Erzählungen aus dem Leben spät erkannter Hochbegabter
Rund um das Thema Hochbegabung existieren viele Klischees, nicht zuletzt befeuert durch die mediale Betroffene wären übermenschliche Superhirne, ausgestattet mit einer Vielzahl an verrückten Talenten, beruflich wie privat auf der Überholspur. Oder aber verschrobene, ewig missverstandene Eigenbrötler. »Plötzlich hochbegabt« vereint die Geschichten von Betroffenen, die erst im Erwachsenenalter von ihrer Hochbegabung erfuhren. Eine Erkenntnis, die viele Aspekte ihres bisherigen Lebens erklärte, aber nicht so, wie man denken mö Manche von ihnen treiben voller Tatendrang ein Projekt nach dem anderen voran, andere bringen selten eins zu Ende. Einige der Hochbegabten sind sehr starke Charaktere, andere wiederum sehr unsicher, die einen sozial engagiert, die anderen überaus freiheitsliebend, es sind Künstler dabei sowie Bodenständige. Sie alle eint die Erfahrung, dass eine Hochbegabung nicht nur das Denken eines Menschen formt, sondern seine ganze Persönlichkeit. Und während sonst meist Psychologen zu Wort kommen, Lehrkräfte und Eltern, zeichnen die Protagonisten in »Plötzlich hochbegabt« ein bunteres Bild. Sie erzählen vom Wendepunkt ihres Lebens und liefern Antworten auf die nach einem positiven Mensa-Test aufkommenden Fragen. Aber vor allem wollen sie diejenigen, die einen solchen Test noch nicht in Erwägung gezogen haben, dazu ermutigen, genauer Denn du musst kein Genie sein, um hochbegabt zu sein.
Auch wenn sich das Buch oft eher wie eine Werbung für Mensa anfühlt, und recht oft darauf gepocht wird, wie gut es sich doch anfühlt, wenn man endlich einen IQ-Test macht, hab ich einiges aus dem Lesen gezogen. Dass die verschiedenen Erfahrungsberichte sich eher positiv auf Testung und Mensa beziehen hat natürlich damit zu tun, dass das Buch in Verbindung mit Mensa erschienen ist.
Abseits davon fand ich es sehr erfrischend einfach die Verschiedenen Perspektiven der Menschen zu lesen und zu sehen, wo man sich wiederfindet und wo nicht. Auch Dinge an die man gar nicht gedacht hat. Oder zu sehen, welche Muster sich oft zu widerholen scheinen, wie zB das Gefühl das Leben "vergeudet" zu haben. Aber nicht alle Erfahrungsberichte haben diesen negativen Ton, der daher stammt, sich sehr lange unverstanden zu fühlen. Insgesamt ist es ein Mut-machendes Buch, das mich trotzdem mit der Frage zurück lässt "Aber hättet ihr euch nicht alle lernen können zu akzeptieren ohne eine bestimmte Zahl nach einem Test in den Händen zu halten?" Schließlich besteht der Leidensdruck größtenteils daraus sich anders zu fühlen, andere Bedürfnisse zu haben, missverstanden und (gerade bei den Frauen) unterschätzt zu werden. Das Leben entsprechend anzupassen, ist ja so oder so möglich und wichtig. Auch wenn ich es natürlich psychologisch verstehe, wie schwierig es ist, diese Andersartigkeit für sich persönlich positiv zu werten.
Heimlich hatte ich gehofft, dass mir das Buch ein paar Ideen für die berufliche Perspektive gibt, aber dafür waren die Erfahrungen viel zu vielfältig. Am ehesten fand ich beruhigend, wie viele Leute im Buch vorkamen, die ganz viele verschiedenen Jobs machen und auch gerne mal verschiedenen Studienabschlüsse hintereinander machen.