Es ist das Jahr 1983. Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation und träumt von blauem Samtsakko und grauer Flanellhose. Doch seit er die Eltern belauscht hat, schwant ihm, dass daraus nichts wird. Hormanns sind pleite und wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. So erfinderisch die Eltern auch sind, eines können sie mit Geld umgehen. Was sie dagegen den Schein wahren, selbst als der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.
Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und absolvierte die Evangelische Journalistenschule in Berlin. Beim Internationalen Wettbewerb junger Autoren, dem Open Mike 2002, wurde ein Auszug aus dem Roman ›Der Frisör‹ preisgekrönt. ›Daily Soap‹ ist der vierte Fall des Frisörs. Christian Schünemann lebt in Berlin.
Ich muss leider zugeben, dass mich das Buch leider nicht mitgenommen hat. Auch wenn ich die Thematik von Geldsorgen in der Familie, Kommunikationsproblemen und das Beiseiteschieben von Problemen sehr relevant und allgegenwärtig ist, fehlte mir der Zugang zu den Personen und der Geschichte.
Mir hat gut gefallen, dass (bis auf die Geschwister) alle Personen mitsamt ihren Lebensweg beleuchtet wurden, was auch den ich sag mal „Nebencharakteren“ eine gewisse Tiefe verlieh. Jedoch konnte man die Beweggründe oder Gefühle der Charaktere immer nur erahnen, da jegliche Innensichten oder Emotionen der Charaktere unausgesprochen blieben.
Christian Schünemann sagte selbst im Nachwort, dass er den Charakteren andere Namen gab um bei diesem autobiografischen Werk die Distanz wahren zu können.
Leider war es mir durch diese Distanz, die er wahren wollte, nicht möglich, in das Buch einzutauchen, mitzufühlen und eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen.
Geldsorgen sind etwas, das viele Familien betrifft. Die meisten leiden ziemlich darunter, ziehen sich häufig aus der Gesellschaft zurück und wissen sich manchmal keinen Ausweg mehr. Dann gibt es wiederum Familien, die trotz aller Nöte immer wieder eine Lösung finden und sich nicht unterkriegen lassen. Um eine solche Familie geht es in Bis die Sonne scheint. Sie lebt in einem selbstgebauten Haus, das teilweise bereits auseinanderfällt. Die Eltern hatten bereits unzählige Jobs und Geschäftsideen, die alle aus den unterschiedlichsten Gründen daneben gingen. Nun scheint jedoch tatsächlich das Ende der Fahnenstange erreicht. Besonders für Daniel, der kurz vor seiner Konfirmation steht und gerne am Frankreichaustausch teilnehmen möchte, ist die Situation schlimm. Seine Eltern scheinen das Geschehen fast zu verdrängen, bitten den Sohn schließlich sogar selbst um Geld. Die Geschichte hat etwas tragikomisches, liest sich aber dennoch sehr leicht. Zwischendurch wird immer auch ein wenig die Familiengeschichte erzählt, die auch ein Stück deutscher Geschichte ist, angefangen um 1900 bis ins Jahr 1983. Mir waren es für die etwa 250 Seiten zwar ein bisschen zu viele verschiedene Personen (vier Geschwister, die jeweiligen Großeltern und etliche mehr). Letztlich störte ich mich aber nicht weiter dran. Bis die Sonne scheint ist trotz allem eine schöne Geschichte, die mich vor allem am Ende recht berührt hat. Mir gefiel die positive Einstellung der Familie sehr.
"Bis die Sonne scheint" von Christian Schünemann hat mich vor allem durch den Klappentext - eine Familiengeschichte mit Hindernissen - neugierig gemacht. Der Klappentext verspricht eine ernste, aber auch humorvolle und ironische Erzählung. Im Endeffekt war die Geschichte dann nicht ganz, was ich erwartet habe, aber dennoch eine angenehme, die mich nicht gelangweilt hat. Erst zum Ende des Buches ist mir durch das Nachwort bewusst geworden, dass sie zumindest in Teilen autobiografisch ist. Mich hat am ehsten der angenehme und flüssige Schreibstil durch das Buch getragen und auch die facettenreiche Betrachtung der Familie. Dabei waren für mich tatsächlich inbesondere die Rückblenden in das Leben der Großeltern des Protagonisten spannend. Die Haupt-Story war etwas träge und ging gemächlich voran, war jedoch nicht einschläfernd oder langweilig. An vielen Punkten habe ich mit dem Kopf geschüttelt, habe Entscheidungen nicht nachvollziehen können und mich gewundert. Somit war ich emotional auf jeden Fall in die Handlung verstrickt. Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen, vor allem wegen des angenehmen Schreibstils des Autors und den Rückblicken in die Vergangenheit. Die eigentliche Handlung konnte mich nur bedingt überzeugen, war aber auch angenehm zu lesen...
ein buch, das sich mir aufgedrängt hat (durch irgendwelche algorithmen in sozialen medien bekam ich immer wieder die werbung zugespielt), ein buch, das ich auch mögen wollte, ist es doch ein buch, dessen autor zuviel wollte. es schwebte ihm (siehe nachwort) vor, mehr als nur die eigene familiengeschichte zu erzählen, auch ein coming of age in den 80ern und beides miteinander zu einem deutschen panorama zu verbinden. stattdessen entwickelt das buch nur in den ich-erzähler-passagen wirklich leben, ohne dabei auch nur einen einzigen satz zu hinterlassen, der hängenbleiben würde. und der beeindruckende historische hintergrund ist letztlich nur beiwerk. beides steht nebeneinander und am ende habe ich nur noch durchgeblättert, um herauszufinden, ob wenigstens der erzählstrang noch zu einer irgendwie anrührenden auflösung führt.
Es ist das Jahr 1983. Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation und träumt von blauem Samtsakko und grauer Flanellhose. Doch seit er die Eltern belauscht hat, schwant ihm, dass daraus nichts wird. Hormanns sind pleite und wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. So erfinderisch die Eltern auch sind, eines können sie nicht: mit Geld umgehen. Was sie dagegen beherrschen: den Schein wahren, selbst als der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.
Kurzmeinung / Leseerlebnis
Vielen Dank an Netgalley und Diogenes Hörbuch für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Als Gen X Kind der 70er freue ich mich immer über solche Geschichten. Diese ist extrem alltäglich, es werden also ständig Alltagssituationen ohne großen Plot geschildert. Die Sprache ist dabei durchaus einnehmend. Die Sprecherin erscheint etwas androgyn, so dass männliche und weibliche Charaktere durchaus auf ihre Kosten kommen. Insgesamt eine Lektüre, die mich zwar gut unterhalten hat, aber eher weniger in Erinnerung bleiben wird.
Thank you to NetGalley and the publisher for access to this audiobook!
in "Bis die Sonne scheint", Schünemann not only tries to fictionalise his own family history, but also show the coming of age of several generations of Germans with their unique issues.
Sadly, this book did absolutely nothing for me, emotionally or stylistically. The life stories were interesting enough, but I personally felt like they were not crafted with a lot of literary skill, and instead were just rattled off, without much focus given to the emotions, the wider sociopolitical happenings, or the stylistic representation of these experiences.
