Ein berührender Roman über eine junge Frau zwischen beruflicher Selbstverwirklichung und gesellschaftlichen Zwängen, und über den Mut, für seine Überzeugungen einzustehen. Von Bestsellerautorin Melanie Metzenthin
Hamburg 1959: Die junge Psychiaterin Renate Schwarz steht am Beginn einer vielversprechenden Karriere. Sie muss sich in der männerdominierten Medizinwelt zwar täglich behaupten, doch mit ihrem Verlobten Matthias, einem talentierten Profifußballer, scheint ihr privates Glück perfekt. Bis eine Knieverletzung seine Karriere abrupt beendet und beide vor neue Herausforderungen stellt.
Während Renate zwischen schwierigen Patientenfällen und Familiendramen navigiert, weckt eine ihrer Patientinnen ihr Sie behauptet, die Industrieabwässer einer Hamburger Fabrik würden die Elbe vergiften. Doch in der Wirtschaftswunderzeit will niemand von Umweltproblemen hören, und wer zu laut protestiert, landet schnell in der Psychiatrie. Kann Renate ihr helfen?
Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat sie einen ganz besonderen Einblick in die Psyche ihrer Patienten, zu denen sowohl Traumatisierte als auch Straftäter gehören.
Wo der Wandel leise beginnt Mit „Wer ins Licht treten will“ setzt Melanie Metzenthin die Geschichte der jungen Ärztin Renate Schwarz eindrucksvoll fort. Der Roman spielt im Hamburg der späten 1950er Jahre – einer Zeit, in der der gesellschaftliche Wandel zwar spürbar ist, Frauen jedoch noch immer mit vielen Schranken zu kämpfen haben. Zwischen beruflichem Ehrgeiz, privater Verantwortung und politischen Missständen erzählt die Autorin eine bewegende Geschichte, die sowohl emotional berührt als auch zum Nachdenken anregt. Renate ist eine ambitionierte Psychiaterin, die sich in einer männerdominierten Klinik durchsetzen muss. Dabei erhält sie unerwartet Rückhalt von ihrem Vorgesetzten, der ihre Arbeit wertschätzt – ein Lichtblick in einer Zeit, in der Frauen meist noch belächelt oder bevormundet werden. Privat steht sie mit ihrem Verlobten Matthias vor einer schweren Prüfung: Nach einer schweren Knieverletzung muss er seine Fußballkarriere aufgeben, was ihn in eine Lebenskrise stürzt. Renate steht ihm bei, ohne dabei ihre eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren. Besonders spannend wird der Roman, als Renate einer Patientin begegnet, die behauptet, die Elbe werde durch Fabrikabwässer vergiftet. In einer Gesellschaft, die von Aufschwung und Fortschrittsglaube geprägt ist, stoßen solche Warnungen auf taube Ohren – und wer unbequem ist, wird schnell für „verrückt“ erklärt. Hier schafft es Metzenthin meisterhaft, Umweltprobleme und Machtmissbrauch sensibel, aber klar zu thematisieren. Auch gesellschaftlich heikle Themen wie Homosexualität (damals noch strafbar unter §175), häusliche Gewalt und die fehlende Gleichberechtigung in Ehe und Beruf werden eindrucksvoll aufgegriffen. Die Autorin schreibt dabei immer mit großem Einfühlungsvermögen, ohne je belehrend zu wirken. Ein unterhaltsames Highlight ist der Besuch von Renates exzentrischer Tante aus Amerika, die mit bissigem Humor und viel Drama für frischen Wind sorgt. Diese Figur lockert die ernsten Themen auf, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen – eine gelungene Balance. Mein Fazit: „Wer ins Licht treten will“ ist ein klug komponierter, warmherziger und gleichzeitig aufrüttelnder Roman. Melanie Metzenthin gelingt es, historische Themen mit aktuellen Bezügen zu verweben – authentisch, bewegend und mit einer starken weiblichen Hauptfigur, die ihren Weg geht, ohne sich verbiegen zu lassen. Ein absolut lesenswertes Buch für alle, die sich für Frauengeschichte, Psychiatrie und gesellschaftliche Umbrüche interessieren. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band einer Reihe – und obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen hatte, bin ich erstaunlich leicht in die Geschichte hineingekommen. Die Figuren waren mir sofort sympathisch, allen voran Renate, die ich mit jeder Seite mehr ins Herz geschlossen habe. Dennoch würde ich empfehlen, mit Band 1 zu beginnen, da sich viele Entwicklungen sicherlich noch besser nachvollziehen lassen.
