»Wie kann man über Thomas Mann heute schreiben? geistreich, komisch und mit lässigem Ernst.« SAŠA STANIŠIĆ Atmosphärisch dicht erzählt Martin Mittelmeier von den Hoffnungen, Begegnungen und Zweifeln des Nobelpreisträgers Thomas Mann, der mit fast siebzig Jahren unter der kalifornischen Sonne seine Werte hinterfragen musste. Los Angeles in den 1940er-Jahren. Hier sind sie gestrandet, die im Deutschland der Nationalsozialisten keine Heimat mehr haben oder haben Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Max Horkheimer, Vicki Baum, Hanns Eisler, Franz und Alma Werfel – und allen Thomas Mann, der Jahrhundertschriftsteller. Bei Drinks tauschen sie sich intellektuell, künstlerisch und politisch aus, doch die paradiesische Umgebung bildet einen seltsamen Kontrast zu den bedrückenden Nachrichten aus Europa. Denn das Leben hier in Pacific Palisades kreist vor allem um die Frage nach der in der deutschen Kultur und Sprache verwurzelten Identität, die mehr und mehr gefährdet scheint. Was kann Kunst, deutsche Kunst angesichts des Schreckens sein? Thomas Mann sucht nach Antworten, sendet Radioansprachen an »Deutsche Hörer« und spürt in ›Doktor Faustus‹ den Wurzeln des Nationalsozialismus nach. »Die Sonne von Südkalifornien gibt für Martin Mittelmeier die ideale Beleuchtung ab, um mit großer Leichtigkeit die schweren Fragen von Kunst und Politik zu stellen.« PHILIPP FELSCH
„Große Ereignisse“ oder Jubiläen großer Schriftsteller werden gerne benutzt, um der (meist) schier unübersichtlichen Menge an Literatur zu dieser Person weitere hinzuzufügen. Nerds und Fans stürzen sich drauf. Da kann sich der Verfasser dieser Zeilen nicht von ausschließen…
Sei´s drum. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Thomas Mann am 6. Juni zum 150. Mal. Es gibt zahlreiche Abhandlungen über sein Werk, seine Familie – ja, selbst über seinen Schreibtisch, der bei jedem Umzug mitmusste, gibt es ein Werk. Und Thomas Mann ist oft umgezogen. So auch – um zum Kern zu kommen – in seiner Zeit im amerikanischen Exil, wo er ab 1938 bis 1952 mit seiner Frau Katia gelebt hat.
Von dieser bewegten Zeit (nicht nur für Thomas Mann sondern für die ganze Welt) erzählt Martin Mittelmeier in seinem Buch „Heimweh im Paradies: Thomas Mann in Kalifornien“; erschienen im März 2025 im DuMont Buchverlag. Etliche Begegnungen mit zahlreichen Exilanten haben Einzug gehalten; das Namedropping spare ich mir an dieser Stelle. Die wichtigsten Treffen waren sicherlich die mit Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg, die schließlich in der Veröffentlichung von „Doktor Faustus“ münden.
Und genau hier liegt (für mich) ein Knackpunkt der vorliegenden Veröffentlichung: es gibt nämlich neben durchaus interessanten Passagen über das Innenleben Thomas Manns oder die ein oder andere witzige Anekdote im amerikanischen Exil des Literaturnobelpreisträgers endlos lange philosophische und musiktheoretische Abhandlungen, die mich als Leser mehr ermüdet haben, als dass sie mich lesend bei der Stange gehalten hätten. Immerhin (das muss ich dem Autor zugutehalten) weiß ich jetzt, dass ich den Roman „Doktor Faustus“ nicht ohne den erläuternden Band „Die Entstehung des Doktor Faustus“ lesen werde, zu dessen Publikation sich Thomas Mann aufgrund eines Streits mit Arnold Schönberg „gezwungen“ sah.
Hervorheben muss ich auch ganz klar die von Martin Mittelmeier geleistete Quellenarbeit. Die von ihm benutzten Quellen und dazugehörige Anmerkungen können geneigte Leser:innen über einen QR-Code einsehen, der am Ende des Buches abgedruckt ist.
Der Autor hat also bei weitem nicht alles falsch gemacht, nur hat es mich persönlich nicht ganz erreicht. Daher kann ich auch nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen und vergebe 3*.
