Der Kampf um die Freiheit der Drachen
Ihr ganzes Leben lang wurde Saiwala darauf vorbereitet, eines Tages Familienhüterin zu werden und ihre Liebsten zu beschützen. Doch am Tag ihrer Drachenweihe ändert sich alles, denn Saiwala ist einer der wenigen glücklichen Menschen, die eine Drachenseele in sich tragen: schon bald wird sie sich in einen Drachen verwandeln. Während Saiwala noch mit dieser Erkenntnis zu kämpfen hat, ziehen aber ganz andere Probleme herauf: Ein gieriger König überfällt ihre Stadt und nimmt alle Drachenseelen gefangen, um sie zu versklaven. Ihr gelingt zwar die Flucht, doch ihr Kampf um Freiheit hat gerade erst begonnen…
Der Auftakt der „Drachenseele“-Dilogie liest sich wie ein neues Märchen, nur mit Drachen. Vielen Drachen! Sie sind anders als die, die man aus den meisten Fantasy-Büchern kennt, wilde, aber intelligente Wesen, die sich von Zeit zu Zeit den Menschen zeigen und ihnen Hilfe zuteilwerden lassen, die von allen verehrt und respektiert werden. Die Autorin hat sich beim Erschaffen der verschiedenen Drachenarten selbst übertroffen, es gibt kleine, niedliche und bunte Drachen, majestätische und rätselhafte genauso und sie alle faszinieren den Leser über die Länge des Buches hinweg.
Die Geschichte beginnt eher ruhig und weniger überraschend, richtig in Schwung kommt die Handlung erst nach einem Viertel des Buches, nachdem sich Saiwala auf den Weg gemacht hat, ein Drachenrätsel zu lösen, um ihre Familie zu befreien. An Saiwalas Seite erlebt der Leser ein kleines Abenteuer, in manchmal holpriger, manchmal eleganter Sprache, ständig auf der Flucht vor den Jägern des Königs und lernt allerlei Drachen kennen. Über Wochen erstreckt sich die Reise und schafft es so, glaubwürdig zu erscheinen, auch wenn Saiwala und ihre Reisegefährten manchmal mehr Glück als Verstand zu haben scheinen.
Im Allgemeinen kann man sagen: Saiwala hat noch eine ganze Menge zu lernen, gerade zu Anfang ist sie ein bisschen weltfremd und gutgläubig, manchen Leuten gegenüber regelrecht naiv, wenn auch nicht unsympathisch. Es sei ihr mal verziehen, sie ist ja auch erst sechzehn. Auch wenn man sich dann fragen kann, ob sie wirklich schon bereit gewesen wäre, ihre Rolle als Familienhüterin zu übernehmen…
Im Laufe des Buches entwickeln sich die Protagonisten weiter und bestehen die eine oder andere Gefahr zusammen und lernen voneinander, ganz wie im Märchen. Ebenfalls zum Märchen passt, dass es eher wenig Worldbuilding gibt, genug, um für das Buch zu reichen, aber viele Hintergründe werden nicht weiter erläutert. Tatsächlich stört das aber weniger, wenn man das Buch als das betrachtet, was es ist: Eine magische Quest, eine Möglichkeit zu finden, den Bösewicht zu bezwingen und die Familie zu befreien. Außerdem gibt es Drachen, also was soll schon schiefgehen?