Tonis Hautton fällt in die Kategorie Cappuccino Macchiato, serviert an einem lauen Novemberabend in Sri Lanka (gemäß der nationalen Kategorisierung Andersfarbiger). Aber nicht nur der alltägliche Rassismus macht ihr zu schaffen, sondern auch die fragwürdigen Leidenschaften ihrer Familie für Versicherungspolicen, Affären, Scam-Mails und Gartenzäune. Und dann sind da noch ihre chronischen Kopfschmerzen sowie die Zwillingsschwester, die in fast allem besser ist als sie. Nur wenn Toni ihre Daily Soap schaut, kann sie kurz abschalten. Bis irgendwann nicht einmal das mehr geht. Das Familienunternehmen Banal & Bodeca ist derweil einem heftigen Shitstorm ausgesetzt. Um den Vorwurf des Rassismus zu entkräften, möchte es eine Reality-Show mit Schwarzen Darstellern produzieren lassen. Als sich die Wege der beiden Familien kreuzen, kommt es zu ungeahnten Verstrickungen. Alle Beteiligten müssen sich Ist das Leben nicht selbst eine Art Seifenoper?
Hab es nicht wirklich gelesen, sondern nur einen Textauszug bei der Bachmannlesung gehört. Kommt für mich nicht in Frage. Weder Thema noch der (satirische) Stil interessieren mich, bedeutet aber nicht dass es schlecht ist, bloß ich fühle mich davon nicht angesprochen.
Für mich Anwärter zum Buch des Jahres, denn ich finde nichts ist schwieriger zu Schreiben als intelligente, lustige Literatur. Daily Soap hat mich am laufenden Band zum laut loslachen gebracht und ich hatte das dringliche Bedürfnis mein gesamtes Umfeld darüber zu informieren, wie toll dieses Buch ist und sie am Liebsten zur sofortigen Lektüre gezwungen. Daily Soap ist eine bitterböse Gesellschaftskritik, die ganz locker-flockig daherkommt. Die Autorin ist Schweizerin und hat, soweit ich mir da eine Beurteilung anmaßen darf, die schweizer Seele punktgenau analysiert. Allein, dass sie die Protagonist:innen auf der ersten Seite nach steuerbarem Einkommen reiht, hat mich vor Lachen fast in die Knie gezwungen. Wer Bücher von Steffi Sargnagel, Elias Hirschl, Juan S. Guse oder David Foster Wallace mag, dem sei Daily Soap ans Herz gelegt. Und wenn ihr keine Fans von diesen Autor:innen sein: Lest es dennoch!
Zu Ende gelesen habe ich dieses Buch nur, damit mir die Lesegruppe nicht wieder Lesebefehlsverweigerung vorwerfen kann und weil die Lektüre doch eine recht zügige war, ich damit also nicht allzu viel Lebenszeit fehlinvestiert habe. Das Konzept "Soap" funktioniert für mich nicht als geschriebener Text, als "Roman". Ich verstehe, was die Autorin damit will; ich sehe ihr gewähltes Vokabular, ihre überschäumende Fantasie, ihre Frechheit auch, ihren Witz und ihren scharfen Blick auf das politisch Unkorrekte. Wie sie Dialoge, Fussnoten, Werbeeinblendungen, karikiert überzeichnete Figuren und eine komplett überdrehte Handlung kombiniert, ist zweifelsohne ungewöhnlich und sie hat in den noch übrig gebliebenen Feuilletons dafür denn auch viel Lob bekommen, doch meins ist das alles nicht: nicht nur nicht, sondern so ganz und gar nicht. Abgesehen vielleicht von der einen oder anderen Fussnote. (S. 41: Wir befinden uns in der Zürcher Kronenhalle, der Kellner fragt sich, ob er "schon wieder eine der zig ungeschriebenen Regeln" missachtet hat und die Fussnote klärt auf: "Einmal hat er [der Kellner] Sibylle Berg nach ihrem Wohlbefinden gefragt und sich so eine Abmahnung des Chef de Service eingehandelt.") – Vielleicht sollte ich dafür einen zweiten Stern geben.
