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Hundert Wörter für Schnee: Roman

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Nach »Das Floß der Medusa« und »Die Eroberung Amerikas« erzählt Franzobel in »Hundert Wörter für Schnee« die abenteuerliche Geschichte der Eroberung des Nordpols.

Im Herbst 1897 bringt der US-amerikanische Entdecker und Abenteurer Robert Peary sechs Inughuit, so der Name der im Norden Grönlands lebenden Menschen, auf einem Dampfschiff nach New York. Untersucht sollen sie werden, vor allem aber ausgestellt und hergezeigt. Vier von ihnen sterben schnell an Tuberkulose, einer wird zurückgebracht – der neunjährige Minik aber bleibt. Seine Geschichte – Taufe, Schule, betrügerischer Pflegevater, Flucht – sorgt für Schlagzeilen. In Franzobels Roman wird Minik nicht nur zum Spielball zwischen der zivilisierten amerikanischen Kultur und der angeblich primitiven eines Naturvolkes. Sein Schicksal ist ein Heldenlied auf den Überlebenskampf eines beinahe ausgestorbenen Volkes, das bewiesen hat, wie der Mensch selbst in der unwirtlichsten Gegend überleben kann.

537 pages, Kindle Edition

Published February 18, 2025

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About the author

Franzobel

70 books23 followers
Franzobel is the pseudonym of Austrian writer Franz Stefan Griebl. In 1997, he won the Wolfgang Weyrauch Prize, and in 1998, the Kassel Literary Prize. He now lives in Vienna.

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4 (7%)
1 star
2 (3%)
Displaying 1 - 9 of 9 reviews
628 reviews
February 26, 2025
Ein ergreifender Roman mit historischem Hintergrund
Franzobel erzählt in diesem Buch die Geschichte des amerikanischen Abenteurers Robert Edwin Peary (1856-1920), einem Ingenieur und Polarforscher. Im Jahr 1897 verschleppt er sechs Inughuit auf einem Dampfschiff von Grönland nach New York, um sie auszustellen und zu präsentieren. Unter ihnen ist der 9-jährige Minik, der als einziger überleben wird. Sein tragisches Schicksal ist herzzerreißend. Er wird immer heimatlos bleiben und erst am Ende seines Lebens kann er endlich glücklich werden.
Doch es geht auch um die Ureinwohner, die Inughuit, die im Nordwesten der Insel leben. Um ihre Lebensart, ihren Glauben und ihre Traditionen. Und um ihren Überlebenskampf in dieser menschenfeindlichen Umgebung.
Durch diesen überaus spannenden Roman, der wahren Begebenheiten nachempfunden ist, führt der Autor mit einer lebendigen und flüssigen Schreibweise. Er hat die verschiedenen Charaktere lebensecht und detailliert in Szene gesetzt. Die historischen Fakten wurden akribisch recherchiert.
Ebenso hat mich sehr beeindruckt, dass am Ende der Lektüre beschrieben wird, wie sich das Leben der einzelnen Protagonisten weiterentwickelt hat.
Mich hat dieses Buch gefesselt und das Los von Minik schließlich zu Tränen gerührt. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.
21 reviews
July 16, 2025
Spannender historischer Roman über Peary und die (angestrebte) Erreichung des Nordpols, der besonders die kulturellen Unterschiede zwischen Europäern und Amerikanern einerseits und Inughuit sowie deren Sicht auf das Geschehen herausstellt. Franzobels sprachliche Witzeleien dabei haben mich im Allgemeinen gut unterhalten, obwohl ich schon verwundert war, dass er ausgerechnet dem Amerikaner Frederick Cook, dessen Vorfahren aus Norddeutschland stammten, einen „ziegelböhmischen“ Dialekt zuordnet.
9 reviews
October 5, 2025
Eine sehr interessante Geschichte, allerdings sehr anstrengend zu lesen. Der Schreibstil hat mir persönlich nicht so gut gefallen.
Profile Image for Bajo.
90 reviews3 followers
March 13, 2025
"Hundert Wörter für Schnee" ist ein historischer Roman. Er basiert auf den realen Ereignissen der Jahre 1891 bis 1901, in denen die US-amerikanischen Forscher Robert Edwin Peary und Frederik Cook Expeditionen zum Nordpol unternahmen mit dem Ziel, diesen nördlichsten Punkt der Erde als erste Menschen zu erreichen. Dabei verfeindeten sich Peary und Cook und unternahmen jeweils getrennte Expeditionen. Ob sie ihr Ziel tatsächlich erreichten ist bis heute nicht bewiesen. Jeder behauptete, als erster den Pol erreicht zu haben und bezichtigte den anderen der Lüge.

