Als buchstäblich zwischen den Meeren gelegenes Land stand Schleswig-Holstein geografisch, politisch und kulturell oft im Mittelpunkt des historischen Geschehens in Nordeuropa – was sich auch in der Vielfalt der Ethnien widerspiegelt, die dort in seiner langen Geschichte eine Rollen Deutsche, Dänen, Friesen, Slaven, Schweden, Holländer, Franken, Sachsen usw. Umso bunter sind die diversen Kulturen mit ihren Sprachen und Dialekten, Lebensweisen, Wohnformen, Arbeitstechniken, Denkarten, die innerhalb Schleswig-Holsteins vorkommen.
Schleswig-Holstein ist stets mehr als Leuchttürme, Wattenmeer und Deichlämmer – es war und ist ein Land der Vielfalt, der Gegensätze, der Kontinuitäten und der Brüche. Dem renommierten Regionalhistoriker Oliver Auge gelingt es in seinem Buch, die vielseitige Geschichte Schleswig-Holsteins in 100 Kapiteln von A bis Z komprimiert und allgemeinverständlich Schleswig-Holstein – Eine Landesgeschichte von den Anfängen bis zur Zeitenwende.
Es ist insgesamt eine gute, fundierte Zusammenfassung. Sie ist jedoch, auch wenn sie im Bereich der Gegenwartsgeschichte auch kommentierend ist, weitestgehend ohne Verve geschrieben, sodass sie nicht von sich aus zum Schmökern einlädt, wenn nicht ein grundlegendes Interesse an schleswig-holsteinischer Landesgeschichte vorausgesetzt werden kann. Sie fängt nicht. Durch die sinnvolle Kapiteleinteilung kann sie stets in kurzen Zügen gelesen werden.
Dabei sind die Inhalte gut gewählt und m.E. gut zusammengefasst, manchmal schwankt es aber in dem Ansatz, dass manche Kapitel vielleicht etwas einfach beschrieben sind, während andere wieder mit Fachtermini glänzen, die einen eingeweihten Leser benötigen.
Inhaltlich wäre für eine Nachfolgeversion zu beachten, vielleicht nochmal den Part mit der Verbreitung des Nationalsozialismus zu überarbeiten. Obwohl der Zugang über die Landvolkbewegung nicht verkehrt ist, entsteht in dem Buch der Eindruck, dass vor allem die Landbevölkerung und die einfache Bevölkerung das Aufkommen des Nationalsozialismus getragen hätte; da Prof. Auges eigenes Haus aber bekanntlich eine Brutstätte nationalsozialistischer Tendenzen und der Pseudowissenschaft war, wie die Uni Kiel selbst in guter Nabelschau festgestellt hat, dürfte diese Information mit einfließen, ebenso der Einfluss der politischen und wirtschaftlichen Eliten in Schleswig-Holstein.
Insgesamt ist es aber eine gelungene Zusammenfassung der Regionalgeschichte.