Henry Meadows wird zwölf, als die Erde stirbt. Mit seinem Vater und seinen Geschwistern reist er nach Perm, einem urzeitlichen Mond in einem fernen Sonnensystem. Henrys Mutter ist mit einem anderen Raumschiffgeflogen. Sie wird von der Familie sehnsüchtig erwartet. Doch plötzlich mehren sich die Sie ist schon hier gewesen, vor langer Zeit. Und sie hat eine Warnung hinterlassen.
Mit Hightech trotzt die erste und einzige Kolonie der Menschheit der Natur des Mondes Perm, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist. Hier gibt es Berge, die in den Weltraum ragen, zwei Arten von Nächten und eine gefährliche, unsichtbare Tierwelt. Als Henry ankommt, ist die neue Heimat noch nicht "fertig": Die Atmosphäre ist giftig und enthält zu wenig Sauerstoff, ohne Schutz ist ein Aufenthalt im Freien tödlich. Irgendetwas hat das Terraforming Perms verhindert. Henrys Mutter Mildred kennt den Grund. Die Wissenschaftlerin hat sich entschieden, nicht mit ihren Kindern zu fliegen, sondern einen neuen Antrieb abzuwarten, mit dem sie ihre Familie um Jahrtausende überholt. Sie will für die bestmögliche aller Welten sorgen. Dazu legt sie sich mit dem mächtigen Leiter des Unternehmens an, der ein anderes Ziel verfolgt. Ein Kampf entbrennt, der über das Leben von Henry und seiner Familie entscheiden wird – viele tausend Jahre später.
Einen für Menschen bewohnbaren Planeten zu finden scheint ja bei der Fülle im Universum gar nicht so schwer: überall gibt es Sonnensysteme und die Vermutung, dass sich "das Leben" ähnlich entwickelt liegt nahe, zumindest glauben wir das in unserer eingeschränkten Sichtweise. Nur die zu überbrückende Zeit ist der Knackpunkt. Denkt man sich so. Zumindest ich. Aber ist das tatsächlich so?
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Von dem Autor hab ich bisher zwei Bücher gelesen, die einen sehr unterschiedlichen Eindruck bei mir hinterlassen haben: Zum einen Athos 2643, einen Science Fiction Thriller aus der Sicht einer KI, der für mich sehr eigen und schwierig zu lesen war, mir in seiner Andersartigkeit aber sehr gut gefallen hat! Und Kernschatten, einen Wissenschaftsthriller aus dem Jahr 2014, vielleicht also eher aus den Schreibanfängen des Autors, denn hier konnten mich weder Figuren noch Handlung recht überzeugen.
Gerade deshalb war ich neugierig, wie mir sein neues Buch gefallen würde, denn der Klappentext klang äußerst vielversprechend.
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Als ich dann den Prolog gelesen habe, dachte ich erstmal nur: wow! Der hat mich wirklich geflasht, weil Nils Westerboer hier mit einem kleinen Experiment beginnt, das sicher viele von euch kennen und damit überschwenkt zu dem immer wiederkehrenden Ziel vieler Menschen, einen anderen Planeten zu besiedeln. Die Gedanken hierzu waren so stimmig und dennoch komplett neu für mich, dass ich das erstmal setzen lassen musste.
"Wenn du hundert Meter in der Sekunde fliegst und dein Schiff gegen irgendetwas kracht, und du bist nicht in deiner Kammer, dann wirst du zu einem Gemälde an der Wand." Zitat
Das erste Kapitel beginnt mit der Ankunft auf Perm. Henry ist 12, als er zusammen mit seinem Vater und seinen beiden Geschwistern auf dem Mond in einem fernen Sonnensystem eine neue Heimat finden will. Es wird sich erstmal nicht groß damit aufgehalten, warum dieser neue Planet beheimatet werden soll - jedoch dass die Lebensfreundlichkeit hier nicht so hoch ist wie erwartet und vor allem gibt es gewisse Anomalien auf der Oberfläche, die eine Gefahr darstellen; und Henrys Vater soll bei deren Erforschung helfen. Henry und die anderen Kinder lernen schnell, sich diesem Leben anzupassen, auch wenn sie sehr genau spüren, wie unwirklich ihnen all das erscheint.
Als sich unsere Blicke trafen, begriff ich, dass ich niemals auf ihn und das Licht, das er in sich trug, neidisch sein durfte. Neid würde mich weiter davon wegbringen, als ich es mir jemals vorstellen konnte. Die einzige Möglichkeit, etwas von Melchers Licht abzubekommen, bestand darin, es zu lieben. Zitat
Zwischen den Kapiteln gibt es Auszüge aus Berichten - oder eher einer Beschreibung der Erforschung des Mondes Perm für die Anpassung an das menschliche Leben. Das fand ich immer sehr interessant, weil Nils Westerboer wirklich interessante Ideen aufwirft, die völlig abstrus klingen: aber, so ist es eben. Wir haben überhaupt keine Ahnung, wie sich "Leben" auf anderen Planeten mit anderen Bedingungen entwickeln würde. Welche Voraussetzungen genau nötig sind, was daraus entsteht, welche Geschöpfe mit welchen Eigenarten oder Talenten oder Intelligenz.
Intelligenz beschränkt sich normalerweise auf das Notwendige. In der Regel braucht man keine Primzahlen, um ein Mittagessen aufzuspüren. Zitat
Über genau diese vielen Unterschiede hab ich noch nie wirklich nachgedacht, obwohl ich schon einiges im Science Fiction Bereich auf fernen Planeten gelesen habe. Auch wenn viele Fachbegriffe angewandt werden, die ich nicht verstehe, kann man meist sehr gut folgen und vor allem den tieferen Hintergrund verstehen. Als Überblick helfen die Karten der Mondoberfläche, die vorne und hinten in den Buchklappen zu finden sind. Auch gibt es hinten im Buch ein Glossar der wichtigsten Begriffe. Wobei sich vieles von selbst ergibt.
Eine fremde Welt scheint einfach nicht mit uns kompatibel zu sein - unser Leben auf der Erde hat Milliarden Jahre gebraucht, um sich mit der Evolution anzupassen; wie soll das von Jetzt auf Gleich unter völlig neuen Bedingungen möglich sein? Der Autor versteht es wirklich sehr gut, langsam darauf hinzuführen und uns die Ausmaße darzustellen, welche Schwierigkeiten sich auftun, in einer völlig fremden Welt überleben zu wollen. Die Biome, also die riesigen Glaskuppeln, in denen die Menschen hier den lebensnotwendigen Sauerstoff atmen können, mit nachgestellten Wohnungen, Arbeitsstätten uvm. ist die einzige Zuflucht. Möglich durch die weit entwickelten Maschinen, die den Aufbau in der für uns lebensfeindlichen Welt übernehmen.