When I read a novel, I expect a skillful crafting of language, I expect it to evoke emotions, I expect it to leave me with something to think about, but sadly, this novel failed at all of this.
The narration did a good job with the text given, but sadly, it is difficult to save a text through narration alone, and the narrator wasn't OUTSTANDING either. Not bad, but nothing special.
In allen Lebenslagen Contenance bewahren! Was tut man, wenn das Dach löchrig ist, wie ein schweizer Käse, aber kein Geld zum Renovieren da ist? Man stellt überall im Haus Eimer, Töpfe, Tassen, Gläser und Schüsseln auf und hofft auf lange Dürrezeiten. Es ist aber auch kein Geld für den Schüleraustausch nach Frankreich, kein Geld für einen Konfirmationsanzug, kein Geld um Schulden zu bezahlen, gar kein Geld. Wenn mal etwas Geld zufällig da ist, wird stilvoll auswärts diniert oder im Delikatessenladen eingekauft. Der Gerichtsvollzieher steht vor der Tür, aber da nur die Kinder daheim sind, darf er nicht das Haus betreten. Die Familie versteht es, zu repräsentieren, der Welt und den Verwandten eine heile Welt und gesunde Finanzen vorzuspielen. Die Eltern sind so aufgewachsen, Siegfried von seiner Mutter Henriette gedrillt und geschlagen und Marlene von ihrer Mutter Lydia herumkommandiert und fremdbestimmt. Aber Großmutter Henriette hatte ihrerseits und zu ihrer Zeit das NS Regime unterstützt, lag ihrem Mann, der Polizist war, in den Ohren, er solle endlich in die NSDAP Partei eintreten, um Karriere zu machen. Nach dem Krieg darf er nicht zurück zur Polizei, er macht einen Friseursalon auf. Später, im Alter, als er krank wird, verbannt ihn Oma Henriette in einem Anbau neben dem Haus, mit einem separaten Eingang für die Pflegerin. Henriette ist von sich selbst überzeugt und auch überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. #Die Einwände ihres Sohnes Siegfried, dass sie nach dem Krieg kein Familienleben hatten und Vater als Wrack aus dem Internierungslager zurückkam, fegt sie achtlos beiseite: “Du warst von allen der Sensibelste… Und hast so schöne Gedichte geschrieben”. Henriette stößt mit unumstößlicher Gewissheit aus: “Ich habe alles richtig gemacht!..."Und er da oben, der Herrgott, weiß, dass ich recht habe…” (S. 92 - 93). Dabei war sie eine “Rabenmutter”, hat ihre Kinder vernachlässigt und nur ihre eigenen Interessen verfolgt. Interessant ist, der Vater trat in die Partei erst spät ein, als der Krieg schon ausgebrochen war, er wurde unter Zwang in die SS gesteckt, hat nie mitgemacht, hat aber trotzdem die Tötungen und Transporte gesehen. Seine Frau hat das nie sehen wollen. Und Hans-Hermann, Freund und vielleicht Liebhaber der Mutter, “...in der NS-Zeit leitende Positionen bekleidete und als Laienrichter am Volksgerichtshof Todesurteile unterzeichnete, wir din einem Spruchkammerverfahren als minderbelastet eingestuft und von allen Vorwürfen freigesprochen.” (S. 124). Es tut richtig weh, mit anzusehen, wie Vater und Hans-Hermann ihr Leben meistern oder eben nicht. Henriette, die von sich behauptet, immer alles richtig getan zu haben und nur das Beste für alle wollte, richtet sich daheim ein eigenes Zimmer ein, in dem sie Feinkost zu sich nimmt, während ihre Kinder und ihr Mann in der Küche Steckrüben essen. Marlene hätte ihrerseits gerne Abitur gemacht und studiert, das Zeug dazu hätte sie ja gehabt, aber Lydia zwang sie eine kaufmännische Lehre zu machen und so schnell wie möglich Geld zu verdienen. Ihre ältere Schwester heiratet nach Amerika. Von dort wird sie Marlene ständig unterstützen, Pakete und Geld schicken. Denn Siegfried und Marlene verdienen zwar Geld und nicht schlecht, aber sie können damit nicht haushalten. Es zerrinnt ihnen unter den Fingern, sie treffen falsche Entscheidungen und versuchen mit allen Mitteln, die Contenance zu verwahren. Anfangs hielt ich sie für Verschwender (sind sie ja auch), aber sie sind Opfer der Umstände, in denen sie aufgewachsen sind. Sie lassen zwar die Kinder vor dem Gerichtsvollzieher alleine, lassen sie aber nie wirklich im Stich. Und das macht diese Generation besser, als die beiden Großmütter es getan haben. Wie Großmutter HEnriette wohl auf das große Konkursverfahren ihres Sohnes reagiert hat? Eine Familie mit drei Kindern, finanziell ruiniert und ein Dach wie ein Sieb, und trotzdem Haltung bewahrt, Chapeau! Wenn sie heute das Auto vom Titelbild verkaufen würden, wären sie den Gerichtsvollzieher schon mal los. Von manchen Verlagen wurde ich schon enttäuscht, die Bücher in ihrem Programm waren nicht immer die Besten (zumindest meiner Meinung nach), aber bei Diogenes werden meine Erwartungen erfüllt und übertroffen. Wählt der Autor den Verlag? Dann hat Schünemann gut gewählt.
Die Hormanns leben nach dem Motto mehr Schein als Sein, sie ver(sch)wenden ihre Energie eher darauf, ihr bisheriges Leben weiterzuführen und sich irgendwie durchzuschlängeln, auch wenn die Geldquellen schon lange versiegt sind. Und wenn doch mal was eintrifft, wird es sofort wieder ausgegeben für Kuchenberge, für Restaurantbesuche und auch mal für einen Urlaub zwischendurch. Der Gerichtsvollzieher hat die amtlichen Pfandsiegel auf Fernseher, Klavier und auf alle sonstigen verwertbaren Gegenstände geklebt, was sie nicht anficht, da der Kuckuck eher dezent an einer nicht sofort sichtbaren Stelle klebt.
Alles beginnt damit, dass Daniel von einem blauen Samtsakko mit grauer Flanellhose träumt. Er will diese Kombination zu seiner Konfirmation tragen, was angesichts der finanziellen Misere seiner Eltern eher Utopie bleibt – wir schreiben das Jahr 1983.
Vater Siegfried, Mutter Marlene und ihre vier Kinder leben in einem Bungalow, den sie überwiegend in einer Zeit gebaut hatten, als sie beide noch in Lohn und Brot standen. Irgendwann dann macht Siegfried sich selbständig, was nicht die beste seiner Ideen war, denn von nun an gings bergab. Die beiden Omas – Henriette und Lydia – wissen nichts von der ständigen Geldknappheit, auch die Kinder sind nicht informiert, bekommen aber doch so einiges mit.
Christian Schünemann erzählt von der Familie und deren Mitglieder, wie sie heute leben und von den beiden Herkunftsfamilien. Mal ist er bei Marlene in jungen Jahren, sie ist als Buchhalterin tätig. Sie ist ein kluges Mädchen, das sich stetig weiterentwickelt. Auch von Siegfried erfahren wir so einiges, er hätte als Beamter Zeit seines Lebens ein sicheres Einkommen gehabt. Lydia etwa kommt in Oberschlesien zur Jahrhundertwende zur Welt, ihre Mutter verstirbt im Kindbett, Vater steht mit fünf Kindern alleine da. Ihr Weg wird wie auch der der anderen skizziert, man bekommt ein gutes Gespür für die einzelnen Personen.
