Stell dir vor, das Patriarchat macht eine Psychotherapie. Klingt verrückt? Vielleicht. Es würde uns allen aber viele Therapiestunden ersparen. Die Soziologin und Comedienne Katharina Linnepe entlarvt die absurdesten Verhaltensstörungen, Glaubenssätze und Denkmuster unseres Gesellschaftssystems. Kritisch, lehrreich und urkomisch – dieses Buch legt die wahren Ursachen unserer mentalen Probleme offen und zeigt, wie wir einem in der Krise erstarkenden Patriarchat entgegenwirken können.
Was unserer Psyche z.B. erspart bliebe, wenn das Patriarchat in Therapie •Weiblicher Perfektionswahn und männlicher Performancedruck •Gewaltstrukturen, Health Gaps und transgenerationale Traumata •Die Umkehr der Gleichberechtigung, Kriege, Klimakrise und Diskriminierung
Nach einer recht langen und teils redundanten Einführung beginnt das Buch dann auch endlich mit der ersten Therapiestunde. Leider will der zuvor angepriesene Humor nicht so richtig durchkommen und auch der Inhalt überzeugt nicht.
Es geht nur ein ganz wenig um Psychologie und dabei vor allem nicht um Diagnosen, sondern wissenschaftlich strittige Konzepte wie die dunkle Triade oder Co-Abhängigkeit. Dabei wird leider mehr als deutlich, dass die Autorin keinen Hintergrund hat, der sie zu dieser - wenn auch scherzhaften - Psychotherapie befähigt. Statt um die Psyche geht es schnell um Geschichte, Soziologie, Politik, Wirtschaft oder Medizin. Die Autorin reißt immer wieder wirklich wichtige Themen an, verliert sich aber in ihren Ausführungen und versucht explizit den Leser dann wieder zu erinnern, worum es eigentlich ging. Roter Faden? Fehlanzeige! Und wo war eigentlich unser "Patient"? Für den Titel des Buches taucht er viel zu selten auf.
Positiv ist anzumerken, dass es sehr gute Verweise auf weiterführende (feministische) Literatur passend zum jeweiligen Thema gibt. Außerdem hat Katharina Linnepe eine sehr sympathische Art und das Hörbuch wahnsinnig gut vorgelesen. Sie ist eine ausgebildete Sprecherin und das merkt man.
Patriarchat und Feminismus – wo kommen sie her, wo gehen sie hin? Und wo stehen sie gerade? Eine Einführung mit H(umor)-Faktor für interessierte Leser*innen. Inklusive Medikationsplan gegen das Patriarchat. Für mich war es eine erhellende und ermutigende Lektüre. Nur die Therapiesitzungen mag ich mit Katharina Linnepe in der Hauptrolle lieber.
Wenn das Patriarchat in Therapie geht von Katharina Linnepe
Das Konzept hat mich sofort angesprochen: klug, provokant, vielversprechend. Vor allem die Szenen, in denen das Patriarchat tatsächlich auf der sprichwörtlichen Couch liegt, fand ich brillant. Scharf beobachtet, originell, sprachlich stark.
Doch genau davon gab es viel zu wenig. Stattdessen dominieren lange erklärende Passagen, die sich für mich nicht immer logisch aus dem vorherigen ergeben haben. Der Übergang zwischen den Abschnitten war oft schwer nachvollziehbar, stellenweise wusste ich nicht mehr, worum es gerade ging. Die eigentliche Struktur wurde für mich erst spät erkennbar und da war die Enttäuschung schon da.
Ich glaube, mit anderen Erwartungen hätte mich das Buch deutlich mehr überzeugt. So blieb das Gefühl, ein starkes Konzept mit zu wenig konsequenter Umsetzung gelesen zu haben.
Bücher mit Fallgeschichten aus der Therapie lese ich gerne. Hier wird dieses Format als Gedankenspiel aufgegriffen, wie es denn wäre, wenn das Patriarchat, als Gesellschaftssystem, in dem wir leben, in Therapie ginge. Puh, es wäre kein angenehmer Klient. Umso angenehmer und kurzweilig fand ich die Lektüre. Katharina Linnepe zeigt psychopathische, narzisstische und machiavellistische Züge des Patriarchats auf. Auch hier als eine Art Gedankenspiel im Kontext "Das Patriarchat in Therapie", denn die genannten Merkmale wurden in der Psychologie zur Beschreibung von Personen, nicht Gesellschaftsformen entwickelt. Linnepe zeigt auf, wie sowohl Frauen und Non-Binäre, als auch Männer vom Patriarchat beeinflusst werden (nicht zum Positiven), wie beispielsweise Leistungsdruck, der auf dem Individuum lastet, dem Patriarchat und Kapitalismus perfekt in die Hände und spielt und von diesen erzeugt wird. Zum Abschluss gibt es erste Vorschläge, wie jede*r beginnen kann, sich auf den Weg der eigenen inneren Befreiung aus dem Patriarchat zu machen.
Ich bin bisher noch am Anfang meines Interesses zu kritischer Literatur rund ums Patriarchat. Für mich war das Buch genau richtig, ich konnte hier auch einige Anregungen für weitere Bücher mitnehmen.
Tolles Buch über die Historie des Patriarchats. Warum es ein Narzisst und ein Psycho-/Soziopath und leider austherapiert ist. Super spannend. Hat für mich leider wie immer den Effekt, dass ich vorher hoffe, danach genauso wie das Buch argumentieren zu können. Aber so sehr Schwamm, dass es alles einfach aufsaugen könnte, ist mein Gehirn leider doch nicht. Deswegen praktisch, wenn man es im Regal stehen hat.
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Ich glaub in meinen jungen, formativen Jahren wäre dieses Buch wie eine Art Weckruf gewesen. Jetzt als deutlich besser informierter Erwachsener gewinne ich leider wenig neues. Der etwas schlechte Humor ist leider auch der Grund für den fehlenden Stern, da ohne die Sketches zwischendurch das Buch besser dagestanden hätte. Nichts desto trotz würde ich es jemanden, der unentschlossen in seinem Denken wirkt, die informativen Stellen sehr ans Herz legen
Sehr anschaulich geschrieben, durch die satirisch humorvolle Perspektive ließt sich das Sachbuch dennoch sehr leicht. Es geht zwar auch viel um die Basics (für alle die schon gut im Thema drin sind ist dies zwar nur eine Wiederholung), aber durch viele zumindest mir unbekannte Studien und geht das Buch vorallem ab der Hälfte sehr tief in das Thema rein, was mir sehr gut gefallen hat.