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Verzauberte Vorbestimmung

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Ein algerischer Soldat gerät in den ersten deutschen Giftgasangriff, beschließt, einer müsse damit aufhören, steht auf und geht. Im Kairo der Zukunft beobachtet eine Stand-up-Comedian eine Androidin beim Lachen über ihre Witze. Ein böhmischer Weber wird durch einen automatisierten Webstuhl ersetzt, raubt einen Hammer und attackiert den Apparat. Wovon träumen wir Menschen des Kapitalismus, wovon unsere sich zunehmend gegen uns erhebenden Maschinen? Im einzigartigen Spiegelraum dieses Romans ist kein Konflikt vorbei und noch jede Geschichte möglich. Klug und irrsinnig, komisch und scharf erzählt Jonas Lüscher auf der Höhe seiner Kunst von einer Gegenwart, die gern mehr über ihre Zukunft wüsste.

353 pages, Kindle Edition

First published January 28, 2025

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About the author

Jonas Lüscher

7 books33 followers
Jonas Lüscher, geboren 1976 in der Schweiz, lebt in München. Nach einer Ausbildung als Primarschullehrer in Bern und einigen Jahren in der deutschen Filmindustrie studierte er an der Hochschule für Philosophie in München. Derzeit arbeitet er als Doktorand am Lehrstuhl für Philosophie der ETH Zürich. 2013 erhielt er den Berner Literaturpreis und den Bayerischen Kunstförderpreis. Sein Debüt Frühling der Barbaren stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

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Community Reviews

5 stars
25 (25%)
4 stars
28 (28%)
3 stars
31 (31%)
2 stars
11 (11%)
1 star
3 (3%)
Displaying 1 - 16 of 16 reviews
Profile Image for Anna.
627 reviews40 followers
October 17, 2025
Deutscher Buchpreis Longlist #15

Mein persönliches Ranking Platz 2 von 20 - und damit auf der exklusiven Anna Shortlist!

In Jonas Lüschers neuem Roman „Verzauberte Vorbestimmung“ gehen Realität und Traum ineinander über und es vermischen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Ergebnis ist ein ambitionierter Text, der zwar nicht allen Leser:innen zugänglich sein wird, der aber eine ungemeine literarische Wucht entfaltet, wenn man sich auf ihn einlässt.

Das Grundmotiv des Werkes ist das Verhältnis von Mensch und Maschine, von Moderne und Modernekritik, von lebenswerter Gegenwart und dystopischen Utopien. Den existentiellen Impuls für das Narrativ gibt die Coronaerkrankung des Autors. Wie auch der reale Jonas Lüscher starb der fiktionale Erzähler beinahe in der Pandemie. Er wurde für mehrere Monate in ein künstliches Koma versetzt, während Maschinen für ihn die Funktion der versagenden Organe übernahmen.

Aus dieser Erfahrung heraus, dieser Technisierung des eigenen (Über)Lebens entwickelt Verzauberte Vorbestimmung gleich eine ganze Reihe an Narrativen, die die Spannung zwischen Überleben und Entmenschlichen, zwischen Faszination am neuen und Verlust des Alten auskosten. Nach seiner Genesung durch die Verschmelzung mit einer und die symbolische Transformation zur Maschine macht Lüscher sich auf zwei Reisen, während derer in zahlreichen erzählten Episoden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen. Dieses Vermischen fordert uns zur Reflexion über die Ambivalenz von Lebenserrettung und Unmenschlichkeit technischer Innovationen auf. Chronologisch ist dabei nichts: Wir steigen ein mit einer Geschichte über den ersten Weltkrieg, und es dauert einige Zeit, bis die Rahmenhandlung überhaupt sichtbar wird.

Die erste Reise führt Jonas Lüscher auf den Spuren von Peter Weiss ins südfranzösische Hauterives. Seine Schritte überlagern sich dort mit denen dieses anderen Autors vor 60 Jahren. Auch eine noch fernere Vergangenheit tritt hinzu, nämlich die Zeitschicht der englischen Weberaufstände – Lüscher riecht die brennenden Fabriken des 19. Jahrhunderts, während er in seinem modernen Hotelzimmer steht. Er schreibt nicht nur über englische Weber, die die neuen Maschinen zerstören, um ihre eigene Welt zu bewahren, sondern er beobachtet durch die Zeit hindurch, hinter einem Automaten kniend, wie die Weber ihren Aufstand planen und von der Realität eingeholt werden.

