Wie beim Vorgängerband bin ich auch hier ziemlich begeistert vom “Vorspiel”: Sky erzählt die Geschichte der Sibylle, dabei wird man durch Teile der PR-Historie gejagt (Dolans) bis zum schönen Gedanken Apollons: “Dass die Sterblichen die Gabe der Sterblichkeit so wenig zu schätzen wissen; dass sie das Licht der Unsterblichkeit so sehr blendet, hat ihn immer verwundert.” Teilweise geht es heftig zu im Roman: Bull hat wirklich sehr viel Glück, dass er überlebt; die arme Ghamda wird zu Tode gefoltert. Dabei geschieht nichts explizit, aber für Kopfkino reicht es. Die Beschreibung der Gesellschaft und der nötigen Veränderungen ist geglückt, dass es ein Test war, kam unerwartet und die Gedanken der Schiffintelligenz sind ohnehin toll. Am Ende versteht man, warum die Geschichte der Sibylle erzählt wurde, aber wir wissen noch nicht, wer die geheimnisvolle Legende ist. Ich vermute (erhoffe) ja eine Einbettung in den PR-Kosmos.
Der Doppelband hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube aber, dass Wim Vandemaan aufpassen sollte, dass er es nicht übertreibt. So, wie Rainer Castor - nach meinem Geschmack - seine technischen Detailbeschreibungen irgendwann übertrieb und seine Romane zu Datengräbern wurden, so scheint es mir beim Wim so zu sein, dass er uns ständig seine Bildung und seine sprachlichen und weltschöperischen Qualitäten beweisen will. In diesem Roman waren mir auf díe Dauer etwas zu viele Namen der verschiedensten Pflanzen und Tiere drin, etwas zu viele Hinweise und Anspielungen auf was auch immer. Trotzdem möchte ich Vandemaan Romane nicht missen, genieße die Sprache, die Anspielungen, den Sense of Wonder, die Konstruktion - und schlage halt ab und zu ein Fremdwort oder einen Namen nach. Das schadet mir auch nicht.
So sehr ich Wim Vandemaans Romane schätze, dieser Doppelband war eher nicht für mich. Es schmerzt mir in der Seele, ein Werk mit solch schönen Sprachbildern nicht besser bewerten zu können, aber letztendlich fühlte sich die Lektüre für mich extrem mühsam an.
Aus meiner subjektiven Sicht macht Teil 2 genau das, was ich an Teil 1 schon nicht so besonders mochte: Verwirrung stiften. WV kann absolut genial schreiben, aber - wie schon in der Vorwoche - erreicht mich das Szenario irgendwie so gar nicht. Hatte Probleme der Story aufmerksam zu folgen, war irgendwie genervt von den Akteuren und lediglich der Phoenix und seine Korrespondenz mit der Entität hat mir gefallen.
Am Ende ist mir aber sogar unklar, ob dem Wunsch der "Legende" stattgegeben wurde? Vielleicht fehlte mir hier aber auch schon die Konzentration...und die Muße, nochmal nachzulesen...
Bullys Gefangenschaft endet schneller als gedacht - eine seiner Bewacherinnen entpuppt sich als Mystifikatorin der real-elektrischen Kirche. Mit Ziomdiva Procorr begibt sich Bully zunächst in das "Dampfpuppentheater" Shezza Veniccs. Hier erfährt er die Hintergründe zur "Weiten Welt", auf der er sich befindet: bei den Lanathan handelt es sich um ein Volk, das sich angesichts des technischen Fortschritts entzweit hatte. Mit Hilfe der "Legende" wurde eine Kopie ihrer Heimatwelt unter der Prämisse geschaffen, das auf dieser Frieden herrschen möge, indem der technische Fortschritt an der Grenze zur Elektrizität bewusst angehalten wird. Dies wiederum wird von Lanathan der Ursprungswelt "überwacht". Bei der Legende in ihrer heutigen Erscheinungsform wiederum handelt es sich tatsächlich um die Technoiden-Wolke, in der sich die Terraner befinden. Sie nimmt Kontakt mit dem PHOENIX auf und macht eine Unterstützung der Terraner von deren Verhalten auf der Weiten Welt abhängig. Als sich Meghan und Bully schließlich wiedertreffen, haben sich sich tief in die inner-lanathanischen Konflikte verstrickt. Dabei offenbart sich auch, dass nicht Wenige aus der "Entscheidungsebene" der Lanathan ursprünglich nicht vom Planeten stammen. Weil es Bully gelingt, den Konflikt weitestgehend friedlich zu lösen, versichert die Legende den Terranern schließlich ihre Unterstützung bei der Suche nach dem Sternwürfel. Dies jedoch nur unter einer Bedingung: die Legende will sterben und die Terraner sollen ihr dabei nach getaner Aufgabe helfen.
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Vielleicht war ich noch im Modus, aber bei mir kam dieser zweite Band des Doppelteiles sogar noch ein wenig besser an als der Erstling. Ebenso wie Bully stutzte ich auch, als von einem Arzt als "Bauchaufschneider" gesprochen wurde - ist das nicht, wie die Arkoniden ihre Ärzte bezeichnen? War hier ein Hinweis versteckt? Ansonsten war für mich auffällig, dass die Charaktere doch erstaunlich oft an genau die Dinge denken, die Wim Vandemaan selbst als Exposé-Autor in die Serie eingeführt hat. (Cairanische Epoche, Thez, etc.) Naja, ein bisschen versteckte Eitelkeit darf auch mal sein. :-) Ich war sogar kurz davor diesem Roman die volle Punktzahl zu geben. Ich denke aber, 4/5 passt insgesamt doch besser.
Dieser Band ist die kongeniale Fortsetzung des Auftaktbandes von Wim Vandemaan. Er strotzt auch wieder mit mystischen und historischen Anmerkungen was die PR-Geschichte aber auch unsere reale Geschichte anbelangt. Bei Vandemaan atmet jede Seite von seinem philologischen Wissen und seinen bisweilen genialen Gedanken, die einen nachdenklich zurücklassen, Auch hier stellt er das Denken von Sky, dem Bordgehirn des PHOENIX vor die Geschichte um Bull und Meg auf der Suche nach der Legende. Sie finden sie schließlich und geht mit einem Wunsch der Legende in einen Cliffhanger über, auf dessen Auflösung wir wohl noch Wochen warten können. Ich hoffe inständig, dass Hartmut Kasper uns als PR-Autor erhalten bleibt...
War ich bei dem letzten Heft noch voll begeistert, so hat mich dieses ein wenig genervt zurückgelassen. Also ein Roman in der Welt der Tee-Kriege hätte mir gereicht, dass dieser Roman auch wieder komplett in dieser Welt spielt ist ein wenig zu viel des guten. Es dümpelt so vor sich hin und Meg und Bull stolpern irgendwie durch diese Welt.