Wie in einer Seifenoper beschränkt sich die Handlung auf eine überschaubare Zahl von Figuren, deren Verstrickungen es jedoch in sich haben. Diese Figuren sind stark typisiert und jede hat ihre eigenen Schrullen und Wiedererkennungswert. Das Spiel mit dem Unwahrscheinlichen, jedoch in der Handlung durchaus Konsequenten wird auf die Spitze getrieben. Die Erzählgeschwindigkeit ist hoch und die Einfälle, die die Handlung antreiben, decken originell den Wahnsinn unserer Zeit auf. Und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger. Vielmehr hallt das Unannehmbare durch die Seiten und begleitet einem in der Beobachtung des Alltags. Besonders gefallen haben mir die geschickt platzierten Werbeeinschübe. Die Fussnoten können in einer analogen Ausgabe sicherlich besser gelesen werden als auf dem E-Reader. Nach diesem Debut bin ich gespannt auf mehr. Ab und an merkt man dem Text einige Kinderkrankheiten an: einige sprachliche Ungereimtheiten, die dünn ausgestaltete Perspektive des Ichs und ein Schluss, der meiner Meinung nach die Story etwas abmurkst. Vieles davon ist nicht untypisch für Soaps, könnte man mit einem Augenzwinkern meinen. Weshalb die Höchstbewertung? Beim Lesen habe ich mich stets über die verbleibenden Seiten gefreut. Das Buch ist überraschend, aussergewöhnlich, voller schlauer Einfälle. Seid jedoch gewarnt: Wem es peinlich ist, beim Lesen ab und zu laut zu lachen, der sollte das Buch besser nicht im öffentlichen Raum lesen!
Es ist genauso wie alle sagen: Bissig, klug, lustig und unterhaltsam. In der Übertreibung von Daily Soap liegt ausserdem grosse Wahrhaftigkeit. Irgendwo las ich, dass Osagiobare Fan von Fran Ross's Oreo ist. Der Klang von Daily Soap könnte tatsächlich ein Echo davon sein. Bitte tut euch den Gefallen und lest es. :)
Oh, das war so, so gut! Genau meine Linie, der satirische, trockene Humor, der Zynismus und natürlich auch der Inhalt des Werkes. Osagiobare teilt aus und vor allem Herr und Frau Schweizer (die dritte Option gibt es bei uns ja nicht) bekommen einen Spiegel vor Augen geführt.
Dass solch ein Buch nicht bei allen gut ankommt, ist klar. Aber Osagiobare wird sich dies bewusst sein und zieht es voll durch. Grossartige Lektüre für alle, die sozial- und gesellschaftskritische Satire mögen.
Ein tolles Buch! Temporeich und ansprechend geschrieben, Plot Twists auf die GoT neidisch wäre und an vielen Stellen so absurd komisch, dass man laut lachen muss. Und trotzdem ist das Buch insgesamt eine scharfe Analyse und Darstellung von und Kritik an Gesellschaft. Definitiv in meinen top 3 dieses Jahr! Dolle Leseempfehlung!
Ich dachte mir es wäre cool ein Buch zu lesen, das in der eignen Gegend spielt. Ich fand den Klappentext versprach etwas anders als der Inhalt. Um Toni ging es kaum. Einige mögen den etwas anspruchsvolleren Schreibstil, für mich persönlich war es eher anstrengend. Die Dialoge waren einfach zu lesen. Die Storyline ist wild und Handlungen passieren einfach so ein wenig aus dem Nichts und sind sehr random. Wer Satire mag, für den ist es was. Für mich persönlich hatte es sehr viele politische Anspielungen, die ich teilweise auch nicht verstand.
habe mich noch nie so stark über fussnoten gefreut :) unglaublich lustig und gleichzeitig extrem tragisch - die satirische erzählweise, die nora osagiobare wählt, ist einzigartig!
