Doris Dörrie, die gefeierte Filmemacherin und Autorin, erzählt ihr Leben als Wohnende und fragt, wie und mit wem wir wohnen wollen – eine unendliche Vielfalt des Wohnens tut sich auf.
Doris Dörrie ist eine Wohnende wider Willen. Nie wollte sie sich niederlassen, fest einrichten, Wurzeln schlagen, aber wie andere wohnen, hat sie immer schon fasziniert. In Kalifornien geht sie zu Hausbesichtigungen, nur um sich andere Leben in anderen Räumen auszumalen. Auf ihren unzähligen Reisen nach Japan, Mexiko, Marokko, Amerika und Südeuropa sieht sie, wie eng das Wohnen an die jeweilige Kultur geknüpft ist. Und bei ihrer Arbeit als Filmemacherin wird sie zur Expertin für das Erschaffen künstlicher Wohnwelten. Doch während sie ihr eigenes Elternhaus beschreibt, die Studentenbuden, Wohngemeinschaften und das versuchsweise Leben auf dem Land, drängt sich ihr eine Frage immer wieder Wo ist eigentlich in all diesen Häusern und Wohnungen der Raum für die Frauen geblieben? Könnte es etwa sein, dass aus der Hausfrau nur eine Frau im Haus mit anderen geworden ist? Doris Dörrie ist fest Sie will ihre ganz eigene Art des Wohnens finden.
»Das Verlorene soll lebendig bleiben, und gleichzeitig quält die Erinnerung.« (Seite 69)
Doris Dörrie verbindet in „Wohnen“ verschiedenste Perspektiven, die alle den selben Ursprung finden: Wie sehr prägt uns unser zu Hause? Und was bedeutet Heimat?
Zerbombte Häuser aus dem Dritten Reich, Ausbeutung von Entwicklungsländern, Wohlstand und Klassengesellschaft, Sicherheit (für Frauen) in den eigenen vier Wänden: Das sind nur ein paar Ansätze, die Doris in ihrem Essay beschreibt.
Mir hat der Essayband sehr gut gefallen. Ich hätte mir nur mehr tiefe bei dem Thema „Häusliche Gewalt“ gewünscht: Hier gab es nur einen kleinen Absatz (Und das waren eh schon bekannte Zahlen). Außerdem wurde kurz Obdachlosigkeit angerissen. Im Bezug auf das „Wohnen“ hätte ich die Perspektive auch sehr wertvoll gefunden.
10 Bücher über die 10 wichtigsten Themen des Lebens Wohnen von Doris Dörrie ist eines davon und es gefiel mir richtig gut. Sie nimmt uns mit in ihre verschiedensten Lebens- und somit auch Wohnsituationen. Ob in New York, auf dem Lande in Deutschland oder in Japan. Dörrie erzählt leicht und in ganz vielen Situationen dachte ich mir, genau so ist es. Lesenswert!
So so good! Dörrie is incredibly great when she writes autobiographical style essays. What a life she‘s been living, mindblowing – so much input on so many topics, love.
Großartig! Für mich das beste Buch aus der Reihe! Dörrie hat eine so wunderbare Art zu schreiben, man fühlt sich wie von einer Freundin umarmt und mitgenommen.
Wohnen ist ein interessanter Essay über ein einfaches Thema, enthält aber viele persönliche Erfahrungen und Gedanken. Die Autorin greift moderne Themen auf und zeigt, dass das Wohnen dadurch gefährdet sein kann. Leicht feministisch, mit einer Prise Humor hier und da – das Buch hat mir sehr gut gefallen.
Dieses schmale Buch zum Thema "Wohnen " hat mir sehr gut gefallen. Doris Dörrie schreibt so angenehmen und spannenden über ihre eigenen Erfahrungen zu verschiedenen Wohnsituationen, über Traumhäuser, ihre Japanreisen und was Heimat bedeuten kann. Immer mit einem kritischen Blick und gleichzeitig einer Spur Humor. In einigen Anekdoten habe ich mich selbst wiedergefunden. 4,5 Sterne für dieses sehr unterhaltsame Buch
Doris Dörrie beantwortet in "Wohnen" mithilfe von autobiografischen Anekdoten, historischen Ereignissen und mit viel Bezug auf Literatur, Film und Fernsehen die Frage, was Wohnen und Räume für uns Menschen bedeuten. Dabei stellt sie immer wieder Geschlechter- und Gerechtigkeitsfragen in den Fokus und thematisiert klar die Auswirkungen vom Patriarchat aufs Wohnen.
