Predigen ist in zutiefst wirkungsvoller, seelenvoller und sinnvoller Weise möglich. Vielerorts geschieht dies schon, auch jenseits der Kanzel, ohne als Predigt anerkannt zu sein. Die Autorinnen prüfen die unhinterfragten Machtansprüche einer frontalen Predigt und bieten alternative, feministische und postkoloniale Ansätze. Partizipation statt Kanzelmacht unterstützt durch die göttliche Geistkraft, die RUACH, wollen sie die Predigt transformieren in einer sich transformierende Welt.
Der dritte Band der Reihe 'Interdisziplinäre Studien zur Transformation" (IST)
Die transformative Homiletik „Jenseits der Kanzel“ von Müller und Suhner hat einen großen Mehrwert. In wenig (bis gar keinen?) homiletischen Entwürfen wird so derart stark die Macht in den Fokus gerückt wie in diesem Buch. Sehr spannend waren in diesem Zuge auch die postkolonialen Homiletiken, die gerade noch am entstehen sind.
Ein Stern Abzug wegen zwei Dingen: 1. Die Erläuterungen zu machttheoretischen Diskursen war mE zu ausführlich, die daraus abgeleiteten Konsequenzen für die Homiletik zu kurz. 2. An manchen Stellen habe ich nicht ganz den Zusammenhang zwischen Teil 1 und 2 verstanden.
Nachdenklich stimmen mich die Erzählungen, in denen auch mal für längere Zeit auf eine klassische Predigt im Gottesdienst verzichtet wurde. Soll subtil vermittelt werden, es nachzumachen? Ehrlich gesagt kann ich nicht genau in Worte fassen, warum mir solche Erzählungen sogar Bauchschmerzen bereiten. Fest steht aber: ich muss mir darüber noch mehr Gedanken machen.