Es gibt so viele polarisierende Themen in dieser Zeit wie selten zuvor. Und oft enden Diskussionen darüber in Unverständnis, sogar Streit, vor allem, wenn Meinungen auseinandergehen.
Daniel Böcking ist seit 25 Jahren Journalist – und seit 2013 überzeugter Christ. Als jemand, der selbst in diesem Spannungsfeld zwischen Weltoffenheit, Toleranz und biblischen Werten steht, gibt er in seinem Buch wertvolle Orientierung zu vielen kontroversen Themen – niedrigschwellig, knackig und auf den Punkt.
Daniel Böckings Buch „Lass mal reden“ wird als Einladung zu einer offenen Auseinandersetzung mit Religion und Glaube beworben. Doch anstatt eines ausgewogenen Dialogs über den Platz von Religion in unserer heutigen Gesellschaft, erwartet die Leser*innen ein einseitiger Überzeugungsversuch, der eher einem Bekehrungsaufruf nahekommt, als dass es wie ein ehrliches Gesprächsangebot wirkt.
Das Buch präsentiert eine stark subjektive Sichtweise auf Religion, die kaum Raum für kritische Reflexionen oder alternative Perspektiven lässt. Statt eines Dialogs zwischen Glaubenden, Zweifler*innen und Nicht-Glaubenden scheint Böcking sein Buch als Plattform nutzen zu wollen, um seine Leserschaft vom richtigen Weg zu überzeugen. Kritische Fragen oder differenzierte Auseinandersetzungen mit komplexen Themen aus Religion und Gesellschaft bleiben leider weitgehend aus. Für Leser*innen, die sich einen ehrlichen, reflektierten und differenzierten Austausch wünschen, wird dieses Buch eine Enttäuschung sein.
Besonders problematisch finde ich die Art und Weise, wie Böcking an einigen Stellen Framing nutzt, um bestimmte Aussagen in ein positives Licht zu rücken, die bei genauerer Betrachtung als grenzwertig oder sogar manipulativ erscheinen. Kritische Fragen oder potenziell kontroverse Aspekte des Glaubens werden so verpackt, dass sie harmlos wirken oder schon im Ansatz nicht ernsthaft diskutiert, beziehungsweise reflektiert eingeordnet werden. Dieser Ansatz hinterlässt nicht nur an einigen Stellen beim Lesen ein unangenehmes Gefühl, sondern leider auch den Eindruck, dass es Böcking weniger um Aufklärung als vielmehr um eine rhetorisch geschickte Missionierung geht. Der Schreibstil des Buches trägt zusätzlich dazu bei, dass die Lektüre - zumindest für mich - anstrengend war. Einige Themen sind für meinen Geschmack arg in die Länge gezogen, ohne dabei neue Erkenntnisse oder Impulse zu liefern.
„Lass mal reden“ ist schlussendlich keine offene Einladung zum Dialog über Religion, wie es der Titel verspricht, sondern vielmehr ein einseitiger Versuch, Leser*innen einer bestimmten religiösen Sichtweise näher zu bringen. Der Mangel an ausgewogener Reflexion, der Einsatz von Framing-Techniken und der langatmige Stil machten das Buch für mich zu einer enttäuschenden Lektüre. Wer nach einem ehrlichen und multi-perspektivischen Austausch über Glaubensfragen sowie einer anregenden und inspirierenden Reflexion über Glauben und Religion generell sucht, wird hier eher nicht fündig.
WERBUNG/Rezensionsexemplar Zwar war das Buch durch den leichten und einfachen Schreibstil sehr flüssig zu lesen, jedoch konnte mich das Buch leider nicht wirklich überzeugen. Bereits in der Einleitung schreibt der Autor, er wäre nicht der Richtige, um das Buch zu schreiben und leider hat sich dies für mich im Laufe des Buches bestätigt. Das Buch wurde damit beworben, "spannende Perspektiven" aufzuzeigen, leider habe ich davon irgendwie nichts mitbekommen. Alles in allem war das Buch sehr neutral geschrieben, was auch ganz okay war, aber leider dazu geführt hat, dass das Buch für mich irgendwie etwas nichts sagend war. Deshalb erhält das Buch von mir leider nur 3.5/5 Sternen.