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Zuhören: Die Kunst, sich der Welt zu öffnen

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Warum hören wir nicht zu? Ein Plädoyer, sich der Welt zu öffnen, von Bernhard Pörksen, der bereits in seinem Buch „Die große Gereiztheit“ Wege für positive gesellschaftlichen Debatten aufgezeichnet hat

Zuhören, Gehörtwerden, den Dialog auf Augenhöhe führen – das sind Schlagworte unserer Zeit, Leerformeln der politischen Rhetorik. Aber was heißt es, wirklich zuzuhören, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen, sich der Weltsicht des anderen auszusetzen? Warum hört man so lange nicht auf die Opfer sexuellen Missbrauchs, warum nicht auf die Warnungen vor dem Klimawandel? Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das Zuhören verhindern – ob im privaten Umgang oder in der Öffentlichkeit. Und er präsentiert Ansätze und Methoden, die eine neue Offenheit, tieferes Verstehen und empathisches Zuhören ermöglichen. Wie erreicht man, so lautet die Schlüsselfrage, diejenigen, die man nicht mehr erreicht?

337 pages, Kindle Edition

Published January 28, 2025

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About the author

Bernhard Pörksen

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
1 review
September 6, 2025
Pörksen widmet sich vier Krisen unserer Zeit und versucht in direkten Gesprächen zu verstehen, woran Kommunikation scheitert – und wie sie funktionieren kann. Seine Erkenntnisse und eigene Herausforderungen hält Pörksen in der Ich-Perspektive fest. Das persönliche Erzählen begründet Pörksen durch die „Tiefengeschichte“ (angelehnt an das Konzept von der Soziologin Hochschild): Menschen blicken durch eine Brille, die durch individuelle Erfahrungen, kollektive Umstände und die eigene Lebenssituation geprägt ist. Sie beeinflusst, für welche Erzählungen wir empfänglich sind, weil sie selbst Erlebtes ansprechen – und welche Berichte wir ignorieren, weil sie nicht zur eigenen Weltanschauung passen. Eine von Pörksens Grundthesen lautet: „Wir hören, was wir fühlen“. Das anzuerkennen, bedeute „von sich zu sprechen, sich berührbar zu zeigen, verbunden mit der Welt, die man beschreibt.“
Dennoch weist das personalisierte Erzählen, welches in der wissenschaftlichen Essay-Kultur wie im Journalismus allgemeinen Aufschwung erfährt, auch Problematiken auf.
Zum einen droht eine Erzählung, die auf individuelle Betroffenheit setzt, strukturelle oder systemische Faktoren zu überdecken: In einer Aufmerksamkeitsökonomie, die sich nach Emotionalität, Nähe und Dramatik richtet, erhalten nicht unbedingt die komplexesten, sondern die eindringlichsten Erzählungen Gehör – selbst dann, wenn sie argumentativ weniger tragfähig sind. Wenn Pörksen betont, dass Menschen vor allem das hören, was sie fühlen, stellt sich die Frage, ob Zuhören dann nicht hauptsächlich jenen gilt, zu denen man ohnehin eine emotionale Nähe verspürt – und andere Perspektiven dadurch ungehört bleiben.
Fraglich bleibt auch Pörksens Betonung der Tiefengeschichte, insbesondere hinsichtlich eines Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule: Pörksen habe als Schüler selbst Schikanen durch einen Lehrer erlebt, was hinsichtlich des Skandals seine Aufmerksamkeit weckte; die interviewte Schulleiterin Margarita Kaufmann ist hingegen selbst von ihrem Vater missbraucht worden. Die Suggestion, es könnten also nur jene auf Missstände aufmerksam werden und diese aufdecken, die ähnliches erlebt haben, schränkt nicht nur die allgemeine Handlungsmacht ein, sondern untergräbt auch die kollektive Verantwortung.
Zum anderen erhebt Pörksen seine persönliche Meinung implizit zum moralischen Maßstab. Er selbst hält zu Beginn seines Buches fest, dass Zuhören stets vermittele, wer etwas sinnvolles oder potenziell erkenntnisreiches zu sagen habe. Durch die Auswahl seiner Beispiele und seiner Gesprächspartner nimmt er also eine Wertung vor: Er spricht mit jenen, deren Anliegen gesellschaftlich Gehör verdienen.