Seine zweite Reise führt nach Kairo und Ägypten, wo er nicht nur über die Stadt nach Revolution und Pandemie spricht, sondern auch in die Vergangenheit der Pharaonen schaut und in eine nahe Zukunft, in der vernetzt sein für Menschen eine ganz neue Dimension angenommen hat. Hier geht es auch um Größenwahnsinn, Diktatur und die Räume für Menschlichkeit, die dabei ungesehen entstehen.

In diesen und anderen Episoden folgt der Lüscher den philosophischen und existenziellen Gedanken, die er aus dem Fiebertraum zwischen Sterben und Leben mitgenommen hat. Dabei schlägt die Erzählung von einem Absatz zum anderen in der Zeit um, und der Text blüht voller präziser narrativer Volten, die das Erzählen selbst in den Blick nehmen: Lüscher schreibt über den algerischen Soldaten im Ersten Weltkrieg, der die Geburt des Gaskrieges miterlebt und danach mit geschädigter Lunge in Frankreich bleibt; er schreibt über den Autoren Peter Weiß, und dessen Flucht vor dem Nationalsozialismus; er zeigt uns den Todesmarsch von Schwarzheide, einem Außenlager des KZ Sachsenhausen, nach Theresienstadt und lässt uns die Namen derer lesen, die getötet wurden und die die schreckliche Maschinerie des Nationalsozialismus zu Opfern gemacht hat. Er schaut in eine Zukunft, in der vieles so groß, so technisch vollkommen geworden ist, dass der Mensch daneben klein wirken muss. Lüscher entwirft einen Blick auf die Zukunft ganzer Städte und die trügerischen Versprechungen eines modernen, technischen Neuanfangs, der doch immer zurück in die Vergangenheit führen muss. Verzauberte Vorbestimmung fragt nicht nur nach Technik, Innovation und Menschenwürde, sondern auch nach sozialer Stratifizierung, nach Armut und Menschlichkeit. Einfache Antworten gibt es hier nicht.

Literarisch ist das Buch ein Ereignis. Viel besser kann deutsche Literatur nicht klingen. Für mich besteht kein Zweifel daran, dass Verzauberte Vorbestimmung zu dem besten gehört, was die deutschsprachige Literatur 2025 hervorgebracht hat. Dass der Roman nicht auf der Shortlist des deutschen Buchpreises gelandet ist, lässt sich vielleicht damit erklären, dass er herausfällt aus dem Feld der Nominierten – er ist so sehr etwas Eigenes, dass der Vergleich scheitern muss. Es fällt mir auch schwer, ihn im Feld der Longlist zu verorten - vielleicht, weil er überzeitlicher ist als die anderen, teilweise auch sehr guten Bücher. Die Lektüre wert ist er allemal.
101 reviews15 followers
October 19, 2025
Tolles Buch, 4 Erzählungen locker um das Thema Mensch-Maschine gebündelt, sehr unterschiedlich vom Ansatz und Stil her.

Minuspunkt: Ich habe mich mit dem Lesen teilweise schwer getan …

Pluspunkt: Es hat mich zu Peter Weiss geführt.
Profile Image for Fabian.
30 reviews
March 19, 2025
Ich habe mir das Buch aufgrund einer sehr mitreißenden Besprechung in einem Literaturclub gekauft. Soldat steht auf und geht? Weberaufstände? Klingt cool!

Ich bin schwer in das Buch reingekommen, obwohl mich die Thematik zu Beginn sehr interessiert hat. Erzählstränge, die das Ich auf der Suche nach den Spuren von Peter Weiss zeigen, kosteten mich Durchhaltevermögen und bereiteten mir allerdings wenig Freude. Die Passage über die Weber fand ich dagegen total interessant.
Der Aufbau des Buches erschließt sich mir leider nur sehr wenig:
Ein technikskeptisches Ich, das sehr nahe mit der Person des Autors (COVID-Patient) verbunden zu sein scheint, das dem Schriftsteller Peter Weiss hinterher reist, gleichzeitig (schwer)depressiv in Fieberträumen liegt, während an den weissschen Schauplätzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenlaufen…ja, ich glaube, ich habe das so verstanden.
Was nehme ich allerdings daraus mit? Technik war großer und wird immer größerer Bestandteil des Alltags? Auslöser von verteiltem Wohlstand? Lebensretter?

