Das mitreißende Debüt einer jungen Frau, die sich zwischen zwei Welten behauptet.
»Lisolo« bedeutet auf Lingala, einer der Nationalsprachen des Kongo, Geschichten zu erzählen. Und Geschichten hat Nadège Kusanika viele zu erzä von ihrer Kindheit im Kongo, von Süßkartoffelblättern und Mango mit Pili Pili, von undurchdringlichem Nebel und unendlichem Sternenhimmel, von Plastiksandalen auf ewig staubiger Erde. Aber auch Geschichten von Hunger und Armut, vom Ankommen in einem fremden Land und vom Hineinwachsen in die deutsche Gesellschaft.
»Unter derselben Sonne« ist ein Roman, der mit Sanftheit und Humor eindringliche Fragen nach Heimat und Identität in der alltäglichen Erfahrung des Fremdseins stellt. Ein eindrücklicher Roman über Familie, das Erwachsenwerden und die Suche nach sich selbst in unserer globalen Welt.
»Was für ein großartiges Debüt! Eine zärtliche, wilde, traurige, lustige Reise in ein fernes und nahes Land – eine wahre Heldinnenreise!« Doris Dörrie.
»Eine eingängige, schlicht-schöne Prosa, die vom Wesentlichen spricht.« Julia Schoch.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Als schwarze Frau mit kongolesischen Wurzeln, die in Deutschland geboren wurde, konnte ich mich in so vielen Aspekten wiederfinden. „Unter derselben Sonne“ ist eine fiktionale Autobiografie über ein Mädchen, das im Kongo aufwächst, eine glückliche, wenn auch herausfordernde Kindheit erlebt und mit 15 Jahren nach Deutschland zieht, um dort bei ihrem leiblichen Vater zu leben – einem Mann, den sie bis dahin nie getroffen hat.
Besonders erfrischend fand ich die Darstellung des Kongo. Statt der oft negativen Narrative bekommt man hier einen liebevollen Einblick in das alltägliche Leben, die Kultur und die familiäre Wärme – auch wenn Armut und sogar Krieg Teil der Realität sind. Gleichzeitig zeigt das Buch die Herausforderungen der Migration: das Ankommen in Deutschland, das Aufbauen einer Beziehung zum Vater und das Bewusstwerden der eigenen Hautfarbe in einer Gesellschaft, in der sie plötzlich “anders” ist.
Nadège Kusanika schreibt mit einer wunderbaren Bildhaftigkeit, die einen mitten in die Geschichte hineinzieht. Es gibt sowohl ernste als auch humorvolle Momente, und Themen wie Alltagsrassismus werden authentisch und greifbar dargestellt. Ich empfehle dieses Buch jedem Kongolesen, jedem, der afrikanische Literatur schätzt oder seinen Horizont erweitern möchte.
Zusätzlich hatte ich die Ehre, die Autorin bei ihrer Buchpremiere zu interviewen – sie ist nicht nur talentiert, sondern auch unglaublich sympathisch. Ich bin gespannt, was sie als Nächstes für uns bereithält!
"Unter derselben Sonne" von Nadège Kusanika ist ein sehr eindrückliches und stimmiges Debüt. Es erzählt von der Kindheit im Kongo, das Ankommen in Deutschland und vor allem von Familie, Zusammenhalt, Erwachsenwerden und des Sich-Selbst-Findens.
Der Schreibstil ist für die Art des Romans perfekt, er hat mich nur so über die Seiten fliegen lassen. Manchmal hätte ich mir ein Verzeichnis mit den verwendeten, und im Text bereits übersetzten, kongolesischen Wörtern gewünscht. Einfach um diese nochmals nachzulesen. Dennoch hat mich der Roman sehr überzeugen können und ich freue mich sehr auf weitere Geschichten der Autorin!
