Ein geheimnisvoller Turm zieht die Menschen in seinen Bann. Eine Arche wird zur letzten Hoffnung der Menschheit. In einer dystopischen Metropole wagt eine einsame Frau den riskanten Schritt ins Unbekannte. Augen am Himmel überwachen die Erde. Ein ordinärer Raum wird zur gefährlichen Falle. Um auf einem unerbittlichen Planeten leben zu dürfen, müssen die Siedler einen hohen Preis bezahlen. Und im Finale einer grausamen Reality-Show steht ein junger Mann vor unmöglichen Entscheidungen. Tauchen Sie ein in fesselnde Geschichten, die Sie in dunkle, bedrohliche Welten entführen, in denen jede Entscheidung lebensverändernde Konsequenzen hat. Jede Erzählung ist eine riskante Reise in eine Welt voller Mysterien und Monster. Entdecken Sie die Abgründe der Menschheit und die verborgenen Geheimnisse fremder Welten, die in diesen düsteren Geschichten lauern. Sind Sie bereit, sich Ihrer eigenen Finsternis zu stellen?
Simon Krätschmer begann schon in jungen Jahren für Magazine zu schreiben und veröffentlichte als freiberuflicher Autor mehrere Bücher über Video- und Computerspiele. Nach seiner Tätigkeit als stellvertretender Chefredakteur beim Vogel Verlag wechselte er zu NBC Europe, wo er als Moderator, Redakteur und Host arbeitete. Gemeinsam mit Daniel Budiman entwickelte er die preisgekrönte Sendung „GAME ONE“, die unter anderem den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme Online-Preis gewann. Als Mitgründer der „Rocketbeans Entertainment GmbH“ produziert er Formate wie „Game Two“, das seit Jahren auf öffentlich-rechtlichen Plattformen erfolgreich ist und für den Grimme-Preis 2024 nominiert wurde. Außerdem ist Krätschmer an Podcasts wie „Plauschangriff“ und „Almost Daily“ beteiligt. Neben seiner TV- und Online-Arbeit hat Krätschmer eine Leidenschaft für Horror-Literatur. Seine Geschichten zeichnen sich durch eine düstere Atmosphäre und vielschichtige Charaktere aus, die oft existenzielle menschliche Abgründe erkunden. Seine Werke sind von Vorbildern wie Stephen King und H.P. Lovecraft geprägt.
Nachdem ich nun nach knapp 3 Tagen „Böse Geschichten, für schlechte Menschen“ von Simon Krätschmer geradezu verschlungen habe möchte ich kurz meine Kritik zu diesem Buch hier kundtun.
Bei diesem Buch voller gruseliger Kurzgeschichten, habe ich eine Qualitäts – Achterbahn hinter mich gebracht in der wirklich alles dabei war. Geschichten die mich schockiert, gelangweilt, verzweifeln aber auch zum Lachen gebracht haben.
Man merkt an allen Ecken und Kanten, dass Krätschmer eine Person aus der Medienwelt ist und hieraus auch ein ganzes Füllhorn seiner Inspiration für dieses Buch herausgezogen hat. Aus Game One /Two, Giga, Rocketbeans Zeiten oder auch den Plauschangriff Podcasts, wissen wir bereits, dass er ein großer Fan von Horrorfilmen, -games oder auch Autoren wie Stephen King oder H.P. Lovecraft ist. Daher ist es auch nicht all zu verwunderlich, dass man beim Lesen das ein oder andere Element hieraus wiederfindet. Fast noch interessanter fand ich abschließend den umfangreichen Kommentar von ihm zu jeder Geschichte zu lesen. Denn hier wurde einem vieles klar: Wie sind die Geschichten entstanden? Was will er damit ausdrücken? Wie zufrieden ist er selbst mit den Geschichten? usw.
Sozusagen ein Making Of des Buches. Für mich war das eine unheimliche Bereicherung für das Buch, was wie ich finde, auch andere Autoren öfters übernehmen sollten.
Aber kommen wir mal allmählich zu den Geschichten an sich. Und warum vergebe ich letztendlich „nur“ 3 Sterne?
Ich denke das ist die „fairste“ Wertung die ich vergeben kann:
Wenn ich bedenke, das 5 Sterne absoluten Meisterwerken und Lieblingsbüchern vorbehalten sind und 1 Stern für den niedersten Schund der literarischen Welt reserviert ist, dann findet sich Krätschmers erstes „richtiges Werk“ (abseits von Gaming Lösungsheften 😉) gut in der Mitte ein.
Aber auch hinsichtlich der Geschichten an sich passt die Bewertung ganz gut. Immerhin gibt es Geschichten, die mir überhaupt nicht gefallen haben und die ich einfach nur mies fand. Sorry, dass ich es so deutlich ausdrücken muss, aber so etwas wie „Kein Wort“ war einfach absolut nicht mein Fall. Auch nach mehrmaligen Lesen und interpretationsversuchen wurde ich hiermit einfach nicht warm.