Bissig, rasant und unfassbar lustig Auf der einen Seite steht Toni, ihre Liebe für Daily Soaps und ihre chaotische Familie. Und der schweizerische Alltagsrassismus. Auf der anderen Seite haben wir die Familie rund um Frau Bodeca – Eigentümerin eines Familienunternehmens, und einem Shitstorm wegen Rassismus ausgesetzt. Als sich die Wege der beiden Familien kreuzen, die unterschiedlicher nicht sein können, kommt es zu allerlei unvorhergesehenen Verstrickungen und es beginnt eine ganze eigene, waschechte Seifenoper…
Wow, was für ein Lesevergnügen! Nora Osagiobare Stil ist scharfsinnig und unverkennbar, ihr Humor so scharfzüngig wie großartig! Die Erzählweise ist rasant und sprüht vor Sarkasmus, was der Geschichte eine fast physische Dynamik verleiht – als würde man mitten in einem turbulenten Drama / Theater sitzen, das seine eigene, absurde Realität entfaltet.
„Daily Soap“ ist eine grandiose Satire, die die Absurditäten der Welt, in der wir leben, gnadenlos auf die Spitze treibt. Und es hält sowohl dem allgegenwärtigen Rassismus als auch der teils bizarren Medienwelt und Darstellung einen Spiegel vor. Die fast grotesk wirkenden Verstrickungen und Familiendynamiken machen den Roman nicht nur zu einem witzigen, sondern vor allem zu einem scharfsinnigen und kritischen Kommentar zu unserer aktuellen Gesellschaft. Und regt trotz aller Unterhaltung zum Nachdenken an – wirklich ganz großes Kino!
Fazit: „Daily Soap“ ist schräg, originell, bitterböse und unfassbar lustig – unbedingte und dringende Leseempfehlung!
Ich habe eine Gesellschaftssatire erwartet. Stattdessen fand ich 2 bis 3 gute Ideen, die sprachlich furchtbar präsentiert wurden. Etwa gleich langweilig wie eine skurrile Seifenoper.
Nora Osagiobare hat mit Daily Soap einen literarischen Coup gelandet: einen Roman, der nicht nur bitterböse und blitzgescheit, sondern auch radikal gegenwärtig ist. Was auf den ersten Blick wie eine locker-leichte Satire wirkt, entpuppt sich als messerscharfe Gesellschaftsanalyse mit maximalem Unterhaltungswert – ein echter page-turner mit Haltung. Im Zentrum steht Toni – eine Schwarze Frau in der Schweiz, deren Hautton die Behörden liebevoll mit „Cappuccino Macchiato, serviert an einem lauen Novemberabend in Sri Lanka“ kategorisieren. Klingt absurd? Ist es auch – und genau das ist der Punkt. Osagiobare deckt in jedem Satz auf, wie tief Rassismus, Mikroaggressionen und Exotisierungsfantasien in der sogenannten Normalität verankert sind. Tonis Leben ist ein täglicher Spießrutenlauf zwischen strukturellem Ausschluss, familiärem Irrsinn und Kopfschmerzen, die vielleicht mehr sind als nur medizinisch erklärbar. Parallel läuft der zweite Handlungsstrang: Ein gutbürgerliches Unternehmen wird durch einen Rassismus-Shitstorm aus dem neoliberalen Himmel geholt und beschließt – völlig ironiefrei – eine Reality-Show mit Schwarzen Protagonist:innen zu produzieren, um sich reinzuwaschen. Was sich daraus entspinnt, ist ein herrlich groteskes Panoptikum medialer Selbstinszenierung, performativer Antirassismus-Kampagnen und kolonialer Denkmuster im neuen Gewand. Wer glaubt, Kapitalismus und „Diversity“ seien versöhnbar, wird hier mit Stil und Schmackes eines Besseren belehrt. Was Daily Soap so besonders macht, ist Osagiobares Sprachkunst: Jede Zeile sitzt, jeder Seitenhieb trifft – und zwar