Die Erzählung wechselt zwischen den Zeiten und den einzelnen Charakteren, was anfangs ein wenig irritierend war. Bald aber war ich mit diesen Zeitsprüngen vertraut und konnte die Eskapaden der Hörmanns so richtig genießen. Wenngleich ich ob ihrer Unbekümmertheit den Kopf geschüttelt habe, so war die Lektüre ein gar amüsantes Unterfangen. Wie kann man nur? Wie konnte es so weit kommen? Sowohl Siegfried als auch Marlene hatten einen guten Start, sie hatten ein sicheres Einkommen, von ihren Höhenflügen konnten sie jedoch nicht mehr lassen, ihre Ansprüche trotz Geldknappheit nicht mehr zurückfahren. Und so machen sie sich auf den Weg: „Wir fahren so lange, bis die Sonne scheint.“ Was solls – nobel geht die Welt zugrunde.
Das Nachwort verrät, dass der Autor durch seine Familiengeschichte zu diesem Buch inspiriert wurde - er vermittelt das Lebensgefühl dieser Jahre mit einer Leichtigkeit, die dem Thema die Schwere nimmt. Für mich ist es ein gelungenes Porträt einer Familie, das auch die Kriegs- und Nachkriegszeit nicht auslässt und das die Wohlstandsgesellschaft gut charakterisiert. Alles in allem eine rundum stimmige Geschichte, die mich schon auch nachdenklich zurücklässt, die mich aber dennoch bestens unterhalten hat.
Westdeutschland, 1983: Daniels Eltern sind pleite. Der 14-Jährige hätte sich auf einen schönen Konfirmationsanzug und auf den Schüleraustausch in Frankreich gefreut, aber ob damit etwas wird, ist ungewiss. War das bisherige Leben der sechsköpfigen Familie bislang gutbürgerlich angenehm, kämpfen sie nun darum, nicht auch noch ihr Haus zu verlieren. Doch immer wieder verschließen die Eltern die Augen vor der Realität und Daniel ist gefangen zwischen seinen Träumen und der bitteren familiären Realität.
Christian Schünemann zeichnet in "Bis die Sonne scheint" ein liebevolles Portrait der 80er Jahre mit vielen Anleihen an die Popkultur und lässt seinen Protagonisten Daniel trotz der familiären Krise humorvoll und jugendlich auftreten. Abwechselnd verfolgen wir seine Geschichte: seine Freundschaft zu Zoe und seiner Bewunderung für den Austauschschüler Jean Pierre, aber auch wie er aus beobachtender Rolle den Abstieg seiner Familie wahrnimmt. In einem zweiten Erzählstrang werden die Hintergründe ihrer Familiengeschichte näher betrachtet: wie es den Großeltern im Nationalsozialismus ergangen ist und wie sich die Zeit danach gestaltete; wie Daniels Eltern Marlene und Siegfried aufwuchsen und wie sie sich schließlich kennenlernten, gemeinsam Eltern wurden und Wohlstand aufbauten.
Spannend ist, wie unterschiedlich die Sprache der beiden Erzählstränge ist. Daniels Episoden sind trotz der schwierigen Lage humorvoll erzählt, zudem sind am Anfang jedes Daniel-Kapitels französische Sätze samt Übersetzung, die das Folgende andeuten; wohingegen die historischen Familienrückblicke in einer äußerst nüchternen Betrachtungsweise geschildert werden. Nichtsdestotrotz nahmen mich die Blicke in die Vergangenheit mehr ein, als der gegenwärtige Erzählstrang um Daniel. Das mag auch daran liegen, dass ich bis zum Schluss kaum eine Verbindung mit dem 14-Jährigen herstellen konnte, war mir seine Zeichnung irgendwie zu oberflächlich und - irgendetwas fehlte mir. Auch die anderen Figuren waren für mich wenig greifbar, aber ihr Schicksal war trotz der Nüchternheit ergreifend.
Es ist nun eine Woche her, dass ich das Buch gelesen habe und ich musste erschrocken feststellen, dass ich mich kaum noch daran erinnern konnte - erst das Nachlesen im Buch und das Durchlesen einiger Rezensionen brachten die Erinnerungen zurück. So etwas passiert mir doch recht selten, ich lasse mir eigentlich immer Zeit, um das Gelesene nachwirken zu lassen. Nun kann ich mich aber auch daran erinnern, dass das Ende für mich viel zu offen war und ich mir einen Schluss gewünscht hätte, der einem die Möglichkeit gibt, dem Protagonisten noch eine hoffnungsvolle Zukunft anzudenken. Immerhin ist die Geschichte, wie uns der Autor im Nachwort wissen lässt, auf seiner persönlichen Biografie basierend. Trotzdem das Buch angenehm zu lesen war, wird es mir wie Daniels Eltern gehen: ich werde die Existenz dieser Geschichte (erneut) aus dem Gedächtnis verdrängen.
Christian Schünemann entführt in die 1980er Jahre – und da ich selber ein Kind der 1980er bin, war ich natürlich gespannt, ob er mich auch in meine eigene Vergangenheit katapultiert und ob er die Atmosphäre gut treffen wird.
Im Mittelpunkt steht eine in Westdeutschland lebende Familie, die in finanzielle Not gerät und dadurch langsam ihren sozialen Status verliert. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Sohnes, beginnend im Jahr 1983, seinem Konfirmationsjahr. Aus seiner fast noch kindlichen Perspektive erlebt man, wie finanzielle Sorgen, familiäre Spannungen und gesellschaftlicher Druck die Familie immer mehr belasten. Dabei scheint das Wichtigste zu sein, nach außen nicht das Gesicht zu verlieren - und das hat es für mich schwer greifbar gemacht.
Parallel zu der Handlung in den 1980ern gibt es immer wieder Rückblenden in das Leben der Großeltern. Sie erzählen von Krieg, Flucht, Entwurzelung und Neubeginn – und liefern den Hintergrund dafür, wie die Eltern zu denen wurden, die sie sind.
Diese zweite Zeitebene ist durchaus spannend erzählt und für sich genommen lebendig – gerade hier hat mich der Roman teilweise mehr gepackt als in der Gegenwart. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zur Hauptgeschichte lose. Erst im Nachwort wird deutlich, dass der Roman autobiografische Züge trägt – das wirft ein anderes Licht auf die Struktur, macht sie aber nicht zwingend stimmiger.
Die Erzählweise in der 1980er-Ebene ist eher langsam, dafür aber wird die Atmosphäre dieser Zeit oft sehr schön eingefangen – in kleinen Beobachtungen, in beiläufigen Dialogen, in Alltagsgesten, die mich dann an meine eigene Kindheit erinnert haben. Leider war dieses Gefühl aber immer nur punktuell und hat mich nicht durchgängig in dieser Zeitebene begleitet.
