Für mich leider der bisher schwächste Band der Reihe...
Der Einstieg fiel mir sehr schwer und ich habe lange gebraucht, um mich wieder in die Geschichte einzufinden. Obwohl der erste Band bei mir nur ein Jahr zurücklag, hatte ich so gut wie alles vergessen. Ich wusste nur noch einen Punkt vom Ende des zweiten Bandes und war die ersten Kapitel einfach nur verloren. Ich musste mich erst wieder an die Charaktere und ihre potenziellen Fehltritte erinnern, mich auf meine Einstellungen ihnen gegenüber besinnen.
Maisie ist sehr unbeholfen und naiv, was per se natürlich nichts Schlechtes ist, nur hat Ava Reed hier in meinen Augen diesbezüglich etwas zu dick aufgetragen. Grant war mir schlicht und ergreifend einfach nur unsympathisch, mehr möchte ich dazu eigentlich auch gar nicht sagen. Obwohl die Geschichte aus ihrer beider Ich-Perspektiven erzählt wird, konnte ich sie bis zum Ende nicht so richtig greifen. Ich habe mich ihnen nicht nahe gefühlt, geschweige denn mit ihnen mitgefühlt. Ihre Gefühle waren für mich einfach nicht greifbar genug.
Die Liebesgeschichte der beiden schien aus dem Nichts zu kommen, vor allem vonseiten Maisies, wobei es sich bei Grant für mich auch eher nach einer oberflächlichen Schwärmerei anfühlte. Die beiden haben kaum miteinander geredet und wenn sie sich mal trafen, kratzten ihre Gespräche entweder nur an der Oberfläche oder dritfteten sofort in eine unangenehme Richtung ab, die mich beim Lesen ins Fremdschämen trieb. Grant's und Maisie's Liebesgeschichte hat mich auf emotionaler nicht erreicht. Sie war einfach nur da, wurde als eine Tatsache hingestellt, deren Entwicklung für mich nicht nachvollziehbar war. Ich habe mich mit jedem weiteren Kapitel noch unwohler gefühlt. So ungern ich das auch sage, aber alles an Maisie und Grant war mir unangenehm bis peinlich. Ich habe mich beim Lesen partiell unter meiner Decke versteckt, weil ich es nicht mehr ertragen konnte.
Vom Krankenhaus-Setting hat man hier ebenfalls erschreckend wenig mitbekommen, was ich mehr als schade fand. Ich hätte gerne mehr zu den medizinischen Fällen gelesen und auch (oder eher zumindest) dort mitfiebern können. Irgendwie halten sich die Protagonist:innen hier auch vergleichsweise selten im Krankenhaus auf, was mir bei ihren Arbeitszeiten ebenfalls nur bedingt authentisch erscheint.
Falls ihr euch fragt, was dann passiert ist, muss ich euch leider enttäuschen, denn das frage ich mich selbst jetzt auch immer noch. Weder die Charaktere sowie ihre Beziehungen und Emotionen noch der medizinische Aspekt standen hier aktiv im Zentrum des Buches und dementsprechend wenig ist hier auch passiert. Jedes Buch hat "Füllszenen", die letztendlich eher irrelevant sind, aber auch nicht wirklich stören, nur dass es hier gefühlt ausschließlich solche Füllszenen zu geben schien. "Tough Choices" hat nicht gerade wenige Seiten und trotzdem fand hier nichts Raum - Weder emotionale Tiefe und Charakterentwicklungen noch das Setting sowie die Handlung an sich.
Die Prioritäten wurden hier in meinen Augen einfach falsch gesetzt. Lediglich Jane's Charakter wurde hier meines Erachtens gelungen neu wieder eingeführt und ihre eigene Geschichte, die im vierten Band der Reihe erzählt werden wird ("Saved Dreams" erscheint am 16.08.2024) gut eingeleitet - Diesbezüglich bin ich auch wirklich gespannt und hoffe auf eine Geschichte mit mehr Tiefe, Gefühl und Substanz.
Ansonsten waren die Szenen mit Sierra und Laura definitiv mein persönliches Highlight des Buches. Die Freundschaft der drei angehenden Ärztinnen wird schön beschrieben und ich mochte ihre Gruppendynamik. Leider sind Sierra und Laura für mich auch einfach interessantere Persönlichkeiten als Maisie und Grant. Die beiden wirkten auf mich irgendwie hölzern, nicht authentisch und lebendig. Sie haben keine Ecken und Kanten, nichts das mich von sich einnehmen und erschüttern konnte. "Tough Choices" fehlt es an Tiefe, sowohl auf Handlungsebene als auch auf Ebene der Charaktere.
Den Konflikt gegen Ende des Buches hatte ich schon vorausgeahnt, jedoch war die Inszenierung dann noch weniger überzeugend als erwartet. Ava Reed hat es sich damit in meinen Augen wirklich leicht gemacht, schneller Konfliktaufbau und noch einfachere Konfliktlösung, und nachvollziehbar war das Ganze für mich auch nicht, zumindest nicht vollends.
Ich habe das Buch im Buddyread gelesen und unser letzter Leseabschnitt war wirklich seltsam, in vielerlei Hinsicht. Ich bin während des Lesens durch viele verschiedene Phasen und Emotionen gegangen, hatte noch mehr Fragen und war irgendwie rundum unzufrieden. Laut der Danksagung handelt es sich hierbei um den Lieblingsband der Autorin und das kann ich leider überhaupt nicht nachvollziehen, denn für mich war es eindeutig der bisher schwächste Band der Reihe. Dieses Buch war so gar nicht mein Fall und ich verstehe nicht, wieso, denn normalerweise liebe ich Ava Reed's Bücher. Ich liebe ihr Einfühlungsvermögen und die Art und Weise, wie sie Gefühle zum Leben erweckt, aber genau das habe ich hier schmerzlich vermisst. Ich habe Grant und Maisie nicht gefühlt, weder einzeln noch zusammen. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und mich in gewisser Weise auch unterhalten, zumindest stellenweise, aber im Gesamten hat es mich leider schlicht und ergreifend nicht gecatcht und schon gar nicht bewegt.
Ach ja und der Cliffhanger am Ende des Buches kam ja auch wieder einmal komplett aus dem Nichts. Der Schocker zum Schluss erschien mir inszenierter als inszeniert und war in meinen Augen wirklich nur da, um da zu sein, aber mal sehen, was Ava Reed im letzten Band der Reihe noch daraus machen wird. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass mich "Saved Dreams" wieder mehr begeistern kann als es bei "Tough Choices" der Fall war.
2 - 2,5/ 5 Sterne ⭐️