dort, wo es wehtut. Ihr Ton ist gleichzeitig rotzig und verletzlich, ihr Humor so präzise wie entlarvend. Sie schreibt mit einer Haltung, die sich nie anbiedert, sondern konsequent von unten, von der Seite, aus der Erfahrung der Marginalisierten erzählt. Dabei gelingt ihr das Kunststück, sowohl wütend als auch verspielt, melancholisch wie überdreht zu sein – eben genau so wie eine gute Daily Soap: voller Drama, Intrige, Chaos, aber mit Substanz. Und ja – diese Geschichte hat Tiefe. Die Familiengeschichten, die Osagiobare erzählt, sind schrill und voller Absurditäten, aber sie bleiben nie bloß Karikaturen. Sie sind durchzogen von Fragen nach Zugehörigkeit, Identität, Entfremdung und Nähe – verpackt in popkulturellen Referenzen, feministischen Verweisen und einem Bewusstsein dafür, dass persönliche Geschichten immer auch politisch sind. Fazit:. Eine literarische Watsche für alle, die immer noch glauben, Rassismus sei ein Einzelfall oder Humor könne nicht politisch sein. Osagiobare führt uns durch einen absurden Spiegelkabinettstaat, der unsere Welt erschreckend genau abbildet – und dabei so unterhaltsam ist, dass man erst beim Lachen merkt, wie sehr es brennt. Wild und wahnsinnig gut – unbedingt lesen.
Es ist gar nicht so leicht, den Inhalt des Romans “Daily Soap” von Nora Osagiobare zusammenzufassen. Zum einen ist da die Familie Osayogogowemwem. Tochter Toni flüchtet sich am liebsten in ihre geliebten Daily Soaps, um dem normalen Wahnsinn ihrer Familie zu entfliehen. Zum anderen lernen wir die Familie Banal & Bodeca kennen, die jüngst in einen Rassismus-Skandal verwickelt wurde und diesem nun mit einer eigenen Daily Soap entgegenwirken möchte. Und wie beide Familien miteinander in Verbindung stehen, das lest ihr am besten selbst!
Der Erzählstil ist schon recht ungewöhnlich und beim Lesen der ersten Seiten befürchtete ich, dass ich damit nicht warm werden würde. Doch zum Glück hat sich das schnell gelegt und ich konnte beginnen, die Geschichte mit ihrer Vielzahl an stilistischen Besonderheiten zu genießen. So gibt es Fußnoten zur humorvollen Erklärung. Zudem wird die Handlung immer wieder durch absurde Werbeblöcke unterbrochen und vieles mehr.
Vordergründig ist die Geschichte sehr humorvoll. Es passieren so viele absurd witzige Dinge, die selbst - wie der Titel ja schon verrät - an die überspitzten Verwicklungen und Verstrickungen einer Daily Soap erinnern. Gut, dass es zu Beginn ein Personenverzeichnis gibt, in dem man immer wieder nachlesen kann, wie die einzelnen Protagonist:innen miteinander in Verbindung stehen. Denn es ist gar nicht so einfach, immer den Überblick zu behalten.
Unter dem Deckmantel des satirischen Humors verbirgt sich allerdings eine sehr deutliche Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus und Klassendenken in der Schweiz. Da blieb mir bei manch vordergründig lustiger Szene ein ums andere Mal das Lachen im Halse stecken. Die Gesellschaftskritik zieht sich als roter Faden durch den gesamten Roman, beginnt mit einer Triggerwarnung zu Bananen und gipfelt in einem fulminanten und der Absurdität der Situation vollends gerecht werdenden Finale.
Fazit: “Daily Soap” ist eine herrlich überspitzte Satire über den Alltagsrassismus unserer Zeit, die den Finger tief in die Wunde legt und uns Lesende gleichzeitig zum Lachen bringt.
