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Frau Hempels Tochter

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Ein Roman aus dem Berlin der Jahrhundertwende

Die Schustertochter Laura lebt mit ihren Eltern in einem Berliner Mietshaus, in dem sich die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten begegnen. Seit sie als Kindermädchen für den Bankdirektor im gleichen Haus arbeitet, träumt sie von Besserem – besonders, als sie am Fenster gegenüber einen melancholisch dreinschauenden jungen Mann entdeckt. Wird es ein Happy End für Laura und ihren verarmten Grafen geben?

191 pages, Kindle Edition

Published February 12, 2025

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About the author

Alice Berend

90 books3 followers

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for LeserinLu.
330 reviews39 followers
February 1, 2025
Dank der Klassikerinnen-Reihe des Reclam Verlags, die ich sowieso liebe, bin ich auf den Roman „Frau Hempels Tochter“ von Alice Berend gestoßen, der sich so rasant und unterhaltsam liest, dass man kaum glauben kann, dass er über 100 Jahre alt ist. Im Mittelpunkt des Romans steht eigentlich nicht Frau Hempels Tochter Laura, sondern Frau Hempel selbst. Als tüchtige Dienstbotin sehnt sie sich nach einem besseren Leben für ihre Familie oder zumindest für ihre Tochter. Durch Tatkraft und Intelligenz kommt sie ihrem Ziel, den kleinbürgerlichen Verhältnissen in einer Berliner Kellerwohnung zu entkommen, näher. Laura beobachtet währenddessen sehnsüchtig den melancholischen jungen Mann, der im selben Haus wohnt – einen verarmten Grafen. Auch dieser wird bald auf Laura aufmerksam, auch wenn die Liebe der beiden erst einmal weder in seine noch in Frau Hempels Pläne für Laura passt.

Es hat mich beeindruckt, wie zeitlos Berends Erzählweise offenbar ist – und dass ihre weiblichen Figuren so lebendig und eigenständig wirken. Sie erzählt mit viel Witz und scharfem Blick für die Gesellschaft erzählt, aber vor allem mit großer Zuneigung für ihre weiblichen Figuren. Die Frauen in diesem Roman sind die Macherinnen, die klug und entschlossen ihre Wege gehen. Trotz der humorvollen Überzeichnung und einiger Erzählerkommentare zwischen Lebensklugheit und Ironie hat mich die realistische Erzählweise teilweise an Effi Briest erinnert, wobei die Frauen bei Berend nicht nur Leidtragende gesellschaftlicher Normen sind, sondern aktiv ihr Schicksal gestalten.

Ich habe bis zum Ende mitgefiebert, ob Frau Hempels Pläne aufgehen und konnte deshalb auch über rassistische und sexistische Details hinwegsehen, die sicher der Zeit geschuldet sind, in dem der Roman entstanden ist. Wer gerne historische Gesellschaftsromane liest, aber auf trockene Lektüre verzichten will, sollte „Frau Hempels Tochter“ unbedingt eine Chance geben. Alice Berend war zu ihrer Zeit eine erfolgreiche Bestseller-Autorin, die mit ihren Romanen sechsstellige Auflagen erreichte, bevor ihre Bücher von den Nazis verboten wurden, weil sie Jüdin war. Ich bin froh, dass der Reclam Verlag diesen literarischen Schatz neu aufgelegt hat – schön gestaltet und absolut lesenswert!
Profile Image for Melanie.
459 reviews5 followers
February 5, 2025
Frau Hempels Tochter von Alice Berend ist im Jahr 1913 erschienen - und damit 25 Jahre später als Theodor Fontanes Irrungen, Wirrungen, welches ein ähnliches Thema hat. Laura, die titelgebende Tochter der Portiersfrau Lina Hempel, verliebt sich unstandesgemäß in einen verarmten Grafen.
Die Geschichte beginnt mitten in Berlin in der Portierswohnung der kleinen Familie Hempel. Die Mutter wird mehrfach als robust und zupackend, äußerst tatkräftig und vor allem als eine Mutter beschrieben, die für ihre Tochter eine bessere Zukunft erträumt als die ihre. Die Eltern Hempel wirken aber an sich zufrieden mit sich und ihrem Leben. Er arbeitet als Schuster zuhause in der Kellerwohnung, sie ist der gute Geist des ganzen Hauses und den ganzen Tag beschäftigt. Es ist wirklich eindrucksvoll beschrieben, wie viel harte, körperliche Arbeit verrichtet werden musste - und wie oft! Jeden Tag, sommers wie winters, außer Sonntags, wird von früh bis spät gefegt, geschrubbt, gewaschen, geflickt, gebügelt, ausgebessert usw.