REZENSION – Will man aus den Neuerscheinungen, die anlässlich des diesjährigen 150. Geburtstags von Thomas Mann (1875-1955) veröffentlicht wurden, nur bestimmte zur eigenen Lektüre auswählen, ist das im März beim Dumont Verlag erschienene Buch „Heimweh im Paradies. Thomas Mann in Kalifornien“ von Martin Mittelmeier (54) als besonderer literarischer Leckerbissen zu empfehlen. Faktenreich, dennoch atmosphärisch dicht und locker erzählt der Literaturwissenschaftler vom Leben des deutschen Nobelpreisträgers in den Jahren 1938 bis 1952 im amerikanischen Exil. Wir erfahren viel über Manns schriftstellerisches Arbeiten und seine Erlebnisse in paradiesischer Umgebung, aber auch über seine innere Zerrissenheit fern der deutschen Heimat. In Los Angeles begegnet der eher menschenscheue Intellektuelle anderen bekannten Exilanten wie Arnold Schönberg, Vicki Baum, Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Helene Weigel, Max Horkheimer, Hanns Eisler sowie Franz und Alma Werfel. Mit einigen versteht er sich gut, mit wenigen freundet er sich an, während er wiederum andere menschlich oder intellektuell ablehnt. In einzelnen Szenen, aufgelockert durch Anekdoten, lässt uns Mittelmeier am Alltagsleben dieser Zwangsgesellschaft teilhaben. Wir sind Gäste bei ihren Treffen und Partys, wo oft heftig darüber gestritten wird, wie ein besseres Deutschland nach dem Zusammenbruch aussehen sollte. Thomas Mann wird als „König der Emigranten“ auch unter amerikanischen Gastgebern herumgereicht. Viele bewundern ihn, andere beneiden ihn. Manche stehen ihm auch feindlich gegenüber, gibt er sich doch in seinen Vorträgen als die „moralische Instanz“ gegen den Nationalsozialismus. Dies führt nicht nur mit Exilanten zu Konflikten. Autor Mittelmeier zeigt uns Thomas Mann in mentalem Zwiespalt. Einerseits sucht und braucht er die Anerkennung als „Galionsfigur des guten Deutschlands“, sichert sie ihm und seiner Frau Katia doch im Exil die sicheren Einkünfte aus Vortragsreisen und Vorlesungen, die er zur Fortführung seines aus Deutschland gewohnten Lebensstils braucht. Auf der anderen Seite leidet er unter Heimatlosigkeit und Entfremdung und zieht sich gern in sein Arbeitszimmer zurück, wo alles seine Ordnung hat: „Tisch, Sessel, Lampe, Bücherreihe, Thomas Mann. Zuhause ist, wo er schreiben kann.“ Es ist diese ihm liebgewordene Ordnung sowie das Schreiben, die es ihm ermöglichen, sein Heimweh noch zu unterdrücken und sogar zu behaupten: „Wo ich bin, ist Deutschland.“ Doch trotz allen Wohlstands, paradiesischer Umgebung und aller Anerkennung ist es später seine wachsende Enttäuschung über die amerikanische Nachkriegspolitik, die bei ihm schließlich doch „Heimweh im Paradies“ und den Wunsch zur Rückkehr nach Europa aufkommen lässt. Trotz der vielen Fakten, Anekdoten und Zitate, die der Autor mit einem umfangreichen Quellenverzeichnis und einer Vielzahl von Anmerkungen belegt, gelingt es Mittelmeier dennoch erstaunlich gut, uns in seiner locker geschriebenen und deshalb leicht lesbaren Erzählung den Schriftsteller weniger als herausgehobenen Literaten, sondern als Menschen nahezubringen. Mit gebührendem Abstand beschreibt der Autor in seinem Porträt den alternden Mann teils mit leichter Ironie, aber durchaus auch mit Verständnis für dessen schwierige Lebenssituation und holt uns den berühmten Nobelpreisträger von seinem hohen Sockel. „Heimweh im Paradies“ ist eine lesenswerte Mischung aus Biografie, Kulturgeschichte und Exilliteratur. So versteht es sich von selbst, dass dieses kaum 200 Seiten umfassende Buch für die Liebhaber der Werke und Person Thomas Manns eine Pflichtlektüre sein sollte. Aber auch alle anderen Freunde guter Literatur werden zweifellos an diesem Buch Gefallen finden.
Thomas Mann ist einer der großen Literaten, die Deutschland hervorgebracht hat. 1875 geboren, war er schon älter, als er sich durch die Nazis zuerst gezwungen sah, in die Schweiz und von dort aus dann in die USA zu emigrieren. Martin Mittelmeier hat sich mit seinem Roman „Heimweh im Paradies“ mit Manns Jahren in den USA auseinandergesetzt. Wie erging es diesem – auch in den USA – berühmten Schriftsteller? Was hat ihn umgetrieben? Wie hat er sich eingebracht und was waren seine Beweggründe? Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass die Angelegenheit der Lektüre dieses Buchs eher eine trockene werden würde. Zur Lektüre entscheid ich mich dann erst, als das Buch von einem von mir geschätzten Bookstagramer hoch bewertet wurde. Hat es sich gelohnt dieser Empfehlung zu folgen? Ich hatte mich mit Thomas Mann schon seit längerem nicht mehr beschäftigt und werde dies in Zukunft wieder vermehrt tun. Ich mochte die Buddenbrooks damals und Mann hat ein Gespür für den Zeitgeist, aber auch für zeitlose Entwicklungen. Mittelmeiers Roman hatte in diesem Zusammenhang viele interessante Nuggets auf Lager. Diese passen sogar überaus passend in diese Zeiten, in denen wir uns befinden und mache historische und heutige Entwicklungen begreifbarer. Der Wert des Buchs in diesem Zusammenhang ist unschätzbar. Was nun erleichternd dazu kommt: man muss für die Nuggets nun auch nicht tief graben. Sprachliche präzise, nicht ausschweifend, ist die Lektüre als sachlich aber nicht trocken zu bewerten. Ich habe das Buch auf Reisen gelesen und mir scheint dies ein perfekter Anlass zu sein, weil auch Mann einige Reisen unternimmt. Insgesamt sehr passend und empfehlenswert.
