Anna Brüggemann erzählt vom schmerzhaft engen Band mütterlicher Erwartungen
Regina ist eine typische Vertreterin der Nachkriegsgeneration, sie hatte bereits viele Möglichkeiten, sie konnte Psychologie studieren und von einer akademischen Laufbahn träumen, um dann doch der Familie zuliebe Abstriche zu machen. In ihre Töchter Antonia und Wanda setzt sie nun alle Hoffnungen. Antonia unterläuft diese konsequent, bricht ihr Studium ab und wird alleinerziehende Mutter. Wanda erfüllt alle in sie gesetzten Wünsche und wird dabei in ihrem wahren Wesen übersehen. Als sie sich am Sterbebett Reginas ein letztes mal zu dritt treffen, brechen die alten Konflikte auf - und die Frage, wer wem was verzeihen kann, prägt den Abschied.
Meine Meinung: Anna Brüggemann konnte mich bereits mit ihren vorherigen Roman absolut von sich überzeugen und zählt seitdem zu den Autorinnen, die ich stets im Blick behalte. Nun erschien also ihr neuer Roman und dieser behält die altbekannten Stärken bei und baut diese sogar noch um einiges aus. Die Autorin hat einen sehr schnörkellosen und reifen sound in ihrem Schreibstil, der dennoch die Emotionalität nie vermissen lässt, sondern diese gerade daraus schöpft, dass dem Leser auf eine ganz subtile und doch unfassbar tiefgreifende Art die Zwischenmenschlichkeit nahegebracht wird. Hinzukommt eine so authentische und reflektierte, wie tiefgreifende Charakterzeichnung, die schonungslos ist und auch die Charaktere untereinander in ihren Konversationen und Gedanken, schonungslos gegenübertreten lässt und dadurch eine Emotionalität und aber auch Spannung erzeugt, die einmalig ist.
Getragen wird dies von einem Schreibstil, der literarisch kaum besser sein könnte und der mich auf jeder Seite von sich überzeugen konnte. Ein zwischenmenschlich komplexes und psychologisch raffiniertes Kammerspiel, das alles hat, was brillante Literatur benötigt.
Die Erwartungen von „trennungsroman“ konnten leider nicht erfüllt werden. Trotzdem hat es mir grundsätzlich gut gefallen und vor allem das Thema der Mutter Tochter Beziehung finde ich sehr ansprechend und würde ich gerne öfter lesen.
»Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen, sie bekommen nichts. Simone de Beauvoir« (S. 111)
Zwei grund-verschiedene Schwestern, Antonia & Wanda, die beide nie den Ansprüchen der eigenen narzisstischen Mutter gerecht werden können. Eigentlich sollte sie dies zu Verbündeten machen, aber manchmal sind die Unterschiede auch zwischen den Menschen, die wir von Geburt an kennen, zu groß, um sie nah sein zu lassen.
»Sie mochte diese Momente alleine, in denen kein Gegenüber sie ansah, sie niemanden glücklich machen wollte.« (Wanda, S. 29)
Authentisch zeichnet Anna Brüggemann das Porträt einer Familie, die ein Abziehbild so vieler deutscher Familien aus den 80er/90er Jahren sein könnte. Vielleicht nicht ganz genau so, aber die unterschwellige Kritik wird deutlich: An der Pick-Me-Girl-Attitude, dem toxischen Körperbild und Essstörungen, den Ansprüchen von Eltern (nennen wir es beim Namen, hier vor allem: Müttern) an ihre Kinder (Töchter), und wie sich dies ein Leben lang auswirken könnten.
»Abstrakt, dachte Antonia. Was sie mir hier von Wanda erzählt, ist alles irgendwie abstrakt. Ich weiß immer noch nicht, wie der Urlaub war, wie es Mama geht und wie Wanda. Mama legt immer einen Standard fest, wie bei einer Maßtabelle, und entweder man passt da rein oder nicht. Und wenn wir Idealmaße haben, machen wir sie glücklich.« (S. 285)
Anna Brüggemann zeichnet in ihrem neuen Roman »Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen. Roman über Mütter und Töchter« gekonnt und in perfektioniertem Schreibstil ein gelungenes Psychogramm von Mütter-Töchter-Beziehungen, in dem sich sicherlich die ein oder andere an verschiedenen Stellen selbst wiedererkennen kann.
Große Leseempfehlung 💜 Einziger — m i n i 🤏🏼 — Kritikpunkt von meiner Seite: Der Roman wird in drei zeitlichen Teilen erzählt. Teilweise sind mir Passagen zu langatmig, dafür fehlen mir gedanklich auf der anderen Seite doch einige Details zwischen den Jahren.
Puh, irgendwie hat‘s mich trotz unnahbarer, teilweise sehr unsympathischer Charaktere (kaum möglich, zu ihnen eine Beziehung aufzubauen) sehr gepackt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Hat mich schon zum Nachdenken gebracht und ziemlich traurig gemacht.
Meine Gedanke am Ende: Mehr das Leben leben, so lange man die Chance dazu hat.
