Und Sie dachten bisher, Zeitschriften seien tot? Es ist ganz anders. Vom Ende eines Mediums wird immer dann gesprochen, wenn seine beste Zeit bevorsteht. Hier und da verkünden Literaturzeitschriften ihr Ende, wir drehen den Spiess um und gründen eine neue. Ganz in dem Glauben, dass Magazine mit ihrer diskursiven Reaktionsfähigkeit, ihrer Heterogenität der enthaltenen Formen und Gattungen nicht für das Publizieren von gestern, sondern für das von morgen stehen, präsentieren wir die erste Ausgabe von Delfi. Zeitschrift für neue Literatur.
Delfi erscheint zweimal jährlich als Themenmagazin und vereint die relevantesten internationalen und deutschsprachigen Positionen aus Prosa, Dramatik, Lyrik, Essayistik und Comic.
Fatma Bahar Aydemir (* 1986 in Karlsruhe) ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Fatma Aydemir wuchs in einem Vorort von Karlsruhe auf. Ihre Großeltern kamen als kurdisch-türkische Gastarbeiter nach Deutschland, als ihre Eltern Teenager waren. Sie studierte Germanistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main. Seit 2012 lebt Aydemir in Berlin und arbeitete bis 2023 als Redakteurin bei der Tageszeitung taz, wo sie sich mit den Themen Popkultur, Literatur und der Türkei beschäftigte. Ihr 2017 erschienener Debütroman Ellbogen, der von einer Gewalteskalation in einer U-Bahn-Station handelt, spaltete die Kritik. Aydemirs 2022 erschienener zweiter Roman Dschinns lobte die Literaturkritikerin Meike Feßmann als „ein Wunderwerk an Präzision und Einfühlung.“ In der ZEIT kritisierte Iris Radisch dagegen, das Buch sei in einem „stereotypen, politaktivistischen Jargon“ geschrieben; „Literatur, auch überzeugende engagierte Literatur, die immer einen Sinn für die Form und die gesellschaftliche Dialektik hat, klingt anders“.
Wie schon in den ersten beiden Ausgaben beinhaltet diese eine sehr breit gestreute Mischung an Beiträgen, die lose unter einem Titelthema – Gift – zusammengehalten werden. Wobei ich bei der aktuellen Ausgabe den thematischen Zusammenhang nicht wirklich greifen konnte. Das Magazin enthält wieder sowohl Low- als auch Highlights und bei einer derartigen Spannweite verzichte ich lieber auf eine Sternebewertung. Hervorzuheben ist aber definitiv der wundervoll anrührende Briefwechsel zwischen Herausgeberin Fatma Aydemir und Fatima Daas. Allein dafür hat es sich gelohnt, sich teilweise durch die anderen Beiträge durchzubeißen. Daher freue ich mich schon wieder auf die nächste Ausgabe und bin gespannt auf die Gestaltung, die ich bisher immer für äußerst gelungen gehalten habe.
Hat sehr großen Spaß gemacht und meinen literarischen Radar + Bücher Wunschzettel vergrößert. Habe jedoch selten einen Text/Comic weniger verstanden als „Motel“ von Nygel Panasco - wird mir dadurch wohl am längsten in Erinnerung bleiben.