»Wann und warum ist die Beziehung zu meinem Vater so kompliziert geworden? Wann sind wir falsch abgebogen? Habe ich deswegen eigentlich ›Daddy Issues‹?«
Tessniem Kadiri setzt sich mit der prägendsten wie auch schwierigsten Beziehung in ihrem Leben auseinander – der zu ihrem Vater. Seit sie ein kleines Kind war und den liebevollen Umgang ihrer Freundinnen mit deren Vätern beobachtet hat, fragte sich sie sich, woher die Distanz kommt, die stets zwischen ihr und ihrem Vater stand. Getrieben von unbändiger Neugier und einem starken Willen, gerieten die beiden immer wieder in scheinbar unlösbare Konflikte, bis ein Bruch unausweichlich war.
Tessniems Baba Issues lassen sie nicht Versagt das toxische Männerbild, mit dem ihr Vater im ländlichen Marokko aufgewachsen ist, es ihm, einen liebevollen Umgang mit seinen Töchtern zu pflegen? Wäre alles anders, wenn eine ältere Schwester all diese Kämpfe für sie ausgetragen hätte? Was ist echte Emanzipation? In ihrem Debüt macht sie sich auf eine literarische Suche nach Antworten.
Sehr persönlich und nah erzählt Tessniem von ihren Erfahrungen als Tochter eines strengen, manchmal distanzierten und unnahbaren Babas und von dem System, dem dieser Baba angehört. Ein System, das ihn geprägt hat und das er vermutlich selbst weiter trägt. Wie Tessniem in ihrem Buch betont, sind solche Einblicke und Perspektiven bereichernd und wichtig für unsere Gesellschaft. Ich erkenne mich und meine Beziehung zu meinem Vater in vielen ihrer Anekdoten wieder und merke wie das etwas tröstet. Man fühlt sich weniger allein, weniger hoffnungslos.
So bedeutend und relevant das Buch inhaltlich ist, stilistisch und erzählerisch hat es mich leider nicht gleichermaßen abgeholt. Es wirkt eher wie eine lose Folge von Erinnerungen und Reiseberichten; der rote Faden hätte für meinen Geschmack klarer sein dürfen. Schade, da hatte ich mir mehr erhofft.
Ehrlich tolles Buch für alle Migratöchter, die sich verstanden fühlen wollen und wissen möchten, dass sie mit ihren Gedanken nicht allein sind. Tessniem schreibt mit einer berührenden Offenheit über Situationen, in denen man sich wiederfindet, Momente, die zum Schmunzeln bringen, aber auch solche, die tief treffen.
Ein feinfühliger Balanceakt zwischen Aufrichtigkeit und Rücksicht, zwischen Gefühl und Stärke. Für mich ein sehr emotionales Buch über Familie, Liebe und das Elternhaus als Stütze, die man über alles liebt. Und doch braucht es manchmal den Mut, ehrlich zu sich selbst zu sein, selbst wenn es weh tut. Denn nur so können wir verhindern, dass sich dieselben Geschichten von Generation zu Generation wiederholen.
Danke Tessniem, für deine authentische Offenheit und dafür, dass du in Worte gefasst hast, was so viele still in sich tragen.
Danke für diese Einblicke und Einsichten! Für mich war das Lesen erkenntnisreich, weil ich keine große Vorstellung davon hatte, welche Rolle Religion in dem Aufwachsen und bei den Eltern von Migratöchtern spielt. Da weiß ich jetzt mehr drüber. Dass es verschiedene Formen von Umgang gibt, vor allem. Es ist ein sehr persönliches Buch. Erzählt werden vor allem Anekdoten aus dem nahen Umfeld von Tessniem Kadiri. Auf der einen Seite ist das eine Stärke, es macht das Buch nahbar und zugänglich. Aber es kann nur ein erster Schritt sein in der Auseinandersetzung, wenn diese zu einem gesellschaftlichen Diskurs oder einer gesellschaftlichen Einsicht führen soll. Literarisch ist das ein solides Erstwerk, ich habe es schnell durchgelesen, sprachlich berührt hat mich jedoch wenig. Inhaltlich natürlich schon.
Schreibstil simpel. Der "BABA" (irgendwie nervig dass er durchgehend groß geschrieben wird. Beabsichtigt eventuell damit die Nähe zu GOTT?!) um den es die ganze Zeit geht wird seltsamerweise überhaupt nicht plastisch, wahrnehmbar sondern nur klischeehaft. Die Beschreibung des alptraimgaten Solo-Marokkotrip war noch der spannendste Teil, bei dem man sich annähernd in Tessniem einführen konnte, ansonsten bleibt vieles flach und die flapsige amerikanisierte Umgangssprache zwischendurch befremdlich. Schade. Mehr erwartet.
aufrichtig & mutig erzählt tessniem von ihrer kindheit und den jährlichen besuchen mit ihrer familie in marokko, bis dahin, als sie allein marokko bereist und wieder an die worte ihres babas zurückdenkt. erzählt von den schwierigkeiten von migratöchtern, die immer wieder von der patriarchalen ordnung eingeholt werden und sich mit den an sie gestellten anforderungen abkämpfen, sowie den zwiespalt zwischen zwei kulturen aufzeigt.
Ich habe mich noch nie so verstanden und gesehen gefühlt. Dieses Buch ist für alle Migra Töchter, jene die in einem anderen Land als dem ihrer Eltern aufwasen und jenen die das Gefühl haben damit sooo alleine zu sein. Dieses Buch hat mich so tief fühlen lassen und ich bin so dankbar für dieses Buch 🥰