Noah ist ein Künstler Anfang dreißig. Das Gehalt seiner Freundin Camilla reicht knapp für sie beide. Camilla jedoch hat sich mehr vom Leben erhofft, weshalb sie sich von Noah trennt. Es ist eine Kopfentscheidung, doch wann, wenn nicht jetzt, soll sie ihre Zukunft in die Hand nehmen? Um seine verlorene Liebe zurückzugewinnen, ist Noah zu allem bereit. Als eine ältere Dame ihm die Chance bietet, zu einem Vermögen zu kommen, lässt er sich auf den zweifelhaften Deal mit ihr ein.
Martin Suter is a Swiss author. He became known for his weekly column Business Class in the Weltwoche newspaper (1992–2004), now appearing in the Tages-Anzeiger, and another column appearing in "NZZ Folio". Suter has published seven novels, for which he received various awards. He is married and lives in Spain and Guatemala.
An Plotideen mangelt es Martin Suter bestimmt nicht, und sie besitzen stets die unerwarteten Wendungen, die verhindern, dass seine Erzählungen im Nichts verebben. Schon bei Melody stand Umsetzung und Erzählidee in einem absurdem Missverhältnis. In Wut und Liebe setzt er auf seine Weise noch einen drauf, indem er Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame würzig weiterdreht und doch leider literarisch-sprachlich-kompositorisch völlig versiebt:
Camilla zögerte nur kurz. »Ich will ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Kein Luxusleben – wobei, da hätte ich auch nichts dagegen –, aber ein Leben, in dem ich nicht immer überlege, worauf ich verzichten muss, um mir das oder das zu leisten. Ein Leben, das ich mir nicht verdienen muss mit einer Arbeit, die ich hasse –«
Im Klartext, Noah und Camilla, ein Paar irgendwo Mitte/Anfang dreißig besitzen zu wenig Geld, um das Leben wirklich zu genießen. Statt jedoch etwas zum Haushaltsgeld beizutragen, verdaddelt Noah seine Zeit auch noch mit dem Malen von Bildern, die niemand kaufen möchte, was Camilla auf Dauer frustriert, zumal es offenbar nicht einmal Noahs Berufung scheint, Künstler sein zu müssen. Sie saufen und haben Sex, und Camilla findet es unfair, nicht nur saufen und Sex haben zu können, sondern im Gegensatz zu Noah noch arbeiten gehen zu müssen, also beschließt sie eine Trophy Wife zu werden. Noah ist entsetzt und muss nun die Mittel heranschaffen, sich eine Trophy Wife leisten zu können. Er nennt das Liebe:
Noah fuhr weiter: »Sie sagt, sie wolle nicht auf die Dauer einen Beruf ausüben, den sie hasst, nur damit jemand anderer einen ausüben kann, in dem er aufgeht. Auch wenn sie den noch so liebe. Und dazu weinte sie, als würde sie von mir verlassen.« »Eine besondere Frau«, sagte Bernard. »Ja. Deswegen will ich sie auch nicht verlieren.«
Das, was sich wie eine Realsatire anhört, ist es auch. In plumper Sprache wird nun die Story im Dreischritt runtergekeilt und dann, weil es doch, möglicherweise, ein wenig zu dürre schien, mit Nebensträngen aufgeplustert, die gar nichts zur Story beitragen: Unternehmungsgründung von Camilla, Noahs halbseidenes Leben im Kunstbetrieb, irrelevante Familienhintergründe, um nur einige zu nennen. Die Story lautet nämlich: eine alte Frau will Rache und stellt hierfür das Leben in Saus und Braus in Aussicht. Gut, dass wie bei Dürrenmatt dann auch alle fleißig mitmachen und selbst vor Mord nicht zurückschrecken - warum auch nicht? Wer würde nicht jemandem umbringen, um seiner Geliebten einen Mojito ausgeben zu können?
»Und das Gute ist: Du bist absolut frei in Stil, Motiv und Technik. Am Schluss fällt einfach sanft der Herbstnebel darüber. Das musst du nicht einmal mehr signieren. Der Nebel ist deine Signatur.«
Die Benebelung fasst Wut und Liebe gut zusammen. Immerhin endet das Ding inhaltlich rund und befriedigend und dreht Dürrenmatts Moralzynismus einen Schritt weiter. Leider hätte es dazu 80% des Buches gar nicht bedurft, und das hinterlässt nach der Lektüre von Wut und Liebe einen faulen Geschmack im Mund zurück: Gutes Rezept, aber schlechter Koch?
