“Wir sind eine Dunkelziffer” von Toki Nirik erzählt aus der Perspektive einer Überlebenden organisierter, sexualisierter und systematisch ausgeübter sadistischer Gewalt. Es beleuchtet die tiefgreifenden Themen der Dissoziativen Identitätsstörung, der Posttraumatischen Belastungsstörung, Amnesien, nicht-hilfreicher und heilungsunterstützender Psychotherapie. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung, wie traumabasierte Mind Control dazu eingesetzt wurde, Toki Nirik durch Indoktrination und Konditionierung für die kommerzielle Ausbeutung von Kinderkörpern gefügig zu machen. Im Zuge dieser traumabasierten Manipulation wurde gezielt darauf hingearbeitet, eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS) zu erzeugen, um die Kontrolle über all ihre Persönlichkeitsanteile weiter zu festigen und ihren Widerstand zu brechen. Die alltäglich ausgeübte Gewalt wurde durch die TäterInnen-Struktur dabei zumeist durch spirituelle und ideologische Glaubenskonstrukte gerechtfertigt und verstärkt, wodurch ein Zusammenhang zu ritueller Gewalt entsteht.
Dieses Buch ist eine schonungslose Autobiografie, die den gesellschaftlichen Stigmata und Mythen, die rund um schwere Traumafolgestörungen und deren Ursachen bestehen, etwas entgegensetzen will. Es zielt nicht darauf ab, Mitleid zu erregen, sondern Veränderung anzustoßen.
In den vergangenen Jahren haben lobbyistische und wissenschaftsfeindliche Gruppierungen – wie etwa der Verein False Memory Deutschland e.V. – vermehrt versucht, durch Medienkampagnen und gezielte Desinformation ein verzerrtes Bild der in diesem Buch geschilderten Erfahrungen zu verbreiten. Ziel solcher Kampagnen ist es, Betroffene schwerster Gewalt sowie deren Unterstü unglaubwürdig zu machen und sie als Verschwö zu diskreditieren.
“Wir sind eine Dunkelziffer” distanziert sich ausdrücklich von Begriffen und Konzepten, die oft mit ritueller Gewalt assoziiert werden, wie „Eliten“, „Neue Weltordnung“, „QAnon“ oder „weltbeherrschende Satanisten“. Stattdessen ruft Toki Nirik zu einem differenzierten und kritischen Denken auf.
Um dem Vorwurf zu begegnen, die geschilderten Erlebnisse sowie die intrapersonellen Folgen seien weder beweisbar noch wissenschaftlich erklärbar, werden die autobiografischen Schilderungen sorgfältig mit empirischen und validen Forschungsergebnissen untermauert. Damit widerlegt das Buch jegliche Fehldarstellungen über die Dissoziative Identitätsstörung und bietet fundierte Einblicke in diese oft missverstandene Diagnose.
Toki Nirik betont, wie essenziell es ist, Überlebenden mit ihren zerstörerischen und schmerzhaften Biografien Gehör zu schenken und sie ernst zu nehmen. Zuhören ist nicht nur eine Geste des Respekts – es ist eine Form der Prävention. Denn nur durch gesellschaftliche und politische Verantwortung sowie durch eine verbesserte gesundheitliche Versorgung können Betroffene von sexualisierter, organisierter, ritualisierter und anderer Gewalt wirksam unterstützt werden.
Dieses Buch ist ein kraftvoller Appell an eine Gesellschaft, die hinsehen, zuhören und handeln muss – für die Überlebenden und für eine Zukunft, in der solche Taten verhindert werden können.
Da hier noch keine Reviews existieren, werde ich einfach ab und an was schreiben & die Bewertung bearbeiten & ergänzen.
-Stand: Seite 96-
Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Ich brauche immer wieder Pausen & lege es bei Seite.
Ich verfolge Nirik schon länger auf YouTube & auch das Thema ORG ist mir nicht neu. Eigentlich weiß ich sogar relativ viel darüber. Aber das alles nochmal detaillierter zu lesen, die persönlichen Gedanken & Gefühle, ist teilweise wirklich schmerzhaft. Und dabei bin ich mir sicher, dass das alles (nicht nur metaphorisch) nur der Anfang ist.
Die Content Warnung sind super! Allgemein, gefällt mir der Schreibstil sehr gut, nichts beschönigend. Ehrlich.
