Was bedeutet queer sein als junger Mensch heute? In diesem Buch erzählen 15 Kinder und Jugendliche, die sich ausserhalb klassischer Geschlechterstereotype bewegen, aus ihrem Leben: das Grundschulkind, das genau weiss, dass es ein Mädchen ist, obschon alle denken, es sei ein Junge. Der schwule Jugendliche auf dem Land, der in der Schule isoliert ist und im Chat Gleichgesinnte findet. Und die nonbinäre Aktivist*in, die ihre «Falschsexualität» selbstbewusst nach aussen trägt. Das Buch hilft zu verstehen, warum Fragen der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung und des Selbstausdrucks für Jugendliche heute ein brennendes Thema sind. Die Porträts werden begleitet von Interviews mit den Fachpersonen Ad J. Ott (Forschung zu LGBTQ+ an Schulen), Lydia Staniszewski (Schulsozialarbeit) und Dagmar Pauli (Medizin im Umgang mit jungen trans Menschen).
«Endlich mal ein Einblick, der zeigt, worum es geht: um eine Zukunft, in der jeder Mensch sich selbst sein kann.» Anna Rosenwasser
Ein aktuelles Sachbuch, welches sich mit den verschiedenen Lebensformen, der sich in der Schweiz lebenden Jugendlichen befasst. Aufgefallen ist mir, dass die Recherche und die Teilnehmenden auf dem gesamten Spektrum vertreten sind. Dies werte ich als sehr positiv - da es nicht immer der Fall ist und einige damit ausgeschlossen respektive nicht erwähnt werden.
Besonders gefielen mir die Geschichten von Lia, Christelle, Benicio, Samira und Aurelia. Der Schreibstil ist sehr angenehm. Durch die Erzählungen fühlt es sich nicht wie ein Sachbuch an, sondern eher wie Kurzgeschichten. Die zwei Interviews deckten den theoretischen Teil ab.
Wenn ich mich mit dem Thema Queerness beschäftige, dann ist es recht oft in einem relativ theoretischem Kontext. Dass ich selber queer bin und konstant von queeren Personen umgeben bin heisst ja, dass ich natürlich mit Queerness in einem realen Sinn eigentlich immer umgeben bin, aber oft im Kontext eines sehr queerfreundlichen Bubbles. Daher ist mein Engagement mit Queerness oft eher theoretischer als praxisbezogen und politisch. Ich liebe queere Literaturtheorie, ich schreibe Essays über queere Texte und was diese sagen, aber das ist fiktiv. Dieses Buch ist für mich auch eine Erinnerung, dass hinter diesen queeren Themen immer noch echte Personen sind, dessen Geschichten sehr wichtig zu hören sind. Viele queere Personen haben nicht das Glück, sich in einer queerfreundlichen Situation zu befinden, vorallem Jugendliche, und für sie müssen wir noch sehr viel weiterkämpfen. Aber es zeigt auch Momente von queer Joy, Momente in denen queere Personen ihren Platz in der Welt und Akzeptanz finden und es gibt einfach nichts schöneres! Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass alle queere Personen das finden können und es ist wirklich erfreulich zu sehen, wie diese Jugendlichen diesen Platz zu schaffen versuchen!