Liverpool, Royal School for the Blind, 1854: Der jungen Lehrerin Eve wird eine außergewöhnliche Anstellung angeboten. Der Sultan von Sansibar sucht eine Gouvernante für seine blinde Tochter Nunu. Die 25-jährige Eve überlegt nicht lange, als Waise hält sie nichts in England. Im fernen Sansibar, in dem prächtigen Palast des Sultans, lernt sie eine völlig neue Welt kennen. Als der alte Sultan stirbt, entbrennt jedoch ein erbitterter Machtkampf um seine Nachfolge. Eve zieht sich mit Nunu auf eine Gewürzplantage zurück, wo sie Nunus Begabung im Umgang mit Düften und in der Herstellung von Duftkompositionen weiter fördert. Aber die friedliche Zeit endet jäh, als sich die beiden Frauen in denselben Mann verlieben ...
Eine junge Frau wagt ein neues Leben. In einem märchenhaften Palast am Meer beweist sie Mut und Stärke.
Ein mitreißender Schmöker, der uns ins faszinierende Sansibar führt.
Zwischen Düften, Kulturen und Schicksalen – eine berührende Reise nach Sansibar Einleitung
Mit Der Duft der fernen Insel legt Christina Rey einen umfangreichen Roman von stolzen 635 Seiten vor. Für mich persönlich war es das erste Mal, ein so langes Buch zu lesen, doch die Reise hat sich durchaus gelohnt. Es handelt sich dabei um den zweiten Band einer Reihe, die jedoch nicht direkt mit dem ersten Teil verbunden ist, sondern vielmehr im gleichen Stil und thematisch ähnlich gestaltet wurde. Erneut begleiten wir eine Sultanstochter, diesmal die blinde Nunu, und erleben ihre Geschichte über gut ein Jahrzehnt hinweg. Unterstützt wird sie von der jungen englischen Lehrerin Eve, die nach Sansibar kommt, um ihr Lesen und Braille-Schrift beizubringen. Neben ihnen treten zahlreiche Nebenfiguren auf, die die Handlung bereichern und verschiedene Handlungsstränge eröffnen.
Themen
Zentral verknüpft sind die Themen Blindheit, Düfte und die Kunst der Parfümherstellung. Durch Nunus außergewöhnliche Nase wird ein Strang eröffnet, der sich durch den gesamten Roman zieht und in allen drei großen Abschnitten eine Rolle spielt. Gleichzeitig geht es um Politik, Wirtschaft, kulturelle Begegnungen und die Stellung von Frauen im 19. Jahrhundert. Gerade letzteres hat mich stark bewegt: immer wieder werden uns die Grausamkeiten und Leiden vor Augen geführt, die Frauen und Mädchen ertragen mussten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Leben im Palast des Sultans. Wir erleben hautnah, wie das Zusammenleben mit mehreren Frauen im Harem, mit zahlreichen Halbgeschwistern und den ständigen politischen Spannungen funktioniert. Diese Strukturen sind geprägt von Nähe, Rivalität, Abhängigkeit und Machtkämpfen, was der Autorin sehr eindringlich gelingt.
Darüber hinaus zieht sich das Thema Religion wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wir begegnen Figuren, die im Christentum verwurzelt sind, andere wiederum leben im Islam, und auch Voodoo sowie afrikanische Glaubensvorstellungen rund um Ahnen, Natur und Götter haben ihren Platz. Das Buch bietet dadurch einen vielschichtigen Einblick in das religiöse Leben dieser Zeit. Besonders spannend fand ich, dass es nicht nur bei Beschreibungen bleibt, sondern die Figuren selbst immer wieder Fragen aufwerfen: Welcher Glaube ist der richtige? Wer ist der wahre Gott? Kann die Welt so grausam sein, wenn es wirklich einen Gott gibt, der alle Menschen beschützen soll?
Gerade diese Auseinandersetzungen, die sehr menschlich und nachvollziehbar dargestellt sind, haben mir als Atheistin überraschend gut gefallen. Ich habe die vielen verschiedenen Einblicke geschätzt, ohne dass eine Religion moralisch über die andere gestellt wird. Vielmehr zeigt die Autorin, wie sehr Glaubensvorstellungen das Leben prägen, aber auch, wie Figuren lernen müssen, miteinander zu leben, obwohl sie unterschiedliche Überzeugungen haben.