Erzählt wird die Handlung von Soap-Junkie Toni Osayoghoghowemwen, einer jungen Schweizerin und "Vertreterin eines fetischisierten Hauttons", oder noch besser, "Cappuccino mit einem Schuss mehr Milch, also Cappuccino Macchiato und einen Löffel Rohrzucker, serviert an einem lauen Novemberabend in Sri Lanka", laut dem achten Schweizer Verwaltungsdepartement BARACK (es gibt nur sieben). Schon vor Tonis und der Geburt ihrer unwirklichen Zwillingsschwester treffen wir fast alle anderen Figuren an: İhre Eltern Anneli und Thor, seinen Bruder Prince Okiti, die Zwillinge Louis und Echo (SPOİLER: Vaterschafts-Reveals!) und die white rich family Banal zwischen leidenschaftlichen Affären untereinander, die sie schicksalhaft zusammenführen. Klingt viel, ist es auch, vor dem ersten Kapitel werden alle relevanten Chataktere kurz vorgestellt und ich hab nicht schlecht gestaunt bei Beschreibungen wie "Pornodarsteller" oder "İmpf- und Abtreibungsgegnerin".
Wer jetzt Sorge vor so viel Komplexität hat, don't worry. Der Plot bedient sich Bildern und ständigen Twists bekannter Seifenopern, Charakterentwicklungen gibt's minimal. Stattdessen rasen alle Figuren auf ihr vorbestimmtes Schicksal zu, manchmal beschleunigt durch das Ausrutschen auf "exotischen" Fruchtschalen. Gelüste und Abhängigkeiten spielen eine große Rolle, kulinarisch wie sexuell.
Vermeintliche Lösungen wie Bullen mit Segways abzuhängen werden durch kurze Werbespots vor einem neuen Kapitel "eingespielt". Schwer verständliche oder kryptische Stellen werden außerdem durch Fußnoten erklärt, was im Endeffekt eine weitere Spielwiese für den immer zynischer werdenden Humor hergibt. Humor und Exzess wechseln sich drastisch ab, wenn selbst Zahnbürsten zur Waffe werden. Es gibt Stellen im Buch, da werden die rassistischen Verhältnisse (siehe BARACK) wie Polizeigewalt gegen Schwarze und Geflüchtete in der Schweiz hops genommen. Osagiobare schafft es, trotz Überspitzungen die Gewalt dahinter nicht zu verharmlosen, was in all der Craziness eine mega Leistung darstellt! Manche Running Gags haben mich gelangweilt, einzelne Kapitel treten auf der Stelle, sodass die Soap Handlung, ohne genug Dynamik oder Twists nicht vorangetrieben wird. Daraufhin kam es von meiner Seite zu viel zu langen Lesepausen. Meine Empfehlung: Bleibt dran, trotz besagter Stellen und nicht zündender Witze. Nicht nur die Twists sind es wert, auch gibt's einfach zu wenig Romane dieser Art, welche gekonnt rassistische konservative Strukturen ausloten!
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"Daily Soap" von Nora Osagiobare hat mich auf den ersten Blick durch seine gewagte satirische Grundidee fasziniert – eine frische Perspektive auf den alltäglichen Wahnsinn, die den konventionellen Blick auf das Leben ein wenig auf den Kopf stellt. Besonders gelungen finde ich, wie die Autorin rassistische Stereotypen aufgreift: Die Bezüge daraus sind unterhaltsam und clever umgesetzt, was dem Buch einen zusätzlichen satirischen Tiefgang verleiht.
Allerdings konnte sich die Umsetzung der Satire in diesem Buch leider nicht ganz so entfalten, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Schreibstil wirkt oftmals zu gehetzt und verliert sich in der typisch seifenopertypischen Schnelligkeit, sodass die eigentliche satirische Idee nicht ausreichend zur Geltung kommt. Ganz seifenopertypisch passiert sehr viel sehr schnell – ein Stilmittel, das zwar den Nerv der Zeit treffen mag, mich aber eher verwirrt zurückließ, da es der Charakterentwicklung und dem narrativen Tiefgang oft an Raum mangelte.