--------------------------------- --------------------------------- Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich): --------------------------------- ---------------------------------
Inhalt: ●Hauptfigur(en): Noah Bach, 33 Jahre alt, Graphiker, nun aber unerfolgreicher Künstler, der sein Leben nicht selbst zu finanzieren vermag. Camilla da Silva, etwa gleiches Alter, Buchhalterin.
●Charaktere: (rund/flach) sehr flach
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: Camilla (C) verlässt Noah (N), weil sie ein bequemeres, luxuriöseres Leben führen möchte, das ihr N nicht finanzieren kann. Sie fängt eine Affäre mit Carl an, und N sucht nun Möglichkeiten, reich zu werden. Zufällig trifft er in einer Bar, Die blaue Tulpe, Betty Hasler, die schwer herzkrank ist und sich an dem Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes rächen möchte. Sie verspricht eine Belohnung von einer Millionen für denjenigen, der Peter W. Zaugg ermordet, da dieser Schuld an dem frühen Tod ihres Mannes Patrick trage. Zuerst aber versucht N über die angesetzte Vernissage an Geld zu kommen, was aber misslingt, und beginnt aus Verzweiflung über die Trennung viele Gemälde von Camilla zu malen (Ende erster Teil). Er nimmt nun doch Bettys Angebot an, aber der Versuch, PZ mit einem Scharfschussgewehr zu töten, scheitert in letzter Sekunde an einer Hundebesitzerin, deren Hund Susi Ns Versteck auffliegen lässt. Cs Affäre mit Carl scheitert nun, da dieser sich nicht von seiner Frau trennen will, und die Bilder von Camilla, die N gemalt hat, geben nun Anlass zur Hoffnung, dass er zu der erfolgreichen Agentur Gebert&Lüthi wechseln könnte. C und N kommen wieder zusammen. C spricht sich gegen eine direkte Ermordung von PZ aus und wählt einen indirekten Weg (Ende zweiter Teil). Sie beginnt in der Unternehmungsberatung Zaugg und Partner und deckt dort Geldwäscherei über eine Tochterfirma Consiagona auf. PZ gerät ins öffentliche Kreuzfeuer, trinkt Whiskey und erfriert im Wald. C und N erhalten die Millionen über eine Schenkung in freier Übergabe. Betty, überglücklich ihre Rache erhalten zu haben, feiert den Tod von PZ, was dessen ehemalige Sekretärin und beste Freundin von Betty Rosalie provoziert. Als sie nicht aufhört, PZ lächerlich und für den Tod ihres Mannes schuldig zu machen, lüftet Rosalie ein langgehegtes Geheimnis: Patrick habe sich nicht für PZ tot gearbeitet, sondern hat ein Doppelleben geführt, das ihn energetisch überfordert habe. Er hatte eine Zweitfamilie, einen Sohn Otto und Gerda, für die er auch die Geldwäscherei betrieben habe. Die herzkranke Betty stirbt daraufhin an dem Schock, als sie von Patricks Sohn Otto berichtet. Bei der Testamentsvollstreckung kommt heraus, dass die Schenkung an N und C ungültig, da in freier Übertragung ist. N und C bleiben also arm, aber am Ende sind sie zusammen und C teilt ihm ihre Schwangerschaft mit.
-- In dieser Zusammenfassung spielt die Freundschaft mit Liz und das gemeinsame Unternehmen Young&Beautiful keine Rolle. Liz will mit ihrer Mode groß rauskommen und bittet Camilla einzusteigen. Camilla holt sich Geld von Carl, aber das Unternehmen geht pleite, weil Liz nicht gut genug haushaltet. Nun steht Camilla bei Carl in der Kreide, aber zum Glück kann Noah das Geld seiner Mäzenin Betty dafür hergeben. Sie hat ihm 50 000 SFR gegeben.