Laura arbeitet zunächst als Kindermädchen, dann als Hausmädchen - bis ihre Mutter eines Tages fast ihr ganzes erspartes Geld für ein Grundstück mit Haus, Wiese und Seezugang steckt und die Familie gemeinsam umzieht.

Die Liebesgeschichte Lauras spielt durchaus eine wichtige Rolle in dem Roman. Im Mittelpunkt aber steht ganz klar ihre Mutter, Lina Hempel. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und ich habe sie von Herzen lieb gewonnen.

Auch, wenn der Roman über 100 Jahre alt ist, er ist so lesbar und hat mich wirklich bezaubert. Ich konnte die Welt der Familie Hempel richtig sehen und riechen und schmecken. Der Text ist voller lustiger und ans Herz gehender Szenen, voller Aphorismen und - das kommt nicht zu kurz - Gefühl. Ich bin wirklich begeistert!

Sehr lesenswert auch das Nachwort mit den Informationen zur Autorin - wie so viele ist sie leider aus dem Gedächtnis verschwunden und umso mehr freue ich mich darüber, dass der Reclam Verlag diese Reihe verlegt - von Autorinnen, die in Vergessenheit geraten sind, vollkommen zu Unrecht.
Absolute Leseempfehlung für einen Roman, der ein Klassiker werden sollte, wie er zum Zeitpunkt seines Erscheinens auch ein Bestseller war.
Profile Image for Magnolia .
576 reviews3 followers
February 16, 2025
Eine Milieustudie

Über die vielzitierten „kleinen Leute“ hat die jüdische Schriftstellerin Alice Berend geschrieben, sie selbst kam aus großbürgerlichem Hause, sie hatte schon immer den Drang, zu schreiben. Ihr Roman „Frau Hempels Tochter“ erschien 1913, schon ihre vorherigen Bücher waren erfolgreich, weitere erschienen, sie wurde die meistgelesene Schriftstellerin ihrer Zeit in Deutschland. Ihre Werke wurden von den Nationalsozialisten verboten, sie ging in die Schweiz und später dann nach Italien.

Nun zum Buch, dem ich hier noch ein wenig nachspüren will: Frau Hempel lebt mit ihrem Mann, einem Schuster, und ihrer Tochter als Portiersfrau in einem Berliner Mietshaus. Laura heiß Frau Hempels Tochter. Sie ist jung, bildschön und will hinaus aus der Kellerwohnung der Eltern, hinaus ins Leben. Zunächst schafft sie es einige Stockwerke höher zu den Brombachs, dort ist sie als Kindermädchen angestellt. Nun, Laura sieht dann und wann von Brombachs Wohnung aus dem Fenster und was oder besser gesagt wen sie sieht, erfüllt sie mit Freude. Es ist Eugen, der junge Graf von Prillberg, der ihr ausgesprochen gut gefällt.

