Unter Nicht-Comiclesern besitzt »Malcolm Max« schon jetzt eine große Fangemeinde – denn der charismatische Dämonenjäger erblickte bereits 2008 in der gleichnamigen Hörspielserie das Licht der Welt. Nach drei Episoden (zunächst als Beilage der »Gespenster-Geschichten«, dann als Teil der Hörspielreihe »Geister-Schocker«) folgt nun der intermediale Flirt mit dem Comic:
Angesiedelt im viktorianischen England an der Schwelle zum 20. Jahrhundert präsentiert das Künstlergespann Ingo Römling und Peter Mennigen den Auftakt der Steampunk-Mystery- Serie als symbiotischen Entwurf, der mindestens zwei Genretraditionen vereint: die Selbstironie der »Buffy«-Erzählungen und den Manierismus der Schauerromane des 19. Jahrhunderts.
Peter Mennigen wurde 1952 in Bonn geboren. Sein Kunststudium absolvierte er in Köln. Nach Abschluss seines Studiums ist er seit 1978 als Autor tätig. Aus seiner Feder stammen Geschichten zu ALF, Lucky Luke, Isnogud, Prinz Eisenherz, Graf Duckula, Sunny Sam, Bettlejuice, Fix und Foxi u. v. a., von denen einige die vorderen Plätze der deutschen Comic-Bestsellerlisten eroberten. Auch verdanken ihm viele Filmstoffe (“Und Tschüss, “Abgeschminkt, “Pretender, “Felix, ein Freund fürs Leben, “Strictly Ballroom u. v. m.) ihren Einzug in die Literatur. Parallel dazu schreibt Peter Mennigen Romane, Inhalte für Internet-Programme, CD-ROMs, Hörspiele und TV-Drehbücher. Unter anderem sorgt er dafür, dass der kultverdächtige “Käptn Blaubär weiterhin spannende Abenteuer erlebt.
Hätte ich nur meinem Gefühl zu Band 1 vertraut, aber nein, immer optimistisch wollte ich der Serie eine Chance geben. Die "Helden" Max und Charisma haben inzwischen mimisch gar kein Repertoire mehr und der Versuch, englische Oberschichtssprache nachzubilden, wird immer skurriler. Lange habe ich nicht so viele sprachliche Missgriffe gelesen. Ach, wie einfach-ehrlich ist da das gute alte Pow!!!, Crash oder Bang! Da ist mir der Spaß an der Story, die Potential hat, so gänzlich drüber vergangen.
Heute hab ich mir "Auferstehung" gegönnt, das zweite "Malcolm Max"-Album des kongenialen Teams Peter Mennigen (Autor) und Ingo Römling (pencils/inks/colors). 🖤🖤🖤 Während bei Band 1 Delia Wüllner-Schulz das Lettering ausführte, übernahm hier Sven Jachmann diese Aufgabe, der bei der Gestaltung von Exklamationen deutlich weniger expressiv vorgeht. Bei Wüllner-Schulz splittern und bröseln schon einmal die Buchstaben innerhalb von Sprechblasen (Band 1, Seite 10, drittes Panel), um Lautstärke und Dynamik zu visualisieren. Generell ist die Ästhetik ihres Schriftbildes mitunter "gezeichneter". Dass Jachmann hier zurückhaltender bei der Gestaltung von gesprochenem Wort ist, passt aber sehr gut, denn in Band 2 nimmt das Erzähltempo an Fahrt auf, die Handlung wird komplexer und die Stimmung noch düsterer. So alternieren in der ersten Hälfte des Bandes zwei actiongeladene Erzählstränge an finsteren Orten, bevor das Team Max & Myskina wieder zusammenfindet. In diesem Band erfährt man mehr über die Fähigkeiten der Halbvampirin Charisma - ihre Diät wurde jedoch bislang noch nicht verraten. Viele alte Bekannte tauchen wieder auf, so z. B. die pfiffig-pragmatischen Nachwuchsdetektivinnen Emmeline und Miranda, die immer wieder für Situationskomik sorgen - und für eine aktive Repräsentation von heterogenen Frauentypen. Alison Bechdel legte hierfür als Maßstab an, dass mindestens zwei Frauen in einem fiktiven Werk vorkommen müssen, die miteinander sprechen - und zwar nicht nur über Männer (#bechdeltest). Und genau so verhält es sich hier. Die Kinder sind bei