-- In dieser Zusammenfassung spielt auch die Kunstwelt keine Rolle. Noah kann aus x-beliebigen Gründen zu wenig Geld haben, bspw. durch Faulheit, das würde reichen. Die ganze Malerei und Triptychon-Story fällt in sich zusammen und trägt nichts zur Erzählung bei. Sie lautet: Noah lernt PZ auf seiner Vernissage kennen und sieht dort ein Triptychon, das er daraufhin kaufen will. Betty hat es Noah aber vorher bereits abgekauft, so dass Noah tricksen muss und ein anderes Triptychon zusammenstellt. Er belügt, betrügt PZ also. Später kommt heraus, dass Betty dahinter steckt. Sie hat PZ ermuntert, das Bild zu kaufen, und sie hat damit provoziert, dass Noah trickst und sich auch auf diese Weise schuldig macht.
-- Auch keine Rolle spielt die ganze Agentur-Sache mit dem besten Freund Noahs, Bernard, der versucht nämlich seinen Kumpel in die bessere Agentur Gebert&Lüthi unterzubringen. Hierbei geschieht aber, dass ein anderer Noahs Idee klaut, und wie sich herausstellt, steckt auch hier Betty dahinter. Sie hat dem erfolglosen Scotti die Idee verraten.
-Auch keine Rolle spielt die Affäre mit der Künstlerin Katy. Diese Nebenpfade illustrieren nicht einmal die Charakterschwächen und -stärken der Hauptfiguren, da die Handlung schon aussagekräftig genug sind (überhaupt in Erwägung zu ziehen, jemanden umzubringen).
●Kurzfassung: Aufs Essentielle reduziert ergibt sich: Noah und Camilla sind glücklich aber arm, was insbesondere Camilla stört. Noah trifft zufällig eine reiche Witwe, Betty, die ihm eine Millionen in Aussicht stellt, sollte er den Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes beseitigen, der Schuld an dessen Tod trage. Noah und Camilla haben Skrupel, Gewalt anzuwenden, und Camilla findet einen Weg, indem sie das Unternehmen des Geschäftspartners wegen Geldwäscherei auffliegen lässt. Hierbei kommt raus, dass der verstorbene Ehemann Bettys ein Doppelleben geführt und sich eben nicht fürs Geschäft totgearbeitet hat. Noah und Camilla bekommen weder die Millionen noch sonst irgendeine Belohnung. Sie stehen da wie vorher, nur zusätzlich tragen sie nun sogar Schuld an dem Tod eines unschuldigen Mannes.
●Diskurs: Lifestyle.
… Problem: die Hauptfigur Noah lügt die eigene Freundin an (als er behauptet, er wäre schon in der neuen Galerie), er ist bereit zum Mord (um für seine Freundin Geld zu haben), er betrügt den Galeristen um seinen Anteil (beim Verkauf des Triptychons an Betty), und er ist ein Stalker (den Camilla zeitweise blockt). In diesem Sinne wahrlich ein Antiheld, der das ganze Buch hinüber nichts hinbekommt.
… Problem bei Suter liegt nicht im Fehlen von unerwarteten Wendungen, die gibt es. Seine banalen Stories plätschern nicht einfach vor sich hin. Sie erhalten Kontur und so auch Relief. Auch hier, wie auch, dort noch überraschender, bei Melody. Dennoch liest es sich oft zu arg nach Lifestyle-Magazin, und es wiederholt sich zu viel. Die Charaktere wirken holzschnittartig. Camilla wirkt noch am komplexesten, die sich selbst als „Bitch“ bezeichnet, aber Selbstbewusstsein ausstrahlt. --> 3 Sterne
Form: ●Wortschatz: rudimentär, Lifestyle, Instagram-mäßig, die 1000 häufigsten Wörter machen über 81% des Textes aus, bei typischen belletristischen Romanen beträgt der Anteil um die 75% und weniger (Thomas Mann bei 65%). ●Stimmige Wortfelder: das zumindest, kaum Abstraktionen, Kategorien. 25 Songs werden erwähnt, und 134 Gerichte aller Art. ●Satzstrukturen: die durchschnittliche Satzlänge beträgt 13 Wörter pro Satz und liegt noch unterhalb von Journalismus simulierenden Texten wie Bölls „Katharina Blum“ (16), oder klassisch-literarischen wie Musils „Mann ohne Eigenschaften“ (+30). ●Wiederkehrende Motive/Tropen: Ja, es wird gegessen, getrunken. ●Innovation: Fehlanzeige. --> 1 Sterne