Um diese lebenslange Rivalität zwischen Peary und Cook dreht sich der mit 520 dicke Roman. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht nur die beiden Polarforscher, sondern auch die Ureinwohner Grönlands, insbesondere der als Kind von Peary nach New York gebrachte Inughuit Minik und dessen Familie. Weitere Hauptprotagonisten sind die Ehefrau Pearys, Josephine, und Matt Henson, der schwarze Begleiter und Diener Pearys.

Das Setting bilden die eisigen Weiten Grönlands, die nördlichsten Siedlungen der Inughuit in dieser unwirtlichen Umgebung, die beschwerlichen Schiffsreisen dorthin und zurück und demgegenüber die zivilisierte, urbane Welt New Yorks, in die im Lauf der Geschichte der neunjährige Minik und dessen fünf Familienmitglieder zu Forschungs- und Ausstellungszwecken gebracht werden.

Wie hier zwei Welten, die sogenannte zivilisierte in New York und die angeblich primitive in Grönland aufeinanderprallen, wird anschaulich geschildert. Anschaulich und sehr gut recherchiert, denn Minik und seine Familie hat es ja wirklich gegeben. Das Schicksal der deportierten Inughuit ging mir zu Herzen, insbesondere das des aufgeweckten Minik. Er überlebt und kehrt als junger Mann sogar nach Grönland zurück. Hier muß er sich fragen, was er, der auch in Amerika sozialisiert wurde ohne dort wirklich akzeptiert worden zu sein, für seine Landsleute nun noch ist, " von der Welt des weißen Mannes geschluckt und wieder ausgespuckt ". Minik ist heimatlos geworden.

Die Sprache Franzobels war für mich gewöhnungsbedürftig. Der unbenannte Erzähler der Geschichte streut Vergleiche und Begriffe aus der heutigen Zeit ein. Cook muß man sich vorstellen als den kleinen Bruder von Lino Ventura. Minik macht in einer Szene ein Gesicht wie der Oberscheich der OPEC, wenn er morgens die silberne Speiseglocke hochhob und eine grinsende Greta Thunberg auf dem Teller sah, Matthew Henson findet viele Dinge einfach nur "krass". Das ist unterhaltsam und wirkt Langeweile bei der Lektüre entgegen. Dennoch im Kontext einer Expedition um die Jahrhundertwende im Jahr 1900 irritierend und m. E. gewollt witzig.

Langeweile droht ein wenig aufzukommen im Mittelteil des Romans, in dem es plötzlich um die Expedition in die Antarktis geht. Das sind viel Informationen zu den Expeditionen der damaligen Zeit, hier zerfasert der Roman etwas. Die Charaktere werden dennoch gut ausdifferenziert gezeichnet, insbesondere die der beiden Forscher Peary und Cook und besonders der Charakter der Ehefrau Pearys, Josephine. Im Gegensatz zu den durch ihren übermäßigen Ehrgeiz und ihre Rivalität geprägten Männern ist sie auf ihre Art lebenstüchtiger und empathiefähig.