Ein Buch bei dem diesmal die Titelliebe zugeschlagen hat. 'Wenn Nachts die Kampfhunde spazieren gehen' von Anna Brüggemann macht damit von vornherein klar das hier kein Happy Life Buch um die Ecke kommt. Trotz der Schwere und des sich vor Unwohlsein winden wollen Gefühls die dieses Buch vermittelt, lässt es sich leicht und unterhaltsam lesen. Eine gute Mischung finde ich. Wir begleiten eine extrem narzisstische Regina und ihren ruhigen und recht besonnenen Mann Edgar und ihren zwei Töchtern Antonia und Wanda über 20 Jahre und bekommen eine toxische Mutter Töchter Beziehung par excellence geboten. Die eher zurückhaltende Antonia findet vor den Augen ihrer Mutter wenig Gnade. Zu weich und bleich ihr Körper, zu introvertiert und wenig ehrgeizig ihr Gemüt. Wanda hingegen ist ihrer Mutter recht ähnlich, so scheint es. Aber unter der starken, schönen und schillernden Fasade macht das Gefallen wollen Wanda komplett kaputt. Interessant fand ich wie selbstverliebt die Mutter ist, obwohl Sie sich selbst nicht genügen würde. Ich habe sehr mit den Schwestern gelitten und zum Ende hin Reginas Enkelin extrem gefeiert. Ein tolles, selbstbewusstes und kluges Mädchen welches sich auch mal traut ihrer Oma die Stirn zu bieten. Ein Buch welches ich gerne gelesen habe, was aber auch weh getan und mich geärgert hat, traurig war, aber auch mal etwas lustig und nett. Viele Gefühle und ein tiefer Einblick in ein sehr ungesundes Mutter-Töchter Gestrick. Ich mochte es gerne!
Der Roman erzählt die vielschichtige Geschichte einer Mutter und ihrer beiden Töchter über zwei Jahrzehnte hinweg. Dabei werden zentrale Themen wie Familienbeziehungen, Generationenkonflikte und die unterschiedlichen Wege, mit elterlicher Liebe, Erwartungen und Erziehung umzugehen, eindrucksvoll beleuchtet. Besonders spannend ist die Darstellung der Schwestern, die trotz ihrer gemeinsamen Herkunft ganz eigene Lebenswege einschlagen.
Das Buch besticht durch seine realistische Perspektive auf das Leben und familiäre Dynamiken. Es zeigt, dass der Wunsch nach Liebe und Anerkennung oft stärker sein kann als das Bedürfnis, eigene Grenzen zu setzen – ein Dilemma, das sowohl positive als auch negative Seiten hat. Das Ende bleibt bewusst ambivalent und fernab von einfachen Lösungen, was die Geschichte umso glaubwürdiger macht.
Obwohl die Charaktere nicht unbedingt sympathisch wirken, zieht die Erzählung dennoch in ihren Bann. Die feinfühlige, ehrliche Darstellung macht den Roman zu einer beeindruckenden Lektüre, die lange nachhallt. Ein sehr gelungenes, intensives Buch!
Bei diesem Buch habe ich auch nach dem zu Ende lesen noch sehr gemischte Gefühle und Gedanken.
Titel und Thema des Buches klangen für mich sehr vielversprechend und interessant. Ich lese sehr gerne Bücher in denen Generationeneffekte oder Probleme behandelt werden. In solchen Geschichten kommen auch öfter mal unangenehme bis düstere Themen auf den Tisch. In diesem Buch nahm das allerdings gar kein Ende und die permanente Macht, die die Mutter über die Töchter hat und ihre andauernde Abwertung von allem und jeden war für mich irgendwann so unerträglich und langatmig geschildert, das ich überlegt habe das Buch abzubrechen. Regina ist furchtbar und extrem egozentrisch angelegt und wurde für mich nicht richtig greifbar. Warum sie so handelt wurde in meinen Augen nicht schlüssig aufgelöst. Ähnlich wie in der Familie nahm sie auch im Buch den gesamten Platz für sich ein, insofern authentisch unangenehm aber ohne viel Dynamik. Und auch das Verhältnis der Schwestern untereinander wäre gut auf 5 Seiten auserzählt. Da fehlte mir leider Inhalt oder mehr hinter die Fassade schauen.
Der gesamte Schreibstil konnte mich nicht fesseln und wirkte auf mich leider altbacken und anstrengend, obwohl das natürlich zur inhaltlichen Richtung des Buches passt.
Besonders unangenehm ist mir die Nutzung und Wiederholung von Adjektiven aufgefallen. Wie sehen zum Beispiel sportliche Augen aus?
Alles in allem kann ich zu diesem Thema Bücher wie „Ein anderes Leben“ oder „Was nie geschehen ist“ empfehlen, deren thematische Herangehensweise und Schreibstil mir deutlich besser gefallen haben.
Der ungewöhnliche Titel verrät nicht, worum es in diesem Roman eigentlich geht: komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen, Erwartungen, Abgrenzung und Emanzipation ⭐️⭐️⭐️⭐️✨/5
Wir folgen dem über einen Zeitraum von 20 Jahren erzählten Lebensweg dreier Frauen. Da ist Regina, die Mutter, die vieles in ihrem Leben erreicht hat und dennoch vieles bedauert – verpasste Chancen, falsche Entscheidungen, ihren Lebensentwurf; Antonia, die ältere Tochter, die Reginas Erwartungen nicht gerecht werden kann und es deshalb gar nicht erst versucht; und Wanda, die jüngere Tochter, die dem Idealbild ihrer Mutter zu entsprechen scheint und daran langsam zerbricht.
