Eins der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Konnte es nicht aus der Hand legen, weshalb ich es in zwei Tagen verschlungen habe.
Man muss der Hauptthese nicht zustimmen, aber wer nach dem Lesen des Buches immer noch mit starker Skepsis auf das Thema Allversöhnung schaut, ist herausgefordert, ein in sich kohärentes Gegenmodell auf biblischer und philosophischer Basis anbieten zu müssen.
Und das, was mich an diesem Werk besonders beeindruckt, ist der Verfasser. Mit gerade mal 26 Jahren so ein großes und komplexes Thema mit so einer Weite und Reflexion zu entfalten, ist einfach nur ganz großes Kino. Echt… bin hin und weg von dem Buch, was nicht so häufig vorkommt.
Nichtsdestotrotz noch ein paar kritische Anmerkungen:
1. Zur Bibel: Seine Auslegung zu Matthäus 25 fand ich zu unscharf. Hier hätte man alternative Deutungen präsentieren und hinterfragen können, die alles etwas fairer gemacht hätten. Die Prämisse, dass es nicht um Gläubige und Ungläubige geht, sondern um Personen, die die Geringsten geachtet oder nicht geachtet haben, bedarf etwas mehr Erläuterung. Darüber hinaus fehlt eine Erläuterung zum Feuersee.
2. Zur Definition: Hölle wird nicht explizit definiert. Deshalb wird der Begriff mal so und mal so verwendet. Manchmal geht es um Diesseitiges, mal um Jenseitiges. Ebenso steht manchmal als Hauptmerkmal die Gottverlassenheit von ihr im Fokus und mal das Zerstörerische. Hier bedarf es mehr Klarheit.
3. Zu hermeneutischen Vorentscheidungen: Die Prämisse, dass alle Menschen endlos lange existieren, bedarf mehr Erläuterung. Martin geht nur mit einem Moltmann Zitat darauf ein, dass die Annihilation abzulehnen sei. Das ist mE zu wenig.
Zum Abschluss aber noch seine griffige These und Zusammenfassung, die - wie ich finde - sehr gut den Punkt des Buches trifft:
„Das (konsequenteste) eschatologische Korrelat (1) zur Exklusivität Christi, der den ganzen Kosmos mit sich versöhnt hat, (2) zur gesamtbiblischen Botschaft, die stetig ins Universale strebt, (3) zum Gericht Gottes, welches wahre Gerechtigkeit bringen wird, (4) zur Notwendigkeit des Glaubens, der aus der Versöhnung heraus lebt und (5) zur Mission, die zum Leben im Horizont des Kommenden ruft und dafür eintritt, kann (allein) die Allversöhnung sein.“ (zB auf Seite 237)
Klare Kaufempfehlung, wenn du theologisch etwas Grundlagenwissen hast!!