Frau Hempel ist fleißig und rechtschaffen, ihr großes Ziel ist es, eines Tages im eigenen Häuschen zu wohnen, dafür legt sie jeden entbehrbaren Groschen zur Seite. Sie ist zufrieden mit dem, was sie hat. Ganz anders die Gräfin von Pillberg, deren Gatte als Sektagent von Haus zu Haus tingelt und sie nun verarmt im Hinterhaus wohnen müssen. „Denn die Gräfin war sehr unglücklich, und ihr einziges Vergnügen war, sich über ihr Schicksal beklagen zu dürfen.“

Auch wenn der Schreibstil gerade anfangs etwas sperrig anmutet, so gewöhnt man sich schnell daran und geht über, die Geschichte im Kleinbürgermilieu zu genießen. Schuster, bleib bei deinem Leisten heißt es so schön, in unserem Falle wäre die Tochter eines Schuhmachers und einer Dienstbotin bei Ihresgleichen gut aufgehoben, sie aber folgt ihrem Herzen, unterstützt von ihrer lebensklugen Mutter. Wir sind in Berlin zur Jahrhundertwende, die Grenzen zwischen der feinen Gesellschaft und den gewöhnlichen, den kleinen Leuten, sind stets spürbar, das Klassendenken nicht zu leugnen. Und natürlich ist es der Frau Gräfin nicht recht, dass sich ihr Grafen-Sohn mit einer Schusterstochter einlässt, geschweige denn, sie ehelicht.

Alice Berend erzählt klug und gewitzt von „Frau Hempels Tochter“, die Neuauflage wurde moderat dem heutigen Standard angepasst. Unbedingt lesenswert ist auch das von Margret Greiner verfasste Nachwort, das dem soeben Gelesenen nochmal nachspürt und auch den Lebensweg von Alice Berend skizziert. Ein wiederentdeckter Roman, der mir kurzweilige und gar vergnügliche Lesestunden bereitet hat.
134 reviews5 followers
February 9, 2025
Leichtfüßiges Zeitportrait

„Frau Hempels Tochter“ von Alice Berend wurde vom Reclam Verlag für die tolle Reihe DAMALS – HEUTE – MORGEN: Reclams Klassikerinnen aus der Versenkung geholt – vollkommen zu Recht. Aber zuerst ein paar kurze Worte zu dieser Reihe, mit der Reclam versucht, den vielen weiblichen Autorinnen der Literaturgeschichte mehr Sichtbarkeit zu verleihen – eine wirklich großartige Idee mit einer Vielzahl lesenswerter und liebevoll designter Bücher, denen ich nur ganz viele Käufer:innen wünschen kann. Da macht Reclam einfach ganz viel richtig!

Nun aber zu „Frau Hempels Tochter“. Das Buch hat einen festen, direkt bedruckten Einband mit einer extrem angenehmen Haptik und kommt zur Freude mit einem farblich passenden Lesebändchen. Berend erzählt die Geschichte von der Schustertochter Laura, die gemeinsam mit ihren Eltern in einem Berliner Mietshaus wohnt, in dem sich ganz unterschiedliche Menschen begegnen. Gegenüber wohnt ein Graf – der diesen Titel nur noch als Titel trägt und nicht mehr wirklich mit Geld hinterlegen kann, der aber dennoch vollkommen ausreichend als Projektionsfläche für Lauras Sehnsüchte ist. Warum es für ihr Glück ein ganzes Schwimmbad braucht und was ein Schutzmann damit zu tun hat – das müssen Lesende selbst herausfinden, aber versprochen werden kann eine äußerst vergnügliche Lesereise.

Alice Berend schreibt in einem heiteren Plauderton und greift die Atmosphäre im Berlin der Jahrhundertwende gekonnt, dicht und detailreich auf. Herrlich schildert sie das Milieu der Arbeiterklasse und Kleinbürger mit viel Komik und sehr genauer Beobachtungsgabe, ohne dass sie die Figuren vorführt. Das Besondere an ihrem Schreiben sind die tätigen Frauen. Die Männer rücken in den Hintergrund, hier bewegen und bewältigen starke Frauen den Alltag, das Leben, die Träume und die Realität. Das macht Alice Berend aus heutiger Sicht zu einer feministischen Autorin, die der Frau in ihrem sozialen Umfeld viel Handlungsspielraum einräumt und sich gegen gesellschaftliche Konvention auflehnt.