Erzählstimme: ●Reflektiert: unreflektiert ●Situiert: personal, nicht immer klar, aber selektiv. ●Perspektiviert: ein wenig, mit Unbestimmtheiten ●Erzählform: Er/Sie/Es – hauptsächlich zwischen Camilla und Noah ●Erzählstandort: räumlich wie zeitlich, mit den Figuren, sehr lokalisiert, fast keine Erinnerungen ●Erzählsicht: mit Innenperspektive ●Erzählverhalten: eher neutral, obgleich auch tendenziös, aber nicht aufdringlich ●Erzählhaltung: distanzierend, ironisch, neutral, herablassend ●Erzählverfahren: fast ausschließlich szenisch, direkte Reden. ●Erzählstil: nivellierend … keine inhaltliche Bündelung, eher auseinander geflogen, eher chaotisch, nebensächlich, fast mehr eine Art Bühnenstück, deshalb kein Ineinanderspielen von Gedankenstrukturen, erzählstimmlich gesehen passiert gar nichts, es assoziiert, irgendetwas. --> 1 Sterne
Komposition: ●Verhältnis Dialog/Beschreibung: mehrheitlich Dialog, kaum Beschreibung, die Räume sind fast gar nicht existiert, befinden sich freien Fall, weißgetüncht, irgendwo zwischen Venedig und Stockholm ●Tempiwechsel: kaum, keine wirkliche Dynamik auf dieser Ebene ●Extradiegetische Abschnitte: nein ●Lose Versatzstücke: sehr, sehr viele, fast alles im Text steht in keinem wirklichen Kontakt zum Plot. ●Reliefbildung: dynamische Beschleunigung, hier und da, ja, aber nicht ausreichend genug, der Text lebt von der Textidee alleine --> 1 Stern
Leseerlebnis: ●Gelangweilt: ein wenig ●Geärgert: leider nicht ●Amüsiert: auch nicht … 1 Stern wirkt hart, aber bezieht sich darauf, dass die Figuren nicht lebendig genug wirkten, und deren Problem nicht immersiv genug gestaltet wurde. Was sämtlich fehlt, in dem Roman, ist eine Plausibilisierung: warum lieben sich Camilla und Noah, was haben sie einander, was ist besonderes an ihrer Liebe? Was stellt sich Camilla unter dem besseren Leben vor? Warum will Noah überhaupt Kunst machen? Was will er ausdrücken? Worunter leidet er, dass er nicht seine Zeit nutzen möchte, um für Camilla Geld zu verdienen? Die Figuren erscheinen platt, die Story darum beliebig. Die Figuren wirken alle so, als würden sie sich in ihrem Leben langweilen. --> 1 Stern
Eigentlich lieben sich Noah und Camilla, doch Noah ist ein mittelloser, wenig erfolgreicher Künstler und Camilla hat sich mehr vom Leben erhofft, als mit ihrem Job in der Buchhaltung ihrer beider Lebensunterhalt zu verdienen. Als sich Camilla deshalb von Noah trennt, ist dieser am Boden zerstört und betrinkt sich in einer Bar. Dort trifft er auf die ältere Dame Betty, die um ihren verstorbenen Mann trauert und ihm ein zweifelhaftes Angebot macht, das all seine finanziellen Sorgen lösen könnte - und ihm Camilla zurückbringen würde.
Martin Suters neuen Roman "Wut und Liebe" würde ich als typischen Suter bezeichnen, hat er doch alles, was der Autor gerne in seinen Büchern unterbringt: Die Schweizer High Society, einen jungen, zu schlechten Entscheidungen neigenden Protagonisten, eine schöne Frau zum verlieben, viel Alkohol und gutes Essen und ein Krimi-Element, das dem Roman Spannung verleiht. Mich konnte er damit wieder einmal gut unterhalten, auch wenn mich "Wut und Liebe" nicht gar so sehr gepackt hat wie seine anderen Romane. Ich fand die Wendungen dieses Mal ein wenig zu vorhersehbar, sonst konnte mich Suter mit den großen Enthüllungen am Ende seiner Bücher mehr überraschen. Außerdem hat mir auch ein wenig Tiefgang gefehlt. Da ich gerade erst seinen Debütroman "Small World" gelesen habe weiß ich, dass er das eigentlich kann. Ich mag "Wut und Liebe" Suter-Fans wie mir trotzdem empfehlen, denn man kommt hier voll auf ihre*seine Unterhaltungs-Kosten! Allen Suter-Neulingen würde ich aber eher andere seiner Bücher in die Hand drücken, schreibt mir gerne, falls ihr da Empfehlungen braucht.