Abgestoßen hat mich, wohlwissend dass es sich um ein Naturvolk handelt, die derbe, vor ekligen Szenen nicht zurückschreckende Schilderung der Jagd- und Essgewohnheiten der Grönländer und deren hygienischen Lebensumständen. Die detaillierte Darstellung des Verzehrs eines Pudels im Central Park hätte es für mich nicht gebraucht. Zu vulgär und einzig triebgesteuert erschien mir auch die Darstellung des Sexlebens der Protagonisten.

Von diesen Kritikpunkten abgesehen habe ich das Buch gerne gelesen und viel über die Geschichte der Polarexpeditionen, die Widrigkeiten des Lebens im Eis, die Schiffahrt und die Kultur der Inughuit gelernt. Bisweilen mutete der Roman wie ein Abenteuerroman an. Die Kurve zu anspruchsvoller Literatur hat Franzobel dennoch hinbekommen. Gut herausgearbeitet ist der hochmütige Blick der sich wie Kolonialherren gerierenden Forscher auf die Inughuit. Für Cook und Peary wie auch für die amerikanischen reichen Finanziers der Expeditionen sind die Ureinwohner Grönlands nur Forschungsobjekte über die sie quasi hinwegfegen können und deren Schätze sie hemmungslos ausbeuten. Es sind Wilde, die es zu zivilisieren gilt.

Dagegen die Perspektive der Inughuit auf die Amerikaner: New York ist für sie eine häßliche, schreckliche Welt, deren Bewohner "von der Zeit beherrscht werden", die "den Lauf der Welt verändern und es nicht merken". Während das Naturvolk nicht von der Erde sondern mit der Erde lebt, eingebunden in deren natürliche Kreisläufe, ohne diese zu stören. Eine Kritik am ungehemmten Wachstums- und Fortschrittsglauben. Die Klimakrise, die Zerstörung natürlicher Ressourcen und nicht zuletzt die Begehrlichkeiten des amerikanischen Präsidenten in Richtung Grönland lassen grüßen. Das hat mir sehr gefallen !

Trotz kleiner Längen im Mittelteil und trotz der sprachlichen Kapriolen daher ein lesenswerter Roman, dem ich vier Sterne gebe.

33 reviews
July 3, 2025
„Hundert Wörter für Schnee“ von dem österreichischen Schriftsteller Franzobel ist bereits der dritte historische Roman den ich vom ihm lese, nach „Dass Fluss der Medusa“ und „Die Eroberung Amerikas“

Ich bin ein großer Fan des Autors, denn es gelingt ihm immer wieder Romane zu schreiben, die auf realen geschichtlichen Ereignissen beruhen, hervorragend recherchiert sind und mit viel Wortwitz und einem unnachahmlichem Stil die Vergangenheit lebendig machen und gleichzeitig über Missstände in der damaligen Gesellschaft (meist die gleichen wie heute) aufklären.

Thematisch ist das Thema von „Hundert Wörter für Schnee“ auch in 2025 absolut hochaktuell, den es geht um die Ausbeutung von Grönländischen Ureinwohner:Innen durch amerikanische Entdecker und andere westliche Player, ein Thema das spätestens seit Trump gar keinen aktuelleren Bezug haben könnte. Im Fokus stehen dabei natürlich auch wieder reale Figuren: Der amerikanische Entdecker Robert Peary ist besessen davon als Erster den Nordpol zu erobern, seine Frau Josephine Peary unterstützte und begleitete ihn und war die erste weiße Frau, die in der Arktis überwinterte (die Treue ihres Ehemanns war ihr trotzdem nicht sicher, denn der gründete parallel eine zweite Familie mit einer Inuit-Frau). Pearys Rivale Frederic Cook behauptet wie Peary als erster Mann am Nordpol gewesen zu sein und der schwarze Matthew Henson ist als Begleitung von Peary zwar mindestens so weit gekommen wie die beiden anderen, wird aber natürlich in er geschichtlichen Berichterstattung im Vergleich weitgehend übersehen. Die eigentliche Hauptperson des Buches ist aber Minik Wallace, ein Inuit, der zusammen mit 5 weiteren erwachsenen Verwandten von Robert Peary im Kindesalter in die USA verschleppt wird, quasi als „Anschauungs- und Forschungsmaterial“. So menschenverachtend wie das klingt, gestaltete sich das Ganze aus und 4 der 6 Inuit starben in den nächsten Jahren zudem an Tuberkulose. Minik überlebte und blieb bis zu seinem (ebenso recht frühen) Tod ein Mensch auf der Suche nach seiner Identität, in America wurde er nie richtig heimisch, zurück in Grönland aber auch nicht mehr.

