der Bastard des Panarchen, dem Führer der hiesigen Türmer bis zum Turm „Venedig“. Das Leben des Adels, insbesondere sein Leben, ist geprägt von Intrigen und Duellen, weil ihm jeder seiner Verwandten den Platz als Nachfolger des Panarchen streitig machen will. Er kennt die Geschichten, die „Märchen“ rund um den Turm Null, den Ursprung, und den „König“, der den Frieden bringen und die Türme stürzen soll. Ein Teil dieser Geschichten hat sich bereits bewahrheitet: Schluchter wie Türmer bekommen kaum mehr Nachwuchs. Ihnen allen droht das Aussterben und auch Valentin und die Menschen, denen er vertraut, machen sich auf, um Turm Null zu suchen.
Meinung: Nachdem „Queen of Clouds“ bei mir eingetroffen ist, wollte ich eigentlich nur kurz hineinschauen – und bin erst rund 50 Seiten später wieder aufgetaucht. Die Welt, die Susanne Gerdom geschaffen hat, war zu komplex und voller Unbekannten, weshalb ich mich unbedingt auf die Suche nach Antworten machen musste.
Ich lernte Protagonistin Elster kennen, eine Kämpfernatur, die sich nicht unterkriegen lässt, obwohl sie bereits so viele aus dem Dorf und der Familie an die Türmer verloren hat. Kinder werden mitgenommen, ein Zehnt der Erträge muss an die Türme abgegeben werden, weshalb ständiger Hunger an den Schluchtern nagt. Doch Elster sucht gemeinsam mit ihrem Freund Indigo nach Artefakten der „Alten“, die nicht als Abgabe an die Türmer enden. Der Tag endet anders als geplant.
Als gleichberechtigter Gegenpart stellte mir die Autorin Valentin vor. Der Sohn des obersten Führers der Türmer ist von Wohlstand umgeben, muss seinen Platz jedoch gegen alle Seiten verteidigen. In den Türmen wimmelt es von Intriganten, die seinen Tod wollen.
Susanne Gerdom hat es mir anfangs nicht leicht gemacht, der Geschichte zu folgen. Zu viele Details, Begriffe, die spezielle gesellschaftliche Form … Dennoch brannte in mir – sobald ich sichergehen konnte, dass es sich hier um „unsere“ Welt handelte, die Frage, was passiert sein konnte. Wie kam es zu den 2000m hohen Türmen, in denen die Obersten der Gesellschaft wohnten und die Schluchter ausbeuteten? Gerade diese Hintergründe vermisste ich und ich hoffe, dass sie in einer möglichen Fortsetzung erläutert werden, ebenso die ein oder andere Frage, die ich noch hatte. So tastete ich mich vorsichtig durch die Seiten, lernte weitere Teile der Gesellschaft kennen und bekam kleinere Puzzleteilchen hingeworfen.
Susanne Gerdoms Schreibstil ist in diesem Buch teils ausschweifend und die Beschreibungen sehr detailliert, trotzdem entstanden kaum Längen, da dieser besondere Weltentwurf diese Details auch nötig hatte.
Bedrohung ist in allen Handlungssträngen (personaler Erzählstil, Vergangenheit) von Beginn an zu spüren. Nachdem ich mich in der Welt eingefunden hatte, ließ die Spannung etwas nach. Das kleine Zwischentief war aber schnell überwunden und ich konnte mich problemlos auf die weitere Reise begeben, die einige interessante Wendungen für mich bereithielt. Das Ende war für mich lediglich aufgrund der fehlenden Hintergründe nicht vollkommen zufriedenstellend, daher hoffe ich – nein BITTE ich – um eine Fortsetzung.
Urteil: „Queen of Clouds – Die Wolkentürme“ von Susanne Gerdom war ein bildhaftes Zukunftsszenario, das vor Intrigen und Abenteuern nur so strotzte. Ein paar Fragen blieben offen, was auf eine Fortsetzung hoffen lässt. Mein Lesevergnügen belohne ich mit 4 Büchern.
Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber dieses Buch hat mich wirklich gar nicht gefesselt. Die Charaktere haben keine Tiefe, der Schreibstil ist teilweise fast kindisch und die gesamte Geschichte ist unlogisch und zu wenig ausgeführt. Man wird über vieles im Dunkeln gelassen, die Personen haben alle erstaunlich viel Glück und die Romanzen sind doch auch ziemlich erzwungen (außerdem SPOILER: Cousine und Cousin zusammen ist nicht ok für mich). Also ja, ein klares Nein von meiner Seite.
Wer in den Wolkentürmen lebt hat es gut, hier herrscht Luxus und Überfluss. Anders sieht es bei den Bewohnern der Schluchten aus, hier herrscht Armut und zu allem Überfluss werden sie von den Türmern wie Sklaven behandelt. Und ausgerechnet eine Mission mit Türmern und Schluchtern soll das ganze Volk retten? Eine Prophezeiung besagt, dass nur gemeinsam die Welt gerettet werden kann.
Dies ist wieder eins der Bücher, das sich schon relativ lang in meinem SUB befindet. Jetzt endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen. Die Autorin erschafft hier eine wirklich komplexe Geschichte, die mich überzeugen konnte. Sie entführt uns in eine Welt, die sehr faszinierend ist und auch sehr ungewöhnlich. Man kann auch einen gewissen Science Fiction Anteil an der Geschichte nicht abstreiten, was mir unheimlich gut gefallen hat. Es gibt zwei Parteien. Da wären die Türmer, die Saus und Braus leben und auf der anderen Seite die Schuchter, die in Armut leben müssen und von den Türmern ausgenutzt werden. Dieser Konflikt spielt eine sehr wichtige Rolle in der Handlung. Und dann wäre da diese Prophezeiung, die alles verändert wird. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Wir lernen zumeinen Elster kennen, mit ihrem besten Freund Indigo und ihrer Schwester Winter. Sie alle sind Schluchter. Elster ist ein sehr starker Charakter, sie ist rebellisch und manchmal auch etwas aggressiv, was aber zu ihrem Wesen passt. Auf der anderen Seite gibt es dann Valentin, den Sohn des herrschenden Panarchen, der ebenfalls an dieser Mission teilnimmt. Er versucht, seinem Vater ein guter Sohn zu sein und wird eines Tages in dessen Fußstapfen treten. Bei dieser Konstellation sind Konflikte vorprogrammiert. Gerade die Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren macht die Handlung sehr interessant und abwechslungsreich. Auch romantische Verwicklungen gibt es jede Menge, aber nicht wie vermutet zwischen Elster und Valentin ;) Es dauert ungefähr bis zur Hälfte, bis die eigentlich Mission beginnt. Vorher lernen wir erst einmal alle Charaktere kennen, die alle sehr unterschiedlich sind und unterschiedliche Ziele haben. Es gibt jede Menge Intrigen bei den Adlige und es werden Rebellionen geplant. Die Handlung ist am Ende abgeschlossen, würde aber rein theoretisch noch Stoff für eine Fortsetzung her geben. Von mir gibt es für diese ungewöhnliche Geschichte 9 von 10 Punkte
Alles scheint sich nach einem klassischen Fantasy-Schema zu entwickeln. Die hohe Kaste auf der einen Seite, die niedere auf der anderen. Zwei Hauptfiguren, aus jeder Kaste eine. Und nur gemeinsam können sie aller Welt retten. Soweit zwar nicht falsch. Die Welt, die sich dem Leser zunehmend eröffnet, erfüllt keinerlei Klischees mehr. Auch die typische Liebesbeziehung zwischen den Hauptfiguren bleibt erspart. Stattdessen treten weitere Figuren in den Vordergrund, deren Beweggründe erst langsam offenbart werden. Es offenbaren sich neue Geheimnisse, das jedes für sich, alles verändert, das man meinte zu wissen.
Leider warte ich immer noch auf die Fortsetzung. Was wohl vergeblich ist. Und sehr schade, da die Story und sie Welt so viel Potential hatten.