Noah ist Künstler, Anfang dreißig, charmant, etwas verloren – und gerade frisch verlassen. Seine Freundin Camilla hat sich mehr vom Leben erhofft als das Mitfinanzieren ihres Partners und einen langweiligen Job. Als sie ihn für die Perspektive eines besseren Lebensstandards verlässt, trifft Noah eine alte Dame, die ihm Geld anbietet, um für sie Rache zu nehmen. Noah kommt zunehmend in Versuchung.
Diese Grundidee hat mich an Dürrenmatts Besuch der alten Dame erinnert: Was, wenn ein Verlassener seine große Liebe nur zurückgewinnen kann, indem er sich auf einen zweifelhaften Deal einlässt? Doch leider brauchte der Roman aus meiner Sicht recht lange, um in Fahrt zu kommen. Die ersten zwei Drittel plätscherten für mich dahin – kurze, leicht konsumierbare Kapitel, viele kleine Beobachtungen, die leichtfüßig geschildert werden, aber wenig Tiefe.
Was mich außerdem gestört hat und mir jetzt schon in mehreren anderen Romanen negativ aufgefallen ist, ist der übermäßige Alkoholkonsum sämtlicher Figuren, der beiläufig geschildert wird, als wäre es ganz normal, jeden Abend mindestens eine Flasche Wein zu zweit zu leeren. Und auch die Vorliebe der jungen Protagonist:innen für klassische Boomer-Küche wirkte auf mich eher wie eine Vorliebe des älteren Autors als ein glaubwürdiger Charakterzug für Millenials.
Und dennoch: Im letzten Viertel nimmt der Roman Fahrt auf und das intelligente Ende hat mir gut gefallen. Für diesen Abschluss und die interessante Grundidee lohnt sich die Lektüre am Ende dann doch.
Autor Suters neuer Roman hat mich ehrlich enttäuscht...🤔...an den von mir so sehr geschätzten Lieblingsroman Melody kommt das neue Werk in meinen Augen nicht ansatzweise heran.....Schade...!
Recht eindimensional und vorhersehbar schlängelt sich die Story um den jungen Künstler Noah und seine große Liebe zu Camilla an Stereotypen und Klischees entlang....Auch die flach angelegte Figur der alten, kranken Mäzenin Betty konnte mich nicht überzeugen....!
Einzig der flüssige und fraglos geschliffene Schreibstil des Altmeisters haben für mich den Roman ins Mittelmaß gerettet....
Klarer Fall von: kann man lesen...muss man aber nicht!
Das neue Buch von Martin Suter. Schnell war ich mitten in der Geschichte vom Künstler Noah und seiner Freundin, der Buchhalterin Camilla. Da sie sich ein Leben mit mehr (finanziellem) Luxus wünscht, trennt sie sich von ihm. Er, verzweifelt ab der Trennung, erhält aus heiterem Himmel die Möglichkeit rasch viel Geld zu machen. Die möchte er sich nicht entgehen lassen. Vielleicht kehrt Camilla dann zurück zu ihm.
Ein Buch, dass mit sehr kurzen Kapiteln, leichter Sprache und einer milden Spannung besticht. Mir gefiel einmal mehr die unaufgeregte, schnörkellose Sprache Suters.
Ein bisschen Kritik muss ich loswerden. Warum kümmert Camilla sich nicht selbst um ein gutes Einkommen und macht sich so sehr von Männern abhängig?
So oder so, ein passendes Buch für zwei Stunden auf Balkonien.
Ich kann nicht genau sagen warum, aber sobald ich das Buch gestartet hatte, konnte ich es nicht mehr weglegen. Eine sehr skurrile Geschichte, in der ich auch niemanden so richtig mochte, aber von der ich dennoch sehr gefesselt war.
Im Buech geits ume Noah (freischaffende Künstler), wo vo sire Fründin verlah wird und aus vrsuecht, si zrügg z'gwinne - er lehrt eh euteri Frou kenne, wo ihm wott heufe (o zu irne Gunste), ds z'erreiche. Si veribare zwüsche viu Champagner sone haubfixe Deal u um ds treit sech ner z'ganze Lebe vom Noah, dr Camilla (Fründin) u dr Betty (euteri Frou). Hetmi am Afang mega packt, aber dr ganz Schluss und d'Uflösig het wük zu mind. -2⭐️ gfüehrt..