Obwohl sich drei Perspektiven abwechseln, bildet die Mutter das Epizentrum der Geschichte, den Fixstern, um den auch die Erzählstränge der Töchter kreisen. Was den Roman so besonders und auch schmerzhaft macht, ist die subtile Beschreibung dieser Familiendynamik: Es gibt keinen sichtbaren Missbrauch, keine gewalttätigen Ausraster, keine Extreme, keinen offenkundigen Grund, sich zu distanzieren. Mutter und Töchter verreisen zusammen, telefonieren regelmäßig und feiern miteinander Weihnachten, auch nachdem Antonia und Wanda bereits erwachsen und ausgezogen sind. Das klingt doch nach heiler Welt. Oder?
Obwohl Reginas Ichbezogenheit, ihre Unzufriedenheit und Missgunst förmlich aus den Seiten schreien, richten sich ihre bissigen Kommentare selten direkt an ihre Töchter, vieles ist angedeutet und spielt sich in ihrem Inneren ab. Sie will das Beste für ihre Töchter und irgendwie auch nicht. Frei nach dem Motto „gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“ zeigt Regina sich vordergründig liebevoll, erkennt aber auch als praktizierende Psychotherapeutin bar jeder Selbstreflexion nicht, wie sehr sie ihre Töchter prägt, indem diese ihre Gefühle zu antizipieren und ihr zu gefallen versuchen.
Die daraus resultierende Anspannung beider Töchter im Umgang mit Regina ist greifbar. Beide gehen auf ihre Art damit um und erst der nachfolgenden Generation gelingt es, ihre Verletztheit offen anzusprechen und sich abzugrenzen.
Bedrückend und fesselnd zugleich. Ich wollte unbedingt weiterlesen und erfahren, wie sich die Charaktere und Beziehungen weiterentwickeln. Ziemlich faszinierend, weil es immer wieder unangenehm wurde. Es ist sicherlich eine Kunst so zu schreiben. Dennoch für meinen Geschmack zu viel Gefühl der Enge vermittelt.
In „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ begleitet man Regina, eine Psychologin, deren Karriere wegen familiärer Verpflichtungen ins Hintertreffen geriet, und ihre beiden Töchter Antonia und Wanda über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Die Mutter-Tochter-Beziehungen könnten kaum unterschiedlicher sein: Antonia, die ihr Studium abgebrochen hat und als alleinerziehende Mutter lebt, hat aufgegeben, den Erwartungen ihrer Mutter gerecht zu werden. Sie hat sich von dem Bestreben, Reginas Anerkennung zu gewinnen, längst verabschiedet. Wanda hingegen, von dem Wunsch nach Anerkennung getrieben, setzt alles daran, das Idealbild ihrer Mutter zu erfüllen. Ihr Perfektionsstreben – die Klügste, Schlankste und Beste sein zu wollen – führt schließlich zu einer Essstörung. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die 1998, 2010 und 2019 spielen. So begleitet der Leser die Familie über eine längere Zeitspanne hinweg. Im Mittelpunkt steht der Einfluss von Regina auf das Leben ihrer Töchter. Regina möchte, dass ihre Kinder jene Träume verwirklichen, die ihr selbst verwehrt geblieben sind. Aus ihrer Sicht will sie nur das Beste für sie – und das Beste bedeutet für Regina beruflichen Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung. Sie bemerkt jedoch nicht, wie sehr sie ihre Töchter bewertet und ihnen dadurch ein negatives Selbstbild vermittelt. Die beiden Schwestern reagieren sehr unterschiedlich auf diesen Druck: Während Antonia sich innerlich distanziert, weil sie ihre Mutter ohnehin nicht zufriedenstellen kann, verbeißt Wanda sich in die Erwartungen ihrer Mutter – bis zur Selbstzerstörung. Auch das Verhältnis der Schwestern zueinander ist von diesem mütterlichen Druck geprägt und entwickelt sich zu einem stillen Konkurrenzkampf. Mir gefällt die Thematik sehr gut, und meiner Meinung nach hat Anna Brüggemann sie eindrucksvoll umgesetzt. Die Protagonistinnen wirken authentisch und sind nicht auf bloße Sympathie angelegt. Einzig der Einstieg in die Handlung fiel mir etwas schwer, und stellenweise hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Anna Brüggemanns Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen ist ein tiefgründiger und schonungslos ehrlicher Roman, der sich mit den komplexen Dynamiken von Müttern und Töchtern sowie dem toxischen Erbe familiärer Erwartungen auseinandersetzt. Die Geschichte ist ein fesselndes Porträt einer Nachkriegsgeneration und ihrer Nachkommen, deren Leben von den unausgesprochenen Wünschen, Enttäuschungen und Lasten geprägt wird, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Im Zentrum des Romans stehen Regina und ihre beiden Töchter, Antonia und Wanda. Regina, die ihre eigenen Träume und Ambitionen der Familie zuliebe aufgab, projiziert all ihre unerfüllten Hoffnungen auf ihre Töchter. Während Antonia durch ihren Studienabbruch und das Leben als alleinerziehende Mutter bewusst die Erwartungen ihrer Mutter unterläuft, versucht Wanda, all diesen Erwartungen gerecht zu werden – bis sie in einer Essstörung landet, die von der Familie ignoriert wird. Diese Spannung zwischen Erfüllung und Rebellion zieht sich durch den gesamten Roman und beleuchtet die Frage, warum Töchter oft das Gefühl haben, nicht glücklicher oder erfolgreicher sein zu dürfen als ihre Mütter.