Die Türmer leben im Luxus der Wolkentürme, der sich auf der Ausbeutung der Schluchter gründet, die in den endlosen Wäldern um ihr Überleben kämpfen oder in den unteren Stockwerken der Wolkentürme den Türmern dienen. Als die Zukunft beider Völker bedroht ist, entsenden Om (das allwissende Prinzip und Oberhaupt der Schluchter) und der Panarch (der Herrscher der Türme) ihre Vertrauten, um gemeinsam den sagenumwobenen Turm Null zu finden. Denn laut einer alten Prophezeiung können sie diese Aufgabe nur zusammen erfüllen – und so das Fortbestehen ihrer Welt sichern.
Die Geschichte beginnt mit der Schluchterin Elster, die sich zweihundertvierzig Meter über dem Boden befindet und versucht, den Rekord im Turmklettern zu brechen. Diese Szene hat mich gleich gefesselt, weil es eine spannende und faszinierende Situation war. Eisenrebenranken, ein Unwetter, der gefahrvolle Weg zurück zum Boden und die verschlüsselte Sprache, in der Elster mit ihrem besten Freund Indigo kommuniziert. Ich war auf so vieles neugierig – und genoss auch die dichte Atmosphäre.
Winter, die Zwillingsschwester von Elster, umgibt etwas Geheimnisvolles. Sie wird einmal die Schamanin sein, die ihr Volk anführt, also die Nachfolgerin von Om. Das alles spricht meine mystische Seite natürlich sehr an, außerdem hatte Winter für mich eine besondere Ausstrahlung. Besonders heftig erwischt hat mich allerdings die Figur, die alle den Steuermann nennen. Das ging ja auch gar nicht anders, bei den tragischen Andeutungen und dem Charisma! Und dann wäre da noch Indigo, Elsters bester Freund, der mehr für sie empfindet. Ihn kann man einfach nur gern haben – ein freundlicher, loyaler und in sich ruhender Protagonist. Es ist direkt schade, dass er in dieser Geschichte für meinen Geschmack ein wenig zu kurz kam.
Die Türmer schwelgen im Luxus, aber auch in Intrigen. Es gilt das Gesetz des Stärkeren und man muss jederzeit damit rechnen, in einen Hinterhalt zu geraten. In so einer Umgebung ist Vertrauen natürlich Mangelware … Valentin, der Lieblingssohn des Panarchen, hat – genau wie sein Vater – etwas Zeit benötigt, bis er mir so richtig nahe stand. Bei seiner Cousine und einer weiteren Protagonistin war das anders, beide hatten mich schnell beeindruckt. Und dann wäre da noch Valentins Lehrer, der für mich einfach eine (im positiven Sinn) interessante Figur war.
Es wird sich Zeit genommen, um den Leser mit den beiden Völkern und den einzelnen Figuren vertraut zu machen, was mir ja immer gut gefällt, weil man so auch einiges über die Hintergründe erfährt. Bei der Einführung in diese dystopische Welt hat mir das auch genug Luft gelassen, um mir über die Details und Andeutungen Gedanken zu machen. Denn diese Welt wirkte so nah, dass man beispielsweise erahnen kann, was die Türme einst waren.
In der Geschichte mischt sich Fantasy mit Science-Fiction, und ich hätte mich – völlig untypisch – über etwas mehr SF gefreut, weil mich das sehr fasziniert hat. Mir gefiel, dass die Grenzen da immer mehr verschwommen sind und ich mich öfter gefragt habe, ob das jetzt Magie oder SF ist. Es fühlte sich magisch an, aber ich konnte mir auch vorstellen, dass das eine Technologie sein könnte. Oh, und es gibt Gleiter, Schlitten und Luftschiffe – ich liebe Luftschiffe! :herz: Da vergesse ich dann auch immer, dass ich doch Höhenangst habe … Eigentlich.
In “Queen of Clouds” konnte ich wunderbar abtauchen und hatte großartiges Kopfkino. Ich fühlte mich mit dem Buch sehr wohl, was sicherlich auch an der dichten Atmosphäre und den vielen Details lag. Man konnte wunderbar spekulieren und fand sich gleichzeitig mitten in der Geschichte wieder. Eine spannende, emotionale und überraschende Lektüre mit einer großen Bandbreite an Figuren! Und vielen Ideen, die mich wirklich beeindruckt haben. :)
Das Ende des Romans klingt stark nach einer Fortsetzung und ich hoffe, dass wir diese auch irgendwann lesen dürfen. Ich bin doch sooo neugierig!