Ein sehr schöner Roman mit einer pointierten Geschichte. Die Premisse selbst ist schon spannend genug, was die Erzählung aber lesenswert macht, sind die Figuren und ihre persönlichen Dramen. Obwohl ich zuerst mit den wechselnden Perspektiven zu kämpfen hatte, gewöhnt man sich doch sehr schnell dran. Eine Geschichte über Liebe und Hass ist natürlich nichts Neues, aber bahnbrechend will Suter hier glaube ich auch nicht sein. Unsere Protagonisten sind menschlich, aber verfallen auch kleineren und größeren Momenten der Schwäche. Dir Handlung des Romans bringt einen nicht in die verrücktesten Ecken, es bleibt schon übersichtlich, aber es macht trotzdem Spaß.
Wut und Liebe erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen leidenschaftliche Gefühle alles ins Wanken bringen. Typische Suter-Themen, sein klarer, eleganter Schreibstil und die spannende Story mit cleveren Plot-Twists machen das Buch leicht wegzulesen (inklusive tragischer Momente). Kritikpunkt: Pregnancy Trope am Ende.
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Ein gutes Buch. Nach “Die dunkle Seite des Mondes” konnte nur ein Downfall kommen. Anfangs hat es mich irgendwie nicht so sehr gecatcht, doch es wurde auch umso besser nach der Zeit. An sich sehr gut geschrieben und ich würde es weiterempfehlen zu lesen, es wäre aber auf keinen Fall in der Top 10 der Bücher. Mein Zweites Martin Suter Buch hat trotzdem keineswegs enttäuscht. Fazit: 7.5 / 10⭐️
Obwohl ich erst vor zwei Jahren durch "Melody" ins "Suter-versum" gestolpert bin, fühle ich mich dort schon recht wohl und habe mich sehr auf das neuste Werk "Wut und Liebe" gefreut.
Ich habe das Buch binnen weniger Tage durchgelesen und konnte es kaum aus der Hand legen. Der stimmige und präzise Schreibstil haben mich nur so durch die Seiten getragen. Die Handlung war zu keinem Zeitpunkt langatmig oder belanglos. Es stimmt jeder Satz, kein Wort war zu viel. Ich finde es immer wieder aufs Neue faszinierend, wie gut Suter zwischenmenschliche Beziehungen portraitieren kann und auch zweifelhafte Charaktere sympathisch erscheinen lässt. Die Wendungen der Handlung haben mir allesamt gut gefallen, sie waren stimmig zur Gesamtstimmung des Buches, nichts wirkte zu gewollt oder unstimig konstruiert. Das gefällt mir gut und trägt zur Kurzweiligkeit bei.
Herzlich und spannend, mit vielen Überraschungsmomenten.
Noah und Camilla lieben sich heiß und innig, doch Camilla möchte endlich ein Leben führen, bei dem sie nicht jeden einzelnen Franken dreimal umdrehen muss. Sie arbeitet in einer Buchhaltung und zahlt neben der Miete auch alles, was der Mensch so zum Leben braucht, damit Noah sich voll und ganz seiner Kunst - der Malerei - hingeben kann. Der große Wurf bleibt jedoch aus und Camilla verlässt Noah, obwohl sie ihn doch so sehr liebt. Noch fühlt sie sich jung und attraktiv genug, um einen vermögenden Mann zu bekommen.
Noah kann nicht fassen, dass ihn seine Freundin einfach so verlassen hat, obwohl er bestimmt bald ganz viel Geld mit seinen Gemälden verdienen wird. Der Geldsegen trifft tatsächlich schneller als erwartet ein. Zum Verdanken hat er ihn der schwer herzkranken und reichen Witwe Betty, die er in dem Lokal Tulpe kennenlernt. Zusammen genießen sie mehrere Mojitos und schütten sich gegenseitig ihr Herz aus. Die ältere Dame gibt dem Geschäftspartner ihres Mannes die Schuld an dessen dritten, tödlichen Herzinfarkt.
Betty macht Noah ein Angebot, das aus ihrer eigenen Wut entstanden ist und Noah in einen Gewissenskonflikt bringt.