Brüggemann gelingt es meisterhaft, die subtile und zugleich zerstörerische Kraft familiärer Erwartungen zu beschreiben. Sie zeigt auf, wie das Streben nach Anerkennung und Liebe von der Mutter auch über deren Tod hinaus die Lebenswege der Schwestern prägt und wie dieses toxische Erbe ihr Erwachsenwerden beeinflusst. Die Figuren sind psychologisch fein gezeichnet, und ihre inneren Kämpfe werden auf eine Weise dargestellt, die gleichermaßen bewegend und schmerzhaft ist. Besonders die Darstellung von Wandas Essstörung als stille, unbeachtete Konsequenz des Drucks, perfekt zu sein, ist beklemmend und zeigt, wie emotional verheerend solche familiären Dynamiken sein können.
Ein weiterer starker Aspekt des Romans ist Brüggemanns präzise und nuancierte Erzählweise. Die Autorin schafft es, die Beziehung zwischen den Schwestern und ihrer Mutter sowohl in ihrer Zärtlichkeit als auch in ihrer Brutalität zu zeigen. Antonia und Wanda stehen in einer ewigen Konkurrenz zueinander, die ebenso von Autonomiestreben wie von dem tiefen Bedürfnis nach mütterlicher Anerkennung geprägt ist. Brüggemann verschweigt nicht die Schattenseiten dieser Beziehungen, aber sie findet auch Momente der Schönheit und des Mitgefühls, die das Erwachsenwerden der Figuren erhellen.
Die Frage des Klappentextes „Warum darf eine Tochter nicht glücklicher sein als ihre Mutter?“ zieht sich als thematischer Faden durch die gesamte Erzählung. Brüggemann beantwortet sie nicht direkt, sondern lädt die Leser*innen dazu ein, diese Frage in den Lebenswegen der Charaktere zu erforschen. Dabei zeigt sie auf, wie Erwartungen, oft gut gemeint, zu einer Last werden können, die das individuelle Glück behindert und persönliche Entwicklung blockiert.
Fazit: Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen ist ein eindringlicher und kraftvoller Roman über die Komplexität familiärer Beziehungen, insbesondere zwischen Müttern und Töchtern. Anna Brüggemann legt die subtilen Mechanismen offen, die das Leben ihrer Figuren prägen, und zeigt auf, wie schwer es ist, sich von den Erwartungen und dem emotionalen Erbe der Vergangenheit zu befreien. Es ist ein Buch, das gleichermaßen schmerzt und erhellt und dem Leser nachdenklich zurücklässt – eine Empfehlung für alle, die sich für die tiefenpsychologischen Facetten des Menschseins interessieren.
Regina ist in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Was hätte nicht aus ihr werden können, wäre sie doch nur von ihren Eltern gefördert worden. Doch damals brauchte eine Tochter keine Bildung, sondern einen Ehemann. Dennoch hat Regina es geschafft. Sie hat Psychologie studiert und ist Psychotherapeutin. Und trotzdem bedauert sie. Sie bedauert, dass sie der Töchter wegen auf eine Promotion verzichtet hat. Sie wäre sicherlich eine der besten geworden. Umso weniger Verständnis hat sie für ihre ältere Tochter Antonia, die so gar nichts aus sich macht und eine einzige Enttäuschung ist. Sie achtet nicht auf ihren Körper, bricht schließlich das Studium ab und wird alleinerziehende Mutter. Deutlich besser gelungen ist die jüngere Tochter Wanda. Ehrgeizig, hübsch, superschlank, erfolgreich. Auf Wanda kann sich Regina verlassen, Wanda ist zuverlässig und der Mutter zugewandt. Währenddessen pendeln die Schwestern in ihrer Beziehung zwischen Rivalität und Liebesbedürfnis. Und beide sehnen sich danach, es der Mutter endlich recht machen zu können und auch einmal bedingungslos von ihr geliebt zu werden.
Der Roman beginnt im Jahr 1998, da ist Antonia gerade 18 und macht ihr Abitur. Wanda ist 17 Jahre alt. Irgendwann gibt es einen großen Zeitsprung in das Jahr 2010 und dann noch einen in das Jahr 2019. So verfolgt man beim Lesen, wie die Mädchen zu erwachsenen Frauen werden und auch noch im Alter von fast 40 Jahren von ihrer Mutter dominiert werden. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, sodass man alle drei Sichtweisen erlebt. Reginas Handeln wird vielleicht nachvollziehbarer, aber nicht sympathischer. Der Roman zeigt eine schmerzvolle Mutter-Töchter-Dynamik auf, in der die Töchter jede auf ihre Weise um die nahezu unerreichbare Liebe der Mutter buhlen. Nachspürbar und fast schon zu nah zeigt die Geschichte auf, was die unrealistischen Erwartungen von insbesondere Müttern mit ihren Töchtern machen. Dabei zeigt die Autorin eine unglaublich gute Beobachtungsgabe und Realitätsnähe. Das Buch lebt vor allem von den vermittelten Emotionen, die mitunter sehr beklemmend sind. Es geht weniger um die großen Handlungselemente, denn Regina seziert vor allem die Lebensentscheidungen ihrer Töchter, wobei sie sich selbst von jeder Verantwortung freizumachen versucht. Die Geschichte ist weder plakativ noch vordergründig feministisch, am Ende stellt sich aber trotzdem u.a. die große Frage, warum Frauen es einander so schwer machen müssen. Die Geschichte der Töchter berührt, lässt die eine oder andere Leserin möglicherweise auch selbst erlebte Muster wiedererkennen und sich fragen, wie man selbst als Mutter agiert. Mich hat das Buch sehr gefesselt, nicht aufgrund einer extrem spannenden Handlung, sondern mit der Frage, ob und wie es den Töchtern gelingt, ihr eigenes Leben zu führen. Emotional hat es mich voll abgeholt und bis zum Ende in einen wahren Gefühlsstrudel geworfen.
