Das Leben mit seinen unzähligen kleinen und großen Verlusten, die Weltlage mit ihren Krisen und Katastrophen. Es gibt heute viele Ereignisse, die Menschen untröstlich zurücklassen. Was aber, fragt Madeleine Hofmann, bedeutet Trost überhaupt? Die Autorin – gerade Anfang dreißig, als sie mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wurde – möchte ihren persönlichen Trost-Weg teilen, indem sie von ihren eigenen Erfahrungen und von Begegnungen mit Menschen erzählt, die auf verschiedene Weise sich und andere trösten – enge Vertraute, medizinische Fachkräfte, aber auch Kreative. Das Buch hat eine unverkrampfte Herangehensweise an das Trösten, die alles Pastorale beiseitelässt. Mühelos bringt Madeleine Hofmann Hochkultur und Popkultur zusammen und zeigt anhand verschiedener Themen – Essen, Humor, Kunst, Natur, Philosophie, Sprache –, wie individuell und existenziell Trost Jeder Mensch sucht und findet ihn auf seine eigene Weise.
„Trost“ ist ein erzählendes Sachbuch, was von persönlichen Erfahrungen während Madeleines Krebserkrankung handelt, aber auch zahlreiche Erfahrungen von anderen Persönlichkeiten einbaut. Es wird über Essen, Musik, Humor, Natur & Philosophie gesprochen. Sie unterteilt das Buch in acht große Kapitel: Wellness für die Seele, Leiden, Festhalten, Akzeptieren, Durchhalten, Heilen, Hadern und Hoffen. Sie beschreibt einfühlsam ihren eigenen Trost-Weg und zeigt dabei auf wie individuell und existenziell Trost ist.
Hier einige Highlights für mich: Lieblingswort der Autorin: „Panikherz“ Ein inspirierendes Zitat (es gibt so viele): „Ich möchte vom Leben alles“- Simone de beauvoir.
Was aber nun tun, um zu trösten? „Mitschwingen“ mit den Emotionen des anderen; Verletzlichkeit zeigen; empathisch sein; der Wille, nicht wegzuschauen; keine Vergleiche. Sondern: „Die größte Herausforderung beim Trostspenden ist die Unsicherheit, die uns überkommt, wenn wir im ersten Moment nicht wissen, wie wir mit der Situation (…) mit dem Gegenüber umgehen sollen. (…) Hilflosigkeit einfach mal aushalten, dem Impuls zu widerstehen, helfen oder die Situation unseres Gegenübers besser machen zu wollen.“ — Respekt für ihr Leid entgegen bringen. Trost heißt nicht, dass alles gut wird. Wir sind nicht allein. Weder diejenigen, die gerade leiden, noch diejenigen, die versuchen zu trösten.
Ich bin verblüfft, wie man ein Sachbuch so mitreißend und emotional aufgeladen schreiben kann. Rundum ein großartiges Buch & ich wünschte es würde mir immer so leicht fallen Sachbücher zu lesen, verstehen und einzusaugen. Hoffentlich werde ich durch viele Hinweise eine bessere Trösterin.
Während ihre Freunde sich gerade mitten in der Familienplanung oder in ihren nächsten Karriereschritt befinden, bekommt die Autorin mit 31 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Wie geht man so einer lebensverändernden Wendung um, was bedeutet Trost und wie findet man ihn in einer solchen Situation?
Anhand ihrer eigenen Erfahrungen erzählt Madeleine Hoffmann vom Trost – nicht nur wie man ihn auch in schweren Phasen im Leben findet, sondern auch wie man ihn spendet. Dabei verwebt sie ihre eigenen Gefühle während der Krebsbehandlung mit allerlei (pop-)kulturellen Anekdoten und Geschichten, Songtexten und berühmten Persönlichkeiten. Auch dem Tabuthema Tod nähert sich die Autorin auf sehr einfühlsame Art und Weise. Sie zeigt sich verletzlich, beschönigt Nichts und trifft damit mitten ins Herz.
„Trost“ ist keine tiefergehende oder wissenschaftliche Anleitung bzw. Analyse zur Trauerbewältigung oder Trost, dennoch (oder gerade deswegen) hat mich dieser sehr persönliche und ehrliche Text sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht.
Fazit: Eine sehr gelungene, warmherzige und dennoch ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Trost – und den werden wir früher oder später alle brauchen.
Madeleine Hofmann erkrankte 2019 mit Anfang 30 an Brustkrebs und gehört damit in ihrem Alter zu einer Gruppe von nur 1% Betroffenen. Die Diagnose traf sie als freiberuflich arbeitende öffentliche Person und in einem Alter, in dem andere Frauen mitten in der Familienplanung stecken. An der persönlichen Erfahrung ihrer Erkrankung entlang befasst sie sich in recherchierten Passagen mit Verlusten generell, dem Ende von Lebensabschnitten und der Trauer um Wünsche, die endgültig unerfüllt bleiben werden. Eindringlich wirkt dabei ihr Beispiel vom Pflaster, mit dem eine Verletzung verarztet wird und das häufig unsere erste Erinnerung ist an einen Moment der Zuwendung und des Trosts, dass es nun „besser werden“ wird. Im Erwachsenenalter umfasst das Überbringen der Botschaft einer schweren Erkrankung die Scheu davor, nicht aufgefangen zu werden (selbst stärker sein zu müssen als die Empfänger der Botschaft), sowie die Erfahrung, dass selbst Fachkräfte beim Überbringen lebensverändernder Nachrichten nicht automatisch den passenden Ton treffen. Ihre Schilderung des Fremdbestimmt-Seins durch Termine und Anweisungen tröstet bereits durch ihren hohen Wiedererkennungswert ebenso wie zitierte Bullshit-Bingo-reife Bemerkungen, die erkrankte Person sicher nicht hören möchten. Besonders treffend finde ich Hofmanns Darstellung des Ausgegrenztseins, wenn man den gängigen Lebensmodellen nicht (mehr) entspricht.