Ich habe Dörries Perspektive sehr als am Zahn der Zeit wahrgenommen und konnte viele kluge Gedanken mitnehmen, mich zwischendurch aber auch in dem Erzählten verlieren und in die Geschichten reinfühlen. Es war also gefühlt von allem etwas dabei und mich begeistert wie Dörrie diese vielen verschiedenen Ansätze zu einer lebhaften und stringenten Erzählung verknüpft hat.
Ich würde "Wohnen" in jedem Fall weiter empfehlen und habe nun großes Interesse, mehr von Doris Dörrie zu lesen und über ihre Sicht auf die Welt zu erfahren!
Einziges kleines Manko: ich hätte mir eine Kapitelunterteilung gewünscht, da sie dem Ganzen noch etwas mehr Struktur gegeben hätte. Deshalb 4,5☆
Ich muss zugeben, dass mir Doris Dörrie vorher nichts gesagt hat. Das Thema des Buches ist wirklich sehr interessant und ich find, dass sie viele sehr schöne Gedanken zum Thema Wohnen und Heimat ausdrückt. Hat mir auf jeden Fall gut gefallen und hat sich sehr schnell und einfach gelesen.
Der Text liest sich flüssig, war mir insgesamt aber zu dünn. Im letzten Viertel nimmt das Buch nochmal ein bisschen Fahrt auf, aber aus dem Thema Wohnen hätte man so viel mehr machen können. Ich hätte mir mehr Metaebene und weniger persönliche Erzählungen, wann die Autorin wo gewohnt hat, gewünscht. Außerdem hat mir eine Gliederung gefehlt. Vermutlich werde ich das Buch schnell wieder vergessen.
Doris Dörrie hat mit "Wohnen" eine sehr lesenswerte Betrachtung eines Konzeptes geschrieben, das uns allen täglich begegnet. Es ist teils Memoir, teils soziologische Analyse und voller unterhaltsamer und lehrreicher Anekdoten. Es regt zum Nachdenken an, bleibt dabei aber auf Augenhöhe. Für mich hat der Hanser-Verlag mit "Wohnen" die LEBEN-Reihe perfekt ergänzt und für alle, die sich fragen, mit welchem Band sie am besten einsteigen sollten: lasst es dieser sein.
Nicht ganz das, was ich erwartet oder mir gewünscht habe. Ich mochte die Besprechungen von einem Schreibraum als auch der Küche, wie Räume viel über einen Menschen aussagen etc. Die letzten 30 Seiten haben mich weniger gecatcht. Die Erwähnung von Marie Kondo, Feng-Shui und ein Garten als 'gewolltes Paradies' hatte ich schon erwartet und bekommen hehe.
DOCH NA ES BUECH VOR 2026 FERTIG eig es herzigs buech über eusi verschiedene arte vom wohne, öppis wo ich mier vorher nanie vill gedanke dezue gmacht han ihri gedanke, paart mit anekdote vo ihre als regisseurin, studentin oder muetter, sind meistens recht spannend gsi. vor allem die anderi art vom wohne in china und japan hani recht cool gfunde leider sinds amigs doch au chli seichti floskle gsi aber passieeert 3.5 sternlis💫
3,5 - Eine schoene Beobachtung vom Wohnen aus verschiedenen Blickwinkeln. Dörrie erzaehlt ueber ihre Beziehung zum Wohnen Im Sinne des Sesshaft-werdens, ueber das Wohnen aus einer Perspektive der Rollenverteilung der Geschlechter & dem Wohnen in verschiedenen Zeitaltern. Ich fand es schoen, mit vielen guten Gedanken- es hat sich ein bisschen angefuehlt, wie ein Gespraech, in dem sie einem einfach ein bisschen was ueber ihr Leben erzählt & das dann aber mit Literatur etc verwebt. Trotzdem war es fuer mich auch nicht viel mehr & hat mir nicht super viele neue Impulse geben können!