Die Figuren sind eher zurückhaltend gezeichnet und mir dadurch die ganze Zeit über eher fremd geblieben. Dabei kommt mir der kindliche Erzähler noch am nächsten – seine Eltern sind für mich gar nicht fassbar, und ihre Konflikte bleiben unter der Oberfläche. Die Großeltern sind wiederum greifbarer, sicher auch, weil sie mehr Raum bekommen haben und durch die Schilderungen ihrer Erlebnisse nahbarer waren.
Der Schreibstil ist ruhig, flüssig, gerade der Ton des kindlichen Erzählers ist gut getroffen. Der Sprecher Markus Meyer passt mit seiner Stimmfarbe zum Ich-Erzähler, ist insgesamt aber eher neutral. Insgesamt war das Hörbuch unterhaltsam, wird mir aber eher nicht lange in Erinnerung bleiben.
Mein Fazit Es ist eine ruhige Geschichte, in der es einen Erzählstrang in den 1980er Jahren gibt, deren Atmosphäre gut eingefangen wurde, und einen zur Kriegs- und Nachkriegszeit, in der die Großeltern des kindlichen Ich-Erzählers ihr Erleben schildern. Ich habe das Hörbuch gerne gehört und fand es kurzweilig und unterhaltsam – lange im Gedächtnis wird es mir aber eher nicht bleiben.
Inhalt siehe Klappentext. Ich kannte den Autor Christian Schünemann bisher nicht; die Inhaltsangabe hat mich neugierig gemacht, nachdem mir der lässige Typ, der am braunen Auto lehnt, auf dem sonst, typisch Diogenes-Verlag, weißen Titelbild aufgefallen ist. Erzählt wird aus Sicht von Daniel, der 1983 vierzehn Jahre alt ist und sich auf seine Konfirmation und den Frankreich-Schüleraustausch freut. Er und seine 3 Geschwister sind ein sorgloses Leben gewohnt, wissen nicht, wie der Kontostand der Eltern aussieht. Über Geld redet man natürlich nicht mit Kindern (das war in meiner Kindheit und Jugend auch so - wir informieren unsere Kinder zumindest grob) und nach außen muss der Schein gewahrt werden. Typische Dinge aus den 80ern fallen dem Leser ins Auge, wenn man selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist, angefangen bei Dosenwurst, RAF-Plakaten in der Postfiliale, Maggi beim Krämer über beigefarbene Autos, Flokatiteppiche, etc. Die „drei Stufen runter zum Kaminzimmer“ kenne ich aus meiner Kindheit, das war auch etwas tiefer gebaut als das Wohnzimmer. Im Laufe der Geschichte erfährt man aus der Vergangenheit von Vater Siegfried, Mutter Marlene, Oma Henriette und Oma Lydia, was der Krieg mit ihnen allen gemacht hat, wie die Eltern zusammenkamen und wie der Traum vom Eigenheim wahr wurde - und später platzte. Es ist erstaunlich, wie normal die Eltern weiterleben, als sei nichts passiert, als stünden sie nicht am Rande ihrer Existenz. Verdrängen funktioniert hier recht gut, mir tun die Kinder leid, die nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben, die keine falschen (oder nicht die besten) Entscheidungen getroffen haben, die einfach mitgezogen wurden. Nicht besonders hilfreich waren die Zinssätze, die damals in die Höhe stiegen, aber wer konnte das wissen? Man merkt aber auch, dass sich an jeden Strohhalm, der sich bietet, geklammert wird, egal, der wievielte Versuch es ist, endlich wieder Fuß zu fassen, auch wenn es erneut schiefgehen kann. Durchhalten können Siegfried und Marlene, das ist klar, aber zu welchem Preis? Christian Schünemanns Roman lässt sich sehr flüssig lesen, vielleicht findet man sich an manchen Stellen selbst wieder. Das Nachwort hilft sehr, das Gelesene Revue passieren zu lassen, man versteht die Geschichte der „Hormanns“ danach noch besser. Mir hat das Buch, das nur 256 Seiten hat, die es aber in sich haben, gut gefallen, es regt zum Nachdenken an und zeigt, wie vergänglich Geld ist und was man wirklich braucht, um glücklich zu sein - und sei es der Sonnenschein. 5 Sterne und Leseempfehlung gibt es von mir - und Zoes Mixtape war das Highlight zum Schluss.
Ein Bruch mit der Gewohnheit Daniel träumt 1983 vom blauen Samtsakko für seine Konfirmation, hört aber zufällig, dass seine Eltern pleite sind. Der sechsköpfigen Familie Hormann fehlt es überall an Geld, weil die Eltern trotz vieler Einfälle einfach nicht damit umgehen können. Dabei ging es ihnen einmal recht gut mit der eigenen Firma, die durch Selbstbau-Verfahren vielen Menschen ein eigenes Haus ermöglichte. Als die Aufträge zurückgehen, verkauft Vater Siegfried Wasserfilter, Mutter Marlene Wolle. Dennoch kommt es zur Zwangsversteigerung, von der die Großmütter nichts erfahren sollen. Den Schein wahren, das können die Hormanns, auch wenn alles bergab geht. Dann steigen sie einfach ins Auto und fahren Richtung Sonne. Hinter Leineneinband und typischem Diogenes-Cover verbirgt sich auch inhaltlich Wertvolles. In kurzen Kapiteln erfahren wir die Familiengeschichte der Hormanns. In der Gegenwartsschiene aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Ich-Erzählers Daniel, im Vergangenheitsstrang das Schicksal der beiden Großmütter über eine Erzählerstimme. Daniels Geschichte wird jeweils von deutsch-französischen Wortpaaren eingeleitet, die sich dann im Text wiederfinden, und ist in der Vergangenheitsform verfasst. Das Leben der Vorfahren wirkt durch die Verwendung der Gegenwart recht greifbar und authentisch. Der Schreibstil ist sehr angenehm, leicht zu lesen, aber inhaltsreich und glaubwürdig. Die Handlung, sowie auch die Charaktere sind sehr authentisch. Obwohl die Familie über keine Rücklagen verfügt, und zu leben scheint, als gebe es kein Morgen, wirkt die Geschichte niemals trostlos oder gar deprimierend. Sie ist glaubwürdig, mit einer Leichtigkeit verfasst und nie wertend. Das mag auch am jungen Ich-Erzähler liegen, der mit einer gewissen Naivität an die Familiensituation herangeht. So bleibt die Grundstimmung immer positiv und menschlich. Durch eine Art (Galgen-)Humor wird klar, dass eben irgendwo doch immer die Sonne scheint. Das Buch spiegelt sehr gut die Atmosphäre der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts wider, arbeitet aber auch die Situation der Kriegsgeneration heraus, die durch Entbehrung, Flucht und Vertreibung eine ganz andere Ausgangssituation hatte als ihre Nachkommen. Die Geschichte zeigt dadurch auch gut, dass unsere Entscheidungen oder eben auch Fehlentscheidungen stark von unserer Vergangenheit, unseren Erinnerungen und unserer Wahrnehmung abhängig sind. Schünemann ist hier ein absolut lesenswerter Roman gelungen, der fesselt, ohne über viel Spannung zu verfügen.
