Die meisten Juristen, Wissenschaftler, Unternehmer, Publizisten, Ärzte und Offiziere, die bis 1945 dem Naziregime treu ergeben waren, konnten in der Nachkriegszeit ihre Karrieren fortsetzen. Immer wieder entfachten Skandale um ehemalige NS-Funktionäre in wichtigen Positionen die Debatte um das braune Erbe in Wirtschaft, Politik und Kultur. Der Historiker Hans-Ulrich Thamer legt erstmals eine vergleichende Überblicksdarstellung vor und beschreibt die Strategien und Netzwerke, mit deren Hilfe weite Teile der NS-Elite in der Bundesrepublik und in der DDR ihren Platz behaupten konnten.
Man hat bei der ständigen Wiederholung der Formulierung der "zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen" ein bisschen das Gefühl, der Autor arbeitet sich in einem Maße an der DDR ab, die dem hier behandelten Thema keinen Gefallen tut und vielleicht besser ein eigenes Werk gefüllt hätte. Denn so entsteht, ohne dass er es direkt sagt, das Gefühl, hier sollen DDR und NS-Barbarei als gleich schlimm dargestellt werden sollen.
Eine lesenswerte, wenn auch eher anekdotische Überblicksarbeit, der es teilweise innerhalb der Kapitel etwas an Struktur, gedanklicher Klarheit und manchmal auch Genauigkeit fehlt. Es gelingt ihr aber, in vielen gesellschaftlichen Bereichen Kontinuitäten aufzuzeigen.
Eine Betrachtung der Karrieren von NS-Grössen, die in der Bundesrepublik weiter Karriere gemacht haben - in verschiedenen Bereichen, manchmal an Anekdoten fest gemacht - aber sehr lesbar und ein gerne beschwiegener Aspekt der bundesdeutschen Gründungsjahre