Orte und Atmosphäre
Wir bewegen uns in diesem Buch nicht nur auf Sansibar, sondern erleben auch andere Teile Afrikas und schließlich sogar Europa. Dadurch treffen ganz unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Lebensweisen aufeinander, was die Geschichte unglaublich reich und lebendig wirken lässt. Dieses Zusammenspiel aus Orten und Kulturen hat mir sehr gefallen, weil es das Gefühl verstärkt, wirklich eine weite, facettenreiche Reise zu unternehmen. Erst im Detail merkt man dann, wie sehr auch die Sprachen – Arabisch, Kisuaheli, Französisch und Englisch – miteinander verwoben sind. Das bereichert die Welt zwar, hat mir aber manchmal kleine Schwierigkeiten bereitet, weil einzelne Begriffe oder Anreden ungewohnt waren und ich manches nachgoogeln musste.
Perspektiven und Erzählweise
Der Roman ist in Abschnitte gegliedert, die jeweils bestimmte Figuren stärker in den Vordergrund stellen. So begleiten wir hauptsächlich Eve, Nunu und später auch Fanny. Am Ende kommt noch eine weitere Figur hinzu, die jedoch nur wenige Kapitel umfasst. Auch wenn sich der Fokus verschiebt, bleibt der Erzähler stets allwissend. Das bedeutet, dass wir neben den zentralen Handlungen auch Informationen über andere Orte oder Figuren erhalten. Diese Struktur fand ich grundsätzlich interessant, da sie Abwechslung bietet. Dennoch hatte ich im ersten Teil, besonders während der langen Einführung rund um Eve, Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst nach über hundert Seiten stellte sich dieses vertraute Gefühl ein, das ich schon aus Band eins kannte: das Mitfiebern, die Verbundenheit mit den Figuren und die Spannung, welche Konsequenzen ihre Handlungen nach sich ziehen würden.
Schreibstil und Lesefluss
Christina Reys Schreibstil zeichnet sich durch eine sehr bildhafte, detailreiche Sprache aus. Schon im ersten Band gefiel mir, wie ausführlich sie Landschaften, Orte oder auch die Atmosphäre beschreibt. Im zweiten Band hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Beschreibungen etwas zurückgenommen wurden. Sie tauchen zwar immer noch auf, sind aber situationsbezogener eingebettet und nicht mehr ganz so dominant wie zuvor. Grundsätzlich gefällt mir diese Art des Erzählens sehr, da sie eine intensive Vorstellung der Welt ermöglicht. Allerdings wurde mein Lesefluss durch bestimmte stilistische Mittel gestört. Mehrfach unterbricht der Erzähler die Gegenwart mit Sätzen wie „Später wird Eve erfahren, dass …“ oder „Später erfuhr sie, dass …“. Solche Einschübe nahmen mir die Spannung und wirkten eher hemmend. Hinzu kommt, dass ich durch die Vielzahl an Figuren, Namen und politischen Verwicklungen gelegentlich den Überblick verlor und Passagen mehrfach lesen musste. Hier hätte ich mir ein Glossar gewünscht, um fremde Begriffe, Titel oder Anreden leichter nachschlagen zu können.
Handlung und Struktur
Die Handlung erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt, was dem Roman eine große zeitliche Weite verleiht. Dadurch wirkt die Entwicklung der Figuren authentisch, weil Beziehungen wachsen, Fehler begangen und korrigiert werden und das Leben nicht in wenigen Wochen erzählt, sondern über Jahre hinweg entfaltet wird. Der erste große Abschnitt gehört Eve. Wir begleiten sie von Liverpool bis nach Sansibar, lernen ihre Schülerin Nunu kennen und beobachten, wie sie sich auf die neue Kultur und die ungewohnte Umgebung einlässt. Danach rückt Nunu selbst stärker in den Mittelpunkt. Ihre Entwicklung vom neugierigen, etwas frechen Kind hin zur jungen Frau, die Fehler macht, daraus lernt und ihren eigenen Weg findet, war für mich einer der stärksten Teile des Romans. Im letzten großen Abschnitt begegnen wir Fanny, Eves Begleiterin. Leider verlor ich an diesem Übergang kurz den Anschluss an Eve, da ihre Geschichte kaum weitergeführt wurde, was ich etwas schade fand. Dennoch war es spannend, auch Fannys Perspektive genauer kennenzulernen.