Der Roman hat mir wieder sehr gut gefallen, zeigt er doch einerseits die Auswirkungen des aus westlicher Sicht häufig romantisierten Kolonialismus, gleichzeitig werden aber auch die Charaktere und ihre im Nachhinein tragischen Obsessionen lebendig und auch der Humor kommt bei Franzobel nie zu kurz. Für mich wieder ein sehr unterhaltsamer historischer Roman, den ich auch Leser:innen empfehlen, die sich sonst nicht so für historische Romane begeistern, denn ich bin eigentlich auch kein großer Fan dieses Genres, aber die Romane von Franzobel haben mich bisher immer absolut abgeholt. Dieser Roman hat es bei mir auch geschafft, noch weiter zu Minik Wallace, Matthew Henson, Josephine und Robert Peary und Frederic Cook zu recherchieren, denn im typischen westdeutschen Geschichtserlebnis meiner Kindheit, bekam der Wettlauf um den Südpol immer viel mehr (ebenfalls romantisierte) Aufmerksamkeit als die Arktiserforschung.
Profile Image for Luisa.
283 reviews
March 23, 2025
Die Inughuit kennen „Hundert Wörter für Schnee“, in Franzobels Roman reist Robert Edwin Peary gefühlt hundert Mal in die Arktis und zurück und der Autor gibt seinen zahlreichen Figuren ebenfalls gefühlt hundert verschiedene Akzente.

Grönland, Arktisexpedition, der Wettlauf zum Pol, Jahrhundertwende, das Aufeinandertreffen von Kulturen, Abenteuer und eine Story, die auf wahren Begebenheiten beruht – das sind die Zutaten des Romans von Franzobel, der bei mir einen ambivalenten Eindruck hinterlässt. Denn einige Aspekte sind wunderbar gelungen, haben mich begeistert, beeindruckt und mitgerissen, andere Teile wiederum haben mich ermüdet, zermürbt, genervt und regelrecht abgestoßen.

„Hundert Wörter für Schnee“ folgt den Arktisexpeditionen des US-Amerikaners Peary, der – unerhört für die damalige Zeit – seine frisch angetraute Ehefrau mit auf Reisen nimmt. Bei weiteren Expeditionen ist Josephine Peary mal mehr mal weniger mit von der Partie, der Fokus des Romans verschiebt sich zunehmend auf das heftige Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen und die Frage, was eigentlich „Zivilisation“ ist und wer diese definiert. Diesem Themenkomplex geht der Text nach, indem er das Augenmerk von Peary weg auf den jungen Inughuit Minik richtet, der, nachdem er in jungen Jahren in die USA gereist ist, das Schicksal vieler Entwurzelter zwischen zwei Welten teilt.