Thomas Mann in Kalifornien - ein Exilort, der für den großen deutschen Schriftsteller zur neuen Heimat wurde, nachdem er nach einem Urlaub nicht mehr ins nationalsozialistische Deutschland zurückkehrte.
In diesem Buch zeichnet Oliver Mittelmeier nicht nur das Leben Manns in der Fremde nach, sondern bettet es zugleich in einen weiten historischen und geistigen Kontext ein. Wir begegnen Menschen, die Thomas Mann prägten oder von ihm geprägt wurden, und erhalten einen Einblick in das Netzwerk deutschsprachiger Intellektueller, die sich in Kalifornien im Exil wiederfanden.
Im Zentrum des Buches steht Manns literarisches Schaffen in der Emigration sowie sein unermüdlicher Kampf gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. Besonders ausführlich behandelt wird der Entstehungsprozess von "Doktor Faustus", aber auch andere Werke werden werden breit diskutiert.
Für mich war die Lektüre ein bereicherndes Erlebnis - sie hat in mir die Neugier geweckt, mehr über Thomas Mann und seine Werke zu erfahren.
Der Titan der deutschen Literatur im amerikanischen Exil Auf der Flucht vor den Nazis treffen sich in Kalifornien die renommiertesten und größten Literaten, Musiker, Künstler, Kunstmäzene und Schauspieler, die Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert geistig geprägt haben. Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Vicki Baum, Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht und Thomas Mann, der einzige Literaturnobelpreisträger unter ihnen. Einigen wenigen gelingt es, finanziell gut dastehen. Thomas Mann unternimmt Vortragsreisen, Lion Feuchtwangers Bücher sind auch in den USA ein Erfolg. Aber Brecht, Döblin oder Heinrich Mann und vielen anderen geht es finanziell nicht gut. Viele schreiben Drehbücher für die Filmindustrie und kommen so über die Runden. Zu den Vorträgen, die Thomas Mann hält, quer durch die USA, kommen noch Radiosendungen hinzu, für die Radiohörer in Deutschland.. Diese Vortragsreisen und die Radiosendungen, aber auch die Gespräche, die er mit jungen Amerikanern führt, so sie sich trauen, zu ihm zu kommen, all dies hält ihn vom Schreiben ab. Mit ungeheurem Fleiß und Disziplin hat er im Exil seine Josef-Romane zu Ende gebracht, er hat Lotte in Weimar geschrieben, er hat Doktor Faustus geschrieben. Aber er hat auch Essays verfasst, über Goethe, Richard Wagner, Sigmund Freud, “Bruder Hitler”, Friedrich Nietzsche. und Arthur Schopenhauer. Seine Radiosendungen zwischen 1941 und 1945 sind gleichzeitig auch Essays, die er sehr sorgfältig geschrieben hat und an seine deutschen Hörer gerichtet hat. Er unterscheidet sehr genau zwischen den Schergen des Naziregimes und dem deutschen Volk. Für einen selbst deklarierten unpolitischen Menschen setzt er sich sehr aktiv politisch ein. Einerseits um anderen Exil Deutschen in den USA zu helfen, andererseits durch seine Radiosendungen an das deutsche Volk. 1946, der Krieg ist zu Ende, steht Thomas Mann vor neuen Herausforderungen: “Die Realität ist schneller als Thomas Mann. Manches Mal hatte ihn die Furcht geplagt, er müsse noch einen weiteren Roman schreiben, bis die NS-Herrschaft vorüber ist. Aber am Ende ist deren Untergang erfolgt, bevor Manns Erzähler [Der Zauberberg] Serenus Zeitblom es mitschrend miterlebt. Mann schreibt nun gleichsam der Realität hinterher, in der die Nürnberger Prozesse bereits kurz vor dem Abschluss stehen.” (S. 131) Ein paar Worte zum Stil Martin Mittermeiers: einigen mag er umständlich erscheinen, schräg, nicht leicht zu durchdringen. Ich finde ihn ehrlich, dem schwierigen Thema eines so großen Autors voll angepasst. Charmant, spritzig ironisch, aber auch sehr ernst und gleichzeitig knapp: “Später am Abend nehmen die Manns die Nachricht von der Versenkung eines Passagierdampfers durch ein deutsches U-Boot zur Kenntnis, auf dem sich viele Kinder zur Evakuierung von England nach Kanada befanden. Zwei Tage später erfahren sie, dass ihre Tochter Monika mit ihrem Mann auf dem Schiff war. Monika wurde nach zwanzig Stunden in einem Rettungsboot geborgen, ihr Mann starb, mit ihm 246 weitere Menschen, darunter 73 Kinder. Nicht leicht zu hassen, in diesen Zeiten” (S. 33) Dieser knappe letzte Satz geht zu Herzen. Literaturgeschichte und spannende Auseinandersetzung mit den deutschen Schriftstellern im amerikanischen Exil während des unsäglichen Dritten Reichs.
Als im Januar diesen Jahres in Pacific Palisades Brände katastrophalen Ausmaßes Eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzogen, wurde, das Thomas Mann Haus wie durch ein Wunder verschont. Hier hat der Schriftsteller von 1942-1952 gelebt. Und es ist Schauplatz dieses erzählenden Sachbuchs.
