In this fictional work by author and art historian Isabelle Graw, fear indeed eats the soul of the protagonist as she struggles to survive in a world increasingly defined and divided by money, addressing the situation with psychoanalytic depth. Relatable to anyone who recognizes the stream of anxious thoughts along with feelings of isolation and abandonment, the gripping inner monologue in this latest novel from Graw also offers instances of relief, connecting all who feel equally stuck, frayed, and neurotic, and suggesting a collective route through this crisis-shaken world.
Sehr mutig von Isabelle Graw einen fiktiv biografischen Roman über zwei so tabuisierte Themen zu schreiben. „Über Geld spricht man nicht, das hat man“ war ein Spruch von früher. Aber was, wenn man eben kein oder zu wenig Geld hat in diesem immer teurer werdenden Leben? Dann kriecht die Angst in einem hoch. Und darüber schreibt die Kunstkritikerin so gut, dass man sofort auch wieder mit den eigenen Verlustängsten getriggert wird. Definitiv das falsche Buch, wenn man wegen Grübeleien nachts nicht schlafen kann, dann sollte man es lieber - wie die „Ich-Erzählerin“ - mit Meditation oder Yoga probieren. Aber tagsüber genieße man den Sound und den Rhythmus des Textes, der zuweilen larmoyant, aber dann auch wieder lakonisch oder gar ironisch wirkt, wenn er die wirklich tragischen, aber auch kleinen alltäglichen Miseren des Lebens beschreibt.
S.52: „Die Bühne des Kunstbetriebs kann ich eigentlich nur betreten, wenn ich dafür gut gerüstet, sprich: in der Lage bin, an dieser Aufführung mitzuwirken, bei der alle so tun, als gehe es ihnen bestens.“ S.110: „Statt zu sehen, wie viel Support ich doch trotz allem bekomme, fixiere ich mich auf die Negativbilanz meines Lebens. Und selbst dann noch, wenn mir etwas Schönes widerfährt, bleibt es gefiltert durch meine Wahrnehmung defizitärer Umstände. Das Gute ist wie von Nebel umhüllt und dringt nicht zu mir vor.“ S.200: „Ist lebenslange Arbeit der Preis, den man zahlt, wenn man dem symbolischen Kapital mehr Bedeutung zugemessen hat als dem ökonomischen? (…) Warum wird kulturelle Arbeit inzwischen so schlecht honoriert, dass bei vielen Kulturarbeiter•innen irgendwann die Armutsfalle zuschnappt, während die Leute, die ihr Geld angelegt haben, immer reicher werden.“