Ich finde das Cover ganz okay, man weiß sofort, dass es um die 80er geht. Mehr hat es mit dem Buch aber wohl nicht zu tun. Den Leineneinband finde ich sehr schön. Der Autor beschreibt hier seine Erinnerungen an eine kurze Zeit in seiner Jugend, und zwischendurch in sehr kurzen Kapiteln über die Geschichte seiner Familie, das Ganze aber in fiktionalisierter Form.
Mich haben die Fülle an Namen und die Zeitsprünge immer wieder sehr verwirrt und irritiert, vor allem wenn ich das Buch weggelegt und nach einer Weile wieder weitergelesen habe. (Als Beispiel die Namen auf zwei Seiten innerhalb eines Kapitels: Frieda, Angela, ihr Münsterländer, Boris, Luna (vermutlich der Münsterländer?), Zoe, ihr Vater, Jean-Philippe.) So konnte ich mich mit dem Erzählstil leider nicht anfreunden. Auch die französischen Vokabeln am Anfang der Kapitel fand ich eher irritierend. Auch am Lektorat könnte noch gearbeitet werden, ich halte Wiederholungen in so einem kurzen Buch das auch etwas erzählen möchte für nicht besonders sinnvoll. (Beispiel: S. 45: "Marlene hat braungrüne Augen und schwarze Haare wie der Vater, während Ingeborg, blond und blauäugig, nach der Mutter geht. "; S. 79: "Ingeborg ähnelt mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen der Mutter, während Marlene mit ihren schwarzen Haaren und den braungrünen Augen nach dem Vater kommt.") Auch Kleinigkeiten haben mich gestört, zum Beispiel wie mit den Hunden umgegangen wird, und auch der Umgang mit Geld und allgemein den Dingen in der Familie, machen mich einfach wütend, vor allem nachdem ich herausgefunden habe, dass die Geschichte echt ist. Auch die Familiengeschichte hat mich leider nicht so berührt, dafür hätte ich ein bisschen mehr Zeit mit den einzelnen Personen gebraucht.
Ich vermute, ich bin einfach nicht Zielgruppe dieses Buches. Wenn man die 80er erlebt hat, wird man bestimmt vieles wiedererkennen, und es mag dann auch eine nostalgische Stimmung aufkommen. Insgesamt weiß ich irgendwie nicht so richtig, was das Buch jetzt sein wollte, und es wirkt auf mich, als habe der Autor das Buch vor allem für sich selbst geschrieben, ohne potentielle Leser*innen im Blick.
Klappentext: Es ist das Jahr 1983. Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation und träumt von blauem Samtsakko und grauer Flanellhose. Doch seit er die Eltern belauscht hat, schwant ihm, dass daraus nichts wird. Hormanns sind pleite und wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. So erfinderisch die Eltern auch sind, eines können sie nicht: mit Geld umgehen. Was sie dagegen beherrschen: den Schein wahren, selbst als der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.
„Bis die Sonne scheint“ von Christian Schünemann ist die Geschichte eines Sommers im Jahr 1983.
Im Mittelpunkt steht Daniel Hormann. Sein Austauschschüler, mit dem er sich gut verstanden hat, ist abgereist. Jetzt steht seine Konfirmation kurz bevor. Daniel freut sich darauf und hofft auf ein schönes Samtsakko, das er tragen darf. Doch es kommt alles ganz anders. Seine Familie ist pleite. Daniels Eltern versuchen es zwar zu ignorieren und nach außen hin sich nichts anmerken zu lassen. Aber eins ist Fakt, es ist kein Geld mehr da.
Christian Schünemann erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Daniel. Ich mochte Daniel recht schnell, er ist ein intelligenter Junge, den das Schicksal seiner Eltern hart trifft. Daniel erzählt aus seinem Leben, wo das Hauptaugenmerk auf den Sommer 1983 gerichtet ist. Dabei wird die Zeit gut eingefangen, die Kleidung, die Wohnungseinrichtung wird alles deutlich beschrieben. Es gibt aber Rückblenden in das Leben von Daniels Eltern und Großeltern. Das macht die Geschichte zwar abwechslungsreich und interessant. Diese Rückblenden sind aber sehr kurz und oberflächlich gehalten. Da hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch hätte ich mit noch etwas mehr über die finanzielle Notlage der Eltern und wie es dazu gekommen ist gewünscht.
Der Sommer und das Leben von Daniel werden gut geschildert. Ich konnte mich gut in den Jungen hineinversetzten. Der Schreibstil von Christian Schünemann ist flüssig und gut verständlich.
„Bis die Sonne scheint“ ist trotz kleiner Anmerkungen ein lesenswerter Roman.
"Wir hatten einen Plan und eine Aufgabe, die dem Nachmittag einen Sinn und dem Leben eine Normalität geben würden."
Christian Schünemann gelingt mit "Bis die Sonne scheint" ein anrührender Roman, der das glaubhafte Porträt einer Familie in den 80er Jahren zeichnet. Im Mittelpunkt steht der fünfzehnjährige Daniel, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Seine Erlebnisse als Jugendlicher prägen den Roman ebenso wie die Einblicke in die familiären Hintergründe seiner Eltern Marlene und Siegfried und in die Vergangenheit von Daniels Großeltern.
Der Roman überzeugt durch seinen authentischen 80er-Jahre-Flair, einer Zeit ohne soziale Medien, in der das Leben noch viel unmittelbarer und greifbarer erscheint. Besonders eindrucksvoll ist die Art und Weise, wie der tägliche Kampf der Familie ums wirtschaftliche Überleben geschildert wird. Trotz aller Herausforderungen bewahren sich die Hormanns ihren Humor, was sich immer wieder in den zahlreichen, sehr amüsanten Anekdoten zeigt.
Die Erzählstruktur ist stimmig: Schünemann wechselt zwischen Daniels persönlichem Erleben und den Erfahrungen der Eltern, wodurch das Familienschicksal lebendig erfahrbar wird. Allerdings gibt es eine Vielzahl von handelnden Personen, weshalb ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen wäre, um besser den Überblick halten zu können.
Der Schreibstil ist angenehm lesbar, flüssig, die Charaktere empathisch. Leider verliert die Geschichte zum Ende hin etwas an Spannung und Dramatik – hier hätte ich mir einen stärkeren Abschluss gewünscht.
Dennoch bleibt "Bis die Sonne scheint" eine lohnende Lektüre, die auf berührende Weise daran erinnert, dass sich das Leben nicht nur um beruflichen Erfolg dreht. Es ist eine Reise zurück in eine Zeit, in der andere Werte im Mittelpunkt standen – eine Geschichte über Familie, Zusammenhalt und die kleinen, aber bedeutsamen Momente des Lebens. Lesenswert.
BIS DIE SONNE SCHEINT Christian Schünemann 1983: Daniel Hormann fühlt sich ungerecht behandelt: Seine Konfirmation steht bevor, doch ein passender Anzug fehlt ihm noch - dabei hatte er sich längst einen ausgesucht. Das festliche Essen im teuren Restaurant wurde gestrichen, die Gästeliste von seiner Mutter drastisch gekürzt, und er ahnt bereits, dass auch seine erhofften Konfirmationsgeschenke schrumpfen werden. Bei seinen drei älteren Geschwistern spielte Geld damals keine Rolle. Man gab großzügig aus, denn Vaters Architekturbüro florierte und die Bauwirtschaft boomte. Doch nun scheint sich Vaters neueste Geschäftsidee - der Verkauf von Wasserfiltern - nicht auszuzahlen. Vorübergehend müssen sie daher von dem Strickgeld leben, das die Mutter für jeden selbstgestrickten Pullover vom kleinen Wollladen erhält. Aber das ist natürlich nur eine Übergangsphase - eine Zwangsversteigerung des schönen Bungalows am Waldrand, so beteuert der Vater, werde es nicht geben.