Dem Roman gelingt es nicht nur die zahlreichen Expeditionen von Peary abwechslungsreich und in immer wieder neuem Licht zu präsentieren, er schafft es auch den „Culture Clash“ in herrlich absurde, komische und überzeugende Worte zu kleiden. Die Überheblichkeit der Weißen wird durch eine leichte Verschiebung der Sichtweise lächerlich gemacht, gleichzeitig wirbt der Autor ohne moralisch-didaktischen Unterton dafür, sich der Weltsicht der Inughuit zu öffnen, den Versuch zu starten, diese zu verstehen und zu begreifen. In diesen Passagen ist der Roman unglaublich gelungen und sehr stark in der Umsetzung. Mich haben sowohl diese kulturellen Konflikte als auch jede einzelne Expedition sehr begeistert, denn es wird auf unterhaltsame Weise eine Fülle an Informationen vermittelt.

Leider hat der Roman aber auch einige Schwachstellen. Denn so geglückt der Humor oftmals auch sein mag, an anderen ermüdet und verstört er. Dadurch dass der Ton des Erzählers durchgängig ironisch-humorvoll ist und immer nach der nächsten Pointe zu suchen scheint, kann man die Geschichte und die Figuren nicht wirklich ernst nehmen. Dies ist sehr schade, denn es führte bei mir bisweilen auch dazu, dass ich selbst die gut recherchierten Fakten hinterfragte. Hinzu kommt, dass der Autor für den Humor verstärkt auf Sprachwitz setzt, indem er sehr vielen Figuren mit lästigen und sehr nervenden Akzenten sprechen lässt. Peary rollt über die gesamten 527 Seiten das „rrrrrrrrrrr“, sein Widersacher Cook spricht „miglicherwiese“ mit einem breiten böhmischen Zungenschlag, den man nur versteht, wenn man die Sätze laut liest, ein Journalist stottert usw. Dosiert hätte ich das noch ganz lustig gefunden, so aber war es einfach nur störend.

Störend war auch die den Roman durchziehende Triebhaftigkeit. Gefühlt geht es ständig nur um das „Eine“. Funktional sollte es wohl anfänglich die animalische Seite des Menschen zeigen, aber in der ausufernden Detailfülle, in der auf mitunter recht vulgäre Weise den Trieben gefrönt wurde, war dieser Aspekt irgendwann nur noch abstoßend.

Gewöhnungsbedürftig war ebenfalls die Tatsache, dass die Erzählerfigur dieses historischen Romans beständig popkulturelle Bezüge zum 20./21. Jahrhundert aufmacht. Das war zu Beginn schwer einzuordnen und erschließt sich erst ganz am Ende – leider wird es aber meines Erachtens nicht zufriedenstellend aufgelöst.