Um dem Nationalsozialismus in Deutschland zu entfliehen, nahm der Literaturnobelpreisträger mehrere Umwege über Paris und die Schweiz, später auch Princeton in Kauf. Seine kubistische Villa im Großraum Los Angeles wurde ein stark frequentiertter Treffpunkt deutscher Exilanten. Seine Frau Katia organisierte seinen Alltag und Termine, damit „der Professor“ sich in seinem eigenen Glanze baden konnte, aber auch genug Zeit zum Schreiben hatte. Wichtig war ihm die Gespräche zu anderen Leidensgenossen zu suchen, wobei es ihm scheinbar mehr darum ging, gehört zu werden, als zuzuhören. Feuchtwanger, Schönberg. Adorno, Vicky Baum, Bertolt Brecht und die erst 16jährige Susan Sonntag, die damals noch unbekannt, aber neugierig auf Werk und Autor war, sind nur einige wenige, die uns in diesem Text begegnen. Dabei wird deutlich sichtbar, zu welchen Menschen sich Thomas Mann hingezogen fühlt – nicht besonders viele – und Feindschaften aufgedeckt. Mann war kein unkomplizierter Zeitgenosse. Er wusste um seinen Wert und lies das auch entsprechend raushängen. Sympathisch fand ich, dass er gerne Kontakt zu jungen Menschen hatte, die ihm die Welt zugänglich erachten. Seine Familie findet immer mal wieder Erwähnung allerdings sehr fragmentarisch. Die meiste Zeit wird seiner Tochter Erika gewidmet. Es entstehen natürlich auch Werke während seiner Zeit außerhalb Europas und Mittelmeier hat diese Zeit des Schaffens einfangen können. Im Vordergrund steht aber die Zerrissenheit Thomas Manns. Einerseits möchte er deutlich machen, wie sehr er die Situation seiner Heimat verachtet, wie provinziell und hässlich das Gesicht des Landes ist, dass ihn zur Entwurzelung gezwungen hat. Andererseits ist er teilweise besessen damit beschäftigt, das Gute und Schöne in Deutschland nicht außer Acht zu lassen und der Welt zugänglich zu machen. Und das in einer Zeit, in der der Nationalsozialismus alles verschlingt. Das findet sowohl in extrovertierten Reden und Gesprächen statt, als auch in der hadernden Introspektive.
Martin Mittelmeier hat eine atmosphärisch dichte Bildergalerie vor meinen Augen entstehen lassen, die hell leuchtend und trotzdem minimalistisch ist. Es ist imponierend, welche Unmenge an Informationen er in diese doch recht kurzen Text gepackt hat. Die Recherchearbeit muss sehr viel Zeit gekostet haben. Die Quellenangabe hat er über einen QR-Code zugänglich gemacht, eine interessante Variante, die das Buch wahrscheinlich sehr verschlankt. Der Text ist literarisch anspruchsvoll ohne anzustrengen und spiegelt meinem Empfinden nach den Stil Thomas Manns. Ist es Mittermeiers Schreibstil, oder sind es die vielen Zitate - Ich hatte den Eindruck, der Autor sitzt lebendig neben mir und erzählt, teilweise ironisch, manchmal auch zerknirscht über ein nicht ganz freiwilliges, wenn auch komfortables Leben weit weg von zu Hause und droppt ab zwischendurch Tratsch und Klatsch über die Exil Gesellschaft.
Ein Muss für alle Mann Fans und Interessierte, aber auch eine Empfehlung für Leser*innen die in dieser Zeit eine literarische Heimat finden.
Thomas Mann gehört zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, und sein Exil in Kalifornien während der NS-Zeit ist ein Kapitel seines Lebens, das sowohl literarisch als auch historisch von großem Interesse ist. Martin Mittelmeiers “Heimweh im Paradies” widmet sich genau dieser Zeit in Manns Leben und versucht, die Zerrissenheit zwischen der äußeren Idylle und des Erfolges im Exil und seiner schweren Gedanken und Zweifel im Inneren nachzuzeichnen.
Im Buch werden die Jahre beleuchtet, die Thomas Mann und seine Familie in Kalifornien verbrachten. Man erlebt den Schriftsteller, der sich zwar äußerlich in einer paradiesischen Umgebung wiederfindet, innerlich jedoch unter Heimweh, Identitätsfragen und politischen Spannungen leidet. Es wird zudem analysiert, wie diese Umstände Manns literarische Arbeit beeinflussten.
Ein immer wiederkehrendes Thema des Buches ist Manns Verhältnis zu seiner deutschen Heimat, die er wegen der politischen Lage verlassen musste und gleichzeitig nie vollständig hinter sich lassen konnte. Die Widersprüche in seinem Denken und Fühlen zwischen Loyalität zu Deutschland und der Ablehnung des NS-Regimes werden nachvollziehbar beschrieben.
Mittelmeier punktet vor allem mit einer gründlichen Recherche und einer Vielzahl an historischen Quellen, die ein tiefes Verständnis für die Zeitumstände und Manns innere Kämpfe ermöglichen. Besonders beeindruckend ist die analytische Auseinandersetzung mit Manns politischen Reden im amerikanischen Exil, in denen er sich vehement gegen den Nationalsozialismus aussprach, aber gleichzeitig um seine Rolle als die “Stimme Deutschlands“ rang.
