Wer ein Ritter wird, entscheidet die Herkunft. Wer ein Ritter ist, entscheidet das Herz.
Idalir, die Stadt aus Stein und Schnee, ist seit tausend Jahren in einen Krieg mit den Drachen verstrickt. Flores, der junge Adelige mit der falschen Herkunft, wünscht sich nichts mehr, als seiner Familie Ehre zu machen. Inmitten eines Drachenangriffs taucht plötzlich ein Fremder auf: Raban, ein Arzt aus dem fernen Abrantes, den die Wissenschaft ins ewige Eis gelockt hat. Kaum angekommen, findet Raban sich in der Rolle des Lichtbringers wieder, eines göttlichen Gesandten, der den Drachenkrieg beenden soll. Flores ist bereit, für den Lichtbringer zu sterben. Doch der will das um keinen Preis zulassen.
Ein queeres Fantasy-Epos vor einer Kulisse aus Eis und Schnee, Schlittenhunden und ritterlicher Ehre, voll großer Gefühle und diverser Lebensentwürfe.
In Idalir, der eisigen Stadt der Elfen im hohen Norden, ist Flores, der uneheliche Sohn der adligen Tempeste, als Seneschall für die Verwaltung des Haushalts seiner Familie zuständig. Er lebt ein Leben zwischen den Stühlen – einerseits wird er als Adelsspross an den Werten der höchsten gesellschaftlichen Kreise gemessen, andererseits wird er von den meisten Mitglieder relevanter Familien bestenfalls als geduldeter Bediensteter betrachtet. Flores versucht, es so gut wie möglich allen recht zu machen und wartet darauf, sein Schicksal erfüllen zu dürfen, sich für den prophezeiten Lichtbringer aufzuopfern. Als dieser in Form des ahnungslosen Arztes Raban mitten in einem Drachenangriff plötzlich wirklich vor den Toren der Stadt erscheint, steht Flores‘ geordnete Welt Kopf.
Ach, das war wirklich herzerwärmende Lektüre. Eigentlich eher was für den Winter, aber warum nicht mal im warmen Mai was von ewigem Eis lesen. Flores ist jedenfalls unendlich niedlich und ich hätte ihm problemlose noch hunderte von Seiten dabei zusehen können, wie er auf kitschigste Art und Weise Raban anschmachtet. Es hätte peinlich sein können, wenn es nicht so dick aufgetragen gewesen wäre, dass es schon wieder klasse war – noch eine Kelle Schmalz? Aber bitte sehr! Sogar die Sexszenen entbehrten nicht einer gewissen Schnuckeligkeit. Sehr, sehr süß.
Der Clou des Buches ist, dass wir nicht dem großen, prophezeiten Helden Raban, sondern seinem „Handlanger“ Flores folgen. Dadurch verpassen wir manchmal relevante Ereignisse und Erkenntnisse der Heldenstory, bei denen Flores halt einfach nicht dabei war. Aber wir bekommen im Gegenzug die sehr interessante Perspektive einer Person zwischen den gesellschaftlichen Schichten, die es uns ermöglicht, den Umfang der Änderungen, die Raban herbeiführt, abschätzen zu können.
Flores hat als Vermittler zwischen den adligen Häusern, den bürgerlichen Bediensteten und den Armen vor den Toren der Stadt Einblicke in die jeweiligen Lebenssituationen und ein Interesse an allen gleichermaßen. Andererseits haben aber auch alle ein Interesse an ihm und seinen Möglichkeiten und wollen ihn zu ihren Gunsten beeinflussen. Im Grunde ist er mit seinem ehrbaren Vorhaben, es allen recht zu machen, in seiner ursprünglichen Position zum Scheitern verurteilt. Erst die Zusammenarbeit mit dem außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung stehenden Raban eröffnet ihm neue Perspektiven.
Wirklich gut gefallen hat mir
Vor diesem Hintergrund fand ich dann allerdings
Was ich nicht wusste vor der Lektüre, aber sehr mochte, war, dass das Buch in derselben Welt wie Krieg und Kröten spielt. Nicht, dass es besonders wichtig wäre, das zu wissen – aber das shared universe hat mir gut gefallen. Ich frage mich, ob Raban und Flores irgendwo mal noch einen Cameo-Auftritt haben werden?
Ein persönliches, dauerhaftes Highlight im Buch war, dass alle auftauchenden Figuren nachvollziehbare Beweggründe hatten. Alle relevanten Figuren fühlen sich „echt“ an, wie Personen mit privaten Interessen, einem Leben und Zielen. Mir ist keine Figur aufgefallen, die ein wandelndes Klischee gewesen wäre. Dazu gehört auch, dass die vorgelebten Beziehungen gesund wirken und auf gegenseitigem Respekt beruhen. Wirklich erfrischend.