Aber auch so etwas wie „Ticken“, „Die Massage“, „Schwund“, „Besessen“, „Müllabfuhr“ oder „Transformation“ waren leider nur im Spektrum von „meh“ bis „ganz ok“ anzusiedeln.
„Der Turm ohne Türen“ hingegen war eine wunderbare Entscheidung als Startpunkt in dieses Buch zu wählen. Natürlich eine kleine King Referenz wie er selber im Kommentar zugibt aber eine Geschichte die mich sofort gecatcht hat.
Ähnlich wie später „Das Herrenhaus“. Anfangs dachte ich, dass es sich doch um eine simple Eigenadaption der ersten Stunden des ersten Resident Evil Spiels handelt (welche trotzdem ganz gut zu lesen war), nur um dann gegen Ende mit 2 hervorragenden Twists überrumpelt zu werden die absolut gesessen haben. Cool, cool, cool :D
„Augen am Himmel“ ist mein absolutes Guilty Pleasure in diesem Buch. Einfach wunderbar geschrieben und die unerwartete Auflösung lies mir einen herrlichen kalten Schauer über den Rücken laufen.
„Arche“ geht in eine ähnliche Richtung für mich. Wunderbare Auflösung zum Schluss, die der Geschichte eine wunderbare Note gibt.
Einen allgemeinen Kritikpunkt muss ich aber trotzdem eben einschieben. Irgendwie setzt sich Krätschmers Ablehnung gegen die „gesellschaftliche Elite“ wie ein roter Faden durch das Buch. Immer wieder wird direkt oder indirekt erwähnt wie die reichen und mächtigen die Welt in ihrer Hand haben und wissentlich zerstören (wollen). Nun, dass „die oberen Zehntausend“ keine Unschuldslämmchen sind, dem stimme ich ja durchaus zu, aber diesen Aspekt immer und immer wieder in den Geschichten durch die imaginäre Stadt zu jagen, war zuweilen doch etwas ermüdend. Das kann man machen, hier gönne ich auch jedem seine individuelle literarische Freiheit, nur eben mich als Leser dieses Buches lies es ab und an etwas mit den Augen rollen, als (mal wieder) auf dieses Thema herumgeritten wird.
Nun aber weiter im Text.
Kommen wir zu meinen Top 4
„Das Showtalent“: Nicht nur ein generell „guter“ Abschluss mit einer etwas längeren Geschichte für das gesamte Buch, für mich auch eines der Geschichten die mich emotional mehr mitgenommen hat, als ich Anfangs gedacht hätte. Zumal die letzten Absätze / Sätze haben dazu geführt, dass ich nicht so recht wusste wohin mit meinen Emotion. Puh, ich weiß nicht, dass war irgendwie ein ganz schöner Schlag in die Magengrube.
„Der Vergnügungspark“: Unweigerlich hatte ich bei dieser Geschichte die Episode aus der Serie „Die Dinos“ im Kopf in der Baum-Umschubser Earl sich freut, dass es endlich an der Zeit gekommen ist aufgrund ihres hohen Alters die Oma der Familie in den Abgrund und somit in ihren Tod zu schubsen. :D Auch wenn Simon dies in den Kommentaren nicht als Quelle nannte, verwandelte er dieses Story Konzept in eine etwas andere Version die in einem Vergnügungspark spielt. Und trotz dieses Vorwissens hat er mich mit dieser Geschichte irgendwie emotional gebrochen. Das hört sich jetzt seltsam an, vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass meine Großeltern an denen ich sehr hing, erst vor kurzem gestorben sind. Oder vielleicht auch an dem Hintergedanken, dass meine Eltern nun mal auch nicht mehr die aller jüngsten sind. Jedenfalls war ich nach dieser Geschichte richtig niedergeschlagen. Die Story hat (zumindest bei mir) gesessen.
„Handarbeit“: Wie gut war bitte diese Geschichte! Und wie bitter war dann (aus meinen Augen) dieses, sorry, dahingerotzte Ende. Ahhh Simon! Verdammt! Dabei hatte das ganze doch so viel Potenzial! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll? Diese Geschichte war ein richtiger „Page-Turner“ für mich. Ich konnte beim lesen es kaum erwarten auf die nächste Seite zu blättern um zu erfahren wie es weiter geht. Die Umgebung war toll beschrieben, die Charaktere hatten tiefe und man konnte sich wunderbar in Sie hinein versetzen, die Dialoge und Gedankenbeschreibungen waren gut geschrieben und auch die Hintergrundgeschichten hatten genügend Speck auf den Rippen um mit den Figuren mitfühlen zu können. Es gab sogar einige richtig gute Actionszenen, die mich regelrecht haben mitfiebern lassen. Tja und dann kam das Ende. Die letzten 2-3 Seiten gingen in eine Richtung wo ich einfach nicht weiß ob ihm nichts besseres eingefallen ist, er keine Lust mehr an dieser Geschichte hatte oder sonst was. Auch hier muss ich sagen „meine eigene subjektive Meinung“. Andere können dieses finale mögen, für mich war es nach dem starken Aufbau einfach enttäuschend. Trotzdem soll es den Gesamteindruck nicht schmälern, dass es Insgesamt eine der besten Geschichten des ganzen Buches für mich war.