Wer jedoch glaubt, dass die Familie nun sparsam lebt, irrt sich. Delikatessen werden im Feinkostladen angeschrieben, gemütliche Restaurantbesuche mit Rumpsteak stehen weiterhin auf dem Programm, und um den Anblick der ungeöffneten Rechnungen zu vermeiden, reist man kurzerhand an die Côte d’Azur.
Christiane Schünemann erzählt hier die Geschichte seiner Familie. Besonders gefallen haben mir die vielen kleinen Rückblicke auf die Großeltern. Der Schreibstil ist leicht und flüssig - man fliegt nur so durch die kurzen Kapitel. Mehrmals hatte ich das Gefühl, an eigene Kindheitserinnerungen erinnert zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass der Autor nur ein Jahr älter ist als ich.
Fazit: Ein buntes Potpourri aus Familienerzählungen der 70er- und 80er-Jahre - wunderbar gelungen! Daher spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus. 4/5
Zu seinem Roman „Bis die Sonne scheint“ hat sich der in Berlin lebende Autors Christian Schünemann durch seine eigene Familiengeschichte inspirieren lassen.
Die Handlung beginnt 1983 in Norddeutschland in der Nähe von Bremen. Der 14-jährige Daniel Hormann freut sich auf seine bevorstehende Konfirmation und träumt von einem Samtsakko. Allerdings hat seine Mutter bereits die Feier ordentlich zusammengestrichen und ihm wird klar, dass seine Konfirmation deutlich kleiner ausfallen wird, als die seiner drei älteren Geschwister. Seine Eltern Marlene und Siegfried sind Pleite, haben sich verkalkuliert, das Haus müsste dringend renoviert werden und dennoch leben sie über ihre Verhältnisse, um den Schein zu wahren.
Der Schreibstil von Christian Schünemann ist angenehm ruhig. Es gelingt ihm gut die Atmosphäre der 1980er Jahre einzufangen und ich fühlte mich direkt zeitlich zurückversetzt. Beim Lesen kamen bei mir viele Erinnerungen aus dieser Zeit hoch.
Das Familienleben der Hormanns wird authentisch aus der Sicht von Daniel geschildert. Seinen Unmut über das Verhalten seiner Eltern konnte ich gut nachvollziehen. Ihnen ist es wichtig den Schein zu wahren, aber Daniel muss zurückstecken. Zwischendurch gibt es Kapitel aus der Vergangenheit anderer Familienmitglieder. Diese Rückblenden machen deutlich aus was für unterschiedlichen Familien Marlene und Siegfried kommen und wie sie zu den Menschen, die sie sind, geworden sind.
In seinem Nachwort berichtet der Autor, dass er sich durch die Briefe seiner Mutter an seine Tante zu diesem Roman inspirieren ließ und seine Familiengeschichte als Grundlage diente. Das Buch ist wie eine Reise in die 1980er Jahre, an der ich gerne teilgenommen habe.
Na gut, ich geb’s zu: Ich dachte, „Bis die Sonne scheint“ von Christian Schünemann wäre so eine dieser biederen Kindheitsrückblick-Romanchen mit Sepiafilter im Kopfkino. Falsch gedacht! Dieses Buch hat mich mit einem Schulterzucken in die 80er geschubst – mitten hinein in Daniels Welt, wo die Tapete muffelt, das Geld nie reicht und die Eltern trotzdem die perfekte Vorstadtfassade polieren, als hätten sie nix Besseres zu tun. Herrlich absurd und irgendwie tragikomisch.
Daniel, kurz vorm Erwachsenwerden, träumt von Flanell und Samt (ja, Samt!), während um ihn herum das finanzielle Kartenhaus dramatisch, aber mit Anstand in sich zusammenfällt. Die Hormanns sind so broke, dass es weh tut – aber so charmant in ihrem Untergang, dass ich stellenweise laut lachen musste. Die Szene mit dem Gerichtsvollzieher? Gold wert! Und doch, zwischen all dem Chaos, dem Bangen, dem kleinen Jungen mit dem großen Traum, schimmert etwas aufrichtig Menschliches durch.
Was Schünemann richtig gut kann: Er macht Armut nicht zur Betroffenheitsnummer, sondern zeigt sie mit Witz, Wärme und einer Prise gepflegtem Wahnsinn. Der Ton ist schnodderig, aber herzlich, und man will ständig rufen: „Daniel, halt durch, irgendwann scheint die Sonne wirklich!“ Stilistisch irgendwo zwischen Retro-Fernsehspiel und literarischem Kammerspiel – nicht zu dick aufgetragen, aber immer mit Gefühl für Timing.
Ein kleiner Wermutstropfen? Am Ende hätte ich gern noch ein bisschen mehr Auflösung gehabt, ein bisschen mehr Zukunftsblitzlicht. Aber vielleicht gehört genau das zum Charme: Dass man sich selbst ausmalen darf, wie es weitergeht. Alles in allem: Vier von fünf knisternden Fünfmarkscheinen! Wer gerne schmunzelt, den Kopf schüttelt und sich fragt, wie man mit Nichts so viel erzählen kann – der ist hier goldrichtig.
Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn es Autoren gelingt, so schwere, schwierige und wenig aufbauende Themen eher leise, fast schon leicht zu erzählen - und ich als Leser trotzdem die Tragweite spüre, mitfühle und die Geschichte nachvollziehen kann. "Bis die Sonne scheint" ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Die Geschichte ist so tragisch, doch Schünemann erzählt sie, zumindest in Daniels Kapiteln, so vorsichtig, dass es einen fast noch härter trifft und mitnimmt.
Der krasse Kontrast dazu sind die Rückblenden, vor allem die der Großmütter. Die sind so plakativ, teilweise so laut und gleichzeitig so nüchtern. Und doch fügen sie sich, finde ich, ganz hervorragend in den Gesamtkontext des Buches ein. Ich verstehe, warum Schünemann das macht - auch schon, bevor ich wusste, dass es ein (teilweise) autobiografischer Roman ist.
Mir ist Daniel über die Geschichte sehr ans Herz gewachsen und ich finde, wenig spricht mehr für eine Geschichte und einen Autor. Seine Beziehung zu Zoe spüre ich ebenso deutlich wie die zu Jean-Pierre (C'est fou!) und die manchmal noch so kindlichen Gedanken zu allem, was passiert, sind mehr als nachvollziehbar.
Ein kurzweiliges, ja, leichtes Buch über ein schweres Thema, das vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas tiefer hätte gehen dürfen. Auch die zahlreichen anderen Charaktere, vor allem die Geschwister, bleiben doch alle etwas blass, so dass es schwerfällt, sie in Erinnerung zu behalten. Die ein oder andere auffallende, aber unnötige Wiederholung komplettiert das finale Urteil und so kommt "Bis die Sonne scheint" dann doch "nur" auf 3,5 Sterne.