"Henry, dein Körper besteht aus 6 mal 10²⁷ Atomen. Jedes von ihnen existiert seit Milliarden von Jahren. [...] Du bist eine Burg in einem Sandkasten. Du entstehst, und du vergehst, was bleibt, ist der Sand. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder glauben, etwas zu haben, unterliegt einer fundamentalen Illusion, die ihr unweigerliches Scheitern nach sich ziehen muss. Zitat Wie der 12jährige Henry lernen wir. Lernen wir über das Leben, unsere Existenz und wie dankbar wir sein dürfen, uns so an unsere Umwelt angepasst zu haben. Ein Entwicklungsprozess der Millionen Jahre gedauert hat und der so immens ist, das wir kaum darüber nachdenken.
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Aus dem Klappentext weiß man, dass Henrys Mutter nicht da ist, als sie ankommen. Und sie anscheinend schon früher auf dem Mond Perm war. Wie das möglich sein soll ist lange nicht klar und vor allem, welche Rolle sie spielt. Auch was zuhause auf der Erde passiert ist, das zur Flucht geführt hat, bleibt lange nur eine nebulöse Andeutung. Hier behält der Autor einige Twists für uns bereit, die mich verblüfft und auch emotional teilweise sehr berührt haben! Die ganze Geschichte hat mich extrem gefesselt, was an der einfachen Schreibweise lag, die auch nötig war, um bei den komplexen Vorgängen den Überblick zu behalten. Gleichzeitig war alles, ob bekannt oder fremdartig, so anschaulich beschrieben, dass ich mich beim Lesen gefühlt habe, als wäre ich selber in dieser fremdartigen Welt unterwegs. Vor allem auch die vielen Botschaften, die hier übermittelt werden: was das Leben ist, wie einzigartig und gleichzeitig vielfältig, was Besitz bedeutet, Liebe und Güte und Mitgefühl - das alles im Rahmen des Überlebenskampfes, war schon sehr bewegend!
Gegen Ende werden alle Fragen aufgelöst und da gibt es eine böse Überraschungen, die mich echt kalt erwischt haben! Obwohl man hier wirklich ganz schön mitdenken muss, hab ich bis auf eine Sache alles verstanden und ich fand es wirklich genial, wie der Autor hier die Zusammenhänge aufgebaut hat, um uns rätseln zu lassen und uns am Ende vor eine Wahrheit zu stellen, die alles übertrifft.
"Es ist immer so," sagte Dahlia leise. "Wer es gut hat, ist ein Dieb. Das Leben der einen ist das Leid der anderen." Zitat
Als Henry Meadows in das von Menschen angelegte Biom Lyneham auf dem Mond Perm kommt, ist er 12 Jahre alt, das mittlere Kind zwischen seinem älteren Bruder Chester und der jüngeren Schwester Loy. Die Kinder und ihr Vater Charles sind getrennt von Mutter Mildred gereist, so dass nicht nur sie sich fragen, wann die Mutter eintreffen wird. Mildred Meadows lernen wir durch ihre datierten Aufzeichnungen kennen und realisieren dabei, dass es auf dem Planeten unterschiedliche Zeitverläufe gegeben haben muss. Als Wissenschaftlerin stand Mildred in ihrer Zeitschleife unter dem Druck, u. a. Verbesserungen der Sauerstoffversorgung auf Perm zu entwickeln, da keine Güter oder Rohstoffe vom Heimatplaneten zu erwarten sind und es für die Siedler kein Zurück geben wird.
Auch Henry hat die Rolle des Berichterstatters übernommen; er vermittelt sehr offen die wachsenden Zweifel der Kinder an den Erzählungen ihres Vaters. Besonders Loy fordert Charles heraus, wie sie mit unerschütterlicher Logik und Beharrlichkeit der Wahrheit auf den Grund gehen will. Die Kinder treffen in ihrem neuen Lebensraum auf originelle Wesen, die ursprünglich Elektrogeräte waren, inzwischen jedoch unterrichten wie Frau Strom, die Bohrmaschine, oder Ronny, die künstliche Niere, die für Henry zugleich als Medizingerät und als redseliger Berater tätig wird. Bis hierher wirkte das Worldbuilding auf mich noch episodenhaft, viele Fragen blieben offen. Die Sauerstoff-, Wasser- und Wärmeversorgung auf Perm steckte offenbar ebenso in den Kinderschuhen wie die Anpassung menschlicher Körper an die neue Umgebung. Auch ob die kleine Gemeinschaft sich überhaupt fortpflanzen kann, hatte bisher niemand bedacht. Unter der Fuchtel von Mildreds Chef Noah herrscht auf Perm offensichtlich ein totalitäres System, dem niemand entgehen kann und auf das bereits Kinder eingeschworen werden. Besonders Henry gerät unter Druck, als er darauf beharrt, endlich zu erfahren, wo seine Mutter geblieben ist.
Durch den Wechsel der Icherzähler Mutter und Sohn mit ihrem jeweils eingeschränkten Wissen wird allmählich die ethische Problematik von Mildreds Forschung deutlich, ihre Abhängigkeit von Noah – und welchen Preis sie und ihre Familie für das Leben auf dem extrasolaren Mond zu zahlen haben. Als die Meadows realisieren, dass sie sich nicht auf den einmal erlangten Status verlassen können, sondern um ihren Platz kämpfen müssen, steigt die Spannungskurve der bisher gemächlich personenzentrierten Handlung kräftig an. Das Warten darauf, dass Charles und Mildred endlich „auspackten“, fand ich ausgesprochen spannend. Bewegt hat mich u. a. die Frage, wie man intelligente Geräte wie Strom und Ronny zu Loyalität gegenüber ihren Besitzern trainiert. Bei der verblüffenden Auflösung der Rätsel um Perm wird diese Frage eine wichtige Rolle spielen.
Fazit „Lyneham“ hat mir mit seinem komplexen Worldbuildung und der für einen SF-Stoff ungewöhnlichen Besetzung durch eine Familie mit Kindern anregende Lesestunden geboten, in denen ich alles Vertraute infrage stellen musste und ein Teil der Handlung in meinem Kopf stattfand.
Die Geschichte einer Famile die auf einem neuen Planeten ein neues Leben aufbauen will. Kryptide! Frau Strom! Anomalien! Öter! Akratie! Nieren. Böse Menschen! Gute Menschen! Moralisch graue Menschen! Blize und Riesnräder, Lungenbäume und entropisch nichg genemigten Kuchen.
