Wie entsteht Solidarität? Wann werden politische Allianzen über Differenzen hinweg gebildet und warum erfahren bestimmte politische Bewegungen mehr Solidarität als andere? Worin besteht die Arbeit, solidarisch zu sein, und welche Konfliktlinien, Interessen und Strategien bedingen sie? In ihrem neuen Gesprächsband Hierarchien der Solidarität denken Sinthujan Varatharajah, Essayist*in und politische Geograph*in, und Moshtari Hilal, Künstlerin und Autorin, gemeinsam über eine Praxis nach, die sich als Akt gegen Unterdrückung in vermeintlich kleinen Alltagsgesten ebenso wie in globalpolitischen Zusammenhängen äußert. Dabei entsteht ein entlarvender Dialog, der getragen von gelebter Erfahrung die rassistischen Strukturen der Diskurslandschaft nachzeichnet und ein anderes Verständnis von Solidarität entwickelt. -- How does solidarity emerge? When are political alliances formed beyond differences, and why do certain struggles seem to receive more solidarity than others? What makes up solidarity work and what contradictions, interests and strategies shape it? In their new volume Hierarchies of Solidarity, சிந்துஜன் வரதராஜா (Sinthujan Varatharajah) and مشترى هلال (Moshtari Hilal) jointly reflect on a practice that, as an act against oppression, expresses itself in both seemingly small everyday gestures and global political contexts. The result is a revealing conversation that, underpinned by lived experience, traces the racist structures of the discourse landscape and offers alternative ways of understanding solidarity.
Sinthujan Varatharajah lebt als freie*r Wissenschaftler*in und Essayist*in in Berlin, wo sie*er die Veranstaltungsreihe "dissolving territories: kulturgeographien eines neuen eelam" kuratiert. Sie*er studierte Politische Geographie und war mit der Forschungs- und Kunstinstallation "how to move an arche" Teil der 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. 2017 –2018 war sie*er Vorstandsmitglied des Beirats für Asylfragen der Europäischen Kommission und arbeitete über mehrere Jahre hinweg für verschiedene Menschenrechtsorganisationen in London und Berlin.
Ein interessantes Gespräch in Buchform, das durch die X (Twitter) Zitate zwar im Kontext von 2023/2024 und den Gaza Genozid verankert ist, aber dank der im Gespräch auftauchenden Beispiele und persönlichen Erfahrungen darüber weit hinaus geht. Die beiden Autor*innen werfen Fragen auf, die ich so noch nicht als solche für mich erkannt hatte, und fassen Umstände in der aktuellen Diskussion in Worte, die ich bisher nur als diffuses Gefühl im Bauch hatte. Zudem ist es schön, dass die Zweisprachigkeit des Buches mir ermöglicht ausnahmsweise (für mich) mal etwas zu dem Thema auf Deutsch zu lesen, ich es aber gleichzeitig auch meinen englischsprachigen Freunden empfehlen kann.
Interesting discussion. There were a couple of strawman arguments made there but still, an interesting exchange nevertheless; highly recommended to people with selective solidarity syndrome. The two stars deducted are due to my own cynicism, as I perceive it as echo chamber talk which wouldn't bring about much change.
Hierarchies of Solidarity is mind-provoking, questioning what solidarity actually entails and how the hierarchies of solidarity are influenced by colonial and imperial structures. From the language we use to how non-European struggles have to be translated into “reel-able” formats to gain attention by using Eurocentric historical comparisons, often in an effort to convince others of their own selfhood and humanity. It also examines how knowledge is controlled by epistemic structures and the racist discourse landscape, deciding what we learn and care about. It makes you think about the extent to which empathy or the feeling of identification determines our solidarity, and how we can move past that to build real coalitions and take accountability for each other as an alternative approach to solidarity.