Alles in allem ein sehr schön lesbares Buch für alle, die High Fantasy/Romantasy nachvollziehbaren Figuren und gesunden Beziehungsmodellen mögen.
7 Sorten Schnee hat einige Aspekte, die das Buch zu etwas besonderem machen: die Charaktere, die Welt, die Atmosphäre und dass es in vielen Dingen cozy ist, ohne dafür etwas opfern zu müssen. Auch der Schreibstil hatte absolut seine Momente. Einen Großteil des Buches habe ich sehr genossen, aber gerade zum Ende hin fällt dann doch auf, dass hier nicht das volle Potenzial der Figuren und der Handlung genutzt wird. Manche Entwicklungen fand ich plötzlich oder nicht ideal umgesetzt, manche Darstellungen etwas plump und die Liebesbekundungen (die erfreulicherweise spät und wenig kommen) ziemlich kitschig. Aber lieber ein Buch mit klaren Stärken und Schwächen, als eines, dass man schnell wieder vergisst. Für das, worin es gut ist, würde ich 7 Sorten Schnee auf jeden Fall empfehlen und an den anderen Rezis sehe ich, dass es sein Publikum findet.
Als ich zuerst bei Literatopia von „7 Sorten Schnee“ von Juri Pavlovic las, wusste ich sofort, dass ich diesen Roman lesen musste. Wie praktisch, dass es kurz vor Weihnachten gewesen war und das Buch dann tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum lag. Epische Fantasy mit Drachen ist einfach ein Muss! Erstes großes Plus ist definitiv, dass es ein Einzelband ist. Heutzutage findet sich Fantasy sonst immer nur in Reihen und es ist ermüdend. Juri Pavlovic schafft es allerdings, eine kompakte Geschichte in einen einzigen Band zu packen. Wobei ich sagen muss, dass ich gelegentlich doch ein paar Längen ausgemacht hatte. Zweites großes Plus ist Flores. Oh mein Gott, er ist so eine Zuckerschnute! Ich habe zwischenzeitlich schon ein bisschen sehr für ihn gesimpt, muss ich gestehen. Raban hat da echt einen großartigen Fang gemacht! Flores ist so eine gute und liebe Seele, und ich liebe all die kleinen Details, die ihn so Flores-haft machen. Selbst mitten im scheinbaren Weltuntergang schnappt er sich noch eine Schaufel Sand und streut Sand auf vereiste Stufen, damit niemand ausrutscht. Und dann ist er auch noch so unfassbar ehrenhaft und fair, dass er sich mitunter fast selbst ein Bein stellt (wofür ihn Gersande dann zurecht ausschimpft, der Dödel). Kurzum: Ich liebe ihn. Ob Raban teilt? Apropos Raban: Die Beziehung der beiden ist einfach Zucker. Für Flores ist es Liebe auf den ersten Blick, absolut niemand zweifelt daran. Raban braucht erst sein bi awakening, was dafür umso süßer ausfällt, als ihm klar wird, dass seine Gefühle für Flores Liebe sind und er die Erkenntnis hat, doch nicht hetero zu sein. Und oh mein Gott, sind die beiden einfach süß zusammen! Selten genug, dass ich mich für eine Romanze erwärmen kann, aber diese hier bringt selbst den Schnee in Idalir zum Schmelzen. Und ganz nebenbei ist der Sex auch ziemlich hot und spart die eine oder andere Ladung Torf zum Heizen. Mir gefallen all die vielen Details des Worldbuilding, die beim Lesen das Gefühl erwecken, wirklich am Leben in Idalir teilzunehmen. Dabei hat Juri Pavlovic sogar an die sprachliche Ebene gedacht, da die Leute in Idalir nicht wirklich ein Wort für ihr Volk haben, da es schlicht keine anderen Humanoiden so weit im Norden gibt, von denen sie sich abgrenzen müssen. Warum also dafür ein Wort haben? Dafür leuchtet aber ein, warum sie stattdessen sieben Worte für Schnee haben, was aus einer linguistischen Sicht absolut Sinn ergibt. Was ich mich aber frage, warum sie Elfen sein müssen. Abgesehen von den Ohren scheinen sie sich physisch nicht groß von Menschen wie Raban zu unterscheiden. Vielleicht ein bisschen größer im Körperbau, andere Hautfarbe, aber nichts, das es rechtfertigen würde zu sagen, dass sie keine Menschen sind. Interessant ist die Wahl der Erzählperspektive. Es mag erscheinen, als sei Raban die logischere Wahl als derjenige, der seine Heimat für eine jahrelange Reise hinter sich ließ, um eine legendäre Stadt zu finden, an deren Existenz niemand glaubt, und sich dann mit ihren fremdartigen Gebräuchen und Religion konfrontiert