Auch das Kalifornien der 1940er-Jahre wird lebendig geschildert – eine Umgebung, in der viele europäische Intellektuelle Zuflucht fanden und sich ein Exil-Netzwerk aus Künstlern und Wissenschaftlern bildete. Thomas Mann und seine Familie bewegten sich in einem Kreis von Exilant:innen, die ebenfalls mit dem Spannungsverhältnis zwischen Anpassung und Entfremdung kämpften. Spannend ist hier auch, wie das Denken vieler bekannter Persönlichkeiten schlussendlich sein Schreiben beeinflusste.
Das Buch kann aufgrund der Faktualität durchaus als Sachbuch eingeordnet werden und lässt daher eine erzählerische Lebendigkeit tendenziell eher vermissen. Hinsichtlich der Analyse wäre eine persönliche Reflexion bzw. ein Eintauchen in mögliche psychologische Deutungen, die tiefer in das Fühlen und Denken von Thomas Mann eindringen, wünschenswert gewesen - gerade weil seine Briefe und Tagebücher herangezogen wurden.
Grundsätzlich ist “Heimweh im Paradies” eine durchaus lohnende Lektüre für Menschen, die sich für Thomas Mann und dessen Zeit im Exil interessieren. Wer fundierte Analysen mag, sieht hierin sicherlich eine große Stärke des Buches. Für Leser:innen, die eine erzählerische Biografie erwarten, wird dieses Buch an vielen Stellen deutlich zu trocken daherkommen. In jedem Fall ist dieses Buch eine sehr gute Wahl, wenn man Thomas Manns Leben und Werk während seines amerikanischen Exils besser verstehen möchte.
Vorneweg Interesse an Thomas Mann und am besten schon Kenntnisse in Bezug auf sein Werk und sein Leben sollte man für "Heimweh im Paradies" auf jeden Fall mitbringen, ansonsten könnte es schwierig werden, bei der Stange zu bleiben.
Es ist Thomas Mann Jahr und "Heimweh im Paradies" ist ein weiterer literarischer Beitrag dazu. "Der Zauberberg", "Die Buddenbrooks" oder "Doktor Faustus", um nur ein paar zu nennen, sind bekannte Werke Manns. Aber nicht nur literarisch ist Mann interessant, auch als Person fasziniert er. Thomas Mann lebte zur Zeit Hitlers und als dieser an die Macht gelangte, begab er sich ins Exil nach Kalifornien und schrieb dort gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten an und machte sich Gedanken, wie ein Deutschland nach Hitler aussehen könnte. Ebenso hielt er Reden und war dort im Kontakt und im Austausch mit anderen Exilanten, wie z. B. Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht oder Lion Feuchtwanger. Dabei schlägt ihm Neid, aber auch Bewunderung entgegen. Einblicke in die Zeit seines Exils von 1938 bis 1952 versucht Martin Mittelmaier in seinem Roman "Heimweh im Paradies" zu geben.
Klingt vielversprechend, doch insgesamt hinterlässt der Roman bei mir gemischte Gefühle. Stellenweise konnte der Autor mich mit seiner Erzählung fesseln, häufig jedoch aber nicht wirklich. Die Erzählung ist teils zu stark verdichtet, teils zu ausführlich in seiner Beschreibung, dann wieder zu oberflächlich und obendrauf die Verwendung von unterschiedlichen stilistischen Mitteln - all das führt dazu, dass Thomas Manns als Person und seine Zeit im Exil wenig greifbar bleibt.
Infolgedessen lässt sich der Roman schwer einordnen, mit mehr Hintergrundwissen zu Manns Wirken fällt es vielleicht leichter.
Leider wurde das vorhandene Potenzial nicht genutzt, etwas mehr Seiten hätten dem Roman sicherlich gutgetan, um eine vielschichtige, differenzierte und lesenswerte Erzählung über Thomas Manns Zeit im Exil zu schaffen.
Trotz oben genannter Schwächen sind jedoch auch interessante Passagen und Diskussionen enthalten, die die Gedanken, Ansichten und das Leben von Mann lebendig werden lassen.
„Wenn das gewährleistet ist, dann ist es eigentlich wie überall: Tisch, Sessel, Lampe, Bücherreihe, Thomas Mann. Zuhause ist, wo er schreiben kann.“ (Zitat Pos. 44)
Inhalt Schon mehrmals hatten Thomas und Katia Mann die USA besucht, wo Thomas Mann als prominenter Schriftsteller geschätzt wird. 1938 fällt dann die endgültige Entscheidung und am 21. Februar 1938 treffen sie in New York ein. Im Februar 1942 beziehen sie das nach ihren Wünschen gebaute Haus in Los Angeles, eine Villa mit Blick auf den Ozean, umgeben von einem großzügigen Anwesen im noblen Stadtteil Pacific Palisades, Sehnsuchtsort für vieler Künstler im Exil. Dort arbeitet Thomas Mann an seinem Roman Doktor Faustus, engagiert sich politisch in Texten, Vorträgen und verfasst Radioansprachen, die über die BBC auch in Deutschland ausgestrahlt werden. Die deutschsprachigen Exilanten sind eine bunte Gruppe mit einem lebhaften Gesellschaftsleben. Was sie eint, ist die Kunst, was sie verbindet, trotz unterschiedlicher Meinungen, ist der sorgenvolle Blick auf die Vorgänge in der alten Heimat, die Haltung Amerikas und die Frage, wie die Zukunft Deutschlands aussehen könnte.