Figuren
Die Figuren sind zahlreich und komplex. Besonders Eve hat mir als Einstieg sehr gefallen: eine junge Frau aus England, die zwischen den Kulturen steht, neugierig und doch unsicher, dabei stets bemüht, Nunu zu fördern. Nunu selbst ist eine außergewöhnliche Figur – blind, aber mit einem feinen Gespür für Düfte, das sie später in die Parfümherstellung führt. Ihre Entwicklung war nachvollziehbar und vielschichtig, nie übertrieben, sondern voller kleiner Rückschritte und Fortschritte, die sie lebendig wirken lassen. Fanny bildet schließlich einen Kontrast: eine Figur, die man anfangs eher im Hintergrund erlebt, die aber in ihrem eigenen Abschnitt an Tiefe gewinnt. Insgesamt gelingt es der Autorin, viele Charaktere lebendig zu gestalten, doch es war für mich stellenweise schwierig, bei all den Namen und Verwandtschaftsverhältnissen den Überblick zu behalten.
Emotionalität
Emotional hat mich das Buch sehr berührt, besonders in den Abschnitten, in denen das Leid der Figuren deutlich wurde. Die Fluchtsequenzen etwa waren voller Spannung, und mehr als einmal fühlte ich mich an den Nervenkitzel aus dem ersten Band erinnert. Gleichzeitig fand ich es schade, dass die Autorin fast ausschließlich negative Höhepunkte setzt. Schöne, positive Momente kamen nur vereinzelt vor, und erst im letzten Abschnitt erlebte ich wirklich rührende Szenen, die mich so bewegt haben, dass ich Tränen vergoss. Diese Stellen wirkten für mich aber zu kurz und kamen zu spät. Ich hätte mir gewünscht, dass das Gleichgewicht zwischen schmerzhaften und schönen Momenten etwas ausgewogener gewesen wäre, denn auch Glück kann eine Handlung vorantreiben und Figuren lebendig machen.
Schluss und Ende
Das Ende empfand ich als sehr abrupt. Nach so vielen Seiten voller Aufbau, Intrigen und Entwicklungen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte zu schnell abgeschlossen wurde. Neue Figuren wurden eingeführt, die viel Potenzial gehabt hätten, erhielten aber kaum Raum. Besonders bedauerlich war, dass manche liebgewonnenen Charaktere nur noch im Nebensatz Erwähnung fanden, sodass ihre Schicksale nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hätten. Zwar gab es einen schönen Ausklang, doch der war für mich zu knapp und hinterließ das Gefühl, dass die Geschichte unausgezählt endete.
Fazit
Der Duft der fernen Insel ist ein groß angelegter Roman, der mich trotz einiger Schwächen beeindruckt hat. Er ist nicht so stark und rund wie der erste Band, doch Christina Rey gelingt es erneut, eine faszinierende Welt voller Figuren, Kulturen und Emotionen zu erschaffen. Besonders die lange Zeitspanne, die wir mit den Figuren verbringen, und die Themen rund um Düfte und Sinneswahrnehmung haben mir sehr gefallen. Kritikpunkte wie der holprige Einstieg, die vielen Namen ohne Glossar, die oft negative Gewichtung der Höhepunkte und das abrupte Ende haben mein Leseerlebnis etwas getrübt. Dennoch war es eine lohnenswerte, intensive Reise, die mich an vielen Stellen berührt hat. Wer sich auf die Länge und den detailreichen Erzählstil einlässt, wird mit einer spannenden, gefühlvollen Geschichte belohnt.
Sehr atmosphärische Geschichte über die Prinzessin von Sansibar…
Das Cover dieses Buches gefällt mir sehr und es passt wirklich gut zu dieser Geschichte.