Buchdetails: erschienen am 12.03.2025 im Aufbau-Verlag - 207 Seiten - gelesen als Hardcover (22,00€)
Nadège Kusanikas fiktive Icherzählerin wächst vaterlos mit ihrer Mutter im Haushalt ihres Onkels auf, weil die Großfamilie an ihren leiblichen Vater unerfüllbare Bedingungen für den Brautpreis/die Erlaubnis zur Heirat stellte. Die Familie umfasst 18 Personen, davon 14 Kinder. Lieblingsspiel des Mädchens ist „Lisolo“, einer Gruppe Kinder Geschichten erzählen. Sie beginnt jeweils, mit einem Stock etwas im trockenen Erdboden zu skizieren und erzählt dazu. Die Verknüpfung von Symbol und Geschichte garantiert, dass die Geschichten sich unverrückbar einprägen. Dieses duale Vorgehen behält die Autorin in ihrem Roman bei. Zu markanten Stichworten wie Nahrung, Wasser, Petroleum, Schulgeld, Hexe, Raupen, Malaria erzählt sie von einer harten Kindheit, in der Essen, Kleidung und das Schulgeld nicht immer für alle Kinder genügten, obwohl die Mutter der Erzählerin berufstätig war und offenbar nicht komplett vom Familienoberhaupt versorgt wurde.
Durch die komplizierten Familienverhältnisse kommt die junge Frau mit 15 Jahren nach Deutschland, kann jedoch nicht bei ihrem leiblichen Vater leben und wird daher in einem betreuten Jugendwohnheim untergebracht. Als inzwischen verheiratete und mit ihrem ersten Kind schwangere Frau reist sie 2022 mit ihrem deutschen Mann nach 10 Jahren zum ersten Mal wieder in die Demokratische Republik Kongo, um Mutter und Großfamilie zu treffen. Die Familie betrachtet sie inzwischen als deutsch und sie steckt praktisch zwischen zwei Kulturen fest: Im Kongo fühlt sie sich verpflichtet, Deutschland zu verteidigen, während sie in Deutschland das recht schlichte Bild von „Afrika“ kränkend findet. Gerade durch die Kopplung eindringlicher Stichworte mit Kindheitserinnerungen wirkt Kusanikas Roman auf mich eher wie ein erzählendes Sachbuch zum Thema „Was du über den Kongo erfahren kannst und was dir auch bei der Einfühlung in andere afrikanische Kulturen helfen wird“. Beeindruckend fand ich z. B. die starke Prägung in der Kindheit, niemals ungekochte Nahrung zu essen und niemals Wasser zu trinken, das nicht über dem heimischen Feuer selbst abgekocht wurde, aber auch die hohe Wahrscheinlichkeit, mit der in dieser Klimazone in jeder Familie ein Kind an Malaria sterben wird. Weniger gefallen hat mir die kindliche Erwartungshaltung der Protagonistin, die Annehmlichkeiten in Deutschland wahrzunehmen, die ja gemeinschaftlich finanziert werden, zugleich jedoch die Schattenseiten der Großfamilie im Heimatland, die Armut, sich kein Schulgeld leisten zu können, und die Arbeitsbedingungen des ausgebeuteten Dienstpersonals zu verharmlosen.
Ein durch die Konzentration auf die die Ichperspektive der Protagonistin sprachlich schlichter Roman, der dennoch in Erinnerung bleibt.
Ein Mädchen wächst im Kongo zwischen Süßkartoffelblättern, staubigen Füßen, Familienchaos und jeder Menge Alltag auf. Nicht alles ist leicht, aber vieles ist schön. Mit 15 zieht sie nach Deutschland, trifft zum ersten Mal ihren Vater, den sie bis dahin nur vom Namen kennt. Und dann beginnt das Dazwischen: Zwischen zwei Welten, zwei Sprachen, zwei Heimaten. Das Buch ist offiziell ein Roman, aber fühlt sich mehr an wie ein Erinnerungsalbum. Und genau das macht es so toll und unfassbar nahbar. 🌍👣
Es gibt Szenen, die du liest und plötzlich riechst du Mango oder hörst Kinderlachen auf einem staubigen Innenhof. Und dann gibt’s wieder Momente, in denen du spürst, wie hart das alles auch war. Die Migration. Das Fremdsein. Dieses Gefühl, überall irgendwie ein bisschen falsch zu sein. Es werden so viele wichtige Themen in dem Buch besprochen: von Altersarmut über Alltagsrassismus bis hin zuIdentitätsfragen, aber das alles fühlt sich an, als würde dir eine Bekannte auf dem Sofa mit einer Tasse Tee in der Hand ihre Geschichte erzählen. Weil Nadège Kusanika hier ihre Geschichte erzählt - unverblümt und trotzdem unfassbar präzise. 📚