Thema und Genre „Thomas Mann in Kalifornien“ lautet der Untertitel dieses biografischen Romans und darum geht es, um das Leben der Familie Mann und anderer bekannter deutschsprachiger Künstler im kalifornischen Exil. Themen sind Literatur und Musik, Philosophie, Verlust der Heimat, internationale Politik und natürlich der Krieg.
Erzählform und Sprache Martin Mittelmeier schildert die Jahre der Familie Mann in Amerika chronologisch von 1938 bis zum Jahr 1952, als die Stimmung in Amerika kippt und die Manns von einem Aufenthalt in der Schweiz nicht mehr nach Amerika zurückkehren. Basierend auf intensive Recherche, Tagebuchberichte, Erinnerungen und das schriftstellerische Werk von Thomas Mann, geht der Inhalt doch weit über eine Biografie hinaus und überzeugt durch eine Vielfalt an Themen, Eindrücken, Schilderungen und eine leichte, angenehm zu lesende Erzählsprache.
Fazit Ein interessantes, facettenreiches Lesevergnügen, nicht nur im Thomas Mann Jubiläumsjahr 2025.
Das Cover zeigt einen Küstenstrich in gleißender Sonne, wahrscheinlich die Westküste bei Los Angeles, wo viele Exilanten aus Europa strandeten aus Angst vor dem Naziregime. Das Buch um Thomas Mann als Hauptfigur streift kurz den Wohnort in der Schweiz seit 1933, um lebensnah und im Detail über den Neuanfang in den USA zu berichten. Während seiner Schaffensperiode bis 1952 in Pacific Palisades erfährt man viel über dortige Begegnungen mit alten Freunden wie z.B. Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Max Horkheimer, Franz und Alma Werfel etc. Auch werden weitere Bücher wie ›Doktor Faustus‹ in ihrem Entstehungsprozess beschrieben. Sein politisches Engagement gegen Hitlers Regime über viele Jahre wird beleuchtet neben seinen zahlreichen Vortragsreisen nicht nur über seine schriftstellerischen Werke. Wie auch aus seinen Tagebucheinträgen ersichtlich geht es auch um Anfeindungen und Hoffnungen ihm gegenüber. Viel wird auf seine Bücher »Buddenbrooks« und »Zauberberg« eingegangen, ebenso auf Arnold Schönbergs Zwölftonmusik. Historische Fakten wie z.B. Ausgrenzungsmechanismen bei Enemy Aliens, Manns Reden an das deutsche Volk über BBC, Besuch bei Präsident Roosevelt und die amerikanische Einbürgerung sind chronologisch eingefügt. Mit der Veränderung des gesellschaftlichen und politischen Klimas der McCarthy-Ära erfolgt die Rückkehr in die Schweiz mit dem Tod von Thomas Mann 1955. Als Ehemann, Vater oder Bruder von Heinrich tritt er weniger in Erscheinung, was ihn menschlich unnahbar wirken lässt, auch wenn er den Kontakt zur Jugend sucht. Was für ein unruhiges, bewegtes Berufsleben mit großer Verantwortung nicht nur für die eigene große Familie!
Eine Biografie der etwas anderen Art in der sich Realität und Fiktion vermischen. Für mich auf jeden Fall ein interessantes Buch, das teilweise jedoch schwer zu lesen war. Aber worum geht es…
Los Angeles in den 1940er-Jahren: Die Westküste ist ein Traumort für alle Exilanten, so auch Thomas Mann und ihn begleiten wir dann auch während seinen Exils bis zu seinem Tod in Zürich. Wir reisen quasi mit ihm durch sein Leben und lernen viele andere Schriftsteller und Künstler kennen. Einige Namen sagten mir etwas, bei anderen habe ich nachgeforscht um wenn es sich genau handelt. Kurze Geschichten über Zusammenkünfte oder die Gedankenwelt von Mann in kurzen knackigen Kapiteln, wobei das ganze Buch kurz und knackig ist. Als manchmal sehr literarisch und manchmal steif würde ich den Schreibstil betiteln. Es ist möglich die Texte rasch zu lesen, jedoch sollte man dies aufmerksam tun. Eine anspruchsvolle Lektüre für zwischendurch, bei der ich mich gefragt habe… Roman oder Sachbuch?!?! Da ich mich noch nie mit Thomas Manns Leben auseinandergesetzt habe bis zu diesem Buch, wobei ich seien Werke natürlich kenne, habe ich einiges Neues erfahren. Ich frage mich jedoch, ob das bei Thoman Mann- Fans auch so wäre. Toll dargestellt wird auf jeden Fall, die Zerrissenheit Manns Deutschland verlassen zu haben. Aber wie Mann sagt: „Deutschland ist da, wo ich bin“. Das Cover finde ich immernoch grandios. Schlicht, einfach und es versprüht den Charme Kaliforniens. Ebenso ist das Buch auf wunderschönem Papier gedruckt und fühlt sich phantastisch an. Ich persönlich bin ein großer Fan von solch Hochwertigen Büchern.