Wow. Wow. Wow. Ich habe es über mich gebracht und tatsächlich die letzte Zeile dieses wunderbaren Romanes verschlungen. Mir fehlen, Stunden später, immer noch die Worte. Für mich völlig zweifelsfrei mein Jahreshighlight 2025. Und ganz sicher auch einer meiner Lieblingsromane im Sci-Fi-Genre überhaupt. Ich wollte, dass dieses Buch niemals endet. Wenn ich mir einen Romaninhalt wünschen hätte dürfen, wäre es genau diese Geschichte geworden. Nils Westerboer ist in Sachen Kreativität, Vision und Weltenbau eine Koryphäe. Woher stammen dieses unfassbaren Ideen und Eingebungen?! Ich verneige mich ehrfürchtig und hoffe inständig auf eine, wie auch immer geartete, Fortsetzung dieses Wahnsinnsbuches.
Warum ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️? Reicht eigentlich nicht. Ich bin hypereuphorisiert und hatte eines der schönsten Leseerlebnisse meines Lebens.
Ein absolutes Highlight. Nils Westerboer zeigt sich hier erneut als kreativ, intelligent und gewillt, einzigartige Bücher zu schreiben.
Lyneham erzählt die Geschichte einer Weltraumkolonie aus der Sicht des Jungen Henry, der zusammen mit Vater und Geschwistern, nachdem die Erde unbewohnbar geworden ist, dort ein neues Leben beginnen soll. Seine Mutter Mildred war Teil der Wissenschaftler, die die Lebensbedingungen auf dem namensgebenden Mond geschaffen haben und sie prägt den Roman, nicht nur, weil wir auch immer mal wieder aus ihrer Sicht von den damaligen Bemühungen lesen, sondern auch, da ihre Beziehung zu den Kindern und deren Hoffnung, sie wiederzusehen, eines der wichtigsten Thematiken des Buchs bildet.
Die Kindersicht bekommt der Autor wundervoll hin: Sie ist geprägt von Verspieltheit und Kindlichkeit,aber als Leser bekommt man immer mal wieder was mit, was die Kinder noch nicht ganz begriffen haben und die Konflikte bezüglich Kolonie und innerhalb der Famile stehen immer im Zentrum. Es mutiert nie zum Kinderbuch, bleibt aber immer glaubwürdig erzählt. Was mich auch sehr erfreut hat, waren die Ideen, die Westerboer für diese neue Welt hat. Es fühlt sich wirklich fremd und außerirdisch an, gefährlich und faszinierend, trotzdem greifbar und plausibel.
Wie jeder gute Science Fiction Roman bietet Lyneham auch einigen Stoff zum Nachdenken, darüber hinaus ist die Handlung - und die kleinen Enthüllungen, die wir Stück für Stück erhalten oder vielleicht auch mal selber herleiten - unglaublich stimmig konstruiert. Fast 500 Seiten sind wie im Flug vergangen, sowohl weil der Inhalt faszinierend war, als auch weil ich die Figuren schnell ins Herz geschlossen habe.
Mit seiner Familie kommt der zwölfjährige Henry Meadows auf dem erdähnlichen Planeten Perm an. Auf der Erde konnten die Menschen nicht mehr überleben. Nur die Privilegierten konnten die Reise antreten. Die Ankunft auf Perm gestaltet sich etwas holprig und die Landung erfolgte auf nicht genau am angepeilten Zielort. Zum Glück schaffen es Henry, sein Vater, seine Geschwister Chester und Loy ins Biom. Die Atmosphäre ihrer neuen Heimat ist nicht perfekt für die Gesundheit. Zum Glück können sich dekontaminieren lassen. Und doch merken die Neuankömmlinge schnell, dass auf Perm einiges anders läuft als erwartet.
Die Menschheit hat es also geschafft, den Planeten Erde für Menschen unbewohnbar zu machen. Dabei schien die Erderwärmung überwunden. Etwas lief jedoch schief gelaufen. Zum Glück stand das Konzept der Bilome schon. Leider war Henrys Mutter nicht mit dem selben Raumschiff unterwegs als der Rest der Familie. Besonders Loy, die jüngste der Geschwister, hatte gehofft ihre Mutter bei der Ankunft in die Arme zu schließen. Loy beginnt mit der Suche. Henry hat noch viel mit seiner Dekontamination zu tun und Chester ist irgendwie mit dem Kopf in den Wolken. Die seltenen Begegnungen mit Noah Rayser, der das Ganze entwickelt hat, lassen ein ungutes Gefühl zurück.
Die Menschheit zeigt hier, wie sie es geschafft hat, die Erde kaputt zu machen. Und wie immer sind es die Begüterten und Privilegierten, die die Flucht antreten können. Auf dem neuen Planeten soll alles besser laufen. Also Henry und seine Freunde ankommen, gibt es schon erste Risse in der Fassade. Und es gibt wieder einen, der das Sagen hat. In Rückblenden erfährt man wie die Geschichte auf Perm verlaufen ist. Zwei Handlungsstränge, die quasi aufeinander zu laufen. Und man erlebt mit, wie die Menschen es schaffen, auch ihre neue Heimat negativ zu beeinflussen. Rücksicht auf andere wird nicht genommen. Das Vergehen der einheimischen Natur wir zum Wohle der Menschen in Kauf genommen. Und es wirkt, als würden sie wieder nur Müll hinterlassen. Berichtet wird das Meiste von Henry, der mit seiner Kinderklugheit einiges an Schärfe nimmt. Mit seinem Roman hält der Autor einem einen Spiegel vor, in dem man nicht unbedingt gut wegkommt. Eine düstere und überraschende Dystopie. Gerade die Düsternis findet sich auch in der Gestaltung des Umschlags wieder.
Lyneham entfaltet seine Wucht nicht durch Action, sondern durch Substanz: Ein scheinbar beiläufiger Nebensatz auf Seite 20 wird auf Seite 200 zum Puzzlestück – und genau das macht den Reiz aus. Wer bereit ist, mitzudenken und sich auf komplexe Erzählstrukturen einzulassen, wird mit einer vielschichtigen, intelligent konstruierten Geschichte belohnt. Kein Buch für den Nachttisch, sondern eines, das fordert – und dabei umso mehr fesselt.
Ich habe keine Ahnung was genau dieses Buch war und ich glaube das weiß es selbst nicht. Wo soll ich anfangen? Das Buch war ein ziemliches Durcheinander.