**** Worum geht es? **** Die Geschichte spielt in den 80er Jahren und ist stark von finanziellen Einschränkungen geprägt. Für Daniel scheint das Leben gerade erst zu beginnen: Konfirmation, das erste eigene große Geld – doch von diesem Glücksgefühl bleibt nicht viel, denn seine Eltern können mit Geld nicht umgehen. Es droht eine Zwangsversteigerung des Hauses.
**** Mein Eindruck **** Ein ernstes und bewegendes Thema, erzählt aus der Sicht eines Teenagers. Statt Lösungen zu suchen, flüchten sich die Eltern immer wieder in Ausreden. Daniel wächst in einer Familie auf, in der mehr Schein als Sein zählt – und das prägt ihn natürlich. Stück für Stück lernt er, seine Eltern und das Leben mit anderen Augen zu sehen, muss früh Verantwortung übernehmen und sich neuen Herausforderungen stellen.Ein wenig Humor und kindliche Naivität lockern die Geschichte auf. Was mir allerdings fehlte, war echte emotionale Tiefe: In Daniels Alter hätte ich vor allem Wut, Frust, Enttäuschung und Angst erwartet – doch davon merkt man hier leider kaum etwas. Das Potenzial dieses wichtigen Themas wurde dadurch nicht ganz ausgeschöpft. Sprachlich hingegen ist das Buch sehr gelungen und insgesamt flüssig und angenehm zu lesen.
**** Empfehlung? **** Für alle, die gerne ruhige Coming-of-Age-Romane lesen, die ein ernstes Thema wie finanzielle Sorgen und familiäre Verantwortung behandeln. Wer weniger Wert auf starke Emotionen legt und dafür eine klar erzählte Geschichte mag, wird hier sicher fündig.
„Bis die Sonne scheint“ ist Christian Schünemanns ganz persönliche Version seiner bewegten Familiengeschichte, die er aus Briefen seiner Mutter, lokalen Archiven und seiner eigenen Erinnerung rekonstruierte. Da Erinnerungen ja bekanntlich trügen, haben alle Charaktere neue Namen bekommen. Wir dürfen Daniel, dem jüngsten von vier Kindern, über die Schulter schauen und mit ihm die turbulente Zeit rund um seine Konfirmation miterleben, in der seine Familie plötzlich mit ihrer fehlende Existenzgrundlage konfrontiert wird. Doch Familie Hormann gibt nicht auf und findet kreative Wege, um nicht nur das beste aus der Situation zu machen, sondern die Situation als solche überhaupt gar nicht so sehr als Problem warzunehmen. Das Buch liest sich ein bisschen wie im Zeitraffer. Wir rasen mit durch die besonderen Erlebnisse der Generationen - und Daniel beobachtet die Gegenwart, die um ihn herum geschieht, fast wie in einen Film, und wertet sie kaum. Dass jeweils drei von Daniels Französischvokabeln die Geschehenisse der Kapitel vorweg andeuten hat mir gut gefallen. Und auch auch das physische Buch liegt mit seiner perfekten Größe und dem Stoffeinband auffallend angenehm in der Hand. Wer gerne Familiengeschichten durch die Generationen liest oder mal einen optimistischeren Blick auf das, was manche vielleicht ‚Scheitern‘ nennen würden, gewinnen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.
Leider konnte mich Bis die Sonne scheint überhaupt nicht abholen. Ich hatte mir viel von diesem Roman erhofft – eine bewegende Familiengeschichte, ein Blick in vergangene Zeiten und vielleicht sogar ein bisschen Nostalgie. Bekommen habe ich stattdessen eine langatmige Handlung mit vielen Zeitsprüngen, die mich beim Lesen eher gestört als bereichert haben.
Die Geschichte springt zwischen Daniels Konfirmationsvorbereitungen 1983 und der Vergangenheit seiner Eltern hin und her. Besonders die Abschnitte über die Eltern – ihre gescheiterten Geschäftsideen, ihre Versuche, den Schein zu wahren – haben mich einfach nicht interessiert. Womöglich liegt das auch daran, dass ich als Kind der 90er den vermeintlichen Charme der 80er nicht wirklich nachvollziehen kann.
Auch der Schreibstil war leider gar nicht mein Fall – stellenweise zu ausschweifend, dann wieder zu nüchtern. Emotionen sind bei mir kaum angekommen, obwohl die Familie eigentlich vor dem kompletten Ruin steht.
Zugegeben, die Idee der Geschichte hat Potenzial: eine Familie, die trotz finanzieller Not versucht, optimistisch zu bleiben und das Leben zu genießen. Doch die Umsetzung war für mich zu zäh, zu sprunghaft und einfach nicht fesselnd.
Schade – vielleicht wäre der Roman für ein anderes Publikum passender, aber mich konnte er leider nicht überzeugen.
Ich ziehe sonst ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen Dialog und Beobachtungen vor, aber fand eingängig die minimalistische Erzählweise noch ausreichend spannend, da die Szenen klar gezeichnet waren. In Anbetracht der Kürze des Buches verliert es sich meiner Meinung zu viel in belanglosen, teils ekligen Details, als würde es versuchen, von Nostalgie statt einer echten Geschichte zu leben. Aber eine Verkettung von Zeitkapsel Stichwörtern ist auf Dauer einfach langweilig. Es bleibt oberflächlich, die Sequenzen zwar gut vorstellbar aber ohne Spannungsbogen. Dafür jede Menge ableistische Sprache. Die Rückblicke auf (Nach-) Kriegserfahrungen sind erschütternd und bieten ein deutliches Gegengewicht zur Handlung, die eher vor sich hin plätschert. Doch die Etablierung einer zweiten Zeitleiste erweckte den Anschein, dass der Autor selbst Daniel's Leben als belanglos abtat und Ablenkung brauchte. So ging es auch mir, irgendwann waren beide Zeitleisten öde, gespickt mit zu vielen Details, die nirgendwohin führten. Ich habe bei ca. 35% aufgehört und gewünscht, man hätte das Buch anders--korrekter--beworben. Der Hörbuchsprecher war angenehm, sonst hätte ich eventuell schon eher das Handtuch geworfen.
Danke an Netgalley und Diogenes Hörbuch für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Ein Rückblick auf die guten, alten 80er Jahre, welche sich bereits am Cover wiederspiegeln. Christian Schünemann beschreibt hier das Leben und Aufwachsen einer Familie mit insgesamt 4 Kindern. Wie sagte Christine Nöstlinger: „Das Leben ist am Schwersten zwei Tage vor dem Ersten“. Es steht die Firmung von Daniel an und das Geld reicht aufgrund beruflicher und privater Probleme vorne und hinten nicht, um es groß auszurichten. Auch ansonsten gibt es grobe finanzielle Schwierigkeiten. In Daniels Familie Hormann versucht man jedoch um jeden Preis den Schein zu wahren und diese monetären Nöte und den diesbezüglichen Kampf niemanden merken zu lassen. Die Geschichte der Familie, zurück bis zu den Großeltern, wird in Rückblenden erzählt, das Buch ist nicht allzu umfangreich, es liest sich leicht, flüssig und locker, nicht wirklich mit Tiefgang und ich war relativ bald einmal damit durch. Nebst dem soliden Plot hat mir gut gefallen, dass ich mich immer wieder ein wenig in Erinnerungen verloren habe, was es in 80ern (meinen Jugendjahren) so alles noch gab, ich allerdings schon vergessen hatte. Es lebe „Wickie, Slime & Paiper“. Von mir eine Leseempfehlung, wenn man zwischendurch etwas nicht allzu Spannendes lesen möchte.