Ich habe während dem Lesen 163738292 neue Gehirnzellen geformt. Unglaublich wie entlarvend, enthüllend und aufklärend beide Autor*innen geschrieben haben. Ich musste mir eingestehen dass gerade auch meine Solidarität mit unterdrückten Gruppen spezifisch ist und auf selektive Entscheidung beruht. Sei es weil ich zu ihnen ethnisch, geographisch, religiös oder kulturell in einem Näheverhältnis stehe, welches mir das Erbringen von Empathie bewusst oder unterbewusst erleichtert. So als ob Empathie eine begrenzte Ressource wäre!
Ich habe anerkennen können dass nicht jeder Genozid oder jeder Befreiungskampf aus einer europäischen Linse zu betrachten ist, dass wir uns nicht mit einem halbherzigen dem Free-Palestine-nachahmenden „Free Sudan“ zufrieden geben sollten. Als afterthought die dadurch viele Konflikte/Kämpfe relativiert und damit ihnen implizit oder explizit ihre Schwere/Relevanz und Ernsthaftigkeit abspricht.
Während sich die unterdrückenden Strukturen und Repressionen überschneiden und sich ähneln ist dennoch jeder struggle seinem spezifischen Kontext zuzuordnen und innerhalb seiner eigenen Parameter zu definieren. Denn es stellt sich überhaupt die Frage: Wieso begreifen oder verstehen wir einen Struggle/Kampf/Schmerz nur wenn wir diesen in einen für uns bekannten und verständlichen Rahmen übersetzen? Wie bei fast jeder Übersetzung gehen gerade in diesen Fällen wichtige Umstände und situationsspezifische Informationen verloren. Solidarität ist und bleibt wichtig, aber wir dürfen uns und sollten uns der Herausforderung stellen unsere ausgeübte solidarische Haltung ggü einer Sache und ggü einer anderen Sache verschärft einer Analyse zu unterziehen. Wo handeln wir mit Doppelmoral? Wo mit Bias? Wo mit Zurückhaltung, weil uns die Wahrheit unangenehm ist?
“S: […] In der heutigen kolonial-kapitalistischen Welt, wo selbst unser morgendliches Frühstück mit der Ausbeutung von Ländereien und Leben anderswo verbunden ist, müssen wir eine gemeinsame Antwort auf jene gewaltsamen Verkettung finden, die wir uns nicht ausgesucht haben. M: … selbst wenn uns die Anderen so entfernt erscheinen, sind wir mit ihnen verkettet, wenn nicht durch die Gleichheit unserer Körper und Gefühle, dann doch durch die Gewalt unserer Welt. Solidarität bedeutet, gemeinsam füreinander Verantwortung zu übernehmen.”
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So good! So critical! A powerful dialogue between two thinkers & activists about solidarity: how it is shaped by Western perspectives, and what it really takes to feel and practice solidarity.
I would’ve loved to see more sources, but overall, loved the theories and the examples of oppressed minorities that aren’t sharing the spotlight with the Palestinian people.
There’s nothing else i like more, than being educated, challenged, and guided towards a collective shift in thinking
Interessantes Gespräch über Solidarität und vor allem den Mechanismen, die Solidarität bedingen, aber auch einschränken. Moshtari und Sinthujan fragen: Wann und warum sind wir (nicht) solidarisch? Welche Kämpfe erfahren breite Solidarität und welche werden vergessen? Und man fragt sich dadurch selbst: Wann bin ich solidarisch und wann nicht? Woran liegt das? Und wie kann Solidarität ohne Einschränkungen aussehen?
not necessarily my favorite format (since it‘s a long dialogue bouncing from idea to idea sometimes with no red thread) but definitely a timely response to selective solidarity which is so often comes with eurocentric perspectives allowing for empathy only when struggle is relatable/comparable to the experience of the white individual. interesting analysis of public political discourse (especially digital). also first time i come across the concept of ‚so-called USA‘ and it‘s here to stay
Definitely an exchange worth reading! I do think towards the end I got the feeling they had done a lot of questioning and very little answering. Which is okay, I had expected it to be a bit more informative. I got the most out of the critical questions regarding when solidarity can be harmful, when symbols of solidarity can ultimately harm nations. All in all there are enough interesting and thought provoking sentences to make it worth the while!