Vorne weg muss ich anmerken dass die Formatierung sehr merkwürdig fand. Zuerst dachte ich, das war nur im Hörbuch so, denn das hatte über 200 Kapitel die etwa 3 Minuten gehen. Ich dachte man hätte hier die Kapitel des Buches ignoriert und es in gleich große "Happen" unterteilt, aber ich habe im Buch nachgeschaut und auch hier sind die einzelnen Kapitel sehr kurz. Mir hat das gar nicht gefallen. Das fühlt sich eher so an als hätte man eine Reihe an Szenen aneinander gesetzt, als dass man eine zusammenhängende Geschichte erzählt. An ein oder zwei Stellen kommt es mir sogar so vor, als wäre die Ordnung durcheinander gekommen und Kapitel vertauscht worden.
Aber zur Geschichte an sich: Schon die Entscheidung zu den beiden POVs ist speziell. Auf der einen Seite haben wir einen 13 jährigen Jungen, auf der anderen seine Mutter, die durch und durch Wissenschaftlerin ist. Das ist allein durch die Sprache kompliziert, weil in Sci-Fi natürlich sehr viel Wissenschaft drin steck. Wenn es dann noch um die Erforschung eines neuen Planeten geht und die Unterschiede zwischen DNA und XNA erklärt werden, verliert man die Hälfte der Leserschaft schnell - entweder weil sie zu jung sind um die ganze Wissenschaft zu verstehen, oder weil der Sohn nicht die richtige POV ist um den Rest abzuholen. Abgesehen davon sind selbst die Kapitel des Sohns mit komplizierten Begriffen und Erklärungen vollgepackt, dass ich da auch nicht mit gekommen bin. Zudem glaube ich, dass keine Kinder so sprechen oder denken wie in diesem Buch dargestellt. Es gab ein Kapitel, in dem die Kinder eine Roboter nach dem Sinn des Lebens fragen und spätestens da hat das Buch mich komplett verloren. Mir kommt es vor, als hätte man hier versucht ein Erwachsenen Buch und ein Jugendbuch in eins zu packen und es hat leider nicht geklappt. Eins davon hätte entschärft werden müssen - entweder die Sprache wird auf Jugend angepasst, oder die Kapitel der Kinder werden für Erwachsene geschrieben. Zwar gibt es am Ende es Buchs ein paar Seiten mit Begriffserklärung, aber darauf sollte sich kein Autor aussruhen. Allein schon weil diese im Hörbuch nicht zur Verfügung steht.
Die Namen der Handlungsorte auf Perm kamen mir auch merkwürdig vor. Ich bin mir nicht sicher warum, aber ich bin einfach nicht mit ihnen warm geworden.
Und dann ist da noch der normalisierte Rassismus zweiten Teil des Buches, in dem alle Saudis, Russen und Chinesen Diebe und Mörder sind.
Ich muss zugeben, dass es trotzdem ein paar echt interessante Plotpunkte gab. Das war der Grund, warum ich das Buch, bzw. das Hörbuch, angefangen habe. Der Neubeginn der Menschheit auf einem fremden Planeten. Das Mysterium um den Verbleib der Mutter. Der Charaker, der mich am besten abgeholt und mitgenommen hat war die Mutter. Ich fand ihre Sicht der Dinge sehr interessant und ihr Plot hat durchgehend Wendungen gehabt, die ich nicht habe kommen sehen. Besonders hat mir gefallen, dass sie nicht der klassische Charakter von "Ich bin Forscherin aber jetzt da ich Kinder habe ist mir die Wissenschaft egal" war. Ich finde es super dass hier eine Frau gezeigt hat, für die ihre Arbeit an erster Stelle steht - mit allen guten und schlechten Konsequenzen.
Ich habe zwei Gründe warum ich das Hörbuch nicht abgebrochen habe. Erstens: Ich wollte wissen was mit der Mutter passiert ist und wie ihre Geschichte endet Zweitens: Ich hatte auf der Arbeit nichts besseres zu tun Allein das zeigt, wie sehr mich das Buch enttäuscht hat. Ich glaube, wenn man den Sohn älter gemacht hatte - vielleicht 16 bis 18 - dann hätte es viel, viel besser funktioniert. Hat es sich gelohnt, dass ich bis zum Ende durch gehalten habe? Ich weiß nicht. Das Ende des Buchs ist wie alles andere an ihm auch verwirrend. Es kam eine große Auflösung, aber keine Erklärung dazu. Ich verstehe zwar was passiert ist, aber nicht wie es passieren konnte. Warum. Das fühlt sich nicht nach einer Belohnung an.
Alles in allem bin ich enttäuscht und auch ein bisschen verwirrt darüber, was ich von dem Buch halten soll. Es hätte wirklich gut sein können, aber zu viele Entscheidungrn wurden falsch getroffen.
Ich gebe Lyneham von Nils Westerboer 1/5 Sternen und schaue nach ob ich das Buch noch zurück geben kann.
Also leider hat hier einiges für mich nicht so gepasst. Das Setting war super interessant, doch schon mit den Charakteren fängt es an, hier fehlen Infos und Hinweise, wenn ich die Namen und Beziehungen erst nach einigen Kapiteln zuordnen kann. Außerdem waren die Kinder für mich einfach keine Kinder, weder in ihrem Handeln, noch in ihrer Sprache spiegelt sich das Alter wirklich wieder. Das war für mich einfach schlecht gearbeitet. Außerdem wird hier viel mit "Science-Fiction-Begriffen" umhergeworfen, die leider nie so richtig definiert werden. Es gibt zwar ein Glossar am Ende des Buches, aber darauf sollte sich ein Autor nicht ausruhen. Diese Punkte ziehen meine Bewertung leider massiv nach unten, da ich ein gutes Worldbuilding und authentische Charaktere sehr wichtig finde. Die Handlung an sich war spannend und interessant, wenn ich mir auch hier wieder einfach mehr gewünscht hätte.