Peter Mennigen nicht nur Staffage, sondern in die Auflösung des Falls um die Londoner Frauenmorde involviert und kommentieren zudem erfrischend unverblümt das Vorgehen der Erwachsenen. Der Erzschurke Leech, ein wandelndes "Bildnis des Dorian Gray", dem Ingo Römling alle Laster in die pergamentene Haut eingeschrieben hat, erweist sich hier als zentrale Figur in Bezug auf die Mordfälle. Inspector Blunt von Scotland Yard erhält einen blonden Sidekick mit dem anspielungsreichen Namen James Archibald Benedikt Cumberland, der deutlich anders tickt als sein Chef, woraus sich köstliche Wortwechsel ergeben. Für zusätzliche Spannung, wohl dosierten Grusel und überraschende Wendungen ist ebenfalls gesorgt. So gibt es ein unverhofftes Wiedersehen, das Geisterreich hält immer mehr Einzug - und das Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der den im ersten Band deutlich toppt. Ingo Römling führt die Lesenden souverän durch die physischen und metaphysischen (Bild-)Welten und deren Überschneidungen. Bei diesem Band haben mich vor allem seine Licht- und Schattenspiele fasziniert. Insbesondere gilt dies für das kühle grüne Licht, das Ingo Römling die Geister ausstrahlen lässt und seine lodernde Gestaltung der Brandepisode. Aber dieselbe Sorgfalt findet sich bei Details wie den milchig-gedämpften Straßenlaternen oder Malcolms Nachttischlampe (beides S. 46). Auch dieser Band wird durch Bonusmaterial und Informationen zum historischen Kontext ergänzt. Ich muss mich sehr beherrschen, nicht gleich zu Band 3 zu greifen und bin gespannt, wie es weitergeht.
Das zweite Kapitel der Comics um den charmanten Geisterjäger trägt den Titel “Malcolm Max – Auferstehung” und beginnt mit einem bühnenreifen Ausbruch des Titelhelden aus dem Tower of London. Der Plot nimmt nun spürbar an Fahrt auf und wird teilweise regelrecht rasant, wenn man das Ganze im Vergleich zu dem etwas gemächlicheren ersten Kapitel sehen möchte. Ingo Römling setzt den actionreichen Handlungsverlauf geschickt und äußerst dynamisch in seinen Panels in Szene.
Nachdem die beiden aufgeweckten Mädchen Miranda und Emmeline Finch bereits im ersten Band ihren Auftritt haben, gewinnen diese süßen und super schlauen Nebencharaktere, die nicht ganz zufällig in der Baker Street, in der guten Nachbarschaft einer gewissen Berühmtheit zu Hause sind, mehr an Bedeutung. Mit ihrer gewitzten Art und Weise bringen die Schwestern frischen Wind in den Comic und sorgen neben Malcolm und Charisma für die meisten Lacher.
Trotz der humorvollen Seite gelingt es Peter Mennigen seine Geschichte mit jeder Menge spooky Horror-Atmosphäre zu verknüpfen, die einem regelrecht unter die Haut kriecht. Charisma befindet sich in den Fängen eines verrückten Wissenschaftlers der Dank der angehenden Industrialisierung in der viktorianischen Zeit über die Technik und den nötigen Ansporn verfügt, um mit Maschinen zu experimentieren und diese mit Hilfe menschlicher Gehirne zu willenlosen Arbeitern zu machen. Im Gegensatz zu seinem Arbeitgeber Professor Shacklock führt der Bösewicht Leech mit seiner Erfindung allerdings nichts gutes im Schilde. Und schließlich kommen auch noch die Geister ins Spiel, die auf Malcolm Max versprochene Rache an ihrem Serienmörder, dem sogenannten »Poeten«, bestehen. Dieser Serienmörder zeichnet sich vor allem durch seine blutrünstigen Morden an Frauen aus, in deren Rachen die Ermittler lyrische Botschaften des Mörders entdeckten. Der äußerst tollpatschige und nicht gerade vor Intelligenz gesegnete Inspector Blunt ist Malcolm Max allerdings keine Große Hilfe.