Die junge Lehrerin Eve erhält ein Angebot, als Gouvernante für die blinde Sultanstochter von Sansibar zu arbeiten. Sie nimmt das Angebot an und findet sich im Palast des exotischen Sansibar wider, in einer völlig anderen Welt. Sie gewöhnt sich gut ein und macht große Fortschritte bei Nunu, doch verfällt Nunu immer wieder in ihre alten Muster. Als sich beide in denselben Mann verlieben, ändert sich ihrer beiden Leben schlagartig.
In das Buch bin ich richtig gut reingekommen. Eve ist eine junge sympathische Frau, die gelernt hat mir Blinden zu arbeiten. Sie erhält ein ganz besonderes Angebot und stellt sich dieser Herausforderung, ohne zu ahnen, was da genau auf sie zukommt. Doch Eve gibt nie auf. Sie sucht immer neuen Input, um mit ihrer Aufgabe voranzukommen und wächst daran. Trotzdem muss sie lernen, dass es Grenzen gibt und dass jeder seines Glückes Schmied ist. Eve macht ein schöne Entwicklung durch und ich fand sie sehr authentisch. Sie ist stark und mutig und ein Vorbild für jede Frau in der vorherrschenden Zeit.
Prinzessin Nunu hat es mir deutlich schwerer gemacht. Gerade am Anfang konnte sie mich so gar nicht für sich gewinnen und mit ihrem besonderen Charakter, gab es dann immer wieder Momente, die mich haben zweifeln lassen. Ich würde Nunu fast als jähzornig beschreiben. Sie ist einfach ein verwöhntes Kind, das nie Grenzen kennengelernt hat. Dazu fällt es ihr super schwer ihre Impulse zu kontrollieren, insbesondere, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Doch durch verschiedene Vorkommnisse und wirklich furchtbare Erfahrungen reift auch sie. Leider gibt es dann aber auch immer wieder Momente, in denen sie sich vergisst. Sie hat eine besondere Gabe und lernt damit zunehmend besser umzugehen und so gelingt es ihr auch immer besser zu sich selbst zu finden.
Alle anderen Figuren fand ich auch super gelungen. Rudolphe ist ein toller Typ und aus meiner Sicht, genau das, was Nunu braucht. Leider gerät sie aber immer an die falschen. Ihr Ehemann ist ein absoluter Despot, eklig und abstoßend. Doch auch Alphonse ist auf seine Art abartig. Dafür mochte ich Fanny sehr gern, die Nunu immer zu Seite gestanden und mit ihren Launen zu leben gelernt hat. Doch auch die trifft auf eine besondere Spezies Mann, Moses.
Die Handlung hat mir insgesamt gut gefallen. Es gibt verschiedene Erzählstränge, die zum Teil wirklich spannend sind. Es gibt aber auch sehr viele Beschreibungen zu Düften, die Nunu kreiert. Das war durchaus informativ und atmosphärisch, hat sich stellenweise aber leider auch sehr gezogen. Hier hätte ich mir noch mehr Handlung gewünscht. Die Themen fand ich interessant und gut bearbeitet, jedoch hat auch das Thema Religion/Vodoo viel Raum eingenommen. Dafür wurden aber auch andere Themen bearbeitet, die mich echt aufgewühlt haben, insbesondere wenn ich an Nunus Eheleben zurückdenke. Das Ende wurde dann im Vergleich zur gesamten Geschichte recht schnell abgehandelt. Mir hat es aber gefallenen und mich zufrieden zurückgelassen.
Der Schreibstil ist wundervoll. Alles liest sich sehr angenehm und flüssig. Sprachlich passt es alles zur vorherrschenden Zeit und die Dialoge fand ich authentisch. Die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen waren wirklich beeindruckend und haben mich nach Sansibar und Grasse gezaubert. Das war wirklich einzigartig. Und auch die Darstellung der emotionalen Ebene hat mich total abgeholt. Ich konnte mich super in die Figuren hineinversetzen und sie in ihrem Denken und Handeln nachvollziehen, doch Nunu hat es mir teilweise etwas schwer gemacht.