Wie wunderbar! Ich habe das Buch geschenkt bekommen und erst nach ein paar Monaten, als ich Bücher von unterschiedlichen Orten in der Wohnung auf einen gemeinsam Stapel räumte, zur Hand genommen. Dann aber fesselte es mich. Diese Mischung aus Erzählungen aus dem Leben Doris Dörries und ihrer Familie, Kulturgeschichte, Politik und Philosophie und aktuellen Herausforderungen unserer Zeit ist faszinierten und sehr lesenswert.
Doris Dörrie hat ein Buch über das Wohnen geschrieben - mit gleichnamigem Titel. Ich habe "Wohnen" gesehen und dachte: "Was für ein spannendes Thema." Und das Buch hält, was es verspricht: Es ist eine spannende und ganz eigenwillige Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Wohnräumen für unser Leben, deren Einfluss auf unsere Entwicklung. Wären wir die Menschen geworden, die wir heute sind, wenn wir anders gewohnt hätten? In ihrem Buch reflektiert sie über das Wohnen aus unterschiedlichen Perspektiven, teilt ihre klugen gesellschaftlichen Beobachtungen und bringt immer wieder autobiographische Elemente ein, die das Thema für mich sehr nahbar gemacht haben. Wohnen ist so ein grundlegendes und damit irgendwie auch banales Thema, weil wir ja alle irgendwie wohnen und wahrscheinlich nicht großartig drüber nachdenken, da wir ja in ein Wohnen hineingeboren werden und das wohl auch selten von allein - ohne äußere Einflüsse - hinterfragen. Doris Dörrie macht das hier und es ist wirklich augenöffnend. Zumindest für mich. Die Geschichte beginnt mit einem Blick in Dörries Kindheit und das Elternhaus in Hannover. Ihre Eltern, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hatten und ausgebombt wurden, hatten eine eher nüchterne Haltung gegenüber Einrichtung und Besitz. In ihrem Elternhaus fehlte die Nostalgie, und feste Bindungen an Gegenstände wurden eher gemieden. Diese Prägung hat Dörries eigenes Verhältnis zum Wohnen stark beeinflusst. Sie beschreibt sich selbst als eine Art "Wohnverweigerin" – Rastlosigkeit und die Abwesenheit von der strengen Verbindung vom Heimatgefühl mit einem bestimmten Wohnort ziehen sich weitestgehend wie ein roter Faden durch ihre Lebensgeschichte. Im weiteren Verlauf des Buches darf man die verschiedenen Wohnräume ihres Lebens besuchen. Auf ihren zahlreichen Reisen nach Japan, Mexiko, Marokko, Amerika und Südeuropa hat sie die vielfältigsten Wohnkonzepte erlebt und teilt auch diese Erfahrungen und die Gedanken darüber bereitwillig mit ihrer Leserschaft. Dabei wird deutlich, dass Wohnen (für sie) weit mehr ist als nur die Einrichtung oder die Größe des Raumes. Sie beschreibt die unterschiedlichen Wohnkulturen auf der Welt und wie diese auch das gesellschaftliche Leben beeinflussen - und umgekehrt. Ein wichtiges Thema scheint für Dörrie auch die Rolle der Frau im Wohnraum zu sein. Dabei kommt sie immer wieder darauf zurück, welche Räume Frauen in traditionellen Wohnkonzepten Frauen zugestanden werden und wie sich diese Rollenbilder und damit auch die Raumverteilung im Laufe der Jahrzehnte gegebenenfalls verändert haben. Als Beispiel dient immer wieder ihre Mama, die nie ein eigenes Zimmer hatte und wie das auch wiederum die Rolle der Mama in der Familie geprägt hat. Im Kontrast dazu ist die Bedeutung Dörries eigenen Zimmers in ihrer eigenen Kindheit umso krasser. Für sie war das eigene Zimmer ein Raum für Rückzug und Kreativität – eine Freiheit, die ihrer Mutter letzten Endes Zeit ihres Lebens verwehrt blieb. Diese