Ein Vergleich:
Bei erneuter Lektüre von „Der Graf von Monte Christo“ empfinde ich immer wieder Ekel vor den Gegnern, kann Dantes nachvollziehen und habe doch Mitleid vor dieser Alles-für-Rache-Haltung.
Daraus ziehe ich für mich und mein Leben: pass auf, wer dein Freund ist, sei ausgeglichen und nicht zu besessen in manchen Dingen.
Und hier? Ich klappe das Buch zu und denke „Okay, gelesen.“ Technik sollte hinterfragt werden. Vielleicht. Kapitalismus ist böse. Möglich. Die Medizin ist dazu im Stande, Wunder zu vollbringen. Auch das.
Mit diesen Erkenntnissen (im Kern) tue ich mich nach 340 Seiten etwas schwer.

Zur Sprache:
von „Wann hört der Satz endlich einmal auf?!“ bis „Ein grandioses Meisterwerk!“ ist da jede Empfindung mehrmals dabei.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Matthias.
409 reviews8 followers
July 6, 2025
Zu viel Wissen, zu wenig Leben, das schien mir eine ganz gute Beschreibung meiner selbst. Herzensmüdigkeit war mir nicht fremd. Lebensdurchwirkende Todesbefallenheit? Ja, kannte ich. Ich hatte aufgegessen, trank den letzten Schluck Wein, steckte das Buch in meine Tasche und ging, den Vogel mit dem Gesicht des Schriftstellers Weiss auf der Schulter, auf mein Zimmer.

Bei aller "Todesbefallenheit" strahlt dieses Buch eine unbändige Lust zum Leben aus.
Profile Image for Günter.
374 reviews20 followers
discontinued
March 31, 2025
Waaas?
Ich glaube, ich habe mich noch nie ernsthaft über ein Buch geärgert. Bis jetzt. So ein inhaltsloser Schmarrn.
"Liebe KI, bitte erfinde einen beliebigen Handlungsrahmen und befülle ihn beliebig mit Text."
Vielleicht hätte ich länger durchhalten müssen, vielleicht würd's ja noch werden, aber ich halte es nicht aus.
Bei ca. einem Viertel gebe ich auf.
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
February 9, 2025
To była jedna z dziwniejszych, a jednocześnie najtrudniejszych książek, jakie kiedykolwiek przeczytałam. Jej materia, pozszywana z wątków pozornie tak odległych, że niemożliwych do połączenia w sensowną całość, połączona cieniutkimi jak jedwab nićmi, stawiała opór, ale nagradzała bezgranicznym zachwytem, kiedy kolorowe bezładne plamy nagle zaczęły tworzyć wyraźny obraz. Nie będę twierdzić, że zrozumiałam wszystko, co tutaj wplótł autor (celowo używam tej całej tkackiej terminologii, bo jest ona esencjalna), ale być może wystarczająco, by ogarnąć ważkość i maestrię tej opowieści. A o czym ona jest? Na pewno o śmiertelnej, ale i ratującej życie relacji między człowiekiem a maszyną, niemal od jej początków, po przyszłość - opisaną tutaj w fascynujący sposób we fragmencie egipskim. O drapieżnym kapitaliźmie, o surrealistach, o horrorze pierwszej wojny światowej i o marszach śmierci pod koniec drugiej, o podłączeniu do ECMO i covidowej śpiączce, o tropieniu przeszłości, podążaniu nieoczywistymi szlakami, o szukaniu powiązań i porządkowaniu świata.
Były momenty, gdy chciałam poniechać dalszej lektury. Nie zrobiłam tego, i dobrze. Pomijając wszystko inne, jest to kawał znakomicie napisanej prozy. Precyzja wielokrotnie złożonych zdań, porozdzieranych dygresjami i wtrąceniami, a jednak zawsze schodzących się jak należy, zachwyca. Zachwyca użycie czasów, o których istnieniu większość współczesnych pisarzy nie ma pojęcia. Żonglowanie różnymi formami narracji wprawia w zdumienie. A najbardziej zdumiewa i zachwyca wszystko, co się tutaj dzieje w Egipcie. Teraz i w przyszłości.
Profile Image for Sven.
69 reviews9 followers
January 14, 2026
Versucht sich an einer Art des rhizomatischen Erzählens. Aber irgendwie rockt das alles dann doch nicht so richtig.
Profile Image for Barbara Heckendorn.
476 reviews13 followers
September 12, 2025
What it's about:
An Algerian soldier is caught up in the first German poison gas attack, decides that someone has to put a stop to it, stands up and leaves. In Cairo in the future, a stand-up comedian watches an android laugh at her jokes. A Bohemian weaver is replaced by an automated loom, steals a hammer and attacks the machine.
What do we humans of capitalism dream of, and what do our machines, which are increasingly rebelling against us, dream of? In the unique mirror room of this novel, no conflict is over and every story is still possible.