Von mir erhält dieses Buch eine klare Kaufempfehlung (4/5 Sterne), weil die Figuren sehr gut ausgearbeitet waren und Tiefe hatten, weil die Geschichte durchaus spannend und auch interessant war und weil Atmosphäre und Setting wirklich traumhaft beschrieben waren. Ein halbes Sternchen ziehe ich aber ab, weil Nunu es mir gerade am Anfang schwer gemacht hat, an sie ranzukommen und die Geschichte zu fühlen. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich ab, weil ich doch einige Längen empfunden habe. Das ist aber nur mein persönlicher Geschmack. Trotzdem lohnt es sich auf jeden Fall diese Geschichte zu lesen.
Vielen Dank an Christina Rey und den Lübbe-Verlag für diese Geschichte.
Es ist 1854, Eve ist 25 Jahre alt und lebt und arbeitet an einer Schule für blinde Kinder in Liverpool. Sie liebt ihre Arbeit, die Schule und die Kinder. Doch dann wird sie ins Büro der Direktorin gerufen der ein unglaubliches Angebot für Eve vorliegt.
Der Sultan von Sansibar ist auf der Suche nach einer Lehrerin und einer Erzieherin für seine mittlerweile neunjährige Tochter Nunu, die blind zur Welt gekommen ist. Dabei ist seine Wahl auf Eve gefallen.
Die Direktorin rät Eve dazu diese Stelle anzutreten. Da Eve Weise ist und sie somit keine Verwandten hat, die sie evtl zurückhalten würden/könnten, nimmt sie diese Stelle an.
In Sansibar angekommen eröffnet sich Eve eine vollkommen neue und fremde Welt, wo sie sich jedoch schnell rein findet. An ihrem ersten Tag im Palast begleitet sie Nunus Tagesablauf um sich ein Bild davon zu machen wie das Leben der Prinzessin im Palast vonstatten geht. Am nächsten Tag übernimmt Eve dann die Fürsorge für Nunu. Sie ist von Anfang an kosequent und bringt Nunu in eine gute Richtung. Sie unterrichtet Nunu sehr breit gefächert und lässt sie auch im Alltag immer selbstständiger werden.
Als dann der Tag kommt an dem der Sultan stirbt, ändert sich jedoch alles. Es entbrennt ein bitterer Streit zwischen den beiden ältesten Söhnen des Sultans um die Nachfolge des Throns. Da Nunu infolge des Todes ihres Vaters einige Gewürzplantagen erbt, beschließt sie gemeinsam mit Eve und ihrem Gefolge dorthin zu ziehen. Bereits im Palast hat Nunu Interesse daran entwickelt Düfte und Parfüm selbst herzustellen, mit großem Erfolg. Dieser Leidenschaft geht sie nun hier auf ihrer eigenen Plantage weiter nach. Das Leben und die Arbeit auf der Plantage läuft hervorragend, alle haben sich gut aufeinander abgestimmt und sind zufrieden.
Doch dann geschieht es das Eve und Nunu sich in den gleichen Mann verlieben und alles ist auf einen Schlag zerstört. Die Wege von Nunu und Eve trennen sich hier.
Insgesamt gesehen hat mir dieser Roman ganz gut gefallen, aber es gibt auch ein paar Kritikpunkte. Es gibt ja einige parallel laufende Erzählstränge von unterschiedlichen Personen, die bis zu dem Zerwürfnis auf der Plantage ineinander übergehen, doch dann gibt es einen harten Schnitt und zack wird erstmal eine ganze Weile lediglich von Nunu erzählt, alle anderen Personen fallen unter den Tisch. Die ganze Zeit hatte ich z.B. die Frage im Kopf was ist mit Eve? Was ist mit Ethan? Was ist mit Fanny? Das ist hier sehr unglücklich von der Autorin gewählt.
Zum Ende hin wird das wieder besser und die Autorin erzählt wieder regelmäßig von den verschiedenen Charakteren.
Des weiteren verlieren sich die Erzählungen hier an manchen Stellen und an anderen Stellen hätte man mehr draus machen können. Wieder andere Situationen sind mir zu platt, viel zu unrealistisch und stellenweise auch zu gewollt.