Die Mutter Regina merkt gar nicht, wie toxisch sie für ihre Töchter und auch für andere Menschen aus ihrem Umfeld ist. Und das Perfide: Diese Frau ist auch noch Psychologin! Eine starke Idee!
Schon der Anfang hat mich gefesselt.
Eigentlich ist es die Abiturfeier der älteren Tochter Antonia, aber im Mittelpunkt für den Leser steht die Mutter Regina. Und die ist vor allem stolz auf die ein Jahr jüngere Tochter Wanda, die auf dieser Feier eine Rede hält, während Antonias Abitur Nebensache ist. Das sagt schon vieles über Regina aus.
Getoppt wird das Ganze dann noch, indem weiter dargestellt wird, wie unzufrieden und missgünstig Regina ist. Sie tut mir eigentlich nur leid.
Die Töchter lernen wir gleich danach genauer kennen. Antonia, die ältere, ist eindeutig diejenige, die von ihrer Mutter benachteiligt wird, vor allem was Aufmerksamkeit angeht. Wanda, die jüngere, ist das Lieblingskind der Mutter.
Antonia geht erstaunlich distanziert und mental gesund damit um. Ihre Schwester Wanda hingegen steht irgendwie unter Zwang, es der Mutter immer recht machen zu wollen. Wanda entwickelt dadurch eine Gewohnheit, dass sie immer allen gefallen möchte. Sie will niemandem zu schwer sein, was in eine Ess-Störung führt.
Mich hat die Dynamik dieser Geschichte nicht losgelassen. Sie spielt in drei Teilen mit jeweils einigen Jahren Abstand dazwischen. Nach jedem Zeitsprung gibt es neue Überraschungen und die Entwicklung der einzelnen Figuren lässt sich sehr schön verfolgen.
Die Autorin hat mich mit ihrem lebendigen Schreibstil praktisch live dabei sein lassen. Es ist ihr sogar gelungen, dass ich selbst Reginas Beweggründe manchmal verstehen konnte, obwohl ich sie niemals mochte.
Am sympathischsten war mir Antonia und später deren Tochter Celina, die einen noch gelasseneren und dabei sogar liebevollen Umgang mit ihrer Großmutter Regina pflegen konnte.
Was es mit dem ungewöhnlichen Titel und den Kampfhunden auf sich hat, wird in einem der späteren Kapitel angedeutet. Nur so viel: Es hat einen eher symbolischen Hintergrund.
Fazit: Ein äußerst lebendig geschriebener, sehr lesenswerter Roman.
Über einen Zeitraum von 20 Jahren beschreibt Anna Brüggemann die Beziehungsdynamik zwischen Mutter Regina und ihren beiden Töchtern Wanda und Antonia, deren eigene Persönlichkeitsentwicklung sowie die mehr oder weniger gelungene Abgrenzung der Töchter. Regina, Nachkriegskind, in der eigenen Elternbeziehung nicht satt geworden, beständig nach Anerkennung und Bestätigung hungernd, sehr hart und fordernd sich selbst aber auch ihrem Ehemann und ihren Töchtern gegenüber - eine Figur, die aufgrund der eigenen narzisstischen Persönlichkeitsstruktur erst mal wenig Sympathien hervorruft und doch spürt man beim Lesen, unter welchem Druck sie steht (u.a. in fortgeschrittenem Alter nochmal eine Dissertation zu verfassen). Sehr spannend fand ich die jeweilige Entwicklung der beiden Töchter und deren unterschiedlichen Möglichkeiten sich aus der Verstrickung zu lösen bzw. darin zu verharren (Thema "nicht satt werden"(dürfen) bei einer der beiden Töchter). Interessant fand ich zudem die Idee der Autorin, die Mutter als Psychotherapeutin arbeiten zu lassen bzw. auch deren Dissertstionsthema über Eltern-Kind-Beziehungen - dabei immer sich selber als "nicht ausreichend genährtes" Kind im Blick und die Beziehung zu ihren Töchter so wenig realistisch reflektieren könnend. Über den Titel, der zunächst etwas sperrig klingt, musste ich lange nachdenken, und hat sich für mich erst durch die Worte der Autorin im Rahmen eines Interviews erschlossen: "Ich finde außerdem interessant, wie die Konkurrenz unter Schwestern eher indirekt ausgetragen wird, das Messen an der eignene Mutter aber auch. Vordergründig sind Frauen (Mütter, Schwestern) nett zueinander, aber nachts – also im Unterbewussten – brodelt es." Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen und würde es jedem empfehlen, der sich für die ganz besondere Dynamik zwischen Müttern und Töchtern, aber auch deren Persönlichkeitsentwicklung über einen längeren Zeitraum interessiert. Es regt zum Austausch und Mitfühlen an. Ich gebe dem Buch gerne 4.5 von 5 Sternen.