Beobachtungen führen zu grundlegenden Fragen: Wie viel Raum gestehen sich Frauen selbst zu, und wie viel Raum wird ihnen gesellschaftlich eingeräumt? Wie hart müssen Frauen kämpfen, um eigenen Raum (metaphorisch und real) zu bekommen. Und wäre sie selbst zu einer kreativen Person geworden, wenn sie nie ein eigenes Zimmer gehabt hätte? Der Schreibstil ist angenehm leicht und humorvoll. Dennoch geht dem Text die Ernsthaftigkeit nicht ab, da die Basis eine tiefgründige Reflexion zu diesen vermeintlich alltäglichen Themen ist, in der ihre persönliche Wohnbiografie und eine gesellschaftliche Betrachtung aus der Vogelperspektive miteinander verknüpfen werden. Ihr Blick auf das Wohnen ist dabei auch kritisch und politisch, denn sie zeigt mit dem Finger klar darauf, wie Wohnräume immer auch politische und kulturelle Aussagen treffen. Ob winzige, funktionale Apartments in Tokio oder großzügige Villen in Kalifornien – die Frage nach Besitz, Raum und Privatsphäre zieht sich als roter Faden durch das Buch. Diese Balance hat mir super gut gefallen und mir einen unterhaltsamen Text beschert, der mich nichtsdestotrotz sehr zum Nachdenken angeregt hat! Wieso? Weil es ihr gelingt, die kleinen und großen Fragen des Wohnens in den Kontext gesellschaftlicher Strukturen zu setzen. (Mir als studierter Soziologin kommt das natürlich ganz nah ans Herz!) Ihre Überlegungen dazu, wie wir unser Zuhause gestalten und was es über uns aussagt,hat mich dazu veranlasst, meine eigenen Wohnverhältnisse mal ganz neu zu betrachten. Denn unser Zuhause ist viel mehr als nur ein bloßer Aufenthaltsort – es ist ein Spiegel unserer Persönlichkeit, unseres Lebensstils und unserer Werte. Was ich sehr schön fand, war, dass es auch gefühlt einen externen Wegweiser im Buch gab. Nämlich einen Fragebogen über das Wohnen aus der ZEIT, den sie ausgefüllt hat. Dieses Element kommt immer wieder und anhand der verschiedenen Fragestellungen reflektiert Dörrie dann über die entsprechenden Themen. Am Ende des Buches gibt es natürlich auch noch die Auflösung, welcher Wohntyp sie ist. Hier mein Fazit: Doris Dörrie hinterfragt in ihrem Buch "Wohnen" den scheinbar banalen Akt des Wohnens auf eine ganz wundervolle, unterhaltsame aber gleichzeitig auch tiefgründige Art. Mit einer gelungenen Mischung aus persönlicher Reflexion und philosophischer Tiefe regt sie dazu an, den eigenen Lebensraum erst mal bewusst zu sehen und dann neu zu betrachten. Ihr Schreibstil ist gleichzeitig humorvoll und klug und das macht richtig Laune beim Lesen. "Wohnen" ist ein Buch für alle, die sich gern mal gedanklich anregen lassen, die gern mal eine andere Perspektive einnehmen und offen sind, das eigene Leben und Wohnen neu zu betrachten. Ein wirklich interessantes und schönes Buch!
"Wir tragen den Ort, an dem wir aufgewachsen sind, für immer in uns, und wenn wir Glück haben, war es ein geschützter, sicherer Ort."
"Inzwischen ist die Küche zugestellt mit Büchern, Malutensilien, Mitbringseln, z.B. einem Bild vom chinesischen Küchengott Zhang Sheng. Der berichtet einmal im Jahr dem Jadekaiser vom Zustand des jeweiligen Haushalts und ob in der Küche genug gekocht wurde, woraufhin der Jadekaiser entscheidet, ob das nächste Jahr ein gutes oder ein schlechtes wird. Um den Küchengott zu bewegen, auf keinen Fall zu petzen, bereitet man ihm süße Speisen."
"Wohnungen sind Metaphern. Sie erzählen immer über uns. Als Inszenierung oder unfreiwillig, aber immer erzählen sie."