Deutsche Literaturgeschichte mal anders verpackt… gelungen, aber sicherlich nicht für die breite Leserschaft geschrieben. Deswegen nur 3/5 ⭐️
Außerdem habe ich jetzt irgendwie das Bedürfniss „ Doktor Faustus“ zu lesen ;)
In „Heimweh im Paradies“ schildert Autor Martin Mittelmeier die Exil-Jahre von Thomas Mann und dessen Familie in Kalifornien. (Fast) jedem Kapitel entspricht ein Jahr zwischen 1938 und 1952 und damit die gesamte Zeit, die Mann im Exil verbrachte. Eine produktive Zeit, in der diverse wichtige Schriften (u.a. Dr. Faustus) entstanden und Thomas Mann gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten anschrieb, Reden hielt und die deutsche künstlerische Exilgemeinde vernetzte. Einige dieser Kapitel sind interessant, z.B. jenes, das sich den Diskussionen um Musik widmet, die Adorno und Mann geführt haben. Einige sind aber auch banal, ohne großen Erkenntnisgewinn und anstrengend zu lesen. Der Schreibstil ist teilweise verkünstelt - da ist die Rede von den „epischen Riesenentwürfen, die Gegenwärtigkeit und mythischen Gesang auf so bezwingende Weise zusammenbringen“ oder Reliefs, in denen durch Ironisierung das Wesen der Idee erst sichtbar werde. Auch wenn hier vielleicht an den Stil Thomas Manns erinnert werden soll, hemmt es den Lesefluss und lässt einen ratlos zurück, was konkret denn damit gemeint sein könnte. Insgesamt ein eher schwächerer Beitrag zum Mann-Jubiläum.
Ein Buch für Fans von Mann. Wer seine Bücher interessant findet, möchte bestimmt erleben, wie vieles das Entstehen beeinflusste. Wer Manns Buch *Deutsche Hörer* kennt, kann hier erfahren, was neben all den Radiosendungen zur selben Zeit im Leben des Autors passierte. Allgemein stellt das Buch eine Teilbiografie dar und gewährt gezielte Einblicke in dokumentierte Momentaufnahmen sowie ein Gefühl für die Persönlichkeit Manns und ein wenig auch für die seiner Familie. Wir begleiten Mann vor allem durch Kalifornien und bekommen einige Eindrücke vom Ende seines Lebens. Die Recherchearbeit muss immens gewesen sein, und dafür verdient der Autor absoluten Respekt. Auch schriftstellerisch ist das Buch gelungen – neutral und sprachlich angenehm. Für alle, die Mann nicht kennen, wird dieses Buch jedoch keine tiefgreifenden Erkenntnisse bringen, vielleicht aber Einblicke in einige historische Gegebenheiten. Manche Erzählungen über eine Persönlichkeit können auch ohne weiteres Wissen über die Person interessant sein, aber das würde ich hier nicht sagen. Ohne mein Interesse an Mann wäre mir dieses Buch vermutlich zu trocken und uninspiriert erschienen. Als Fan von Manns Lektüre habe ich es gerne verfolgt, doch die sonstige Begeisterung blieb aus.
Zum Inhalt: In den vierziger Jahren sind diverse Schriftsteller, die im nationalsozialistischen Deutschland keine Heimat mehr hatten, in Florida gelandet, allen voran Thomas Mann. Hier ist es zwar traumhaft schön, aber dennoch haben sie auch Heimweh. Aber sie feiern auch, reden sich die Köpfe heiß, streiten wie in Deutschland nach Hitler aussehen könnte. Meine Meinung: Wenn man sich zuvor noch nicht wirklich viel mit Thomas Mann beschäftigt hat, ist einem wahrscheinlich die Zeit in Florida mit vielen anderen Schriftstellern wie z.b. Brecht, Döblin oder Feuchtwanger gar nicht bewusst. Das Buch ist keine leichte Kost, es liest sich auch nicht sehr leicht, weil manche der Kapitel zwar einen Eindruck des Lebens vermitteln, aber irgendwie belanglos wirkten, andere waren dagegen wir sehr interessant. Die teilweise verschwurbelte Schreibweise ist zwar nicht uninteressant, aber auch schon mal zu philosophisch. Das kann man mögen, muss es aber nicht. Ich fand das Buch okay, aber nicht nachhaltig beeindruckend. Fazit: Eher für Thomas Mann Fans geeignet
Das Buch zeigt Thomas Manns Zeit in Kalifornien. Mann lebte in Pacific Palisades, einem Viertel von Los Angeles nahe dem Meer, ein erfolgreiches und engagiertes Leben im Einsatz für die Demokratie und er schrieb an wichtigen Büchern, z.B. an Doktor Faustus. Das Buch ist weniger erzählerisch als erhofft, schafft aber dennoch ein höchstwahrscheinlich treffendes Bild von Thomas mann in dieser zeit zu zeichnen, insbesondere auch wie er auf andere wirkt. Da ist zum Beispiel ein Kapitel von der jungen Susan Sontag, die Thomas Mann zum Tee traf und ihn als alten Mann empfand. Das Buch ist kurz, manchmal kamen mir die Szenen wie im Zeitraffer erzählt vor. Das sie so stimmig gemacht sind, gleicht das wieder aus. Es ist fair gemacht. Thomas Mann wird weder glorifiziert noch wird er in seinen Schwächen bloßgestellt. Bei der Masse an Thomas Mann-Biografien, die es gibt, empfand ich diese aber doch als lesenswert.