Ihr Bücher wurden im Nationalsozialismus verboten, da sie, zwar evangelisch getauft, dennoch nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten eine Jüdin war. Sie musste ins Exil gehen und starb dort 1938 krank und verarmt. Sich mit diesen Schicksalen auseinanderzusetzen und ihnen eine Stimme zu geben, war immer schon wichtig – aktuell wird es wieder wichtiger. Und da „Frau Hempels Tochter“ beim Lesen einfach wundervoll viel Spaß macht: Ist dieses Stück Zeitgeschichte gerne jedem ans Herz gelegt. Vielen Dank also an den Reclam-Verlag für diese tolle Lesereihe!

Ein großes Dankeschön an lovelybooks.de und Reclam für das Rezensionsexemplar!
Profile Image for Naraya.
269 reviews8 followers
February 5, 2025
Laura lebt mit ihren Eltern in einem Berliner Mietshaus. Ihr Vater ist Schuster, die Mutter Portiersfrau (= Hausmeisterin) des Gebäudes. Beide arbeiten hart, damit ihre Tochter aufsteigen und ein besseres Leben führen kann. Vor allem Frau Hempel nimmt stets zusätzliche Aufgaben an und knüpft wichtige Kontakte, um Laura zu unterstützen. Als diese als Kindermädchen in den Haushalt eines Bankdirektors eintritt, beginnt sie von einem Leben in Wohlstand zu träumen. Doch dann fällt ihr im Fenster gegenüber ein junger Mann auf.

„Frau Hempels Tochter“ von Alice Berend erschien erstmals im Jahr 1913. Als jüdische Schriftstellerin geriet sie ab 1933 in den Fokus der Nationalsozialisten, ihre Werke wurden verboten und sie musste in die Schweiz und später nach Italien auswandern. Die Handlung wird von einem auktorialen Erzähler vermittelt, der uns einen Blick in die Köpfe der Figuren, aber auch auf das große Ganze werfen lässt. Im Mittelpunkt stehen Mutter und Tochter Hempel, was der Titel bereits ausdrückt. Laura ist zwar die Protagonistin, wird hier aber nur in ihrer Beziehung zu ihrer Mutter benannt.

Frau Hempel ist das, was wir heute eine „Macherin“ nennen würden. Sie arbeitet viel und spart eisern – die Zukunft ihrer Tochter hat für sie höchste Priorität. Als sie das verlockende Angebot erhält, eine Badeanstalt zu kaufen, greift sie zu und spannt Mann und Tochter mit in das neue Familienunternehmen ein. Laura hingegen gibt sich hauptsächlich ihren Träumen hin und folgt den Vorschlägen ihrer Mutter, ohne selbst nachzudenken. Als sie sich in einen verarmten Grafen verliebt, scheint die Beziehung keine Zukunft zu haben, denn beide Parteien wünschen sich gesellschaftlichen Aufstieg und benötigen somit eigentlich eine „gute Partie“.

Frau Hempel ist für mich die heimliche(?) Protagonistin und eine bemerkenswerte Frau, die genau versteht, wie Klasse funktioniert und wie man sich von ihren Fesseln befreit. Interessant ist hierbei, dass auch sie sich gelegentlich den Dünkel erlaubt, den sie an Höhergestellten unerträglich findet – eine spannende Sozialstudie mit einer hart arbeitenden Heldin.
Profile Image for Maike 🌱🫧.
8 reviews
July 5, 2025
Richtiges Feel-Good-Buch. Binnen weniger Seiten die Familie Hempel total ins Herz geschlossen. Die verschiedenen anderen Charaktere waren auch alle sehr interessant (überhaupt der ganze Mikrokosmos eines Wohnhauses in Berlin ca. 1910!) und ich lieb's so unnormal sehr, dass es ein Klassiker mit einem positiven Ende ist und nicht wieder mindestens fünf Leute sterben :D
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