Die Geschichte konnte mich von Anfang an fesseln und so wurde ich förmlich in das Geschehen hinein gezogen. Der Schreibstil ist flüssig und mit schönen Zitaten geschmückt. Alle Figuren wirken wie mitten aus dem Leben gegriffen, mit all ihren Stärken und Schwächen. Neben Liebe und Wut enthält der Roman Krimielemente, die mich - besonders zum Ende - fassungslos zurückgelassen haben.
Fazit
Damit mich das Ende eines Buches überzeugen kann, braucht es sehr viel Fantasie der Autoren, da ich schon Unmengen an Büchern gelesen habe und somit nicht mehr ganz so leicht zu überraschen bin. "Wut und Liebe" hat mich sprachlos gemacht. Martin Suter führt in dieser Geschichte die Leserschaft an der Nase herum und das mit voller Wucht. Er verwebt Kunst, Liebe und Betrug zu einem harmonischen Ganzen und zeichnet exakt die passenden Figuren dazu.
Unterhaltsamer Roman, der sich leicht weglesen lässt. Ich verstehe, was der Autor mit dem Nebenstrang bezwecken wollte, in Teilen gelang das auch – dennoch wirkte er oft etwas konstruiert.
Zu Beginn eine absolut platte Story aber im hohen Tempo, dann wird es interessanter und am Ende ganz wild. Stilistisch dennoch gewohnt stark. In meinem persönlichen Suter-Ranking trotzdem eher im Mittelfeld.
Ein typischer Suter mit einem Plot zwischen Liebe, Business, Faszination für Kommerz und Kunst und Lebenslügen. Seltsam ist: Vor allem im ersten Drittel schreibt der für seine elegante Formulierungskunst bekannte Martin Suter fast schon schluddrig und oberflächlich. Und weil die Wendung in den Schlusskapiteln vorhersehbar ist, kann "Wut und Liebe" nicht so richtig überzeugen.
Ein Buch von Martin Suter fühlt sich immer an wie vor einem Kamin zu sitzen, finde ich. Und obwohl das schon ziemlich schön ist, kommt es nicht annähernd an das Gefühl heran, das ich bekomme, wenn ich etwas von ihm lese. Die Geschichte ist so in sich geschlossen und der plot twist hat mich so erwischt, dass es mich heute Nacht wachhält. Das Nachwort hat mich sehr berührt, irgendwie.
Ich vergleiche dieses Buch mit den vielen anderen Suter-Büchern, die ich gelesen habe. Und da fällt es doch etwas schwächer aus. Teilweise langatmig und der sonst so geniale Schluss in seinen Büchern war doch dieses Mal (für mich) vorhersehbar. Aber ein 'gut' für ein Suter-Buch ist immer noch besser als so manch anderes Buch.
„Wie eine Buchhaltung. Da kann man auch nicht warten, bis sie stimmt. Man muss etwas tun.“ (Zitat Seite 30)
Inhalt Noah Bach und Camilla da Silva sind seit fast drei Jahren ein Paar, als Camilla ihm plötzlich mitteilt, dass sie ihn verlässt, obwohl sie ihn liebt. Doch mit Anfang Dreißig hat sie noch andere Pläne, wie sie ihr Leben gestalten will, als mit ihrem Gehalt als Buchhalterin auch für den als Künstler bisher erfolglosen Noah zu sorgen. Noah ist am Boden zerstört und als Betty Hasler, eine fünfundsechzig Jahre alte Witwe, ihm ihr persönliches Problem und den größten Wunsch schildert, den sie in ihrem Leben noch hat, lässt ihn dies nicht mehr los. Denn Camilla will eine finanziell gesicherte Zukunft und die Vernissage in einer mittelmäßig erfolgreichen Galerie zeigt wieder, dass der Erfolg von Noah Bachs Bildern noch auf sich warten lässt. Doch da ist immer noch Betty Haslers Visitenkarte.
Thema und Gene In diesem Roman geht es um Beziehungen, Freundschaft und Hass, Künstlerleben, Wirtschaft und Finanzwelt.