Teilweise driftet man so zwischen Erinnerungen rum, und ich hatte kurz den Moment von „Wo sind wir grad?“. Aber ehrlich gesagt: Vielleicht passt das sogar. Weil so fühlt sich das ja auch oft an, wenn man über all diese Dinge nachdenkt. 🧭🌀
Fazit: "Unter derselben Sonne" ist ein Buch, das ruhig erzählt, aber tief trifft. Klare Empfehlung für alle, die Bock auf Geschichten haben, die zwischen den Kulturen spielen, aber auch auf dem Boden bleiben. ⭐⭐⭐⭐✨
Nadège Kusanika schreibt in diesem Buch über ihre Heimat Kongo, über die Jahre, die sie als Kind und Jugendliche dort verbracht hat, Traditionen, Familie und die schönen Seiten des Landes. Von ihrem Weg nach Deutschland mit 15 Jahren und ein Ankommen in einem anderen Land, darüber, wie man ihre Heimat dort wahrnimmt. Auf dem Buchdeckel steht zwar Roman, aber so liest es sich nicht - dafür würde mir auch der rote Faden fehlen, die Handlung, etwas, was alles irgendwie rundet. Vielmehr wirkt es auf mich wie eine Sammlung von Anekdoten, die zwar in eine chronologische Reihenfolge gebracht sind, aber viele Erzählfäden beinhalten, die anfangen und nicht zu Ende geführt werden: es ist mehr eine Biografie als ein Roman, und gleichzeitig auch das Licht genug, weil ich mir dann mehr gewünscht hätte, mehr Fokus auf den aufgeschlagenen Themen, die wahnsinnig interessant klangen; denn schon diese Ausschnitte waren sehr bereichernd, oft berührend, haben neugierig auf den Kongo gemacht.
Ich dachte, ich les da mal eben rein, ein bisschen Biografie, bisschen Kultur, fertig. Stattdessen hat mir Nadège Kusanika mit Unter derselben Sonne literarisch so liebevoll eine gescheuert, dass ich zwischendurch lachen, schlucken und kurz mal meine Komfortzone durchlüften musste. Die Frau schreibt, als würde sie mir direkt gegenüber am Küchentisch sitzen – zwischen Süßkartoffelblättern, Kindheitserinnerungen und deutschem Kantinenessen.
Was mich besonders abgeholt hat: diese Mischung aus poetischer Melancholie und trockenem Humor. Man merkt, da ist jemand nicht einfach „gekommen“, sondern dazwischengewachsen – zwischen Kongo und Deutschland, Mango und Mettbrötchen. Und das erzählt sie ohne Pathos, aber mit verdammt viel Herz.
Ja, klar, manches Kapitel wirkt fast zu leise, zu sanft – aber vielleicht ist genau das die Stärke. Kein großes Drama, sondern echtes Leben. Und das knallt dann eben auf die ganz stille Tour.
Ich hätte mir hier und da etwas mehr narrative Struktur gewünscht, manchmal irrt man ein bisschen zwischen den Erinnerungen umher wie ein Tourist ohne Google Maps – aber hey, vielleicht ist das Absicht. Identität findet man schließlich auch nicht auf geradem Weg.
Unterm Strich: Ein starkes Debüt, das auf charmante Art unbequem ist – wie neue Schuhe, die man trotzdem liebt. Ein Buch, das gleichzeitig brennt und wärmt. Und definitiv nicht nur für Leute, die „Was mit Migration“ lesen wollen.
Ich sag mal so: Lesen bildet. In diesem Fall auch ein kleines bisschen Demut.
Die Autorin zeigt in dem Buch, dass sie zwei Orten, die kontrastreicher nicht sein könnten, in ihrem Herzen vereint. Aufgewachsen im Kongo, dann ein neues Leben in Deutschland - es geht um Heimat, Familie, Verbundenheit, Kultur. Das Buch ist sehr angenehm geschrieben und ich habe das Gefühl, dass ich -durch diese liebevolle Art über sein Zuhause zu sprechen- erstmals einen realistischen Eindruck über den Kongo gewinnen konnte.