Dieses Buch ist eine große Bereicherung für jeden, der gerne hinter die Kulissen blickt bzw. gerne den Autor und die Geschichte hinter der Geschichte kennenlernen möchte. Martin Mittelmeier beschreibt hier sehr ausführlich Thomas Manns Leben im Exil und gibt LeserInnen die Möglichkeit, sich haufenweise Wissen über den einflussreichen Autor anzueignen. Sie werden mit dem Leben eines Autors im Exil konfrontiert, während seine Heimat zu zerbrechen scheint – ihnen werden Einblicke in Manns Diskussionen mit anderen Gleichgesinnten gewährt, sie erfahren die Hintergrundgeschichte rund um die Entstehung seiner prägenden Werke und bekommen die Möglichkeit, sich zu fragen, was es bedeutet, Künstler (im Exil) zu sein.
Da in Mittelmeiers Werk sehr viele Namen und Fakten aufeinanderfolgen, schadet es nicht, ein gewisses Vorwissen in dem hier thematisierten Bereich der Literaturwissenschaft zu besitzen, denn kennt man die Hintergründe nicht etwas genauer, könnte das Lesen etwas mühsam werden. Zudem sollte man sich darauf einstellen, dass das Buch mehr wie ein Artikel über Mann angelegt ist. Das erschwert es leider teilweise, sich in die Figur hineinzuversetzen bzw. sie richtig zu greifen.
Das Buch konnte mich dennoch mit seinem Wissensreichtum sowie mit dem eindrucksvollen Schreibstil des Autors begeistern. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
Heimat finden im Exil? Martin Mittelmeier nimmt die Leserschaft mit in die Welt des deutschen Exilanten Thomas Mann in Kalifornien zwischen 1938 und 1952. Auch andere Intellektuelle sowie bedeutende Künstler*innen und Musiker*innen werden erwähnt und wie sie sich mit dem Nationalsozialismus und den verheerenden Folgen dessen beschäftigen (müssen). Insbesondere der Aspekt eines demokratischen Deutschlands und die Frage nach einer neuen Identität sind Themen, die eine Auseinandersetzung erfordern. Hierbei spielen Sehnsucht nach Heimat, Bitterkeit, persönliche Konflikte und Zerrissenheit eine wichtige Rolle. Martin Mittelmeier regt zum Nachdenken an und gibt einen Einblick in die Gefühlswelt der Betroffenen. Der Inhalt ist hierbei sehr anspruchsvoll und liest sich daher auch etwas anstrengend. Nichtsdestotrotz ist die Aufarbeitung immens wichtig und die Lektüre stellt eine lesenswerte Biografie von Thomas Mann dar.
Mit vielen Anekdoten und geschichtlichen Randnotizen erschafft Martin Mittelmeier in "Heimweh im Paradies" ein lebendiges Bild der Zeit Thomas Manns im kalifornischen Exil. Mittelmeier stellt dabei nicht nur anschaulich die Gedankenwelt und das Schaffen Thomas Mann dar, sondern bietet ein detailliertes Portait des Lebens und der Lebenswirklichkeit einer Vielzahl bekannter Künstlerinnen und Künstler, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen sind und Zuflucht in den USA gefunden haben. So gelingt Mittelmeier eine interessante historische Darstellung und gleichzeitig eine spannende Abbildung der persönlichen und künstlerischen Verbindungen der Exilant:innen.
Eine Biografie, geschrieben wie ein Zeitungsartikel, mit mehr Namen als ich mir in meinem Allgemeinwissen merken kann. Wenn man sich für Mann interessiert, do it, aber ich fand den Schreibstil zu langweilig.
Ein faszinierendes Exilporträt eines zerrissenen Schriftstellers
„Heimweh im Paradies – Thomas Mann in Kalifornien“ ist ein historischer Roman von Martin Mittelmeier. Das 192 Seiten starke Buch schildert Thomas Manns Leben im kalifornischen Exil.
Die Geschichte handelt vom großen Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann, der von 1938 bis Anfang der 1950er Jahre im Exil in den USA lebte. Wie viele jüdische Bürger musste er mit seiner Familie während der Nazizeit aus Deutschland fliehen und sich im sonnigen Los Angeles Kaliforniens niederlassen. Die Geschichte konzentriert sich auf seinen Übergang in ein neues Leben und seinen Umgang mit anderen exilierten Künstlern. Trotz seines Ruhms und seiner Anerkennung ließ ihm sein anspruchsvoller Arbeitsalltag wenig Zeit für kreatives Schreiben.
Martin Mittelmeiers Schreibstil ist ungewöhnlich und komplex, und ich brauchte zunächst etwas Zeit, um mich an diesen Erzählstil zu gewöhnen. Für mich wirkt das Buch eher wie eine Aneinanderreihung von Fakten und Anekdoten als wie eine zusammenhängende Geschichte, was die Konzentration zeitweise erschwert. Dennoch bin ich dankbar für dieses Buch, das mir den Kontakt zu vielen berühmten Künstlern und Politikern ermöglichte und mir Einblicke in eine besondere Zeit im Leben Thomas Manns verschaffte.