In seinem neuesten SF-Roman thematisiert Nils Westerboer das Thema Terraforming und den Exodus auf einem fremden Planeten. Nachdem die Erde unbewohnbar geworden ist, macht sich der 12-jährige Henry Meadows, sein Vater Charles, und seine beiden Geschwistern Chester und Loy, sowie viele weitere, ehemalige Erdenbewohner auf, um zum urzeitlichen Mond Perm zu reisen, eine Reise, die sie im Kälteschlaf verbrachten und ca. 12.000 Jahre gedauert hat.. Anstatt auf einer, für Menschen bereits terrageformten Welt stranden die Erdenflüchtlinge in einem unwirtlichen und menschenfeindlichen Lebensraum, deren Atmosphäre sie nur mit einer Atemmaske atmen können. In der Theorie hätte längst alles für ihre Anreise vorbereitet sein sollen, doch das Terraforming war offensichtlich noch nicht zur Gänze abgeschlossen. Die Luft war unfertig, die Vegetation inkompatibel, die Gravitation gering und die unzähligen Gefahren im Allgemeinen eher tödlicher Natur. Eigentlich hätte eine Vorabmission, mit Henrys Mutter Dr. Mildred Meadows, einige dieser Unregelmäßigkeiten längst beheben sollen. Hier auf Perm gibt es aber nach wie vor seltsame Anomalien, eine kaum auszumachende, weil unsichtbare Fauna, eine extrem helle Sonne, zwei Arten von Nächten und Gebirge doppelt so hoch, wie auf der Erde. Doch aus welchem Grund bietet Perm nach wie vor solch ein merkwürdiges und lebensfeindliches Umfeld? Und wo ist eigentlich Henrys Mutter Mildred? Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, aus der Sicht des "mittleren Kindes" Henry und aus der Sicht der Mutter, die aufgrund eines moderneren, schnelleren Antriebs, Jahrtausende vor ihren Kindern auf dem Mond ankommt. Während in den Henry-Kapiteln die tragischen Geschehnesse der Ankunft der Familie auf Perm erzählt werden, wird es in den eingeschobenen Kapiteln zur Mutter der ethische Konflikt deutlich. Das Forschungsteam um sie herum muss mit ihem Gewissen vereinbaren, dass für das Terraforming in das Ökosystem eines fremden Trabanten eingegriffen werden muss. Die Ankunft der Menschen stört das seit Millionen von Jahren bestehende Gleichgewicht. Dies hat schwerwiegende Konsequenzen für die Flora und Fauna sowie für die Tierwelt, die sich deutlich von der irdischen unterscheiden und an andersartige Umweltbedingungen angepasst ist. Die Konsequenzen des Eingriffs der Menschen sind schwer kalkulier- und vorhersehbar. Als Leserin und Leser ist man mit einem ethischen Dilemma konfrontiert. Darf man in ein fremdes Ökosystem eingreifen, um das eigene Überleben zu sichern? Mir hat dieser Westerboer-Roman sehr gut gefallen, wenn ich auch mit seinem, manchmal sperrigen Schreibstil Probleme hatte, allerdings hat mir sein aufrichtiges Bestreben an einer wissenschaftlich und philisophisch glaubhaften und nachvollziehbaren Vision eines Terraformings auf einem Exoplaneten/bzw. Exomondes gefallen und seine authentischen Charaktere haben mich regelrecht begeistert...
Kurzmeinung: Nils Westerboer erfindet Welten, die man sich bislang nicht vorstellen konnte. Eine kindliche Perspektive lockert trockenere Teile auf. Endlich wieder ein guter Autor am SF-Himmel! Als der Weltraum die Erde überfällt - was immer dies bedeuten mag – flieht die Elite, nämlich diejenigen, die zuvor vor den ärgsten, selbstverschuldeten Unbilden der Natur in Biomen Zuflucht gefunden hatten, in Raumschiffen in den Weltraum. Nur weg von hier! Mithilfe einer neuen „Kammertechnik“ schlafen die Raumfahrer bis sie nach xtausend Jahren an ihrem Bestimmungsort ankommen, Perm. Perm ist der etwas andere Planet.
Der Kommentar und das Leseerlebnis: Perm erweist sich als seltsamer Planet. Eine fremde neue Welt. Hat der Planet zwei Sonnen? Jedenfalls sind Tag und Nacht ungleich verteilt. Was ist die Windleite - der Mond? Die Lebewesen auf Perm sind blind und zum Teil unsichtbar. Sind sie bedrohlich? Wenn sie eine Bedrohung darstellen, wie ohne Zweifel die sogenannte Anomalie, dann ist auch der Mensch eine Bedrohung des Planeten Perm. Auf der einen Seite kämpfen also die Menschen und damit die Menschheit um das Überleben und auf der anderen Seite müsste man bedenken, dass auch die Lebewesen auf Perm ein Recht auf Leben haben. In zwei Handlungssträngen bringt der Autor diesen Aspekt vor des Lesers Auge. Wer wann ist oder war, bleibt oft vage. Denn es gibt- nicht immer einleuchtende - Zeitparadoxien. Die Phantasie des Autors eine fremde neue Welt zu kreieren, scheint unermesslich. Freilich ist es meine Auffassungsgabe nicht und hin und wieder verliert mich der Autor in seinen nicht unkomplizierten Beschreibungen, um mich dann wieder einzufangen mit der Wissenschaftlerin Mildred, die sich buchstäblich aufreibt in dem Ansinnen, die Interessen beider Planeten unter einen Hut zu bringen, wobei sie in der Wahl ihrer Mittel moralische Skrupel über den Haufen wirft. Ganz genauso wie ihr Gegenspieler Noah Ryser.
Ist der Wechsel einer kindlichen Perspektive des einen Handlungsstrangs mit einem „wissenschaftlichen“ Teil eines zweiten Handlungsstrangs gelungen? Beide Erzählebenen haben durchaus ihren Reiz, doch ist mir die kindliche Perspektive manchmal doch zu naiv, mit Häschen als Schoßtier und einem sprechenden Werkzeug als Lehrer. Doch dürften gerade diese Elemente die Lesbarkeit des Romans garantieren.
Fazit: Der Autor ist sprachlich fit und kommt mit unerwarteten Wendungen um die Ecke, er gestaltet seine Welt aus und spart nicht mit Einzelheiten, es ist faszinierend auf seiner Welt. Spannungsbogen kann er auch. Freilich muss der Leser sich manchen Zusammenhang selber zusammenreimen. Man kann es auch positiv sehen, die Deutungshoheit bleibt beim Leser.