"Erstaunlich selten kommt zur Sprache, dass die Küche ein hochpolitischer Ort ist, wie und was wir essen, bestimmt den Zustand der Welt. In Deutschland beanspruchen wir pro Kopf für unsere Ernährung ca. 2250 qm Agrarfläche im Jahr, nur ein Viertel davon für pflanzliche Nahrung und zwei Drittel für Futtermittel für Rinder, Schweine, Kühe (Zahlen vom Umweltbundesamt 2016). Die Fläche dafür haben wir selbst aber gar nicht, also beziehen wir diese Nahrung fast zur Hälfte aus anderen Ländern. Ein ziemlich beeindruckendes Argument für vegane Ernährung. In unseren Küchen entscheiden wir also über Klimaerwärmung, Landverteilung und -nutzung, über Armut, Landflucht und Migration."
"Manchmal schauen wir uns selbst zu wie einem Gespenst. Wenn wir als Erwachsene unser Elternhaus besuchen, sind wir gleichzeitig als Kind und Teenager anwesend. Aber wir gehören nicht mehr richtig dazu, fühlen uns nicht mehr zuhause. Wie in einer permanenten Doppelt-, Dreifach-, Zehnfachbelichtung sehen wir uns selbst in den Räumen der Erinnerung zu."
"Ein Mann allein war romantisch und ein Abenteurer, eine Frau allein »hatte niemanden abbekommen«, sie drohte zu verarmen, zu verkommen, zu verderben, abzurutschen, einsam und seltsam zu werden, kauzig, wunderlich, versponnen - und vor allem bemitleidenswert. A childless cat lady. Immer noch eine (männliche) Beschimpfung."
"Für Frauen gibt es weiterhin nur wenige sichere öffentliche Räume. Und oft sind sie nicht einmal in ihren eigenen vier Wänden sicher. Die Zahl der häuslichen Gewaltdelikte ist 2024 auf mehr als 240.000 gestiegen, alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht. Meistens zuhause. In den eigenen vier Wänden (Süddeutsche Zeitung vom 8.6.2024)."
"Wie und wo man wohnt, ist immer eine Frage von Klassenzugehörigkeit, Herkunft und sozialem Status, aber die allgemeine Wohnungsnot verschärft vor allem die Not von Frauen und Kindern. Wohnen ist eben auch eine Geschlechterfrage."
"Die Wohnung soll Schutz vor Gefahren bedeuten, vor der Öffentlichkeit, dem Außen. Sie ist vom Gesetz geschützt, nicht jeder hat Zutritt. Es gibt den Begriff des Hausfriedensbruchs: Hier drinnen herrscht Frieden, hier darf ich sein, wie ich will, hier ist meine Grenze zum Außen."
"Das deutsche Wort Heimat lässt sich in fast keine andere Sprache übersetzen, überfrachtet wie kaum einanderes, trägt es schwer an seiner kontaminierten nationalsozialistischen Verwendung. Gerade wird es wieder von der politisch Rechten herumposaunt, um Verlustangst zu verbreiten, was angesichts von rasant steigenden Mieten, Wohnungsnot und Zuwanderung prächtig funktioniert. Es wird von der Verteidigung der Heimat geredet, gegen Migranten und Geflüchtete gehetzt, also die, die ihr ursprüngliches Zuhause aus unterschiedlichen Gründen verlassen und verloren haben. Heimat wird mit Territorium gleichgesetzt, das es gegen das Fremde zu verteidigen gilt. Sie wird sentimental und nostalgisch als bedroht inszeniert, ständig droht ihr Verlust, es werden neue Heimatromane geschrieben, Fernsehfilme in der »heilen« Provinz gedreht, die Bilder von Caspar David Friedrich wiederentdeckt und gefeiert, als wollten wir alle auf dem berühmten Kreidefelsen stehen, in die Ferne schauen und sehnsuchtsvoll das Gefühl von Heimat in der romantisch geschwellten Brust verspüren."
"Die Vertreibung aus dem Paradies ist eine Grundangst. Wer fürchtet sich nicht beim Anblick von Menschen, die ihre wenige Habe im Einkaufswagen vor sich herschieben: Das kann auch dir widerfahren. Schneller, als du denkst, kannst du aus deiner Doppelhaushälfte, deiner geheizten Wohnung, deinem geliebten Gärtchen, selbst aus deiner Starnberger Villa vertrieben werden."