Pörksen analysiert, woran das Zuhören scheitert – etwa, dass eine idealisierte Vorstellung des Reformpädagogen Gerold Becker sein Umfeld dazu veranlasste, die Verbrechen auszublenden und den Täter zu schützen. Die Gesprächspartner, denen Pörksen Gehör schenkt, stehen hingegen ausnahmslos auf der moralisch richtigen Seite, was durch die persönliche Erzählung an Schlagkraft gewinnt. Jeglichen Dilemmata beim Zuhören geht Pörksen damit aus dem Weg. Denjenigen, denen er zuhört, stimmt er bereits zu. Der Appell, sich „der Welt zu öffnen“, erscheint damit weniger als demokratischer Kraftakt, denn als Bestätigung einer bereits eingenommenen Haltung. Inwieweit betrifft Pörksens Aufruf, anderen Perspektiven zugewandt zu sein, also ihn selbst? Oder richtet sich seine Forderung nur an jene, die einem – aus seiner Sicht – falschen Weltbild anhängen?
Einer pauschalen Kritik entzieht sich der Medienwissenschaftler, indem er auf die Freiheit des Zuhörens verweist: Niemand kann gezwungen werden, zuzuhören. Es liegt im eigenen Ermessen, wem man Gehör schenkt. Gehört zu werden, bedeute außerdem nicht, erhört zu werden: Nicht jeder gehörten Meinung muss man zustimmen oder folgen. Wann es legitim ist, nicht zuzuhören, verweist Pörksen damit auf die Verantwortung des Einzelnen.
Damit bleibt aber intransparent, nach welchen Maßstäben er selbst bestimmt, wem er zuhören möchte. Es ist nachvollziehbar, dass bestimmte Positionen kein Gehör finden – es muss jedoch klar sein, anhand welcher Kriterien dies entschieden wird. Nur so lässt sich der Meinungspluralismus schützen und verhindern, dass selektives Zuhören zur impliziten Ausgrenzung wird. Obgleich Pörksen fordert, die eigenen Kategorisierungen durch Zugewandtheit zu hinterfragen und erst im zweiten Schritt zu werten, entwickelt sich die moralische Klarheit seiner Erzählung zum blinden Fleck der eigenen Forderung.
Zwar versteht Pörksen sein Buch eher als Darlegung eines persönlichen Prozesses, denn als wissenschaftliche Analyse. Gerade dann müsste er jedoch sein eigenes Zuhören kritischer hinterfragen. Bereits im ersten Kapitel berichtet der Medienwissenschaftler, dass er zu Recherchezwecken drei Koffer voller Bücher gelesen habe. Geholfen hätten Sie ihm nicht, „allenfalls ein bisschen“. Zwar kann er dennoch auf eine hinreichende Bibliographie verweisen. Anstatt sich mit fremden Perspektiven auseinanderzusetzen, scheint Pörksen jedoch lieber seine eigene Sichtweise darzulegen. Ob sein Buch damit tatsächlich ein Plädoyer für das Zuhören ist oder eher ein Versuch, selbst Gehör zu finden, bleibt offen.
Profile Image for Jan Stumper.
14 reviews
February 25, 2025
So wichtig die Botschaft des Buches auch ist; in der Analyse des “Warum” und des “Wie” bleibt es oberflächlich und am Ende recht banal. Schlussthese ist, dass es Nuancen im Einzelnen sind, die wahres Zuhören bedingen und gleichfalls darstellen.

Der Stil des Autors ist zudem teils schwierig zu lesen. Alle vier Absätze kommt ein “Szenenwechsel”, es folgen “Vier Thesen.” Man merkt, der Autor ist im Klarheit und Verständlichkeit bemüht. Dennoch fühlt sich das Lesen teils redundant und langweilig an.
Profile Image for Grammarian.
89 reviews
April 2, 2025
Total irreführender Titel, null sinnvoller Inhalt.
Also ich kann die Diskrepanz noch immer net fassen und muss einfach weil sämtliche Erwartungen und Hoffnungen für dieses Buch so unglaublich enttäuscht wurden eine solche Bewertung geben. Wie man mit soviel emotionaler Färbung und Meinungsmache zuhören will ist mir unerklärlichen, dem Autor scheinbar auch weil zuhören ist nicht Thema des Buches
Profile Image for Nixennacht.
114 reviews9 followers
May 29, 2025
Ich mochte das Buch, auch wenn der Titel vielleicht etwas irreführend ist. Es geht vielleicht mehr um das Gehör finden und welche gesellschaftlichen Voraussetzungen es dafür braucht als ums Zuhören selbst.

Fand Pörksen's Analysen aber erfrischend komplex und die ausgewählten Themenkomplexe sehr spannend.
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