Valentin liegt die Welt zu Füßen - er ist jung und attraktiv, und er ist der Sohn des Panarchen, der von seinem unermesslich hohen Turm aus über dessen zahlreiche Bewohner sowie über die Menschen unten in der Schlucht herrscht. Die "Türmer" sind reich und mächtig und leben in Saus und Braus, während die "Schluchter" im Schatten des Turmes ein karges Dasein fristen, sofern sie nicht gleich in den Turm geholt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Manche hat man schon als kleine Kinder ihren Familien entrissen.
Elster, die waghalsige Kletterausflüge liebt und dabei häufig Kopf und Kragen riskiert, hat das hautnah miterlebt. Ihre kleine Nichte verschwand, später auch deren Mutter. Elsters verbliebene Familie schuftet Tag und Nacht, um irgendwie zu überleben.
Man könnte sich also kaum unterschiedliche Charaktere vorstellen als den vom Leben verwöhnten Valentin und Elster, die Kummer, Sorgen und harte Arbeit gewöhnt ist. Doch auch im Turm gibt es Anlass zur Besorgnis: es werden immer weniger Kinder geboren, Intrigen und Machtkämpfe bringen die gewohnte Ordnung aus dem Gleichgewicht, und in den unteren Etagen brodelt es unter den Bediensteten.
Schließlich wird klar, dass es nur einen Ausweg gibt: Schluchter und Türmer müssen zusammenarbeiten und auf einer gefährlichen, geheimen Mission versuchen, die Welt wieder ins Lot zu bringen.
Ungleiche Protagonisten, die sich zusammenraufen müssen, um die Welt zu retten, sind in der Fantasy immer wieder ein gern genommenes Thema. Für die Ausgangssituation kann man der Autorin somit keine Originalitätspunkte gutschreiben, wohl aber für die Welt, die sie hier erfindet: die Reichen leben abgeschottet in himmelhohen Türmen, die Armen hausen entweder unter miserablen Bedingungen am Fuß der Türme oder werden direkt zu Arbeitssklaven der Türmer gemacht. Die schlimmen Lebensumstände der Schluchter lassen an Charles Dickens denken, während die stählernen Türme mit ihrer Hightech-Ausstattung eher futuristisch anmuten. Ungewöhnlich, aber gelungen.
Womit sich Susanne Gerdom aber endgültig in mein Herz geschrieben hat (und sich wohltuend von einem gewissen Fantasy-Einheitsbrei abhebt), sind ihre tollen Charaktere. Schwarzweißmalerei ist ihre Sache gottlob nicht. Sie erzählt sowohl aus Elsters als auch aus Valentins Perspektive (und auch Nebenfiguren kommen zu Wort), so dass ein rundes, ausgewogenes Bild der Geschehnisse entsteht und für beide Seiten Verständnis und Sympathie entstehen. Jeder hat seine Konflikte, seine Stärken und Schwächen, es gibt nicht hier die komplett Guten und dort die furchtbar Bösen. Das gilt nicht nur für die Hauptfiguren, sondern auch für die durchweg großartig dargestellten Nebencharaktere.
Auch am Spannungsbogen gibt es nichts auszusetzen. Für Überraschungen ist immer wieder gesorgt, dazu kommt eine Prise Humor, ein kleines bisschen Romantik und Schilderungen, die im Kopf wunderbare Bilder entstehen lassen. Das war mal wieder ein richtig schönes Fantasybuch, das sich in Nullkommanichts wegliest, ohne dabei anspruchslos zu sein.
Einziges kleines Manko war für mich, dass die Geschichte nicht komplett abgeschlossen ist. Das Hauptanliegen des Buches wird zwar zu Ende gebracht, es bleibt aber noch etwas offen, was schätzungsweise noch ein weiteres Buch nach sich ziehen wird. (Ich zweifle nicht daran, dass die Autorin das in vergleichbarer Qualität hinbekommen wird, allerdings bin ich der Trilogien- bzw. Reihen-Manie einfach ein wenig müde.)