Die anderen Romane von Christina Rey haben mir um einiges besser gefallen, hier bin ich ein wenig enttäuscht und hin und her gerissen.
Was ich auch noch als störend empfinde ist das plakativ auf Cover und Buchrücken geschriebene Sarah Lark schreibt als Christina Rey. Sowas ist für mich ein No go, fließt jedoch nicht in meine Bewertung mit ein!
Mein Fazit Ansich eine schöne Geschichte die ich als stellenweise zu gewollt empfunden habe. Manchmal ist weniger mehr. Leseempfehlung? Ja. Wenn man jedoch die vorherigen Bücher von Christina Rey gelesen hat, sollte man seine Erwartungen ein wenig runter schrauben.
Christina Rey, alias Sarah Lark, nimmt uns in ihrem Roman “Der Duft der fernen Insel” mit nach Sansibar in das Jahr 1852 und lässt uns teilhaben am Leben von Eve, Nunu und Fanny. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Frauen sind schlüssig und nachvollziehbar. Das Buchcover ist wunderschön gestaltet und nimmt uns mit an den Stand von Sansibar. Da möchte man am liebsten gleich in den nächsten Flieger steigen. Bei der Schilderung der Landschaft gelingt es der Autorin vortrefflich, die Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer zu wecken; man hat das Gefühl, den Duft von Zimt und Muskat in der Nase zu haben. Eve. Lehrerin an einer Blindenschule in Liverpool, geht nach Sansibar an den Hof des Sultans, um dessen blinder Tochter zu helfen, ihre Blindheit anzunehmen und ihre Wut in den Griff zu bekommen. Da sie der Sprache nicht mächtig ist, stellt sie Fanny, eine ehemalige Sklavin, ein und nimmt sie mit. Im Palast des Sultans lernt sie eine völlig neue Welt kennen, die sie sowohl fasziniert als auch schockiert. Ein Harem, bewacht von Eunuchen, und Sklaven, gewaltsam verschleppt aus Afrika. Nach dem Tod des Sultans zieht sie sich mit Nunu auf deren geerbte Gewürzplantage zurück und entdeckt deren Begabung für die Parfümherstellung. Dort lernt Fanny Moses kennen und lieben. Er ist Sklave, verschleppt aus einer Missionsstation in Afrika und gläubiger Christ, was noch zum Problem werden wird. Es gelingt ihr, Nunu zu überreden, Ethan Collins als Verwalter einzustellen, den sie sehr schätzt und in den sie sich verliebt hat. Auch Nunu entwickelt Gefühle für Ethan und kann mit dessen Zurückweisung nicht umgehen. Sie beschuldigt ihn der Vergewaltigung und sorgt für seine Inhaftierung. Als ihre Lüge auffliegt, verheiratet sie ihr Bruder und sie muss lernen, was es heißt, wenn nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte. Für Nunu fangen schwere Jahre an. Ihr weiteres Leben führt sie bis nach Frankreich, wo sie ein weiteres Mal von einem Mann betrogen und hintergangen wird. Sowohl Eve, Nunu als auch Fanny sind starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in den Hand nehmen und sich nicht unterkriegen lassen. Die Autorin geht in diesem Buch auf die Kolonialzeit, die Sklavenhaltung und die Christianisierung ein und zeigt die jeweiligen Missstände schonungslos auf, was mir gut gefallen hat. Die Geschichte von Fanny und Moses konnte mich nicht voll überzeugen, hat mich nicht wirklich berührt und mitgenommen. Trotzdem hat mich die Autorin gut unterhalten.
1852. Eve, eine junge Lehrerin an einer Liverpooler Blindenschule, bekommt die einmalige Chance Nunu, die blinde Tochter des Sultans von Sansibar, zu unterrichten. Die 9jährige Nunu ist blind zur Welt gekommen, ringt mit ihrem Schicksal, wodurch sie immer wieder zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen neigt. Doch Nunu hat auch ein einzigartiges Talent im Umgang mit Aromen und Düften, welches Eve sich zu Nutze macht um das Mädchen zu bändigen. Alles scheint sich zu zum Guten zu fügen, bis sich Eve und Nunu in denselben Mann verlieben und das Schicksal einen unvorhergesehenen Lauf nimmt.