zu sehen. Stattdessen treten wir in die Perspektive des Einheimischen, dem ein Fremder wortwörtlich vor die Füße fällt. Flores ist eine unfassbar treue Seele und seinem Lichtbringer bedingungslos ergeben. Ich bin allerdings im letzten Drittel etwas hin und her gerissen, ob er nicht etwas zu leicht den ganzen Veränderungen seines Weltbildes folgt. Zugegeben, gerade am Anfang reagiert er ablehnend auf den äußeren Blick auf seine Kultur, den Raban bietet. Hier ergibt es dann Sinn, dass wir Flores‘ Perspektive einnehmen, da Raban sein Weltbild ordentlich durchwirbelt und Flores nach und nach zu der Erkenntnis kommt, dass er so einige Dinge hinterfragen sollte, die er für selbstverständlich gehalten hat, was in der Tat die spannendere Erzählperspektive bietet. Diesen Prozessen wird genug Raum gegeben und erfolgen auch Schritt für Schritt. Am Ende sind wir jedoch bei einer 180 Grad Wende angekommen, und Flores reitet sogar zusammen mit Raban auf einem Drachen, die er sonst zeit seines Lebens gefürchtet hat. Ich habe das Gefühl, dass es hier doch etwas zu schnell und mit zu wenig mentalem Widerstand vonstattenging. Zwischen „die Armen müssen nicht vor der Stadt leben, nur weil unsere Göttin ihnen diesen Platz zuwies, weil Keks“ und „ich reite mit meinem Geliebten einen Drachen, die ich bis jetzt für unsere 1000 Jahre alten Erzfeinde hielt“ lieg halt doch sehr viel. Davon abgesehen bleibt „7 Sorten Schnee“ von Juri Pavlovic ein spannender Roman mit einer ordentlichen Portion Action, Romantik und Spice. Die*r Autor*in schafft es mit einer tollen, eingängigen Sprache und detailliertem Weltenbau, die Stadt Idalir und ihre Einwohner lebendig zu gestalten, sodass die Lesenden Seite an Seite durch die frostigen Straßen laufen können. Auf jeden Fall eine dicke Empfehlung! P.S.: Hier haben sogar Drachen Neopronomen, was einen gewissen enby Buchdrachen sehr gefreut hat, hehe.
Potenzielle Trigger: - Tod, Gewalt gegen Menschen, Blut, Verstümmelung - Diskriminierung, Klassengesellschaft - Armut, Krankheit - Sex
Das ist mein erstes LGBT-Romantasy Buch. Da ich nicht zur Zielgruppe gehöre, spare ich mir eine Sternebewertung.
Ich finde das Buch ist eine nette und seichte Wochenendslektüre. Das Worldbuilding, die Dialoge und Charaktere sind gut genug damit keine Langeweile aufkommt.
Vermutlich liegt der Wert des Buches eher in den LGBT-freundlichen Charakteren/Gesellschaft und dem gemütlichen Weihnachtsfeeling. Wenn man zur Zielgruppe gehört dann findet sich hier mit Sicherheit die gewünschte Escapist-Fantasy.
Von daher erreicht das Buch vermutlich genau das, was erreichen wollte!
Was soll ich sagen? Juri trifft exakt den Sweetspot zwischen Action und Tiefe, Humor, der trotzdem nicht die emotionalen Momente untergräbt (ich hab geweint, das hab ich nicht oft!), liebenswerte Hauptcharaktere und Anragpnist*innen, deren Motivation man begreift, lebendiger Weltenbau ... Pageturner und sehr befriedigend.
Ich schließe mich in Jeder Hinsicht Huhns Review an, bin sehr angetan von diesem Roman. Besonders bemerkenswert fand ich, dass in einer Welt, in der Queerness so normal ist wie für uns ein Frühstücksbrötchen, es dennoch verkrustete Strukturen, Engstirnigkeit und auch eine gewisse Borniertheit gibt, von der der naive Held selber nicht ganz frei ist, da er nichts in Frage stellt, was sein Leben ausmacht. Umso bemerkenswerter, wie er damit umgeht, dass eigentlich alles, woran er glaubt, sich letztlich als Windei herausstellt.
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Wirklich schönes worldbuilding aber leider viiiel zu schnulzig für mich. Ohne die Romanze hätte ich das Buch um einiges lieber gelesen, so war ich leider etwas underwhelmed aber ich glaube diese Art Fantasy ist auch einfach nicht meins.
Kleiner Kritikpunkt: gegen Ende wird (soweit ich es erkannt habe) eine Person ein paar mal aus Versehen vom Buch misgendered. Außerdem gibt es glaube ich einen Logikfehler, da einer der Drachen stirbt aber im Epilog dann unerklärlicherweise wieder dabei ist?
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