„Pfandladen“ Gerade die ruhigste und unaufregendste Geschichte ist für mich die Beste. Tja, ist nun mal so! Aber ich fand es irgendwie, wie heißt es neuerdings so schön, „cosy“, den beiden Figuren Fred & Pete in dieser verrückten Cyberpunk Welt zuzuhören wie Sie eine Runde über ihre Kundschaft „schnacken“. Und genau das ist das Stichwort. Ich hatte die ganze Zeit ein Bild vor Augen von einem dystopischen Hamburg in dem 2 Uhrige Typen in ihrer Werkstatt/Geschäft stehen und mit hartem Hamburger Dialekt die hier niedergeschriebenen Dialoge führen. Das hatte einfach etwas. Zumal die Dialoge hier einfach so gut und greifbar waren. Dies gemischt mit dieser Cyberpunk-artigen Welt, dass war einfach ein Hochgenuss. So war es auch eine dieser Geschichten, die für mich (obwohl sie schon eine der längeren in diesem Buch ist) viel zu schnell vorüber ging.
Gerade für „Pfandladen“ und „Handarbeit“ würde ich mir tatsächlich vollumfängliche Roman – SpinOffs wünschen.
Fazit: Ich hoffe ich konnte meine Bewertung hiermit genügend unterfüttern, damit jeder versteht wie ich auf die 3 Sterne komme. „Böse Geschichten, für schlechte Menschen“ von Simon Krätschmer ist ein tolles Debüt auf dem Büchermarkt. Wie bei vielen (Kurz-)Geschichten Sammlungen sind welche dabei die man liebt und welche mit denen man nichts anfangen kann. Und auch hier hält sich das für mich die Waage. Trotzdem spüre ich, dass da noch so viel Potenzial für mehr ist. Sei es mit weiteren Kurzgeschichten oder tatsächlich mit richtigen Romanen.
Ich hoffe zutiefst, dass wir nochmal etwas von Simon Krätschmer in der literarischen Welt hören werden, denn ich habe definitiv Blut geleckt und es wäre wirklich schade, wenn dieser schöne Start auch zugleich das Ende bedeuten würde.
Das Cover ist düster und geheimnisvoll und passt einfach perfekt, ich finde den Titel in Rot sehr gut gewählt.
Insgesamt gibt es 23 Kurzgeschichten, düster und sie zeigen deutlich die tiefen Abgründe der menschlichen Seele. Obwohl alle recht unterschiedliche Längen hatten konnte sie mich alle fesseln. Sie sind unterschiedlich und wirklich perfekt geschrieben. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar und ich mag den Gedankenfluss. Ich hatte mehr als einmal ein Gänsehaut. Die Anmerkungen bzw. Kommentar von Simon Krätschmer zu jeder Geschichte fand ich überraschend und sie haben mir gut gefallen, so hatte ich nochmal einen neuen Blickwinkel auf jede Geschichte. Für mich ist das Buch ein absolutes Muss und ich empfehle es auf jeden Fall weiter.
Ein tolles erstes Werk von Simon MON Krätschmer! Meine Lieblingsgeschichte war "Pfandladen" und am meisten verstört hat mich "Das Showtalent". Ich hätte gerne mehr über den "Schwund" erfahren. "Handarbeit" war lebendig für mich. Die Geschichten in diesem Buch regen zum Nachdenken an, verstören und machen einfach Spaß, auch wenn manche Enden für mich zu viele Fragen offen gelassen haben. Die Kommentare zu den einzelnen Geschichten fand ich sehr schön und ich habe einige Male darüber geschmunzelt.
Ich freue mich jetzt schon auf ein eventuelles nächstes Werk :)
Während mir einige Geschichten ganz gut gefielen, waren andere eher belanglos oder wurden gar von mir übersprungen.
Trotzdem gefiel mir besonders das vom Autor angebotenen breite Spektrum. Absurd, abartig aber vor allem mit interessanten Denkanstößenen.
Der große Vergleich mit "King, Koontz, Barker, Kafka und Lovecraft" ist allerdings noch etwas weit hergeholt. Zwar ist das Buch ein gelungenes Debüt, allerdings noch mit Luft nach oben. Insgesamt aber lesenswert, gerade wenn man sich für die weitere Entwicklung des Autor interessiert.