Vor „Der Duft der fernen Insel“ habe ich bislang noch kein Buch der Autorin Christina Rey bzw. Sarah Lark gelesen, vermutlich weil ich mich normalerweise eher in anderen Genres bewege. Um so mehr hat es mich überrascht, wie schnell und intensiv mich das Buch in seinen Bann gezogen hat. Zunächst der atmosphärischen Beschreibungen wegen, die mich sofort mit auf einen Kurzurlaub ins Sansibar des 19. Jahrhunderts genommen haben, dann waren es hinterher die einnehmenden Beschreibungen von Nunu’s Duftkompositionen - ich hätte mir am liebsten auch direkt ein Destilliergerät bestellt und selbst experimentiert :-)
Mir haben sowohl die unterschiedlichen Erzählstränge, die nicht nur von Nunu und Eve berichten, sondern eben auch andere Personen und Themen wie Sklavenhandel und Missionarsarbeit aufgreifen, als auch das exotische Flair, sehr gut gefallen. Besonders beeindruckt hat mich jedoch das Nachwort, welches über die historischen Hintergründe aufklärt und darüber, dass es tatsächlich eine blinde Sultanstochter Nunu gab, welche aber natürlich nichts mit der Nunu im Buch gemein hat. Trotzdem hat es mich dazu bewogen, mir direkt auch noch die im Buch genannte, weiterführende Literatur über das Leben im Sultanspalast zu bestellen.
Fazit: Ein - im wahrsten Sinne des Wortes - absolut dufter Wohlfühl-Roman! Wenn vielleicht auch nicht durchgängig Spannung mit im Spiel war und am Ende alles etwas schnell ging, so habe ich dennoch jedes einzelne Wort und auch die Details genossen.
Mich hat das wunderschön gestaltete Cover sehr angesprochen und als ich dann den Klappentext durchgelesen hatte, wusste ich, das ist eine Geschichte für mich : In das Buch habe ich sehr schnell hineingefunden; die Autorin schreibt klar und flüssig und die Charaktere waren ganz toll dargestellt : gerade zu Eve habe ich schnell einen Bezug aufbauen können und mich mit ihr in dem Buch sehr wohl gefühlt. Nunus Figur ist ganz anders, aber auch sie empfinde ich als sehr spannend und interessant. Beide Figuren haben Tiefe und das mag ich sehr, sehr gerne. Die Örtlichkeiten haben mich sehr mitgerissen, alle sind wunderschön erzählt und ich hatte zu jeder Situation beim Lesen auch immer ein gutes Bild vor Augen. Die Geschichte hat mich sehr angesprochen, auch weil es nicht immer nur Schilderungen einer heilen Welt gab – die Sklaverei und die Schicksale der Figuren haben diesen Roman sehr authentisch gemacht. Dieses Buch ist spannend, exotisch und hat mich beim Lesen auf jeden Fall total in die Welt der Düfte und von Sansibar mitgenommen : deshalb gibt es hier von mir eine absolute Kauf- und Leseempfehlung !
Das Cover des Buchs gefällt mir, es ist allerdings recht typisch und nichts herausragendes. Ich habe mir, obwohl mir die Leseprobe sehr gut gefallen hat, erstaunlich schwer getan, ins Buch hineinzufinden. Auch mit Eve bin ich am Anfang überhaupt nicht warm geworden. Dadurch viel mir vor allem das erste Drittel des Buchs schwer. als es dann auch vermehrt aus der sich von Nunu und Fanny erzählt wurde, wurde esetwas spannender und hat Fahrt aufgenommen. Gerade die beiden sind sehr spannende Figuren. allerdings muss ich sagen, hatte ich eher eine Geschichte um die Freundschaft zwischen Eve und Nunu erwartet, aber es war dann doch hauptsächlich eine Schicksalsgeschichte über Nunu. Und diese hat sich an manchen Stellen für einen Geschmack dann doch etwas gezogen. Fazit: Ganz nett, aber sehr langatmig.