Großartige Science Fiction - Vielschichtig, bewegend und erstaunlich überraschend
In der Science Fiction begegnen einem ja häufig ähnliche Plots. Und so war auch „Lyneham“ zu Beginn eine recht klassische Geschichte in welcher die Menschheit einen fremden Planeten besiedeln möchte. Autor Nils Westerboer schafft allerdings darüber hinaus eine unfassbar packende und nachdenklich machende Erzählung. Obwohl alles weit von unserer heutigen Lebensrealität entfernt ist, gelingt es ihm essentielle moralische Fragen über das Menschsein, die Natur und unser Zusammenleben aufzugreifen. Besonders eindrucksvoll waren darüber hinaus die zahlreichen überraschenden und doch auch klugen Wendungen der Handlung für mich. Auch auf Action und Spannung verzichtet Nils Westerboer nicht und so kam zudem ein flottes Tempo auf. Und auch der Schreibstil lag mir sehr und sorgte dafür, dass ich vollends ins Buch abtauchen konnte. Gerade Henrys kindliche und überaus sympathische Perspektive machte mir das Mitfühlen leicht. Er und seine Geschwister stehen im Mittelpunkt des Geschehens was trotz der schwierigen Situation für eine gewisse Leichtigkeit sorgt. Mit ihnen gemeinsam die fremde neue Welt auf Perm zu entdecken machte großen Spaß. Insgesamt kann ich „Lyneham“ uneingeschränkt weiterempfehlen, der Roman ist gerade auch für Neulinge im Genre überaus interessant und gut lesbar.
Als Henry und seine Familie auf Perm ankommen, erwarten sie einen umgewandelten Planeten, auf dem sie leben können. Stattdessen ist die Atmosphäre giftig und die Familie stirbt beinahe bei der Ankunft. Auch Henrys Mutter ist nicht da. Als Wissenschaftlerin hat sie ein anderes Schiff genommen als ihre Familie und sollte früher ankommen, um den Planeten vorzubereiten. Überall sehen Henry und seine Geschwister Zeichen von ihr und es scheint, dass sie der Schlüssel ist, um zu verstehen, was auf Perm geschah. Das erste Drittel dieses Buches hat mich gepackt und restlos begeistert! Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive von Henry erzählt, der auf Perm ankommt und als Kind eine Welt erlebt, in der irgendetwas nicht so lief, wie es sollte und in der ihm niemand mehr dazu sagen möchte. Auch wenn sich Henry meiner Meinung nach deutlich jünger als 12 las (ich persönlich hatte ihn aufgrund seiner Erzählweise auf 6-8 geschätzt und war überrascht, als ich nochmal im Klappentext sein Alter gesehen habe), war seine Erzählperspektive sehr interessant. Als Kind nahm er ganz andere Dinge wahr als Erwachsene. Gleichzeitig blieben ihm viele Informationen verschlossen und so war es auch als Lesende teils unklar, was genau nun geschah. Eine weitere Perspektive des Buches war Mildred, Henrys Mutter, die viele Tausend Jahre vor ihrer Familie auf Perm ankam. Zunächst fand ich Mildred extrem interessant – sie durfte als weibliche Wissenschaftlerin sein, ohne dass ihre Motivation nur ihre Kinder waren. Sie stellte ihre Karriere an erste Stelle und war generell ein sehr komplexer Charakter. Zudem war sie teils sehr irritierend, völlig von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt und tat regelmäßig Dinge, die absolut nicht in Ordnung waren, einfach weil sie der Meinung war zu wissen, das nichts geschehen würde. Als Lesende sah man dann aber auch, wie oft sie sich irrte. Ich fand es extrem interessant, aus ihrer Sicht zu lesen und hatte ein paar Ideen, in welche Richtung ihre Entwicklung gehen würde. Ohne hier zu spoilern kann ich jedoch nur sagen, dass ich hier leider am Ende nur enttäuscht wurde. Mildreds Charakter wurde nicht so für die Geschichte ausgenutzt, wie es möglich gewesen wäre. Generell blieb mir nach dem ersten Drittel zu vieles zu oberflächlich. Dies lag zum Teil auch an den Limitationen einer kindlichen Erzählperspektive – niemand gab den Kindern die benötigten Informationen und vieles konnten sie gar nicht richtig greifen. Zum Teil wäre es aber auch tiefergehender gegangen. Insbesondere die Beziehungen zwischen den Charakteren blieben sehr oberflächlich, wodurch es mir schwer fiel, gewisse Dinge zu verstehen. Generell wurden sehr viele Informationen auch eher zwischen den Zeilen gegeben. Nun bin ich die Erste, die kritisiert, wenn Bücher zu wenig subtil sind – ich mag es, wenn man für Dinge arbeiten, eben zwischen den Zeilen lesen muss. Hier hatte ich aber das Gefühl, dass so vieles einfach nie ausgesprochen wurde, dass ich mir am Ende nicht mehr sicher war, ob ich bestimmte Punkte überhaupt richtig verstanden hatte, oder ob ich falsche Schlüsse gezogen hatte – denn manche Auflösungen ergaben für mich nur wenig oder gar keinen Sinn. Fazit: Insgesamt war dies ein Buch, das ich nach dem ersten Drittel wirklich lieben wollte. Insbesondere in der Welt Perm steckten so viele spannende Ideen und ich hatte einen riesigen Spaß alles mit den Charakteren zu entdecken und zu lernen. Leider blieb dann für meinen Geschmack alles viel zu oberflächlich. Ich glaube aber, dass dieses Buch dennoch viele Fans finden wird und würde auf jeden Fall empfehlen, ihm eine Chance zu geben!
Was für eine Welt wurde hier erschaffen....so viel Fantasie für die Natur und die Zusammenhänge!!! Man muss sich wirklich konzentrieren, um in diese fremde Welt eintauchen zu können. Aber tolle Idee mit den verschiedenen Zeitebenen und den Erklärungen, die man dann erhält. Man könnte so viel sagen, lest selbst....
The storyline in general is cool, but I was confused while reading it due to too many names, places, species as well as changing narrator perspectives and lack of overarching explanations. I understood the story at the end but I didn’t really enjoyed reading this book.
Diese Erfahrung mache ich gerade in Bezug auf"Athos 2643" von Nils Westerboer. Das lässt seine anderen beiden Romane mit Lichtgeschwindigkeit hinter sich. Ja, auch sein neues Buch "Lyneham"! In zwei Erzähl-/Zeitebenen aufgeteilt ist die eine juvenil und die andere die einer Wissenschaftlerin. Beides sind Ich-Erzähler und das! ist der Knackpunkt. Auf die Sicht des 12jährigen Kindes hätte ich komplett verzichten können. Er erscheint nicht nur nicht mal so sporadisch. Nein, er dominiert den Roman. Anders als vlt bei "Herr der Fliegen" oä stecke ich hier tatsächlich im Kopf eines noch nicht Teenagers fest, mit seinen Unzulänglichkeiten und allem, was das Urteilsvermögen eines Erwachsenen ausmacht und worüber er noch nicht verfügt. Andererseits haben er und seine Freunde für mich nicht nachvollziehbare, mehr oder weniger geniale Einfälle, Einsichten oder Ideen. Vor allem seine jüngere Schwester zeichnet sich dadurch aus.
