Vorab möchte ich mich beim Argon Verlag AVE GmbH und NetGalley für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken!
Nachdem mich der erste Band zwar nicht von sich überzeugen konnte, das Hörbuch aber für zwischendurch dennoch unterhaltsam und sehr gut vertont war, wollte ich natürlich auch dem zweiten Teil der Dilogie in Form des Hörbuchs noch eine Chance geben. Leider fand ich die Fortsetzung deutlich schwächer, als den Reihenauftakt. Dabei hätte die Reihe so ein großes Potenzial für eine unglaubliche enemies-to-lovers Geschichte gehabt.
Fangen wir beim Worldbuilding an, welches genauso wie im ersten Band, leider nicht ausreichend beschrieben bzw. weiter ausgearbeitet wurde. Die Welt in der die Handlung spielt, kann man weder mit unserer Gegenwart, noch mit der typischen High-Fantasy Welt vergleichen. Wir haben hier einerseits einen (Vampir)König, eine Burg (in der der Großteil der Handlung spielt), Bälle sowie tolle Kleider und auf der anderen Seite, viele Dialoge und Sachen aus unserer Gegenwart, die hier einfach nicht reinpassen. Es ist ein totales hin und her und hätten wir hier nicht die blutsaugenden "Vampire" gehabt, dann hätte es auch genau so gut, ein basic NA Roman sein können.
Hier ein Bsp für diese Mischung, die mich total aus der Geschichte gerissen hat:
"Zwei von ihnen [königliche Vampirwächter], Travis und Eve, waren gerade mal Mitte zwanzig und kamen letztes Jahr frisch aus der Ausbildung, ihr ganzes Leben noch vor sich. [...] Und Dalton am anderen Ende der Reihe hat erst vor ein paar Wochen einen Antrag auf ELTERNZEIT eingereicht."
Neben dem fehlenden Worldbuilding und keiner wirklichen Erklärung, in welchem Zeitalter wir uns überhaupt befinden – haben wir leider auch keine weiteren Erklärungen zu der Rebellion erhalten und was genau deren Problem mit den Vampiren ist, außer dass die Vampire "böse" sind. Näher dazu bin ich bereits in meiner Rezension vom ersten Band eingegangen.
Eine (spicy) Szene, die ich persönlich nicht nur unangenehm, sondern auch total unpassend fand, war bei 48% des Buches. Ich versuch es mal zusammenzufassen: Florence und Benedikt haben eine Auseinandersetzung, die einzige Art und Weise, wie man diese lösen kann ist durch Sex. Nachdem wir im ersten Band keinerlei spicy erhalten haben, haben wir hier welchen in den möglichst unpassenden Momenten überhaupt. Die beiden streiten sich also, plötzlich macht dann Florence aus dem Nichts ihre Beine breit. Benedikt kann sich nun also nicht mehr beherrschen. Das Höschen von Florence ist auch bereits komplett nass und sie möchte nun von Benedikt bestraft werden. Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, wie diese "Bestrafung" aussehen soll:
«Was muss ich tun, um dir Manieren beizubringen?» Seine Stimme klingt hasserfüllt und doch voller Verlangen. Seine Finger streifen meinen Slip, und ich kann nicht anders, als meine schmutzigen Gedanken auszusprechen.
«Bestraf mich», flehe ich leise und dränge mich Benedicts Hand entgegen.
[streiten sich weiter und dabei sehr viel spicyyy talk...]
»Sobald ich mit dir in diesem Schlafzimmer allein bin, werde ich dir dein verdammtes Kleid vom Leib reißen, und du wirst mich für jede noch so kleine Unannehmlichkeit der letzten Wochen entschädigen. Ich werde dich so hart ficken, dass du nicht mal mehr daran denken kannst, mich zu hintergehen, Florence. Es wird Zeit, dass du vor deinem König in die Knie gehst.«
Und danach folgten die sehr expliziten Szenen, bis die beiden unterbrochen wurden. Die Szene war zwar spicy und nicht schlecht beschrieben, aber spice in Form von Bestrafung, anstatt dass man über den Konflikt redet, fand ich schlichtweg nicht richtig. Ich hab auch ehrlich gesagt, Benedikt überhaupt nicht wieder erkannt. Im ersten Band war er total husband material und total entsetzt, was für Gerüchte über ihn bezüglich seiner Blutbräute im Umlauf sind und dann macht er sowas.
Die Sache mit dem Blutschwur und wie am Ende alles ausgegangen ist, verlief nach dem typischen Muster von "erschaffe ein Problem und behebe dann dieses". Der Sinneswechsel einiger Personen am Ende hat auch absolut keinen Sinn ergeben, hauptsache Happy End. Der Plot davor war leider auch nur ein ziemliches hin und her zwischen den beiden Protagonisten, das eigentlich durch Kommunikation hätte geklärt werden können. Spannend war es nicht wirklich.
Mir tut es echt leid für die harte Bewertung, aber dieses Buch war in meinen Augen echt nicht gut. An dieser Stelle möchte ich aber, losgelöst vom Plot, die Vertonung des Hörbuches sehr loben! Eine Empfehlung für die Reihe kann ich allerdings nur sehr eingeschränkt aussprechen: wenn man auf ein gut ausgebautes Worldbuilding sowie auf Logiklücken hinwegsehen kann, und nur auf der Suche nach ein bisschen spice für zwischendurch ist, der ist bei dieser Dilogie dann definitiv richtig. Andernfalls ist man, wie in meinem Fall, eher sehr enttäuscht.