Eine Flucht, eine ungleiche Freundschaft, ein Verrat – ein souveräner erster Roman über große globale Fragen, dessen Leichtigkeit umso deutlicher werden lässt, dass einfachen Antworten nicht zu trauen ist.
Tom und Farid spielen Tischtennis, fahren Skateboard, baden in der Sie sind Freunde. Am Anfang ihrer Freundschaft stand eine Patenschaft, die der Physikdoktorand Tom für den sechzehnjährigen aus Quetta geflüchteten Farid übernommen hatte. Zusammen mit Laura, Toms Freundin, bilden sie ein ungewöhnliches Dreiergespann – bis Farid einen riskanten Entschluss fasst. Inmitten der sich überschlagenden Ereignisse drängen sich Tom Fragen nach Lauras angeblicher Loyalität, seinen eigenen Intentionen und Zielen und nicht zuletzt nach Farids Erlebnissen auf der Flucht, über die er beharrlich schweigt.
Christian Mitzenmacher nähert sich in seinem Debüt nicht nur großen gesellschaftlichen Themen wie Flucht und dem Umgang mit Geflüchteten, sondern er stellt sich auch der Problematik, wie und aus welcher Perspektive davon erzählt werden kann. Er findet keine einfachen Antworten, dafür aber viele kluge Fragen, überraschende Wendungen, einprägsame Figuren, originelle Dialoge und angesichts gewichtiger Themen eine erstaunlich schwerelose, oftmals sogar hochamüsante Prosa.
»Ein Roman über Freundschaft, Vertrauen und die ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Motiven. Diese Geschichte hat mich nach dem Lesen noch eine ganze Weile begleitet.« Laura Beck, Bayerischer Rundfunk
»In seinem so reflektierten wie warmherzigen Debütroman erzählt Christian Mitzenmacher die Geschichte einer immer tieferen Freundschaft. Bei allen aufscheinenden Problemen rund um das Thema Flucht kommt dabei auch einige jugendliche Leichtigkeit durch. Und so ist dieser Roman in all seinen Schattierungen ein wichtiges literarisches Zeugnis der ›Wir schaffen das‹-Aufbruchsära, die heute so nah und fern zugleich erscheint.« SZ, Antje Weber
»Ein erfrischendes Debüt mit präzisen, scharfsinnigen Dialogen, das gekonnt die Komplexität menschlicher Beziehungen ausleuchtet.« Demian Lienhard
Christian Mitzenmacher wurde 1986 geboren und wuchs in Bad Buchau, Oberschwaben, auf. Er ist Mathematiker, forschte an der TU München und dem MIT in Cambridge und promovierte in Operations Research. Er war Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens (2014), Finalist beim 24. open mike (2016) und Stipendiat der Autor·innenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin (2019). Er lebt mit Frau und Tochter in Berlin.
Christian Mitzenmacher hat mit dem Roman, Knallkrebse, ein interessantes Thema angesprochen. Es geht um eine Patenschaft für einen jungen Flüchtling. Daraus entwickelt sich eine Freundschaft. Aber der Pate Tom nimmt seine Aufgabe genau. Der junge Farid ist traumatisiert. Es gibt eine Klicke mit denen Tom und Farid zusammenhängen. Da werden interessante Dialoge geschwungen. Manchmal ernst, aber auch mit einer gewissen Komik. Es ist eine gute Geschichte, die man nicht gleich vergisst.# Lesenswert.
Wisst ihr, was ein umF ist? Ein unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling, so einer wie Farid, um den sich alles hier im Buch dreht. Es gibt nicht wenige, die auf unterschiedlichen wegen ihr Asyl auch in unserem Land erhalten haben und sie brauchen ganz besondere Begleitung, denn psychisch sind gerade diese jungen (meist) Männer, sehr labil.
Tom hat die Patenschaft für Farid übernommen. Er ist ungefähr 16, und somit zehn Jahre jünger als Tom, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Der kümmert sich um ihn, spielt mit ihm Tischtennis, bringt ihm das Skaten bei und hat ihn schnell ins Herz geschlossen. Meist ist auch seine Freundin Laura dabei. Natürlich interessieren Sie sich für Farids Geschichte. Doch er gibt nur häppchenweise etwas von sich Preis. Als er sich von jetzt auf gleich entschließt, nach Pari zu suchen, die auf der Flucht eine Weile mit ihm gereist ist, greift Tom zu drastischen Mitteln, das zu verhindern. Das ruft bei Farid Reaktionen hervor, mit denen Tom nicht gerechnet hat. Als später ein Vertrauensbruch bekannt wird, sortieren sich Gefühle und Beziehungen neu.