interessante ausführungen zum begriff solidarität - mir fehlt jedoch die (theoretische) Stringenz die sich vermutlich dadurch bedingt dass es sich um ein gespräch handelt
Hierarchies of Solidarity is a book I’ve been eagerly anticipating for a long time. I’ve already preordered Hilal's novel and I’m hopeful that Varatharajah will soon release an English translation of his as well. Solidarity, at its heart, isn’t transactional or a mere political tactic; it’s a deep sense of connection and care - endearment to be exact. This is exactly what the novel captures.
Hilal and Varatharajah have this thought provoking discussion by including their personal experiences and injustices as well as how easily the public audience are manipulated and censored from the truth. It is no surprise that media outlets put on a puppet show for world but at the levels where we are ignorantly avoiding to search for the truth puts a blame on society.
Many of us can no longer create our own thoughts as we so often base our opinions on others, the most fearful are those who irrationally follow what is most favoured by the people but not at all favourable for them or their people. Solidarity does in fact require an extent of knowledge which many are no longer prepared for. “…a lot of people remain ignorant to the realities of other peoples' lives. Either they underestimate the complexity of relations, or they're uninterested by the suffering of others. And then there are others who are overwhelmed and somewhat lost, who ask themselves where to begin with all this suffering.”
Spannend und eine sehr hohe Informationsdichte. Ich hätte am liebsten dem Gespräch dieser beiden so klugen Köpfe beigewohnt. So hat es eine Weile gedauert, bis ich in den Leseflow kam. Dieser wurde auch dann durch mein häufiges Nachschauen in Suchmaschinen unterbrochen - es werden einfach sehr viele Themen gestreift und von A nach B gesprungen, dass es teilweise mühsam war zu folgen. Die meisten Gedanken hätten für mich ausführlicher dargelegt werden können. Sehr viele kluge Fragen und Anregungen, die ich gerne in Gespräche mitnehme. Und möglicherweise ist ein re-read mehr als angebracht. Als kleines störendes Detail habe ich empfunden, dass die Aussagen eine Person immer eingerückt waren. Dafür mochte ich die ergänzenden Bilder aus Social Media sehr gerne.
M: " ... even if others appear so far away, we're entangled with them, if not through the sameness of our bodies and feelings, then through the violence of this, our world. ..."
It's a conversation, literally transcribed as such, that extended some of my knowledge about activism and solidarity. I have new pointers of political issues to learn about and an appreciation for authors like Varatharajah and Hilal for sharing their perspectives including current examples of genocide and selective solidarity.
Fascinating read, not just about the hierarchy on which solidarity is regularly offered, but also about solidarity *is*, what it means, and dares to dream of a better, fairer concept for it. Really made me think, and I’d suggest reading it in conjunction with Mohammed El Kurd’s Perfect Victims, which cover some of the same ideas present here, but in a very different way.
Komplexe und Nützliche Diskussion über Solidarität! Aber auch bisschen dreist 18€ zu verlangen wenn das Buch ab S. 138 einfach die englische Übersetzung ist.
Interessantes Gespräch zwischen zwei super inspirierenden Menschen zu den Mechanismen der individuellen und kollektiven Hierarchisierung von Solidarität. Ich fand’s vor allem toll, dass dieses komplexe Thema durch das natürliche Gespräch und die gezeigten Bilder so angenehm zu lesen und aufzunehmen war. Auch das Aufgreifen der imperialen Machtstrukturen, die in, vermeintlich alle Individuen schützenden, postkolonialen UN Konventionen verfasst wurden, hat mir viel Neues gelehrt.