"Die Beziehung zum Raum und zu sich selbst scheint in Japan grundlegend anders zu sein, es gibt ein Bewusstsein dafür, dass nicht nur ich den Raum bewohne, sondern der Raum auch mich."
"Zu sterben, heißt es, sei, wie von einem Zimmer ins nächste zu gehen."
„Wohnen“ von Doris Dörrie ist in der Essayreihe „Leben“ des Hanser Verlags erschienen. Der Hanser Verlag hat bekannte deutschsprachige Autor:innen gebeten, sich Gedanken zu den wesentlichen Themen des Lebens (Altern, Streiten, Lieben, Schlafen, Arbeiten, Wohnen, etc.) zu machen. Doris Dörrie hat sich mit dem Thema „Wohnen“ befasst und herausgekommen ist ein ganz wunderbares Essay. Die Sesshaftigkeit der Eltern der 1955 in Hannover geborenen bekannten Filmemacherin und Autorin ist nichts für sie - sie wollte nie für immer an einem Ort leben. Auch wollte sie nicht das Schicksal ihrer Mutter teilen, deren Reich das Haus und besonders die Küche waren. Doris Dörrie nimmt den Leser mit in die Wohnräume ihres Lebens, beschreibt das Elternhaus, die diversen Studentenbuden, Wohngemeinschaften, Wohnungen, in denen sie gelebt hat. Auf ihren vielen Reisen nach Japan, Mexiko, Marokko, Amerika und Südeuropa sieht sie, wie sehr das Wohnen mit der Kultur des jeweiligen Landes verbunden ist. Wohnen ist ein Menschenrecht, doch wie man wohnt und wieviel Platz man beansprucht, ist von Zivilisation zu Zivilisation unterschiedlich. Auch die Vorstellungen vom eigenen „Wohnparadies“ sind äußerst unterschiedlich. „Wohnen“ ist durchaus eine Art Selbstporträt Dörries, sie beleuchtet aber auch politische und gesellschaftliche Aspekte des Wohnens und hinterfragt u.a., welche Räume wem zustehen (auch heute noch haben die wenigsten Frauen einen eigenen Raum in einer Wohnung) oder wieviel Raum/Platz wir wirklich benötigen (fehlender oder nicht mehr bezahlbarer Wohnraum, weil wir immer größer wohnen wollen), sind unsere Wohnvorstellungen (das große Eigenheim mit Garten) für die Zukunft noch geeignet, usw. „Wohnen“ ist ein sehr kluges, lesenswertes Buch, lebendig und unterhaltsam geschrieben und regt durchaus zum Nachdenken ein. Klare Leseempfehlung!
ein schöner (autobiografischer) essay übers das wohnen und wie frauen wohnen. viele referenzen. ich habe es heute durch zufall in einer kleinen buchhandlung gekauft weil ich es schön fand und weil ich nicht nur sachbücher kaufen wollte, und habe es sehr schnell gelesen, wie einen kleinen spaziergang.
Eine sehr Schöne Ergänzung in der Reihe und mir hat der Ton der Autorin super gut gefallen, aber mir fehlt ein bisschen die Struktur und es gab irgendwie weniger Anknüpfpunkte zur Selbstreflektion. Trotzdem eine spannende Geschichte und interessante Ideen
Interessante, unterhaltsame Geschichten, die mich teilweise zum Lachen, teilweise zum Nachdenken gebracht haben. Manchmal ein bisschen durcheinander, zu den meisten hätte ich auch gern noch mehr gelesen.
Ich mag die Idee davon, dass das Buch an vielen Orten steht, an denen Menschen wohnen.
I laughed out loud and felt like I was talking to a cool friend. It made me think about how I feel personally judged when people judge somethung about my apartment. It made me want to read more books by the same author.
Sympathische Autorin, die vielerlei anregende Thesen und Thematiken im Zusammenspiel von Wohnen angerissen hat. Gemeinsam mit "Lieben" mein liebster Band der Reihe.