Das Leben von Jolanda Spiess-Hegglin, damals frisch gewählte grüne Kantonsrätin, verändert sich im Dezember 2014 auf einen Am Morgen nach der Zuger Landammannfeier erwacht sie mit einem unerklärbaren Filmriss und Unterleibsschmerzen. Nach einer Abklärung im Spital werden Strafuntersuchungen eingeleitet, in ihrem Intimbereich wird die DNA zweier Männer gefunden. Zwei Tage später veröffentlicht die Tageszeitung Blick unter der Schlagzeile «Hat er sie geschändet?» Namen und Bilder Spiess-Hegglins und eines SVP-Politikers. Es folgten eine mediale Hetzjagd mit Hunderten von persönlichkeitsverletzenden und diffamierenden Artikeln in verschiedenen Medien und eine anhaltende Welle von Hass im Netz. Medienkonzerne haben mit ihrer persönlichkeitsverletzenden Berichterstattung viel Geld verdient. Spiess-Hegglin wehrt sich gegen dieses Geschäftsmodell, zieht fehlerhafte Medienschaffende vor Gericht – und gewinnt. Bisher haben stets andere ihre Geschichte erzählt. In diesem Buch erzählt Jolanda Spiess-Hegglin sie erstmals selbst.
Von dem, was der schweizer Lokalpolitikerin Jolanda Spiess-Hegglin passiert ist, habe ich zum ersten Mal durch das großartige Buch Jede_Frau von Agota Lavoyer erfahren.
Ich finde es toll, dass sie ihre Geschichte nun selbst aus ihrer Sicht erzählen darf.
Zusammenfassung: 2014 erwacht Spiess-Hegglin nach einer Feier mit einem achtstündigen Filmriss und vermutet KO-Tropfen. Sie hat starke Unterleibschmerzen und fährt damit ins Krankenhaus. Es wird Sperma von zwei Männern gefunden, einer bis heute unbekannt, der andere ein schweizer Politiker (der sich wohl ebenfalls an nichts erinnert).
Die Klinik erstattet Anzeige, weil eine Sexualstraftat vermutet wird. Daraufhin beginnt eine mediale Hetzjagd sondergleichen, bei der ihre Würde und ihre Persönlichkeitsrechte massiv verletzt werden. Ihr wird unter anderem unterstellt, einen Ehebruch vertuschen und das Leben des Politikers zerstören zu wollen.
Sie klagt, bekommt immer wieder Recht und geht nun einen Schritt, den noch niemand gewagt hat: sie will den Gewinn, der mit den vier schlimmsten Schmähartikeln über sie erwirtschaftet wurde - und damit erreichen, dass sich eine solche Hetze für die Medien zukünftig nicht mehr lohnt. Dazu werden erstmals im deutschsprachigen Raum die Klickzahlen offengelegt.
Ein so persönliches, reales Buch kann man nur mit fünf Sternen bewerten - oder eben gar nicht.
Der Schreibstil ist sehr nahbar, klar, aber an manchen Stellen verständlicherweise auch emotional.
Ich ziehe den Hut vor Spiess-Hegglin, denn ich hätte das alles nicht gepackt. Schon allein vom Lesen bekam ich Beklemmungen. Sie erlebte den Hass auf Frauen, der sich durch die gesamte Gesellschaft zieht, in extremer Form und das verstärkt dadurch, dass sie die gewaltvolle Hetze gegen sich nicht hinnehmen wollte. Ich bin beeindruckt und wünsche ihr nur das Beste!
Nach einer politischen Feier hat eine junge Neo-Politikerin einen Filmriss und sucht mit Unterleibsbeschwerden die Ambulanz des örtlichen Krankenhauses auf. Obwohl sie gleich vermutet, Drogen erhalten zu haben, werden keine Blut- oder Urinproben genommen. Bei der gynäkologischen Untersuchung findet sich eine (wahrscheinliche) Bisswunde am Oberschenkel sowie ergeben später DNA-Proben, dass zwei Männer mit ihr in Berührung gekommen sind. Eine DNA-Probe kann zugeordnet werden, einem verheirateten Politiker von der Gegenpartei, die andere bleibt unbekannt. Es werden zahlreiche Fehler in Untersuchung und Aufklärung des Falles gemacht, sodass bis heute nicht geklärt werden konnte, was in dieser Nacht wirklich vorgefallen ist. Die junge Politikerin wird von den Medien gejagt und vorverurteilt, muss sich beschimpfen und demütigen lassen. Die Journalisten und (leider auch) Journalistinnen sind nicht zimperlich in der Wortwahl, werden übergriffig und stellen Behauptungen auf, die später eindeutig widerlegt werden können. Einzig ihre Familie gibt Frau Spieß-Heggli Halt, die zu ihr steht.
