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فلسفات إفريقية

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كتابٌ فارقٌ، يشكلُ أول دراسةٍ فعلية للفلسفة الإفريقية، لا تقاربها من خلال مقولات الوحدة والثبات والتشابه، بل عبر مقولات التعدد والترحل والعبور والاختلاف.

Paperback

Published November 1, 2024

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October 20, 2025
Séverine Kodjo-Grandvaux weckte mein Interesse zunächst durch ihren Nachnamen "Kodjo", der mich unweigerlich an Edem Kodjo erinnerte – den einflussreichen togolesischen Politiker und ehemaligen Generalsekretär der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), der von 1938 bis 2020 lebte. Edem Kodjo war in meiner Jugend eine zentrale Figur der panafrikanischen Bewegung, und sein Name stand früher auch für die Vision eines geeinten und souveränen Afrikas. Diese Assoziation führte mich zu Séverine Kodjo-Grandvaux, deren philosophisches Schaffen ebenfalls tief in den Fragen der afrikanischen Identität, Vielfalt und Selbstbehauptung verwurzelt ist.
Séverine Kodjo-Grandvauxs Buch Philosophies africaines bietet eine beeindruckende Kartografie der Entwicklung und Vielfalt afrikanischer Denkweisen. Sie zeichnet die Kontroversen nach, die den Begriff der „afrikanischen Philosophie“ prägen, und beleuchtet die Herausforderungen, die sich aus der Begegnung mit kolonialen Diskursen ergeben. Ein zentraler Fokus liegt auf der Auseinandersetzung mit der Ethnophilosophie, die versuchte, eine kollektive afrikanische Philosophie auf der Basis traditioneller Werte zu formulieren. Kodjo-Grandvaux zeigt jedoch, dass dieser Ansatz oft essentialistisch und reduktionistisch war, da er die dynamische Vielfalt afrikanischer Kulturen ignorierte und koloniale Stereotype unabsichtlich reproduzierte.
Im Zentrum des Buches stehen die Bemühungen afrikanischer Denker wie Kwasi Wiredu und Odera Oruka, eine Balance zwischen universellen und relativen philosophischen Prinzipien zu finden. Wiredu forderte eine „mentale Dekolonisierung“, die sich kritisch mit westlichen Kategorien auseinandersetzt und alternative Denkweisen entwickelt, die in afrikanischen Kulturen und Sprachen verwurzelt sind. Odera Oruka betonte mit seinen philosophischen Strömungen, wie der „sage philosophy“, die Bedeutung individueller Weisheit in afrikanischen Gemeinschaften und stellte so die Homogenisierungen der Ethnophilosophie infrage. Kodjo-Grandvaux unterstreicht, wie diese Ansätze nicht nur afrikanische Identitäten neu definieren, sondern auch globale philosophische Diskurse bereichern.
Ein besonderes Konzept, das Kodjo-Grandvaux in Philosophies africaines hervorhebt, ist Jean-Godefroy Bidimas Idee der „Traversée“. Diese Metapher beschreibt den Prozess des Übergangs, der Transformation und der Begegnung – sowohl innerhalb Afrikas als auch im Dialog mit anderen Kulturen. Bidimas Konzept illustriert, wie afrikanische Philosophie nicht statisch, sondern zutiefst dynamisch ist, indem sie fortwährend auf externe Einflüsse reagiert und gleichzeitig eigene Perspektiven entwickelt. Diese Perspektive ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der Frage, was es bedeutet, Afrikaner zu sein, und zeigt, wie philosophische Strömungen auf dem Kontinent darauf abzielen, eine vielschichtige afrikanische Identität zu definieren und zu behaupten. Kodjo-Grandvauxs Buch ist damit nicht nur eine philosophische Bestandsaufnahme, sondern auch ein Plädoyer für eine pluralistische, dekolonisierte Philosophie Afrikas.
Das Schlusskapitel mit dem Titel Pour une philosophie nomade bildet den Höhepunkt von Séverine Kodjo-Grandvauxs Buch und fasst ihre zentrale Vision für eine afrikanische Philosophie der Zukunft zusammen. Es steht für eine Philosophie, die sich nicht durch starre Kategorien oder territoriale Begrenzungen einschränken lässt, sondern vielmehr als ein dynamischer, offener und beweglicher Prozess verstanden werden sollte. Kodjo-Grandvaux plädiert für eine Denkweise, die den Austausch zwischen Kulturen, Traditionen und Perspektiven aktiv sucht, um sich fortlaufend weiterzuentwickeln. Dabei wird Philosophie als eine Art geistige Wanderschaft begriffen, die sich auf Dialog, Begegnung und Transformation stützt.
In diesem Kapitel wird die Dekolonisierung des Geistes als zentrales Anliegen einer nomadischen Philosophie hervorgehoben. Kodjo-Grandvaux ruft dazu auf, die kolonialen Hinterlassenschaften in den Kategorien des Denkens zu hinterfragen und gleichzeitig neue, eigenständige Konzepte zu entwickeln, die tief in afrikanischen Sprachen, Kulturen und Erfahrungen verwurzelt sind. Die Betonung liegt dabei auf der praktischen Relevanz philosophischer Reflexion, die auf die sozialen und politischen Realitäten Afrikas eingeht, ohne dabei die universellen Dimensionen der Philosophie aus den Augen zu verlieren. Mit Pour une philosophie nomade fordert Kodjo-Grandvaux eine Philosophie ein, die sowohl kritisch als auch konstruktiv ist – eine Philosophie, die die Vielfalt afrikanischer Denkweisen anerkennt und gleichzeitig zur Bereicherung globaler Diskurse beiträgt.
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