Was also bleibt von „Hundert Wörter für Schnee“? Für mich ein sehr informatives, ausgezeichnet recherchiertes und sehr begeisterndes Buch, wenn es darum geht, den Horizont bezüglich des Zeitalters und der Beteiligten der Arktisexpeditionen zu erweitern, ein sehr erhellender und eindrucksvoller Blick in eine andere Kultur und eine sehr unterhaltsame Lektüre mit witzigen Passagen, allerdings mitunter mit Holzhammer-Humor, sehr derben, fast zotigen Szenen und einer Erzählerfigur, die sich nicht recht einzufügen vermag. Insgesamt durchaus empfehlenswert, wenn man die genannten Aspekte übersehen kann.
Profile Image for Johann Guenther.
806 reviews28 followers
July 21, 2025
FRANZOBEL: „Hundert Wörter für Schnee“, Wien 2025
Franzobel hat immer schon nach historischen Personen geforscht, deren Bedeutung nicht sehr hoch war, die aber ein Bild der Zeit ergaben. Sei es in der „Entdeckung Amerikas“ oder im „Floss der Medusa. Im vorliegenden Roman ist es der Polarforscher Robert Peary. Ein Abenteurer und Entdecker. Mehrere Reisen machte er nach Grönland. Ob er den Nordpol wirklich entdeckt hat, ist nicht sicher.
Von einer dieser Reisen brachte er Eskimos nach New York. Für diese ist es eine neue Welt. Zumtobel beschreibt sehr ausführlich, wie diese Inuits die Welt Amerikas sahen. Für sie waren die Amerikaner die Primitiven. Sehr ausführlich werden alle Eindrücke wiedergegeben. Das ist sehr umfangreich. Zu umfangreich. Es wird „unsere“ Welt beschrieben. Da braucht man als Leser nicht so ausufernde Beschreibungen. Es würde genügen aufzuzeigen, wie (nach Meinung des Autors) die Eskimos diese Welt erlebt haben.
Die Eskimos hatten aber nicht nur gegen die ungewohnte Umgebung zu kämpfen, sie wurden von Viren befallen, die alle umbrachte. Nur zwei überlebten. Einer davon ist Minik. Er ist die indirekte Hauptfigur des Romans, weil er den Zwist zwischen den beiden Kulturen widerspiegelt. Minik kehrt auch nach Grönland wieder zurück, wo er aber ebenfalls ein Fremder bleibt und letztlich wieder nach Amerika will. Die Figur Minik zeigt, wie es einem Menschen geht, der zwischen zwei unterschiedlichen Gesellschaften lebt und nirgends mehr wirklich zu Hause ist.
Das Hauptthema aber bleibt die Eroberung des Nordpols und hier sind es die zwei Personen Robert Peary, der mehrmals den Versuch unternahm und lange in Grönland gelebt hat und Cook. Beide behaupten, den Pol erreicht zu haben. Ob es wirklich so war ist nicht bekannt.
Wie schon in seinen vorangegangenen Roman, steckt auch hinter dieser Geschichte sehr viel Recherchearbeit. Beschreibungen, die man nur machen kann, wenn man länger vor Ort ist, aber zusätzlich auch viele historische Dokumente studieren muss. Ein Aufwand, der sicher dem einer Dissertation gleichkommt. So ermöglicht es dem Leser durch diese Geschichte des Abenteurer Peary in eine vergangene Welt einzutauchen.
Übrigens auch in dieser Rezension wird das Wort „Eskimo“ verwendet, wie es auch der Autor tat.
Profile Image for Nani.
20 reviews
December 12, 2025
„Wie jede Faszination ging auch die Begeisterung für den Pol in Serie. Nachdem sich jahrhundertelang niemand dafür interessiert hatte, wollten ihn plötzlich alle erreichen. Der Nordpol war ein Vaterersatz.“ „[D]ie Redner [des Arctic-Clubs bezeichneten] den Nordpol als Fantasie in festem Aggregatszustand[.]“

Das Buch begleitet den Amerikaner Peary, versessen auf den sehr westlichen Gedanken der Nordpoleroberung und seinen Kontrahenten sowie den Inuit Minik aus Grönland in Amerika.
„Dank Peary war er kein Eisbärenjäger geworden, sondern ein Herumtreiber.“

Die historische Geschichte ist sehr mitreißend und wurde ausgeschmückt mit literarischer Fiktion, sodass zum Beispiel die Meeresgöttin der Inuit im Buch eine reale Rolle einnimmt. Fiktive Einfügungen wie diese sowie Kommentare aus einer modernen, westlichen Perspektive gestalten eine emotionale Sprache.

Der Wortschatz bewegte sich auf einem schmalen Grat zwischen politischer Inkorrektheit und literarischer Freiheit. Ich hätte es befürwortet überholte Begriffe nur in der direkten Rede zu benutzen, da das Lesen eines Buches auch unbewusst den Wortschatz prägt.

Ich mochte, dass das Buch die Moralvorstellungen des Lesers zwischen Doppelmoral der Amerikaner und fremden Moralvorstellungen der Inuit herausgefordert hat.
Profile Image for Magdalena.
15 reviews1 follower
October 25, 2025
Eine Gratwanderung zwischen der Kritik an der kolonialistischen Sicht der Amerikaner und der Reproduktion der Exotisierung der Inughuit, die meiner Meinung nach nicht gelingt und daher auf Zweiteres hinausläuft.
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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