WENN NACHTS DIE KAMPFHUNDE SPAZIEREN GEHEN Anna Brüggemann ET: 31.10.2024
„Ich habe das Gefühl, ich hab mein ganzes Leben darauf ausgerichtet, dass sie nicht ausflippt. Ich mache alles, damit sie lieb zu mir ist.“ (S. 295)
Die 50-jährige Regina hat zu allem eine Meinung – und die ist selten freundlich. Sie wertet Menschen und Situationen ab, hört nicht zu, reißt jedes Thema an sich und steht dabei immer selbst im Mittelpunkt. Sie lechzt nach Aufmerksamkeit, lästert über Abwesende und betont bei jeder Gelegenheit, dass sie Akademikerin ist – als sei das der alleinige Maßstab für Intelligenz. Selbstkritik kennt sie nicht und gesteht sich eigene Fehler nicht ein. Am meisten leiden darunter ihre beiden Töchter: Antonia, die Ältere, versucht sich an ihrer Mutter abzuarbeiten – vergeblich. Nie ist sie gut genug: weder in der Schule noch im Sport und vor allem nicht schlank genug. Später bringt sie – zum Unmut der Mutter – ein Kind ohne Vater zur Welt. Wanda hingegen verbiegt sich mit Erfolg. Sie ist gertenschlank, sportlich, Klassenbeste und immer in den „richtigen“ Mann verliebt. Doch sie trägt diese Prägung wie eine Last durchs Leben. Vater Edgar hat sich längst mit der Rolle als schweigendes Anhängsel abgefunden.
Die Geschichte beginnt 1995, und über fast 30 Jahre begleiten wir diese zerrüttete Familienkonstellation. Ein Wohlfühlroman ist das nicht, aber intensiv, schonungslos und ehrlich. Immer wieder wünschte ich mir, Antonia würde ihrer Mutter endlich die Meinung sagen. Doch in einer Zeit, in der es kaum Kinderbetreuung gab, war es für eine alleinerziehende Mutter mit schlecht bezahltem Job nahezu unmöglich, ohne Hilfe eines Elternteils ein Kind großzuziehen.
Ein kraftvoller, emotionaler Roman, der mich sehr bewegt hat und den ich euch sehr gerne empfehle. 4½/5
Ohne eine vorherige Leseprobe hätte ich mir "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" von Anna Brüggemann nicht ausgesucht. Cover und Titel weisen erst einmal gar nicht darauf hin, um was es sich hier handelt - mehr noch, mich würde der Titel in eine ganz andere (Roman-)welt führen.
Doch Anna Brüggemann schreibt eine authentische Familiengeschichte über Generationen, über Erwartungen, über Schwestern. Im Fokus steht Mutter Regina mit ihren Töchtern Antonia und Wanda. Im Fokus stehen auch die hohen Erwartungen einer Mutter an ihre Töchter - die jüngere Wanda, die diese erfüllt, die ältere Antonia, die ihren Weg geht und damit für die Mutter nicht mehr wichtig ist.
Der Roman lebt vom Perspektivwechsel, bleibt aber in der Außenansicht durch den personalen Erzähler. Man kann aber gut mit den Frauen mitfühlen, und so lebt das Buch für mich vor allem durch sehr emotionale Passagen. Dass Regina als Mutter traurig macht und sogar schockiert, ist an viele reale Situationen angelehnt, ist in der Gänze aber auch sehr extrem.
Thematisch ist der Roman also tiefgehend, sprachlich erinnert er an manchen Stellen aber eher an einen Groschenroman. Hier gibt es für mich eine kleine Diskrepanz. Dieses Buch richtet sich nicht an Leser und Leserinnen, die eine platte Geschichte lesen möchten. Beim nächsten Roman sollte die Autorin darauf achten. Ich möchte "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" gern weiterempfehlen. Ich fürchte aber, dass das Buch im Ladenregal nicht allzuviel Aufmerksamkeit von den Lesern und Leserinnen bekommen wird, an die es sich richtet.
In dem Buch geht es um die Mutter Regina und ihre beiden Töchter. Regina, selbst sehr ehrgeizig, stellt hohe Anforderungen an ihre Töchter Antonia und Wanda. Ihre Enttäuschung ist daher groß als Antonia ihr mitteilt, dass sie ihr Studium abgebrochen hat. Im Gegenteil dazu steht Wanda, die konsequent ihre Ziele verfolgt und dabei in eine Esstörung rutscht.
Das Buch greift sehr spannende Themen auf. Zum einen wird thematisiert, was passiert, wenn Eltern hohe Anforderungen an ihre Kinder stellen und die eigenen Wünsche auf die Nachfolgegeneration übertragen. Wenn auch oft gut gemeint, so kann dies auf Kinder einen großen Druck ausüben. Bei Wanda und Antonia zeigt sich das sehr unterschiedlich. Die eine scheint im Leben nicht ganz anzukommen und leidet stetig darunter, im Schatten ihrer erfolgreichen Schwester zu stehen, während die andere von ihrem Hang zur Perfektion in eine Esstörung rutscht, die von den Eltern nicht erkannt wird. Die Dynamik in dem Buch ist sehr interessant, allerdings empfand ich die Mutter Regina als sehr unsympathisch. Daher fiel es mir schwer, mich auf ihre Geschichte einzulassen. Die Kapitel aus der Sicht der Töchter haben mir wesentlich besser gefallen. Während ich Regina sehr durchschaubar fand, zeigten sich die Töchter umso vielschichtiger und es war spannend, ihren Werdegang zu verfolgen. Der Schreibstil des Buches ist sehr durchschnittlich. Ich habe weder etwas zu bemängeln, noch kann ich ihn besonders loben. Für mich war das Buch interessant zu lesen, doch es ist keine Geschichte, die nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Dafür fehlten mir einfach die Höhe- oder Tiefpunkte. Rundum vergebe ich daher 4 solide Sterne.