It took me a while to get into the book. Why? The author writes from different perspectives, and every time he changes perspective, it's not immediately obvious and confused me. Once I understood his “trick”, reading became more fluid. The change in perspective stems from the fact that, on the one hand, he narrates the events from the perspective of the protagonists (past, present, future), but on the other hand, he repeatedly intervenes as the narrator at moments when his narrative of the protagonists is not taking place at all.
It is certainly very interesting that throughout the book he deals with technologies that frighten the protagonists, but you notice that he too is afraid of future technologies and yet is very grateful that they exist. In a short interlude, he writes about his COVID experience, when he was in an artificial coma for seven weeks and is only alive thanks to machines. These few pages of the book are written in brilliant language, demonstrating what an outstanding author he is.
The protagonists' fears are very understandable: mustard gas during WWI, industrialisation where craftsmen, in this case weavers, are being rationalised away, and the fear of androids.

I find the novel very good in terms of language, the topics are interesting, but the structure of the book was not to my taste.
(3½)
10 reviews
May 6, 2025
Ich weiss nicht, ob es am Buch liegt oder an mir – aber ich fand nie wirklich hinein. Jonas Lüscher entwirft ein komplexes Geflecht aus Gedanken und Episoden, doch statt einer mitreissenden Handlung gibt es lose Fäden, die sich nicht zu einem Ganzen verweben wollen. Die Sprache ist kunstvoll, ja, aber auch langatmig, oft verschachtelt – als wolle sie Distanz schaffen, statt Nähe.

Und dennoch gab es Lichtblicke. Die Geschichte rund um die Weber hat mich berührt, sie war greifbar, menschlich. Auch Lüschers Reflexionen zu seiner Covid-Erkrankung – dort blitzten Sätze auf, die nachhallten: ehrlich, verletzlich, tief. In diesen Momenten spürte ich, was möglich gewesen wäre.

Das Thema – der technologische Wandel, Maschinen als Treiber unserer Zeit – ist faszinierend. Aber Lüscher bleibt mir zu oft im Abstrakten. Vielleicht war das seine Absicht. Vielleicht wollte er keine Antworten geben, sondern Fragen aufwerfen. Doch mir blieb zu oft unklar, worauf er eigentlich hinauswill.

This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Hugo Schneider.
3 reviews
January 9, 2026
Ein durch und durch postmoderner Roman: Es gibt keinen eindeutigen Protagonisten mehr und auch keinen einheitlichen Erzählstrang. Die fragmentarischen Erzählstücke spielen in ganz unterschiedlichen Jahrhunderten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Auch wenn man es sich schier nicht vortsellen kann, dass so ein Roman gelingen kann: Hier ist es gelungen und in großartiger Sprache. Was alle Erzählfragmente eint, ist das ambivalente Verhältnis zu Technik. Sie kann menschenvernichtend sein, aber auch menschenrettend wie in Coronazeiten, trostlos bis lebensspendend, auf jeden Fall beeinflusst sie unser Leben sehr tiefgreifend und schicksalhaft.
Profile Image for Frizzo.
77 reviews4 followers
June 4, 2025
sprachlich interessant, aber emotional hat es mich nicht angesprochen; am besten sind die wenigen lustigen Passagen
108 reviews2 followers
September 27, 2025
Dieses Buch ist schwer zu bewerten, da es aus vielen einzelnen, nur lose zusammenhängenden Erzählsträngen erzählt, von denen mir einige - wie der, der den Aufstandvon böhmischen Weber behandelt, oder einer, der im Kairo der Zukunft spielt - gut gefallen haben, während andere eher langweilig waren und die sich insgesamt nie zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen ließen. Außerdem fand ich die Sprache, mit ihren extram langen und ausschweifenden Sätzen - in etwas so, wie ich es für dieses Review versucht habe - teilweise sehr schwer zu folgen; auch wenn es dem Buch einen einzigartigen und leicht fibrigen Stil zu geben schien.
Profile Image for Estrelas.
944 reviews
December 21, 2025
„Erst hatte er gefürchtet, für einen wie ihn werde es keinen Platz und keine Verwendung geben, in dieser neuen, makellosen Welt. Aber dann war es doch weitergegangen. Oder sogar gerade deswegen.“

Komisch, wie angekündigt, fand ich das Buch nicht, sondern anstrengend.
Displaying 1 - 16 of 16 reviews

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