"Onkel Peter ist im Grunde nur eines: ein großer Liebender. Ein großer, unglücklich Liebender." - Martin Suter, "Melody"
Tom Ellmer muss nach langen Jahren des Jurastudiums feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, in der juristischen Arbeitswelt Fuß zu fassen. Als er schon fast die Hoffnung auf einen Job aufgegeben hat, wird er auf eine Zeitungsannonce des Alt-Nationalrats Dr. Peter Stotz aufmerksam, der einen Nachlassverwalter sucht. Zum Bewerbungsgespräch wird Tom in die Villa Aurora am Zürichberg eingeladen, ihm winken Kost, Logis und eine Bezahlung, die er nicht ablehnen kann. Verpflichtet für mindestens ein Jahr zieht er in die Villa seines Arbeitgebers ein, inklusive italienischer Köchin und treuem Butler. Doch was hat es mit den vielen Bildern im Haus auf sich, die alle dieselbe junge Frau zeigen? Nach und nach entfaltet sich Dr. Stotz wahre Geschichte, doch liegen Fiktion und Wahrheit oft nicht weit auseinander...
"Melody" hat alles, was ein guter Suter-Roman benötigt: Spannung, sehr wohlhabende und zuweilen zwielichtige Figuren, kulinarische Ausschweifungen und eine ausgesprochen gut konstruierte Wendung zum Ende, die überrascht. Ich habe bisher keinen Roman von Martin Suter gelesen, der mich nicht ausgezeichnet unterhalten hätte und auch "Melody" bildet davon keine Ausnahme. Im Fokus des Romans stehen Dr. Peter Stotz und seine große Liebe Melody, die kurz vor der Hochzeit spurlos verschwand. Die Geschichte ihres Verschwindens und seiner lebenslangen Suche erzählt der Alt-Nationalrat Tom bei abendlichen Sitzungen am Kaminfeuer, bei denen exzessiv viel Alkohol fließt und die sich bald als der eigentlich zu verwaltende Nachlass entpuppen. Haupt-Schauplatz des rasant ausgeführten Romans ist die Villa am Zürichberg, die mit Säulen, Balkonen, Giebeln und Messingtafel aufwarten kann, durch die Suche nach Melody weitet sich das Setting jedoch auf viele weitere Schauplätze beispielsweise in Singapur oder auch Griechenland aus.
"Melody" ist zwar nicht mein liebster Roman von Martin Suter, vor allem weil mich die enthaltenen Liebesgeschichten nicht gänzlich überzeugt haben. Trotzdem handelt es sich hier um feinste Unterhaltung, die sich toll lesen lässt und erneut in die Welt der Schönen und Reichen entführt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!