Welche Themen oder Aktivitäten in einer „Sackgasse des Lebens“ neue Wege weisen können, halte ich für ein universelles Thema unabhängig von konkreten Umbrüchen. Warum Genießen, die Natur, Schönheit, Aufräumaktionen oder Aktivitäten in Gruppen uns guttun, könnte Angehörige ermuntern, ihre Unterstützung tatkräftig zu zeigen. Auch das Trost spenden und Zuhören tröstet die handelnde Person selbst, so Madeleine Hofmann. Wichtig finde ich ihre Betonung, dass Empathie schon im Kindesalter intensiver vermittelt werden muss, dass Supervision und Weiterbildung von Fachpersonal im Gesundheitswesen den Institutionen langfristig nützt und neue Studiengänge wie „Spiritual Care“ in einer alternden Gesellschaft dringend nötig sind. Dass die Autorin sich seit der Corona-Pandemie zur Risiko-Gruppe Vorerkrankter zählen muss, spricht für ihre Glaubwürdigkeit - für diese Betroffenen wird nichts wieder sein „wie früher“.
Fazit Madeleine Hofmann verbindet ihr persönliches Erleben, journalistische Recherche und Zitate selbst betroffener, empowernder Vorbilder zu einem flüssig lesbaren Buch. Trost und Anregung geliefert haben ihr in Songtexten, Filmen und Biografien u. a. Susan Sontag, Anastacia, Audre Lorde, Luisa Neubauer, Annie Ernaux, C. N. Adichie und Frida Kahlo. „Trost: Was wir alle brauchen“ zum Prozess des Tröstens in lebensverändernden Krisen wendet sich sowohl an Betroffene, Angehörige, wie auch Personen, die beruflich oder ehrenamtlich auf die Unterstützer-Seite wechseln wollen.
**** Worum geht es? **** Trost – etwas, das jeder Mensch manchmal braucht und doch viel zu selten erfährt. Warum eigentlich? Dieses Buch bietet Trost für alle, die ihn suchen – ohne Bedingungen, ohne Maßstab, ohne Bewertung.
**** Mein Eindruck **** Ein Buch, das meine Augen nicht trocken ließ: Die Autorin schreibt mit einer solchen Ehrlichkeit und Offenheit, dass sie direkt ins Herz trifft. Ihre Worte haben mir Türen geöffnet – ich konnte mich in ihren Gedanken wiederfinden, auch wenn meine eigenen Erlebnisse ganz andere waren. Genau das betont sie immer wieder: Es geht nicht ums Vergleichen, sondern ums Dazugehören. Darum, sich zeigen zu dürfen – und Gemeinschaft zu spüren. Hofmann nimmt den Begriff Trost auseinander, hinterfragt ihn, stellt ihn in den gesellschaftlichen Kontext. Warum wird das Wort so selten verwendet? Warum scheint Trost oft nur Menschen „zuzustehen“, die trauern oder schwach sind? Ihre persönlichen Erfahrungen, kombiniert mit reflektierten Gedanken, machen das Buch zu einem starken, tröstenden Werk.
**** Empfehlung? **** Ein stilles, starkes Buch für alle, die Trost suchen – auf ihre eigene Weise. Hofmann drängt keine Antwort auf, sondern öffnet Raum für Empfindung. Ich habe viele Sätze markiert, die mich noch lange begleiten werden. Ein Buch, das ich jedem Menschen in die Hand drücken möchte, wenn Worte fehlen. Echtes Trostbuch – ehrlich, klug und voller Herz.
Madeleine Hofmann hat ein Buch über Trost geschrieben, das durch ihre eigene Krebsbehandlung inspiriert wurde. So steht ihr Leidensweg im Mittelpunkt des Essays, was trotz eines flüssigen Schreibstils gar nicht so leicht zu lesen ist, weil er erst einmal das Gegenteil von Trost ist. Die Kapitel entwickeln sich schließlich derart weiter, dass von einem persönlichen Impuls zu einer Form von Trost geschwenkt wird. „Dass Essen - in Maßen - trösten, glücklich machen kann, ist eine dieser Tatsachen, über die alle Bescheid zu wissen glauben, ohne sie erklären zu können.“ Die anfänglichen Gedankenspiele dazu, was alles unter den Begriff fallen könnte, lassen eine Vielfalt von Blickwinkeln vermuten. Von Berührungen bis Religion sind einige vertreten, und genau davon hätte ich mir mehr gewünscht. Während die Schwere der Erkrankung in vielen Facetten zum Ausdruck gebracht wird und mich mit dem Text kämpfen ließ, kam mir das eigentliche Thema fast zu kurz. Mir gefiel, wie die Autorin selbst ihre Trosterkenntnisse anwendet und wie sie Liedzeilen in ihre Analyse einbaut. Somit wäre „Leid und Trost“ als Titel passender zum Inhalt gewesen.