Mary Shelley schrieb mit »Frankenstein« einen wegweisenden Roman der Schwarzen Romantik. Auch in dem nachfolgenden Werk »Mathilda«, das erst über hundert Jahre später posthum veröffentlicht wurde, verarbeitete sie Themen wie Obsession, Empfindsamkeit und die Erhabenheit er Natur.
Die junge Mathilda wächst nach dem Tod ihrer Mutter einsam und ohne Zuwendung auf. Erst als ihr Vater aus seinem selbst auferlegten Exil zurückkehrt, wagt sie, auf Glück zu hoffen. Doch nach wenigen gemeinsamen Wochen legt sich ein Schatten über die Beziehung der beiden, und Mathilda droht in einen noch tieferen Abgrund zu stürzen …
Mary Shelley (née Mary Wollstonecraft Godwin, often known as Mary Wollstonecraft Shelley) was an English novelist, short story writer, dramatist, essayist, biographer, travel writer, and editor of the works of her husband, Romantic poet and philosopher Percy Bysshe Shelley. She was the daughter of the political philosopher William Godwin and the writer, philosopher, and feminist Mary Wollstonecraft.
Mary Shelley was taken seriously as a writer in her own lifetime, though reviewers often missed the political edge to her novels. After her death, however, she was chiefly remembered only as the wife of Percy Bysshe Shelley and as the author of Frankenstein. It was not until 1989, when Emily Sunstein published her prizewinning biography Mary Shelley: Romance and Reality, that a full-length scholarly biography analyzing all of Shelley's letters, journals, and works within their historical context was published.
The well-meaning attempts of Mary Shelley's son and daughter-in-law to "Victorianise" her memory through the censoring of letters and biographical material contributed to a perception of Mary Shelley as a more conventional, less reformist figure than her works suggest. Her own timid omissions from Percy Shelley's works and her quiet avoidance of public controversy in the later years of her life added to this impression.
The eclipse of Mary Shelley's reputation as a novelist and biographer meant that, until the last thirty years, most of her works remained out of print, obstructing a larger view of her achievement. She was seen as a one-novel author, if that. In recent decades, however, the republication of almost all her writings has stimulated a new recognition of its value. Her voracious reading habits and intensive study, revealed in her journals and letters and reflected in her works, is now better appreciated. Shelley's recognition of herself as an author has also been recognized; after Percy's death, she wrote about her authorial ambitions: "I think that I can maintain myself, and there is something inspiriting in the idea". Scholars now consider Mary Shelley to be a major Romantic figure, significant for her literary achievement and her political voice as a woman and a liberal.
REZENSION – Während wohl jeder schon von „Frankenstein“ zumindest gehört hat, dem 1818 erstveröffentlichten und berühmtesten Schauerroman der Literaturgeschichte, kennen weit weniger den Namen seiner britischen Autorin Mary Shelley (1797 bis 1851). Sie stand zeitlebens im Schatten ihres früh verstorbenen, aber viel bekannteren Ehemanns, des Dichters Percy Bysshe Shelley (1792 bis 1822), weshalb ihre später veröffentlichten Werke heute kaum bekannt sind. Umso lobenswerter ist das Wagnis, das der Bielefelder Pendragon Verlag jetzt im Februar ausgerechnet mit Veröffentlichung der deutschsprachigen Erstausgabe ihres bereits 1819, also vor über 200 Jahren verfassten, damals aber nicht veröffentlichten zweiten Romans „Mathilda“ eingegangen ist. Ihr Manuskript hatte die 27-jährige Mary Shelley aus Italien, wo sie mit Ehemann Percy lebte, nach England an ihren Vater, den Sozialphilosophen und Autor William Godwin (1756 bis 1836), zur Veröffentlichung geschickt. Diesem schien der Text, der von einer inzestuösen Beziehung zwischen Vater und Tochter handelte, aber zu brisant, weshalb er aus Furcht vor einem Skandal von der Veröffentlichung absah. Seitdem galt das „Mathilda“-Manuskript als verschollen. Erst der amerikanischen Herausgeberin Elizabeth Nitchie gelang es, in dem auf verschiedene Archiven und Bibliotheken verteilten Nachlass der Shelleys aus Notizbüchern und einzelnen handgeschriebenen Seiten mit Korrekturen und Ergänzungen den vollständigen Kurzroman wieder zusammenzustellen und 1959 erstmals im englischen Original zu veröffentlichen. In der als Abschiedsbrief geschriebenen Novelle erzählt die 20-jährige Mathilda ihre kurze Lebens- und Leidensgeschichte: Nach dem Tod ihrer im Kindbett verstorbenen Mutter, flieht ihr von Trauer