Zwischen Schein und Sein Christian Schünemann blickt in seinem Roman auf seine eigene Jugend zurück und weist in seinem Nachwort darauf hin, dass die Handlung biografische Züge seiner Familiengeschichte hat. Sein Protagonist Daniel Hormann ist 14 Jahre, hat drei ältere Geschwister und freut sich auf seine Konfirmation und den Schüleraustausch nach Frankreich. Seine Eltern stecken in finanziellen Schwierigkeiten, aber anstatt mit aller Kraft aus der Misere herauszukommen, versuchen sie den Schein zu wahren. Neben den 1980er Jahren tauchen wir auch in die Vergangenheit anderer Familienmitglieder ein und erfahren mehr über die Hintergründe der Familie. Mit Daniels Eltern hatte ich Schwierigkeiten, ihnen fehlt das Verantwortungsbewusstsein. Sie haben vier Kinder und verschließen immer wieder die Augen vor der Realität.
Durch viele typische Hinweise auf die 80er Jahre wie Depeche Mode, Culture Club, Spandau Ballett, Rondo Veneziano, Wim Thoelke, Falco, Schallplatten, Burlingtonsocken, Quality Street, Pepita, Parker …. wird die Zeit direkt greifbar und bei mir kam ein nostalgisches Gefühl auf.
Der Roman ist eine authentische Beschreibung des Familienalltags der 80er und hat mich dadurch gefesselt.
Das Buch liest sich ein wenig wie ein Report, wie ein Eintrag in einer Chronik, der Leben von Anfang an genau beschreibt und darstellt. Dieser Schreibstil war für mich ein bisschen steif, obwohl ja womöglich beabsichtigt. Von daher konnte ich keine Verbindung mit irgendeinem der vielen Charakteren im Buch aufbauen, was das Lesen ein wenig schwerfällig gestaltet hat. Man hat so viel über die Geschichte von Omas und Eltern lernen können, aber hat irgendwie doch nur erfahren, dass alles nicht so war, wie gewünscht.
Auch ist die Stimmung so trostlos, irgendwie negativ. Und ja, auch das mag so gewollt sein, aber es hat mich angestrengt. Die Wortwahl ist salopp, die Eindrücke und Meinungen zum eigenen Leben ohne irgendeine Freude. Es kam mir so vor als wären alle Menschen im Buch einfach deprimiert was durch das Überdieeigeneverhältnisseleben noch hervorgehoben wird. Niemand ist glücklich, also kaufen wir ein Sofa.
Obwohl mich die Geschichte interessiert hat, vor allem die Vergangenheiten, hat mich das Buch enttäuscht, aber das ist ganz subjektiv. Ich hab einfach nicht mit etwas so Unglücklichem gerechnet.
Zum Inhalt: Daniel freut sich auf seine Konfirmation, doch dann bekommt er mit, dass die Eltern pleite sind und kaum wissen, wie sie die Familie über Wasser halten sollen. Dabei schien doch die Idee mit der eigenen Firma so gut, doch die Aufträge bleiben in der Wirtschaftskrise aus und es finanziell immer mehr bergab, so dass sogar der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. Aber ein Talent hat die Familie, Ruhe bewahren und das Leben genießen. Meine Meinung: Was für mich tatsächlich das interessanteste am Buch ist, war die Zeit in der es spielte, denn ich war in den achtziger Jahren ähnlich alt wie Daniel und so hatte ich mehr als einen Aha-Moment. Die Geschichte der Familie war ein auf und ab mit auch durchaus interessanten Momenten. Für das wesentliche ist kein Geld da, aber wenn mal Geld da ist, wird das Geld eher für unnützes ausgegeben, damit man nach außen besser dasteht als es eigentlich ist. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten erzählt, das machte das Geflecht verständlicher. Insgesamt hat mir das Buch gefallen. Fazit: Hauptsache, der Schein wird gewahrt
Mit einem ganz besonderen lässigen und frechem Ton erzählt uns der Autor eine ganz faszinierende und spannende Geschichte der Familie Hormann die in ihrer eigenen optimistischen höchst interessant spannenden Scheinwelt lebt.
Aus der Sicht des Sohnes Daniel wird uns die Geschichte der sechsköpfigen Familie erzählt. Daniel möchte gern zur Konfirmation ein Samtsakko und hört heimlich mit, dass die Familie in großen finanziellen Nöten steckt. Daher wird aus diesem Wunsch wohl nichts.
Aber anstatt dem Problem ins Augo zu sehen und sich der Realität zu stellen, versucht die Familie den Schein zu wahren und spielt eine andere Wahrheit vor. Auch vor den Großeltern wird ein anderes Bild aufrecht erhalten um den Schein zu wahren das alles in Ordnung ist und man alles im Griff hat.
Durch Rückblenden erfährt man ebenfalls die Geschichte der gesamten Familie, von den Großeltern bis zu den 80er Jahren und bekommt so ein komplettes Bild.
Ein sehr unterhaltsames Buch mit Humor, Charme, Melancholie und Optimismus.
Ein sehr leuchtendes Buch mit einem Haich von Melancholie
Das Buch hat mir äußerlich wie auch innerlich sehr, sehr gut gefallen. Das Cover als gebundenes Buch ist optisch schön schlicht. Bücher dieses Verlages finde ich durch das klassische Aussehen wunderschön fürs Bücherregal. Während des Lesens begleitet man die Familie in allen Lebenssituationen und aus verschiedenen Blickwinkeln. Mir haben besonders die Zeitsprünge gefallen. Es geht um die 80 er Jahre und um die Zeit nach dem Krieg. Zudem wird kurz über eine Familie berichtet, die in der Nachbarschaft wohnt und damals aus der DDR geflüchtet ist. Hautnah werden die Probleme der Familie beschrieben und wie bei vielen Familien die Eltern über das Schicksal der Familie entscheiden und auch am Ende dafür verantwortlich sind. In die Welt einzutauchen fiel mir sehr leicht und ich war echt traurig als es nachher zu Ende war. Ich kann es nur empfehlen!
Unterhaltsam und eher sachlich-lakonisch als mit Spirit und sprachlicher Brillanz verknüpft der Autor die Auf und Abs (s)einer Familiengeschichte mit einem Schnelldurchgang deutscher und bundesrepublikanischer Historie seit den 1910-Jahren bis in die 80-Jahre hinein. Während die Biografien der Großeltern, vor allem der Großmütter, berühren, erheitert die Geschichte der Enkel und deren orientierungsloser Eltern. Deren Haltlosigkeit steht in unmittelbarer Abhängigkeit von einer Kriegsgeneration, die zwischen Mitläufertum und Überlebenskampf schwankt.