Wanda und Antonia sind Schwestern und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Wanda ist schön, schlank, sportlich, selbstbewusst und in der Schule eine Überfliegerin. Antonia zu kurvig, schüchtern und in nichts wirklich begabt. Zumindest ist das die Perspektive von Regina auf ihre beiden Töchter. Kritisch misst sie die beiden an ihren persönlichen unerfüllten Wünschen, ihren eigenen und den gesellschaftlichen Maßstäben - und das durchgängig durch das Buch, das sich mit Zeitsprüngen über eine Zeitspanne von etwa 20 Jahren erstreckt.
Gekonnt verwebt Anne Brüggemann durch die drei Perspektiven von Regina, Wanda und Antonia Innen- und Außenschau und die Brüche dazwischen. Es ist ein gelungenes Psychogramm einer Mutter-Tochter Beziehung, das erschreckend deutlich aufzeigt, wie nachhaltig die Erwartungshaltung unserer Eltern uns in unserer Selbstwahrnehmung prägen.
Zuweilen waren mir Anne Brüggemanns Worte fast zu deutlich, zu wenig subtil die Auseinandersetzung der Charaktere mit ihren Gefühlen. Gerade in jungen Jahren, in denen die Erwartungshaltung der Mutter die eine in die Magersucht stürzt und die andere ihre Schultern immer mehr hochziehen, sich zunehmend verstecken lässt, wirkten Wanda und Antonia für mich auf unglaubwürdige Weise reflektiert.
Dennoch ein Buch, das in seiner, wenn auch wenig unterschwellig formulierten, Message nachhallt.
Das Buch befasst sich mit einem interessanten Thema, das mir so bisher selten begegnet ist. Die Charaktere sind sehr authentisch und die Beziehungen innerhalb der Familie werden deutlich, aber wenig übertrieben noch runter gespielt dargestellt.
"Darüber hatten Edgar und sie oft gesprochen, als die Kinder klein waren. Dass sie zu aufbrausend war, zu autoritär. Tief innen musste Regina sich eingestehen, dass sie diese kurzen Momente der absoluten Macht genoss. Sie hatte das Wohl und Weh ihrer Töchter in der Hand. (Seite 105-106)
Als Leser lernt man die Familie zum Abschluss der ältesten Tochter kennen und begleitet das Geschehen über eine längere Zeit bis zum Altwerden der jüngsten Tochter. Leider wird hier die Kindheit wenig beleuchtet, was ich mir aber noch gewünscht hätte. Dafür erhält man Einblicke in den Einfluss, den solche Erziehung auf das Erwachsenwerden haben.
"Könntest du deinem Urteil vielleicht ein wenig mütterliche Empathie hinzufügen?" Sah ihre Mutter nicht, wie erschöpft sie war? Sah das überhaupt jemand? (Seite 281)
Die Geschichte kam mir zum Ende sehr langatmig vor und ich hätte mir dort ein wenig mehr Kürze gewünscht. Dennoch ein gutes Buch was ich empfehlen kann.
Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen heißt der neue Roman von der 1981 geborenen Filmschaffenden und Schriftstellerin Anna Brüggemann und dieser Titel macht neugierig. Das Buch ist eine Art Familienroman und erzählt von der resoluten Regina und ihren beiden fast erwachsenen Töchtern Antonia und Wanda. Der Untertitel „Roman über Mütter und Töchter“ ist also wirklich zutreffend. Ihre Beziehungen zueinander stehen im Mittelpunkt. Antonia ist besonders sensibel und hat nicht viel Selbstvertrauen. Daher hat sie es mit ihrer starken Mutter nicht immer leicht. Wanda ist etwas jünger und hat eine Essstörung. Die Perspektiven zwischen den drei wechseln. Durch den Blick in ihre Gedanken lernt man die Figuren besser kennen.
In Teil 2 des Buches gibt es einen Sprung von 12 Jahren und wir sind im Jahr 2010, kurz danach schon 2019 und man der Entwicklung der Frauen gespannt verfolgen.
Anfangs hatten mich einige klischeehafte Sätze und schiefe Bilder irritiert, später hatte ich mich mit dem Stil abgefunden und daran gewöhnt.
Worum es in diesem Buch geht, kann man schon gut und ausführlich in den anderen Rezensionen lesen, deshalb gehe ich da nicht drauf ein.
Bis auf zwei Schreibfehler, die mir aufgefallen sind, hat mir das Buch sprachlich gesehen gut gefallen. Ich konnte es zügig lesen und die Kapitel sind kurz gehalten.
Ich hätte mir doch ein wenig mehr ‚Hintergrundinfos‘ zur Grundproblematik (Generationelles Trauma/Narzissmus) gewünscht. Hätte man den Erzählstrang von Wandas Besuch bei der Therapeutin weitergeführt, hätte die Geschichte für mich etwas mehr Tiefe gehabt. Ich hätte gerne gesehen, dass eine der Töchter selbstreflektiert an sich arbeitet, da diese Thematik so so viele Familien betrifft. So hatte es für mich etwas von ‚am Ende kann sich keine Tochter richtig lösen und alle haben sich ja doch irgendwie lieb.‘.