Außerdem fand ich vor allem die Einleitung super interessant, alles wissenschaftlich fundierte Informationen inklusive Quellen Angaben.
Große Empfehlung bis jetzt!
- Stand Seite 376 -
Es ist wirklich ein auf und ab der Gefühle für mich. So viel Kampfgeist, so viel Mut & Hoffnung wird vermittelt. Aber auch so viel Schrecken und Schmerz. Und dabei bin ich immer noch nicht beim zweiten Teil „abfuck“ angekommen.
So oft möchte ich die Autor*in(nen) in den Arm nehmen, mit ihnen schreien, weinen & aber auch lachen über den Galgenhumor.
Dieses Buch ist so unfassbar wichtig für die Aufklärung über dieses so stigmatisierte Thema.
- Stand Seite 546 -
Ich hab mich ehrlich gesagt ein bisschen davor gedrückt die Review zu updaten. Denn mir fehlen die Worte. Ich bin so beeindruckt von der radikalen Ehrlichkeit, schockiert von dem Grauen des Erlebten & dankbar für die ganzen Informationen die Nirik uns zur Verfügung stellen, obwohl sie sich damit selbst in Gefahr begeben.
Daher diesmal nur ein großes Danke für diese schonungslose & ehrliche Aufklärung.
5/5 Sterne – Eine intellektuelle und emotionale Zumutung, die notwendig ist.
Toki Nirik zündet mit „Wir sind eine Dunkelziffer“ ein intellektuelles Störfeuer, das lange nachbrennt. Man liest nicht – man taumelt, man ringt, man setzt an, um durchzuatmen, nur um erneut ergriffen, provoziert, erschüttert zu werden. Bereits nach der Hälfte bin ich mir sicher: Dieses Buch ist nicht nur mutig, es ist radikal in der besten Bedeutung des Wortes.
Nirik, die sich pluralistisch identifizieren, verweben autobiografische Fragmente mit soziologischer Schärfe und psychologischer Präzision. Ihr Thema? Die düstere, unappetitliche Realität organisierter, sexualisierter Gewalt. Ein Terrain, das gesellschaftlich lieber übergangen, verzerrt oder gleich ganz ins Abseits pathologisiert wird. Doch Nirik erzählt nicht nur von individueller Betroffenheit – sie sezieren Strukturen, demontieren Mythen, unterfüttern die eigene Erfahrung mit fundierter Wissenschaftlichkeit. Diese Synthese aus intellektuellem Durchdringen und gelebter Evidenz macht das Werk so einzigartig.
Und dann ist da der Stil: analytisch, wütend, ironisch, präzise. Kein larmoyantes Klagen, keine Opferinszenierung, keine anbiedernde Didaktik. Stattdessen ein Text, der seine Leser*innen ernst nimmt, sich von Sensationslust ekelt und nichts weniger als eine epistemologische Zäsur fordert. Wer hier eine distanzierte Lektüre erwartet, irrt. Man wird hineingezogen, findet sich an den Rändern des Erträglichen, nur um im nächsten Moment von kluger Lakonie, bissigem Humor oder kristallklarer Analyse abgeholt zu werden.
Besonders hervorzuheben ist Niriks Auseinandersetzung mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS). Das Phänomen, allzu oft zwischen Horrorfilm-Folklore und klinischer Stigmatisierung zerrieben, wird hier entmystifiziert, entzaubert und zugleich in all seiner Komplexität gewürdigt. Die Autor*innen leisten Aufklärung, die nicht nur informativ, sondern auch konfrontativ ist – und genau das muss sie sein.
Es gibt Bücher, die gelesen werden, und es gibt Bücher, die einen lesen. „Wir sind eine Dunkelziffer“ gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Es ist ein Aufruf, ein Weckruf, eine Ohrfeige für eine Gesellschaft, die sich beharrlich weigert, hinzusehen. Nirik schreibt nicht, um zu gefallen – sie schreiben, um zu verändern. Und wer sich dem entziehen will, sollte sich fragen, warum.
Dieses Buch verdient nicht nur eine Leseempfehlung, es verlangt nach ihr. Wer sich für Traumaforschung, gesellschaftliche Verdrängungsmechanismen oder schlicht für die Wahrheit interessiert, wird hier keine Schonung finden – aber eine essenzielle Zumutung. Und genau die brauchen wir.