Insgesamt ist "Daily Soap" also ein Buch, das mit einer vielversprechenden Idee aufwartet, aber in der Umsetzung nicht vollständig überzeugt. Daher vergebe ich 3 von 5 Punkten. Vielleicht spricht der rasante, übersteigerte Stil ja genau jene Leser an, die den schnellen Rhythmus und die cleveren satirischen Elemente schätzen – für mich blieb der erhoffte Genuss leider aus.
Danke an den Kein&Aber-Verlag und Netgalley für das Leseexemplar!
The cover says: “The funniest, smartest, coolest book this spring” (Dana von Suffrin).
To be honest, if you're looking for a light, confusing story, then this book is just right. For me, it has nothing profound, but lots of loose stories that seem to be connected in some way, but somehow lack depth. Some of the protagonists' names are funny, such as Louis Efe di Cabrio, Prince Okiti Osayoghoghowemwen, Anneli Killer-Osayoghoghowemwen, etc. The book is also full of countless footnotes, which are sometimes more amusing than the text itself. Contents: Toni's skin tone falls into the category of cappuccino macchiato, served on a balmy November evening in Sri Lanka (according to the national categorisation of people of colour). But it's not just everyday racism that bothers her, it's also her family's questionable passions for insurance policies, affairs, scam emails and garden fences. And then there are her chronic headaches and her twin sister, who is better than her at almost everything. Only when Toni watches her daily soap opera can she switch off for a moment. Until, at some point, even that is no longer possible. Meanwhile, the family business Banal & Bodeca is facing a fierce shitstorm. To refute accusations of racism, it wants to produce a reality show with black actors. When the paths of the two families cross, unexpected entanglements arise. Everyone involved has to ask themselves: isn't life itself a kind of soap opera?
Unfortunately, neither the topic of racism nor homosexuality is explored in depth, but rather comes across as common clichés. There are 3½ “murders” and yet it is not a crime thriller. Perhaps I am not suited to soap operas, so I don't know how to appreciate this.
Tonis Hautton fällt in die Kategorie Cappuccino Macchiato (Quelle: Bundesamt für die Rationalisierung Andersfarbiger anhand von Cappuccino bzw. Kaffee BARACK). Neben Rassismus plagen sie ausserdem chronische Kopfschmerzen und ihre Schwester, die (a) weiss und (b) in allem besser ist als sie. Derweil erleidet die Firma Banal & Bodega einen Shitstorm. Um die Rassismusvorwürfe zu entkräften, konzipieren sie eine Reality-Soap, in der ihr Sohn mit einem Schwarzen Partner gezeigt werden soll. Als sich die Wege der beiden Familien kreuzen, kommt es zu ungeahnten Verstrickungen …
«Daily Soap» ist ein witziger und temporeicher Roman, der sich an der Grenze zwischen Satire und Absurdität aufhält. Ganz dem heutigen Medienkonsum entsprechend passiert sehr vieles sehr schnell, die Witze geraten manchmal etwas arg flach, und die Wendungen sind an Skurrilität kaum zu übertreffen. Trotzdem entdeckt man auch immer wieder schlaue, gesellschaftskritische Seitenhiebe. Ich war gut unterhalten. Und: In diesem Buch kommt unser Lieblings-Nationalgericht Riz Casimir (siehe auch Riz Casimir: Betrachtungen zu einem Nationalgericht) vor.
Grundsätzlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Ich mochte den Schreibstil sehr gerne, beispielsweise die Metaphern, Vergleiche und Adjektive. Auch, dass es ähnlich einem Theaterstück geschrieben war (v.a. die Dialoge) hat meinen persönlichen Geschmack perfekt getroffen. Auch die Fußnoten sowie den Humor fand ich gut. Der Erzählstil war sehr interessant, da man erst spät bemerkt, dass es sich theoretisch um einen Ich-Erzähler handelt, er aber in großen Teilen mehr wie ein allwissender Erzähler in der dritten Person auftritt. Auch der Wanda-Charakter war fesselnd, ich habe mich von Anfang an gefragt, warum dieser nicht in der Aufzählung der Personen ganz am Anfang vorkam. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist das Ende, ich hatte ein positiveres erwartet, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack. Außerdem hatte ich von der Beschreibung des Romans einen größeren Fokus auf Toni erwartet, den ich mir demnach auch gewünscht und etwas vermisst habe. Dadurch ziehe ich einen Stern ab und lande bei vier. Trotzdem ist “Daily Soap” sehr zu empfehlen!!