übermannter Vater aus dem Haus und lässt die Neugeborene bei der Tante zurück, wo Mathilda auf dem Land einsam und ohne liebevolle Zuwendung aufwächst. Als der Vater nach 16 Jahren aus seinem selbst gewählten Exil unerwartet zurückkehrt und seine Tochter zu sich nimmt, hofft sie auf die jahrelang vermisste väterliche Liebe und ein glückliches Leben an der Seite des Vaters. Doch seine Liebe zur 16-Jährigen, die in Schönheit und Anmut ihrer verstorbenen Mutter gleicht, entwickelt sich zu einem intensiven, zwischen Vater und Tochter ungehörigen Verhältnis, das den Vater bald verzweifeln und sich aus Angst und Scham darüber von seiner Tochter abwenden lässt. Diese erneute Ablehnung des geliebten Vaters verletzt Mathilda seelisch zutiefst und treibt sie fast bis in den Wahnsinn. Diese Geschichte einer zu intensiven Vater-Tochter-Beziehung mag die heutige Leserschaft vielleicht nicht gleichermaßen erschüttern wie jene um 1820, zumal in der Novelle nur von einer allzu obsessiven Liebesbeziehung die Rede ist, nicht aber von sexueller Intimität oder gar sexuellem Übergriff des Vaters. Doch die Weigerung von Mary Shelleys Vater, diesen Text zu veröffentlichen, mag auch darin begründet sein, dass es in den Protagonisten gewisse Parallelen zur eigenen Familie gibt, wie US-Herausgeberin Elizabeth Nitchie vermutet: So hat sich die Autorin wohl selbst in der Figur der in tiefe Depression fallenden Mathilda gesehen: Im September 1818 starb Shelleys Tochter Clara, im Juni 1819 ihr Sohn William. In Mathildas Vater wird sich Shelleys Vater William Goodwin erkannt haben, hatte er doch seine Frau Mary Wollstonecraft (1759 bis 1797) ebenfalls nach Marys Geburt im Kindbett verloren. Zuletzt trifft die trauernde Mathilda auf den jungen empfindsamen Poeten Woodville, der in gewisser Weise Marys Ehemann Percy Bysshe Shelley gleicht. „Mathilda“ ist eine melancholisch-poetische, tragisch-romantische und sehr intim erzählte, stilistisch ihrer Entstehungszeit entsprechende Novelle, in der es um Obsession, Depression, seelische Zerrüttung und verlorenen Lebenssinn und Lebenswillen geht. Die Geschichte ist ausgesprochen düster, allerdings im Gegensatz zu Shelleys Debüt „Frankenstein“ kein Schauerroman, sondern eine dramatische und psychologisch tiefgreifende Erzählung über die Abgründe der menschlichen Seele. Manchen heutigen Leser mag die übertriebene Melodramatik und das exzessive Selbstmitleid Mathildas vielleicht stören, zumal dadurch verursachte Längen die Handlungsdynamik lähmen. Auch ist das Ende dieser tragischen Geschichte keine Überraschung, da Mathildas Anlass, ihrem in gemeinsamer Trauer freundschaftlich verbundenen Dichter Woodville diesen Abschiedsbrief zu schreiben, ihr baldiger Tod ist. „Ich weiß nicht, ob irgendjemand diese Seiten lesen wird außer Ihnen, mein Freund, der sie nach meinem Tod empfangen wird. Ich richte sie nicht an Sie allein … Daher werde ich meine Geschichte so erzählen, als wäre sie an einen Fremden gerichtet.“ Mehr als 200 Jahre lang wurde dieser zweite Roman Mary Shelleys uns deutschen Lesern vorenthalten. Allein dies sollte doch Grund genug für literarische Neugier und Anlass sein, das Versäumte jetzt endlich nachzuholen.
Mathilda wächst ohne Vater auf. Er hat sie nach dem Tod ihrer Mutter verlassen und in die Obhut ihrer Tante gegeben, von der das Mädchen nie viel Zuneigung erfahren hat. Viele Jahr später kehrt er zu ihrer großen Freude zurück, nur um sie kurz darauf wieder zu verlassen.
Für den Vater war es die große Liebe, als er Mathildas Mutter kennenlernte. Er änderte sein ganzes Leben, nur um mit ihr mit ihr zusammen zu sein und ihr Tod stürzte ihn in tiefste Verzweiflung. Aber der Gedanke an seine Tochter hat ihn nie losgelassen und so wagt er nach langer Zeit einen Neuanfang. Mathilda ist überglücklich und tut alles, um dem Vater zu gefallen. Aber es ist schwer, seine Erwartungen zu erfüllen.
Wie kann man mit dem perfekten Bild der toten Mutter konkurrieren? Die Tochter kann es nicht und deshalb ist die Beziehung zum Vater zum Scheitern verurteilt. Als Mathilda sich selbst verliebt, folgt die dem gleichen Muster wie die Beziehung zu ihrem Vater. Sie kann kein Glück finden, aber sie gesteht es sich auch nicht zu, weil sie sich schuldig am Unglück ihres Vaters fühlt.
Das Leben, das Mathilda bis zur Wiedervereinigung mit ihrem Vater geführt hat, hat sie nicht auf das kurze Zusammensein mit ihm vorbereitet. Wäre ihr Leben anders verlaufen, wenn ihr die Tante die Zuneigung und Aufmerksamkeit entgegengebracht hätte, die sie verdient? Vielleicht. Vielleicht wäre sie trotzdem an der unerfüllten Liebe zu ihm zerbrochen.