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337 pages, Kindle Edition
Published May 2, 2025
»350 Kilometer auf dem Wasserweg, wenn wir durchfahren, zweiundzwanzig Stunden, aber ab Rouen brauchen wir einen Lotsen an Bord, den muss man vorbestellen.«»Wenn ich jetzt noch bitte wissen dürfte, was …« Sie hielt inne. »Honfleur«, sagte sie. »Du meinst die Strecken bis Honfleur.«»Kann sein.«»Was … was soll ich denn da?«»Um dein Herz kämpfen. Und seins.«»Der Zug ist abgefahren. Oder das Schiff, wie du meinst.«»Du hast echt keine Eier in der Hose, Lahbibi.«»Und dir steht Slang nicht, Perdu.«Er antwortete mit Schweigen. (E-Book, S. 241)
"Puh, das war ziemlich schön. So schön, dass es Françoise wehtat, da unterm Herz. Wahrscheinlich waren das Dehnungsstreifen der Seele. Wenn man mehr Platz brauchte für große Gefühle, dann tat Glück erst mal weh." (E-Book, S. 186)
„Ein Buch ist Mediziner und Medizin zugleich“ (E-Book, S. 166), so heißt es einmal, und so fühlt es sich auch an. Bücher heilen, fordern, begleiten – und verbinden. Ob mit literarischen Verweisen auf Mascha Kaléko oder das Buch-inspirierte Geburtstagsessen – es steckt so viel Wärme und Kreativität in diesen Seiten.
„Menschen, die vor Büchern Angst haben, haben Angst vor Machtverlust.“ (E-Book, S. 180)Gleichzeitig überfrachtet der Roman meiner Meinung nach aber stellenweise seine Erzählung mit zu vielen Themen. Manchmal hätte ich mir mehr Ruhe, mehr Fokus gewünscht. Auch Paulines Liebesgeschichte mit Kofi konnte ich emotional nicht ganz nachvollziehen – sie wirkte auf mich forciert und unausgereift. Auch ein Wermutstropfen: Das Buch verwendet keine gendergerechte Sprache – gerade bei einem Roman, der Diversität und Emanzipation so zentral behandelt, fällt das unangenehm auf.
»Ich denke darüber nach, dass ich manchmal jungen Menschen, die viel zu sehr wissen, wo sie lang wollen, sagen möchte: Vergiss es. Mach Revolution, schreib peinliche Gedichte, tanz im Dunkeln, verliebe dich, verlieb dich noch mal, leg dich mit der Politik an, mach ’ne Rucksackreise per Anhalter, hilf am Wochenende mal in einer Tierstation oder lerne zu zeichnen, einfach nur so, nur so … ohne gleich damit endgültig was zu wollen. Mit der Revolution oder dem Verlieben.« (E-Book, S. 168)