Mitzenmacher hat sich eines Themas angenommen, das polarisiert und berührt. Ein junger Mensch, ein Kind noch, verlässt seine Familie und muss alles erlebte, alleine verarbeiten. Oft bekommen minderjährige Menschen mit Fluchterfahrung wenig psychische Unterstützung. Hilfsangebote gibt es hingegen schon, solange sie noch finanziert werden! Es gibt Kurse, in denen sie lernen sich in Deutschland, zurechtzufinden, Patenschaften wie hier in dem Buch oder Fußballmannschaften, in denen sie sich untereinander kennen lernen und irgendwie alle die gleiche Sprache sprechen. Der Autor hat also ein sehr authentisches Bild von der Lebensrealität minderjähriger Geflüchteter gezeichnet. Ich finde es gelungen, wie er die Labilität von Farid deutlich gemacht hat. Tom merkt sehr schnell, dass er zwar eine vermeintlich tiefe Beziehung zu dem Jungen aufbaut, aber doch viel zu wenig von ihm weiß. Wie soll man jemanden, der so Schlimmes erlebt hat auch behandeln? Bleibt man am Ball, wenn er ausweicht? Oder ist es besser, ihn in Ruhe zu lassen? Wir sind alle viel zu verunsichert und ich glaube, es gibt dort auch keine richtige Entscheidung.
Mitzenmacher hat das Schicksal Farids eng mit der Orientierungslosigkeit Toms verknüpft. Obwohl er viel älter ist, fällt es ihm schwer, seinen Platz im Leben zu finden. Seine Freundin Laura hilft ihm dabei nur bedingt. Dem Sog, den diese Geschichte entwickelt, konnte (und wollte) ich mich nicht entziehen . Die Dialoge sind einfach aber doch interessant geschrieben. Sie transportieren Informationen die wichtig sind. Grundsätzlich ist die Geschichte chronologisch geschrieben aber es gibt immer mal wieder kursiv geschriebene Einschübe, die einen Ausblick geben. Es gibt einige Figuren, die nicht besonders stark herausgearbeitet sind und trotzdem der Geschichte einen gewissen Scham verleihen. Der packende Schreibstil hielt mich jederzeit bei der Stange und so konnte ich mich gut gedulden, bis die Informationen kamen auf dich gewartet hat. Besonders die Abschnitte, in denen Fatids Geschichte erzählt wird, sind sehr kreativ gelöst. Zudem ist es auch noch spannend und gerade zum Ende hin ein Pageturner.
Ein absolut gutes Buch, das ich unbedingt weiter empfehle, wenn ihr eine Mischung aus Coming of Age und aktuellem Zeitgeschehen schätzt. Eine gute Ergänzung ist übrigens die Graphic Novel „Games“.
Leider versprechen die Reviews viel mehr als das Buch überhaupt kann.
Es bleibt bis zum Schluss sehr oberflächlich. Die Themen wie Rassismus oder Gründe für Unterstützung on der Flüchtlingshilfe werden angerissen aber nicht ausgeführt. Keine wirkliche gründliche Geschichte um die Flüchtlingswelle und Willkommenskultur 2015.
Und leider versucht der Autor immer wieder durch dubioses foreshadowing am Ende von Kapiteln künstlich Spannung zu erzeugen, die bis zum Schluss nicht eintritt:
… Heimweg dachte ich, und stünden noch viele glückliche Tischtennispartien bevor. Ich ahnte nicht, wie falsch ich lag.
Buch schließt mit einem absolut kitschigen und unrealistischen Ende im Epilog, der weder zu den Andeutungen im Buch passt, noch den Themen Flucht und Gewalt gerecht wird. Die Komplexität, die dem Buch unterstellt wird, ist nicht in den Dialogen oder Beziehungen zu finden, die alle sehr plakativ und einfach sind, sondern eher in der zum Teil recht wahllosen Aneinanderreihung von Kapiteln.
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Die Geschichte ist sehr atmosphärisch geschrieben und man kommt sehr schnell rein. Die Personen reißen einen zu Beginn komplett mit. Leider kann das Buch die Spannung nicht bis zum Ende halten und viele Handlungen ab Teil 4 werden für mich unerklärlich. Auch das Ende kam mit leider zu abrupt und lässt mir so zu viele Fragen offen.
manchmal dachte ich beim lesen "das ist so 2016" aber im Nachhinein muss ich sagen, dass genau das wohl eine Auszeichnung für die Geschichte ist. Wahnsinnig spannendes Ende!