"Athos 2643" las ich insgesamt 3x. Bei "Lyneham" bin ich froh, wenn ich es 1x schaffe. Definitiv hat Nils Westerboer eine Botschaft an die Leser. Es ist unmöglich, sie zu überlesen. Dafür wird sie zu regelmäßig wiederholt. Ich würde es als literarisches Wasserzeichen bezeichnen, womit der Roman geprägt wurde. Auf den Inhalt an sich möchte ich gar nicht eingehen. Dafür gibt's Klappentexte 🤷🏼♀️ Und was nimmt man nun so mit als Leser so einer Geschichte 🤔... 💬 ⤵️
🐺 "Homo homini lupus" 🐺 => "Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf"
Ich möchte da noch ein Bibelzitat beibringen => Genesis 8: "Und Gott sah, dass der Mensch schlecht war von Geburt an."
Dante könnte auch noch passen: "Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate" => „Gebt alle Hoffnung auf, die ihr hier eintretet“ Nein, Lyneham war für mich eine große Enttäuschung. Traurige 2,5 Sterne
Nils Westerboer erschafft mit LYNEHAM eine komplexe Welt mit einer fremdartigen Umwelt, Lebewesen und einer eigenen Nomenklatur.
Das ist fein ausgearbeitet, logisch und konsequent und damit im ehrlichsten Sinne Science Fiction.
Menschen treffen ein, die Hektik der ersten Seiten vergeht zum Glück im Laufe der Handlung, nach und nach erfährt der Leser, wo er ist, warum er dort ist und wie es den Menschen die auf dieser fremden Welt leben sollen oder müssen, damit geht.
Westerboers Stil ist angenehm zu lesen, er bleibt dicht an seiner Hauptperson namens Henry, nur eingeflochten die Tagebucheinträge? der Mutter Henrys.
Und hier ist für mich das einzige Manko des Buches. Der 12-jährige Henry, aus dessen Sicht die Ereignisse geschildert wurden. Nicht, dass es nicht nachvollziehbar wäre, aber die Persönlichkeit Henrys ist mir an vielen Stellen zu „erwachsen“. Ich konnte mit dieser Perspektive bis ungefähr Seite 70 nicht warm werden, und da hätte mich der Autor beinahe verloren. Nur die Tagebucheinträge der Mutter hielten mich bei der Stange und, geschuldet der Tatsache, dass ich auch schon Westerboers vorherige Bücher gelesen habe, das Wissen, dass alles irgendwann einen Sinn ergeben sollte. Denn Westerboer ist sehr gut darin, Verflechtungen zu konstruieren, was er mit LYNEHAM bewiesen hat.
Bei diesem Buch, einem echten Hard-SF-Roman, stimmen auch noch die Auflösung und das Lesevergnügen war am Ende ziemlich ausgeprägt.
ich habe vorher bereits Athos von westerboer gelesen und hab es als ganz unterhaltsame science Fiction mit ein paar interessanten, aber dann doch eher banalen Gedanken in Erinnerung. Über Lyneham kann man das meines Erachtens genauso sagen.
Hard science fiction kriegt man hier nicht, das Buch hat auch viele Fantasy Elemente. Ich kann persönlich nicht viel mit Fantasy anfangen, mag aber science fiction gerne. Für mich war der fantasy Aspekt nur Manchmal störend aber Im großen und ganzen okay.
Stilistisch ist das Buch okay, es liest sehr flüssig, aber westerboer ist auch kein begnadeter Sprachkünstler. Dafür gelingt Ihm das storytelling gut, man will immer weiter lesen und die 500 Seiten fühlen sich nicht zu lang an.
Ein immer wieder auftauchenden Thema ist der Zusammenhang von Angst, Mangel und Eigentum. Das ist ein netter Gedanke, der aber wie schon gesagt auch deutlich philosophischer erscheint als er ist. Denn das Eigentum, eine Absicherungsstrategie in einem Umfeld des Mangels ist vor allem auf Angst vor Verlust beruht, weiß eigentlich jeder. Andererseits wissen wir auch, dass das Anhäufen von Eigentum gerade in Gesellschaften ohne Mangel besonders ausgeprägt ist und die treibende Kraft dahinter meist Gier und nicht die Angst ist. Insofern halte ich auch westerboers relativ technizistische Antwort (adaptive Technologie) auf diese Problem für ziemlich unplausibel.
Dennoch: Als Unterhaltungskektüre mit ein wenig Tiefgang taugt das Buch alle mal. Man darf nur nichts von dem Kaliber Phillip K dick oder Joe haldeman erwarten.
Dieses Buch hat Spaß gemacht. Es wirft viele Fragen über Moral und "was dürfen wir als Menschen eigentlich?" auf. Auch Beziehungen zu unserer Familie und Nähe stehenden Personen werden im Zusammenhang mit Moral hinterfragt.
Am Ende gibt es einen Teil, in dem (nicht gut ausgedrückt) "Menschen anderer Ethnien" vorkommen, der mich nachdenklich stimmt. Da weiß ich nicht, wie ich das finden soll. Die Beschreibungen hier könnte man problematisch sehen? Aber was das Thema angeht, bin ich auch übervorsichtig, ich möchte niemandem auf die Füße treten.
Den Schluss fand ich etwas verwirrend. Aber zusammengefasst:
Richtig, richtig gut. Frisch, überraschend und vielschichtig. Ich kann mich nicht erinnern schon mal ein so gutes deutsches SF Buch gelesen zu haben. Jetzt muss ich mir wohl auch noch Athos besorgen...
I loved every page of it and will reread, would even buy it again if it gets released as a hardcover. This is philosophical book about environmentalism, transhumanism, almost a social study and also first contact wrapped up tight in a coming of age story for a teenage boy. Nils Westerboer takes a well known small setting of first settlers on an alien planet and puts layer upon layer on it and before you know it you start to ponder about the existence of life in the universe in general. Don't read the synopsis or any reviews or commentaries and go in as blind as possible.