Wir begleiten Renate in den 1950er-Jahren – einer Zeit, in der Frauen noch stark in gesellschaftliche Rollen gezwängt wurden. Doch Renate ist keine, die sich einschüchtern lässt. Sie ist klug, unabhängig und lässt sich nicht klein halten. Zum Glück lebt sie zudem in einem Umfeld, das nicht nur von anderen starken Frauen geprägt ist, sondern auch von Männern, die nicht so viel Wert auf die gesellschaftlichen Normen legen.
In ihrer Arbeit als Psychiaterin auf der Frauenstation begegnet Renate spannenden und herausfordernden Fällen. Gleichzeitig muss sie sich um ihren Verlobten kümmern, dessen Fußballkarriere nach einer Knieverletzung auf der Kippe steht – und der sich hartnäckig weigert, an einen Plan B zu denken. Und als wäre das nicht genug, taucht auch noch seine ungeliebte Verwandtschaft aus den USA auf und bringt zusätzlich Unruhe in Renates Leben.
Klingt nach vielen Baustellen? Ist es auch – aber genau das macht die Geschichte so lebendig. Für mich war es zu keinem Zeitpunkt „zu viel“. Die Erzählstränge greifen wunderbar ineinander, alles wirkt stimmig und authentisch. Der Schreibstil ist locker, leicht und sehr angenehm zu lesen. Es fühlt sich an, als würde man Renate ein Stück ihres Lebens begleiten.
Ich mochte dieses Buch sehr. Es hat mich an die „Ku’damm“-Reihe erinnert – dieser besondere Mix aus Frauenpower, den Aufbrechen konventioneller Anschauungen und persönlicher Entwicklung. Wer solche Geschichten liebt, wird mit dieser Reihe definitiv glücklich!
Renate Schwarz ist angekommen und arbeitet nun in der Frauenaufnahme der Psychiatrie in Hamburg. Mit ihrem derzeitigen Oberarzt kommt sie viel besser zurecht und die Patientinnen zeigen interessante Krankheitsbilder, die manchmal nicht leicht zu entschlüsseln sind.
Matthias muss sich durch eine schwere Verletzung damit zurechtfinden, dass seine Fußball Karriere sehr viel früher zu Ende ist, als er es sich gewünscht hätte. Die Sinnkrise, die ihn erfasst stellt auch die Beziehung zu Renate auf die Probe.
In diesem zweiten Band der Reihe treffen wir nun also altbekannte Protagonisten wieder. Die Familie Studt und deren Geschichte spielt eine große Rolle, da Renate nun in die Familiendynamik eintritt und lang festgefahrene Strukturen aufbrechen kann. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen, es war wie ein nach Hause kommen für mich.
Insgesamt hat mir das Buch wieder viel Spaß gemacht. Ich konnte so richtig in die Zeit eintauchen. Themen wie Umweltverschmutzung und die Verfolgung Homosexueller Männer zeigen hier auch ganz deutlich, wieviel sich in den letzten Jahrzehnten gerade bei diesen Themen getan hat. Heute würden Vorkommnisse, wie sie im Buch geschildert werden, ganz anders angegangen.
Ich freue mich nun auf den dritten Teil rund um Renate und Matthias und deren Umfeld. Es bleibt sicher interessant, was uns die Autorin dann erzählen wird.