Das Buch befasst sich hauptsächlich mit dem Geschehen nach den Vorfällen auf der politischen Feier. Ich habe die Geschichte von damals nur vage in Erinnerung. Obwohl ich im Grenzgebiet wohne, war das wohl bei uns nicht das große Thema wie in der Schweiz. Der Inhalt hat mich erschüttert, unglaublich was die Autorin hat mitmachen müssen und welche Stärke sie dabei entwickelt hat, da kann ich nur sagen: Respekt und Hut ab. Die Medienhetze nach der Landammannfeier kann man nur als widerlich bezeichnen. Vor zehn Jahren durfte sich die Presse leider ungestraft einiges erlauben, #metoo war noch nicht geboren. Victim Blaming und Rape Culture waren auf dem Höhepunkt. Offenbar war für alle klar, dass Frau Spieß ihre Vergewaltigung unter Drogen nur vorgetäuscht hätte um dem Politiker der Gegenpartei ans Bein zu pinkeln. Die peinlich indiskreten Schlagzeilen, Beschimpfungen, Morddrohungen sogar an ihre Kinder, Stalking und vieles mehr – das alles ist unwürdig und demütigend. Dieser Teil nimmt den Elefantenanteil des Buches ein und war für mich hart zu lesen. Mittlerweile hat die Autorin eine Institution #netzCourage ins Leben gerufen und auch einen Prozess gegen einen führenden Schweizer Medienverband gewonnen. Eine überragende Leistung. Die Autorin ist bewundernswertes Durchhaltevermögen und Courage gezeigt, und durch ein erstmalig da gewesenes Urteil Wiedergutmachung von seiten der Presse erreicht. Was mir leider fehlte, war die Vorgeschichte. Die Autorin ist zwar gegen das skandalös aufdringliche Verhalten der Presse vorgegangen, hat jedoch die zahlreichen Ermittlungsfehler – so scheint es – emotionslos akzeptiert. Das Buch beginnt gleich mit dem hinterher, der (haarsträubend nachlässigen) Untersuchung im Krankenhaus. Aber was war davor? Wie lief die Feier ab? Was war das Letzte, woran die Autorin sich erinnert? Hat sie sich mit dem Politiker der Gegenpartei unterhalten? Gab es einen offiziellen Teil, waren die Teilnehmer sich freundlich gesonnen oder gab es Diskussionen? Wer hatte Gelegenheit ihr etwas ins Glas zu geben? Später machen die Zeugen offenbar widersprüchliche Aussagen, warum wurde nicht mehr nachgehakt? Falschaussagen sind strafbar. Die exorbitanten Fehler, die bei der Ermittlung gemacht wurden, erzeug Wut beim Lesen. Ich hätte alles daran gesetzt, um Licht ins Dunkel dieses Abends zu bringen. Möglicherweise hat die Autorin das getan, es kommt aber im Buch nicht heraus. Dass ein Verbrechen vorliegt, das ist für mich klar. Andernfalls hätte Frau Spiess-Heggli das Krankenhaus am nächsten Tag gar nicht aufgesucht. Eine fragwürdige Rolle spielt für mich der Mann, dessen DNA identifiziert wurde, der zuerst auch einen »Filmriss« erwähnte und plötzlich nur mehr von »fremdküssen« redete. Er wurde freigesprochen, weil er umschwenkte und von »einvernehmlich« sprach. Die Autorin vermutet, dass ihm das von seinen Anwälten geraten wurde, sie gibt ihm keine Schuld. Hallo? Da wäre dann noch der dritte Mann – weshalb wurde die zweite DNA nicht mit den Anwesenden der Feier abgeglichen? Und die Zeugen härter befragt, denn teilweise haben sie nachweislich gelogen. Das Buch lässt also viele Fragen offen. Es ist gut, dass die Autorin sich einiges von der Seele hat schreiben können, und zumindest Erfolg hatte, dass die Medien (zum Teil) Wiedergutmachung leisten mussten. Dass man jedoch den Fall selbst zu den Akten gelegt hat und er ungeklärt bleiben wird, ist unbefriedigend. Der Schreibstil der Autorin liest sich flüssig und angenehm, der Aufbau des Buches ist teilweise verwirrend und einiges wiederholt sich, 3,5 Sterne, da ich keine halben Sterne geben kann, runde ich auf.
Wenn nicht die Tat sondern das Danach das Grauen ist -Rezensionsexemplar- . Genre: Autobiografisch & persönlich mit Fakten und sehr sachlich, eine Aufarbeitung aus Sicht des "Opfers" einer medialen Hetzjagd & den Verlierern auf der Suche nach der nächsten Schhlagzeile. . Setting: Jolanda ist grüne Kantonsrätin & nach einer örtlichen Feier erwacht sie mit Filmriss & Unterleibsschmerzen. Im Krankenhaus wird männliche DNA gefunden & die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch plötzlich ist das Thema in der Presse. Jahrelang wird eine neue Schlagzeile nach der anderen ihr Leben bestimmen, reißerisch, verleumderisch & auf der Suche nach den höchsten Klickzahlen. Sie nimmt nüchtern mit, bei ihrem Kampf gegen die großen Newshäuser. . Schnapp dir einen Kaffee & komm mit auf den Weg zu einer hfftl faireren Berichterstattung.