In “Malcolm Max – Auferstehung” geht es ganz schön hoch her. Neben den actionreichen Szenen verliert Ingo Römling jedoch zu keiner Zeit das Auge fürs Detail und bietet den Lesern wieder einmal spektakuläre Bilder die ich mir stundenlang ansehen könnte. Besonders gelungen sind auch die beeindruckend umgesetzten Steampunk Elemente, die durch die Maschinenmenschen Einzug in der Story erhalten. Das zweite Kapitel hat mir unheimlich gut gefallen, die Handlung wird in einem angemessenen Tempo vorangetrieben und vor allen Dingen erhalten die (Neben)Figuren mehr Struktur und Tiefe.
Genau wie im ersten Comic-Album der Malcolm Max Reihe gibt es auch bei diesem Band im Nachgang zur Geschichte noch einige Seiten mit detaillierte Informationen. Dieses Mal werden die Maschinenmenschen mit Hinweisen zur Literatur von der Antike bis Heute beleuchtet, der Tower of London unter die Lupe genommen und die historischen Persönlichkeiten Erzsébet Bathory, auch als Blutgräfin bekannt, und Frances Tumblety, einer der Tatverdächtigen im Jack the Ripper Fall, umrissen. Die Zusatzinformationen zu den zwei zuletzt Genannten dürfte vor allen Dingen für die Hörspiel-Hörer interessant sein, denn in den ersten beiden Malcolm Max Hörspielen, »Im Banne der Untoten« gibt es eine Figur die an die Blutgräfin angelehnt wurde und in »Blutnächte in Whitechapel« hat Mr. Tumblety eine Rolle inne.
Fazit
Der zweite Malcolm Max Band überzeugt durch zugewonnenes Tempo, Action und die einnehmende Mischung aus Krimi, Steampunk und Schauerroman.
Malcolm Max bleibt sich treu - der zweite Band der Trilogie glänzt mit einem spannenden Steampunk-Krimi, exzellent geschriebenem, stets leicht ironischen Text (mit für Comic-Verhältnisse ungewöhnlich viel Erzähltext), messerscharfen Dialogen und interessanten Charakteren - seien es neu eingeführt, seien es bereits bekannte, die nun etabliert werden. Dabei bleibt lediglich ein bisschen des Humors aus Band 1 auf der Strecke - was in erster Linie dem Umstand geschuldet ist, dass dieser aus der nun unnötigen Vorstellung der beiden Hauptfiguren resultierte.
Und über das Artwork braucht man nicht reden - Illustrator/Grafiker/Comiczeichner Ingo Römling liefert rundheraus beeindruckende Arbeit ab. Wie immer.
Nur eines nervt: Ununterbrochen liest man ein und die selbe Fußnote: "Siehe Band 1, Body Snatchers". Teils dreimal auf einer Seite. Eine Krankheit, die viele Comics befällt, aber noch nie so ausgeprägt war wie hier. Liebes Autoren-Team: Das ist ein Fortsetzungs-Comic. JEDER, der Band 2 liest, hat auch Band 1 gelesen, und braucht keine Fußnoten. Und wer wirklich ohne Kenntnis von Nummer 1 daran geht, dem helfen die Fußnoten eben denoch nicht weiter, weil sie letztlich auch wieder zu wenig Infos transportieren, um die Lektüre zu ersetzen. Also bitte: Sie sind vollkommen unötig, und stören den Lesefluss. Bitte weglassen bei Band 3!
Der Zeichnungsstil ist ja ganz nett und die Geschichte auch, aber ich finds sehr schade wie Charisma dargestellt wird. Es wird zwar ständig erwähnt, dass sie eine Halbvampirin ist, aber es wird nie gezeigt. Sie könnte auch einfach ein Mensch sein, sie hat keine bemerkbaren übernatürlichen Fähigkeiten.
I liked this one better but still sometimes it was really farfetched. I like the two little girls and the mysteries of Max but I don't like the mind-controlling part (not any of that part).