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Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Buch kommentieren soll. Einerseits fand ich es, insbesondere als Schweizerin, witzig und selbstironisch. Mich würde interessieren, ob dies auch für Leser*innen gilt, die keinen Bezug zur Schweizerischen Bünzli-Kultur und den Zürcher Handlungsorten haben. Die Autorin vermag es, eine grosse Anzahl an gesellschaftskritischen Themen mit viel Humor und Ironie zu verarbeiten, ohne dass es in irgendeiner Weise missionarisch wirkt. Auch die konträren Fussnoten funktionieren als humoristisches Stilmittel, wenn auch sie, zumindest für mich, den Lesefluss etwas stören. Andererseits ist es aufgrund der extremen Überzeichnung der Figuren unmöglich, mit ihnen mitzufühlen und sich entsprechend für ihr Schicksal zu interessieren. Ein bisschen mehr erzählerische Finesse hätte für mich dazu beigetragen, dem aussergwöhnlichen Humor des Buches eine bessere Basis zu bieten.
Geballte satirische Gesellschaftskritik: Toni, schlägt sich mit Alltagsrassismus, familiären Problemen und einer Obsession für Seifenopern herum. Parallel versucht ein Unternehmen, dem Rassismus vorgeworfen wird, mit einer Reality-Show und schwarzen Protagonist:innen den Vorwurf zu entkräften. Inmitten der Zürcher Gesellschaft entstehen skurrile und absurde Verstrickungen. Osagiobare schreibt in ihrem Debütroman rasant und sehr witzig über Alltagsrassismus, Privilegien, Klischees und sexuelle Neigungen.
Das war mit Abstand so ziemlich das Lustigste, was ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ganz starke Satire bezüglich Alltagsrassismus in der Schweiz, schräge Protagonist*innen, eine herrlich chaotische Story, die so richtig schön ausufert, bizarre Situationen und Fußnoten bei denen ich schallend lachen konnte. In der Tat ein äußerst ungewöhnliches Buch, das mich stellenweise an den schrägen Humor finnischer Autoren erinnert hat. Wer es schräg und intelligent liebt, der wird diesen Roman genauso mögen und schätzen wie ich. Von mir gibt es eine hundertprozentige Leseempfehlung!
I was really confused by this satire and the very border line role that the seeming protagonist, Toni, plays. However the final chapter reframed alot of the book and made me understand and like it more. I think if you go in thinking you will be reading a daily soap, a soap opera with advert breaks and only a low plot from the main character, then you will like it more. Intellectually I enjoy it in hindsight quite a bit but didn’t really understand it while reading.
Ich musste das Buch nach 50 Seiten abbrechen. Ich fand die Handlung und die Menge an bzw. Beziehung zwischen den Figuren sehr verwirrend und den kreativen Schreibstil sehr anstrengend. Mit erschließen sich Sinn und Konzept des Romans, aber wir sind nicht miteinander kompatibel; es war mit schlicht zu anstrengend und bereitete mir kein Vergnügen. Ich habe allerdings auch nichts für seichte Unterhaltung im TV übrig und gehöre nicht zum Zielpublikum dieser Satire.
Erinnerte mich beim Lesen (nicht nur der vielen Fußnoten wegen) immer mal wieder an Infinite Jest. Manchmal fühlte ich auch ein bisschen Vernon Subutex drin. Viele großartige Ideen, gelungene Satire und ein paar sehr Schweiz-spezifische Anspielungen. Unter anderem deshalb nicht ganz sicher, ob ich alles verstanden habe. Der drehbuchartige Stil erzeugt viel Distanz beim Lesen, mochte ich sehr. Bin sehr froh, das gelesen zu haben.