Eine besondere Rolle hat für mich die Tochter von Antonia - Celina - gespielt. Sie ist ein starker Character und bietet ihrer Oma auch mal die Stirn.
Ich mochte das Buch auf jeden Fall und würde es weiterempfehlen. Danke an den Lesetipp, Eva!
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"Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" - wirklich vorstellen kann man sich unter dem Titel nichts. Und auch nur in einem Kapitel wird der Bogen zu diesem Titel geschlagen. Das Cover ist nicht sehr auffällig, mir gefällt es dennoch ganz gut.
Ich mag den Schreibstil der Autorin und trotz des Umfangs des Buches bin ich nur so durch die Seiten gerauscht. Es hat mich nicht los gelassen wie die Geschichte weiter geht. Die Erzählung handelt von den drei Frauen einer Familie, Mutter Regina und den Töchtern Antonia und Wanda. Regina ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben, was sich auch auf die Töchter überträgt. Diese werden zudem sehr ungleich und ungerecht von ihr behandelt. Die ganzen Konflikte in der Familie sind brilliant herausgearbeitet, das Buch hat mich sehr begeistert und berührt - vielleicht auch weil man viel über seine eigene Familie und befreundete Familien nachdenken muss.
Zum Inhalt: Regina hat zwar ihren Wunsch nach einem Studium erfüllen können, aber dennoch dann der Familie zuliebe Abstriche gemacht und hofft nun, dass ihre Töchter Erfolg haben. Während Antonia eher das Gegenteil tut erfüllt Wanda alle Erwartungen, entwickelt aber eine Essstörung. Die Schwestern versuchen ihr Leben lang ihren Weg zu gehen und kämpfen um Anerkennung. Meine Meinung: Auch wenn mir nicht so recht klar geworden ist, warum das Buch diesen Titel trägt ist es auf jeden Fall ein Buch, dass gerade Töchter lesen sollten. Es zeichnet eine Geschichte von Erwartungen an die nachfolgende Generationund dass eigentlich diese Erwartungen nur enttäuscht werden können. Man kann als Tochter nicht die unerfüllten Träume der Mutter leben, denn man hat eigene Vorstellungen und Wünsche und diesen sollte man nachgehen. Mir hat dieser Generationen-Roman sehr gut gefallen und empfehle ihn gerne weiter. Fazit: Toller Roman
Was für ein schönes Buch. Die letzten Seiten lese ich mit Tränen in den Augen. Es vermischen sich Trauer und gleichzeitig Erleichterung über einen Befreiungsschlag. Anne Brüggemann beschreibt auf eine ganz einfühlsame Weise die Geschichte zweier Schwestern, die in einer schweren Beziehung zu ihrer Mutter stehen. Ich würde fast sagen, dass sie ein toxisches Verhältnis haben. Anhand von drei Zeitabschnitten wird die Familiengeschichte erzählt. Dies bietet mir alls Leserin einen tiefen Einblick in die Charakterzüge und Entwicklung der Protagonistinnen. Ein wirklich tolles Buch, dass bei all der Schwierigkeit auch die Stärke, die in den Frauen liegt, betont und aufzeigt, welche Wege es gibt, mit toxischen Familienverhältnissen umzugehen.
"»Alle sagen mir ständig, dass ich Grenzen setzen soll, und überschreiten damit andauernd meine Grenzen!«"
"Sie hatte »den Absprung nicht geschafft«, so würde man sagen. Aber Antonia hatte nie das Gefühl gehabt, springen zu können, sie hatte keinen Muskel, der dazu ausgebildet war. Sie war zwar fähig gewesen zu träumen, aber ihr Körper war nicht in der Lage gewesen, diese Träume umzusetzen.“
"Irgendetwas war in sie hineingekrochen, was ihr nicht gefiel, was aber nicht mehr weggehen wollte."
"Es hätte wahrscheinlich doch nicht gepasst, dachte sie. Aber das weiß man immer nur, wenn einem das Leben die Chance gibt, sich Jahre später noch einmal zu treffen."
Schon nach den ersten Seiten war es sehr einfach in die Geschichte der drei Frauen einzutauchen. Anna Brüggemann gelingt es in einem unaufgeregten und gleichzeitig eloquenten Erzählstil drei Frauen in ihren Persönlichkeiten von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten. Die Begleitung der Familie bis hin zur Enkelgeneration war nicht nur spannend sondern auch emotional. Ein gutes Buch, vor allem für jene Leserinnen, welche sich gerade im inneren Aushandlungsprozess mit ihrer eigenen Mutter befinden.
Ich mag die Idee sehr des Buches, durch die geschaffene Dynamik schwer erträglich zu lesen und trotzdem konnte ich es nicht aus der Hand legen. Einige Charakter“entwicklungen“ haben sich mir nicht erschlossen bzw wirkten unrealistisch, vielleicht durch die Zeitsprünge. Der Schreibstil wirkt alt aber der Zeit in der es spielt angemessen und einige Adjektive einfach quatsch aka „sportliche Augen“. Und warum der Name des Vaters von komplett Celina geändert in den späteren Kapiteln?
Irgendwie enttäuschend. Es fängt gut an und die Dynamik zwischen den Töchtern und der Mutter ist vielversprechend. Leider bleibt es dabei. Die Charaktere entwickeln sich unglaubwürdig und die Geschichte bleibt flach.