»Wenn Sie unbedingt auf Ihr Volk stolz sein möchten, empfehle ich Ihnen den Beruf des Imkers.« Mit diesem Satz prostete Christel Vollbrecht, Jahrgang 1898 und die Großmutter von Hubertus Meyer-Burckhardt, ihrem Gegenüber in der Weinstube Boos zu, wo sie nahezu jeden Abend saß. Wenn sie nicht gerade im Beiwagen einer Moto Guzzi kauerte und dem Fahrer »Schneller. Fahren Sie doch bitte endlich schneller!«Ein Leben auf der Überholspur, rebellisch, unangepasst, voller Lebensfreude und unglaublich stark und So erinnert sich Hubertus Meyer-Burkhardt - TV-Produzent, Bestsellerautor und Gastgeber der NDR-Talkshow - an seine geliebte Großmutter, die ihn wie kein anderer Mensch geprägt hat. Wie ging sie mit der Welt um, die zweimal vor ihren Augen zerbrach? Was gab sie ihrem Enkel mit auf seinen Lebensweg? Und wäre es nicht wunderbar, hätten wir in der heutigen Zeit wieder mehr Menschen ihres Kalibers? Menschen mit einer unbedingten Liebe zum Leben, mit Witz, Widerspruchsgeist und Charakter. Hubertus Meyer-Burckhardt erzählt in autobiographischen Episoden von einer Frau, die ihrer Zeit voraus eine zärtliche Liebeserklärung und eine Spurensuche nach den Antriebsfedern des eigenen Lebens.
Dieses Zitat hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht "Wenn Sie unbedingt auf ihr Volk stolz sein wollen, empfehle ich ihnen den Beruf des Imkers". Er ist frech, aber nicht unverschämt und hat mich auf die Frau neugierig gemacht, die ihn gesagt hat.
Das Verhältnis zwischen dem Enkel und der Großmutter war ungewöhnlich, aber seine Erzählung ist sicherlich ein bisschen durch die Zeit verklärt, die seit ihrem Tod vergangen ist. Hubertus sagt selbst, dass er sie erst wirklich vermisst, seit er ungefähr siebzig ist, aber warum das so ist, sagt er nicht.
So, wie er seine Großmutter beschreibt, kann ich mir gut vorstellen, dass sie nicht immer eine einfache Frau war. Besonders der Eltern ihres Enkel gegenüber, weil sie mit ihm oft wie mit einem Freund und nicht wie mit dem Kind umgegangen ist, das er war. Aus den Erzählungen ihrer Kinder erfährt er, dass sie eine bessere Großmutter als Mutter war.
Hubertus kann sich noch an vieles erinnern, das sie ihm gesagt hat. Aber ihn beschäftigen auch die Dinge, die sie nicht offen ausgesprochen hat. So hat sie sich schuldig gefühlt, dass sie nicht geholfen hat, als man ihre Hilfe brauchte.
So, wie ich die Großmutter in dem Buch kennenlernen durfte, wirkt sie auf mich wie eine modernere Frau, als es die Zeit war, in der sie lebte. Ich kann mir vorstellen, dass sie das manchmal ein wenig einsam gemacht hat. Aber vielleicht hat sie das auch gebraucht, denn wie sie selbst sagt "Man kann die Menschen nur lieben, wenn man gelernt hat, allein zu sein."