Erzählform und Sprache Die drei Teile der Geschichte schließen fortlaufend aneinander an, die Ereignisse werden chronologisch geschildert und finden innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne statt. Details aus der Vergangenheit fließen in Form von Erinnerungen und Gesprächen in die aktuelle Handlung ein und ergänzen diese. Im personalen Mittelpunkt der Geschichte stehen Noah und Camilla, teilweise gemeinsam, aber auch getrennt und abwechselnd. Freunde, Bekannte und weitere, für die Handlung wichtige Kernfiguren ergänzen den Personenkreis. Martin Suter versteht es, jede seiner Figuren pointiert so zu gestalten, dass ihre Probleme und Konflikte sie menschlich machen und man auch dort, wo sich ihre Entscheidungen irgendwo in einem Bereich zwischen Grau und sehr dunklem Grau abspielen, hofft, dass es für sie dennoch ein positives Ende gibt. Die Sprache unterstreicht das Lesevergnügen.
Fazit Auch in diesem neuesten Roman zeigt sich Martin Suter als sprachgewandter, phantasievoller Autor, der manchmal ironisch-böse auf die Beweggründe und das Verhalten seiner Figuren schaut, aber immer auch mit Empathie. Eine unterhaltsame, packende Geschichte mit zunächst vielen losen Fäden, die sich langsam zu verbinden scheinen, allerdings mit einigen sehr überraschenden Wendungen.
Der Name Martin Suter ist vielen Literatur-Fans ein Begriff. Der Schweizer Schriftsteller hat bereits zahlreiche Romane geschrieben und wurde mit Preisen ausgezeichnet. Für mich war »Wut und Liebe« das erste Werk des erfolgreichen Autors.
Noah ist ein mittelloser Künstler, welcher sich von seiner Freundin Camilla aushalten lässt. Als diese es satt hat für seine großen Träume in einem langweiligen Bürojob zu schuften, trennt sie sich. Kurz darauf lernt Noah die deutlich ältere Betty kennen - eine Witwe mit Rachegelüsten - und erhält ein dubioses Angebot, dass ihm ermöglichen könnte seine große Liebe zurückzugewinnen.
Die Einteilung in kurze Kapitel, sowie der flüssige und angenehme Schreibstil haben mir das Buch leicht zugänglich gemacht. Die Geschichte lies sich alles in einem gut lesen, jedoch hat es mich leider thematisch an der ein oder anderen Stelle verloren. Ungefähr ab der Mitte zog sich die Handlung etwas und nahm erst zum Ende hin wieder stark an Fahrt auf. Die Figuren waren mir teilweise zu einfach gestrickt und ich habe keinerlei emotionale Bindung zu ihnen verspürt. Die Motive hinter ihren Taten waren für mich zudem oft nicht oder nur geringfügig nachvollziehbar und moralisch fragwürdig.
Im Großen und Ganzen eine nette leichte Lektüre für zwischendurch, mit ein paar überraschenden Wendungen, die jedoch keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat und ich sicherlich schnell wieder vergessen werde.
Nach einem etwas zähen Auftakt hat mich das Buch doch noch einigermaßen gefesselt.
Zu Beginn scheint sich die Geschichte in eine ganz klare Richtung zu entwickeln: Noah, ein eher erfolgloser junger Künstler, wird von seiner Freundin Camilla verlassen. Nicht, weil sie ihn nicht mehr liebt, sondern weil sie sich ein anderes Leben wünscht – ohne Geldsorgen. Wie praktisch, dass sich wenig später eine Gelegenheit für Noah auftut, seine finanzielle Situation deutlich zu verbessern. In einer Bar lernt er die Mittsechzigerin Betty kennen. Die Witwe eines erfolgreichen Unternehmensberaters behauptet, ihr Mann sei von dessen Geschäftspartner „umgebracht“ worden, weil dieser die Gutmütigkeit seines Kompagnons gnadenlos ausgenutzt hat, bis dieser vor lauter Überarbeitung an einem Herzinfarkt gestorben ist. Der letzte Wunsch der schwer kranken Betty ist es nun, den Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes tot zu sehen – und sie ist bereit, ein hübsches Sümmchen an denjenigen zu zahlen, der dem Ableben ein wenig auf die Sprünge hilft…
Klar, was nun folgt – oder nicht? Eben nicht! Martin Suter wäre schließlich nicht Martin Suter, wenn alles so simpel wäre. Zahlreiche (mehr oder weniger glaubwürdige) Verwicklungen, Enthüllungen und Wendungen später endet „Wut und Liebe“ schließlich ganz anders, als anfangs gedacht.
Nicht Martin Suters stärkster Roman (für mich ist das immer noch „Die Zeit, die Zeit“), aber dennoch kurzweilige Unterhaltung der besseren Sorte.