Zum Inhalt: Als die Erde stirbt wird Henry zwölf und er reist mit Vater und Geschwistern zur erster und einzigen Kolonie Perm, einem urzeitlichen Mond in einem fernen Sonnensystem. Die Mutter reist in einem anderen Raumschiff und wird sehnsüchtig von den anderen erwartet. Und plötzlich gibt es Zeichen, sass sie schon hier war und eine Warnung hinterlassen hat. Meine Meinung: Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, denn die Idee dahinter fand ich schon ganz schön spannend. Die Umsetzung hat mich jedoch nicht komplett überzeugt, da das Buch sicher viele spannende Passagen hat, aber eben auch einige Längen. Die Erzählweise ist zweigeteilt, was immer wieder neue Aspekte bringt. Die Beschreibungen von Perm sind sehr faszinierend aber auch die wissenschaftlichen Ausführungen haben mich fasziniert. Zum Ende hin fand ich das ganze ein wenig zu unglaubwürdig. Fazit: Spannend mit Einschränkung
Der zwölfjährige Henry kommt mit seinem Vater und den Geschwistern auf einem neuen Planeten an. Es soll ein Neuanfang werden, der dennoch viele Fehler der Vergangenheit in sich trägt.
In „Lyneham“ verlässt die Menschheit eine sterbende Erde, um auf einem fernen Exomond neu zu beginnen. Der Neuanfang ist alles andere als einfach. Während der zwölfjährige Henry gemeinsam mit dem Vater und seinen Geschwistern auf Perm ankommt, ist seine Mutter längst Teil einer größeren Geschichte geworden. Zwischen giftiger Atmosphäre, bizarrer Flora und schwelenden Machtkonflikten entspinnt sich eine leise, zugleich tiefgründige Science-Fiction-Erzählung über Hoffnung, Verantwortung sowie die Frage, wie weit man gehen darf, um eine bessere Welt zu schaffen.
Zu Science Fiction greife ich nicht besonders häufig, obwohl ich das Genre schätze. „Lyneham“ von Nils Westerboer hat mich aufgrund der vielen lobenden Stimmen neugierig gemacht. Tatsächlich entfaltet sich ein anregendes Gedankenexperiment über die Zukunft der Menschheit, das der Autor in eine atmosphärisch dichte Geschichte gespickt mit philosophischem Tiefgang verpackt.
Perm ist ein faszinierender Ort, aber einer, an dem man nicht leben will. Schon bei der Ankunft wird deutlich, wie lebensfeindlich dieser Exomond ist. Kein Sauerstoff, eine giftige Atmosphäre, extreme Umweltbedingungen und eine Natur, die sich nicht zähmen lässt.
Die Beschreibung des neuen Planeten wirkte auf mich einschüchternd. Ich hatte beim Lesen das Bild eines düsteren, felsigen Mondes vor Augen, dessen Berge weit in den Himmel ragen, während man als Mensch in fragilen Kuppelbauten Schutz sucht. Die Vorstellung, in dieser trostlosen, bizarren Landschaft eine neue Heimat finden zu müssen, war bedrückend. Nils Westerboer entwirft eine kreative Welt, gefüllt mit unsichtbaren Lebensformen und mit befremdlichen Nachtzyklen. Die Schilderung bleibt unaufgeregt und angenehm nüchtern, was gut zum Tonfall des Romans passt.
Erzählt wird die Geschichte aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven. Auf der einen Seite steht Henry, ein zwölfjähriger Junge, der mit seiner Familie auf Perm ankommt. Seine kindliche Sichtweise ist warmherzig, neugierig und voller kleiner Beobachtungen, die mich oft schmunzeln ließen. Es fühlte sich an wie ein Disney-Film an. Dieser Part war weich, etwas versponnen und auf eine kindliche Art naiv. Besonders gefallen hat mir Henrys Ersatzniere Ronny, die ihm nicht nur medizinisch, sondern auch emotional zur Seite steht. Eine schöne Idee, die gleichermaßen skurril wie rührend war.
Auf der anderen Seite erleben wir Mildred, Henrys Mutter, die auf der Erde geblieben ist, um mit neuer Antriebstechnologie früher auf Perm anzukommen. Ihre Perspektive ist das genaue Gegenteil. Sie ist kühl, rational und tief in wissenschaftliche Debatten verwoben. Diese Gegensätze fand ich beeindruckend herausgearbeitet. Wo Henry staunt, analysiert Mildred. Wo Henry Fragen stellt, sucht Mildred nach Lösungen. Beide Sichtweisen greifen ineinander, ergänzen sich und verleihen dem Buch passende Tiefe.
Thematisch setzt sich der Autor mit einer Vielzahl von Fragen auseinander. Der Klimawandel und die Flucht der Menschheit ins All bilden den Ausgangspunkt, dabei werden ethische Konflikte ebenso eingebunden. Wie weit darf man gehen, um einen fremden Planeten bewohnbar zu machen? Welche Verantwortung trägt man gegenüber einer Umwelt, die man kaum kennt? Besonders durch Mildreds Perspektive werden diese Themen greifbar. Sie glaubt daran, das Richtige zu tun und weiß, dass ihre Entscheidungen nicht frei von Konsequenzen für Perm und ihre Angehörigen sind. Aber auch zwischenmenschliche Nähe kommt zur Sprache. Was bedeutet Familie, wenn man von Zeit und Raum getrennt ist? Wie bewahren wir uns Menschlichkeit, in einer Welt, die vollständig technisiert ist?
Dabei stellt der Roman die Frage, ob wir Menschen tatsächlich eine neue Welt verdient haben oder ob wir sie ohnehin wieder an denselben Fehlern zugrunde gehen lassen, die schon unsere alte Heimat zerstörten.
„Lyneham“ ist für mich daher eine Science-Fiction-Erzählung, die anhand interessanter Figuren, des außergewöhnlichen Umfelds und den anregenden Gedanken den bisherigen Werdegang der Menschheit betrachtet und unangenehme Fragen stellt.
Vom Erzählstil her lag die Spannung weniger im Geschehen, sondern in den gegensätzlichen Blickwinkeln. Man pendelt zwischen Henrys kindlicher Wärme und Mildreds wissenschaftlicher Kühle, zwischen dem Wunsch nach einer besseren Welt und der Frage, ob wir überhaupt fähig sind, eine solche zu erschaffen.
Ein paar kleine Abzüge gibt es für das Ende, das sich etwas uneinheitlich und unentschlossen anfühlte. Ich hatte den Eindruck, dass der Roman unbedingt bedeutungsvoll schließen wollte, ohne klar zu sagen, worin diese Bedeutung liegt.
Unterm Strich bleibt eine stille, kluge Erzählung, die mehr fragt, als sie beantwortet. Manchmal ist sie gedanklich fordernd, in einer Welt, die fremd und faszinierend ist. „Lyneham“ ist ein beeindruckender Roman, der zum Nachdenken bringt und mit einem Hauch von Ehrfurcht in die Sterne blicken lässt.