Jump to ratings and reviews
Rate this book

Kommissär Reitmeyer #1

Der eiserne Sommer

Rate this book
München 1914. Kommissär Sebastien Reitmeyer hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Während die Bevölkerung wie im Taumel das hundertjährige Bestehen des königlichen Leibregimentes feiert, führen ihn seine Ermittlungen in einer Mordserie von den Villen der Großbürger bis ins berüchtigte Café Neptun, dem Vergnügungsort der Offiziere. Aber gegen das Militär darf er per Gesetz nicht vorgehen, und der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen. Da macht er eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt. Unmittelbar vor Kriegsausbruch könnte sie das ganze Land in den Untergang stürzen...

435 pages, Paperback

First published August 16, 2014

36 people want to read

About the author

Angelika Felenda

29 books4 followers
Angelika Felanda is a German author and translator.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
10 (16%)
4 stars
29 (46%)
3 stars
19 (30%)
2 stars
3 (4%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 18 of 18 reviews
Profile Image for Tristram Shandy.
880 reviews268 followers
September 3, 2014
Die Ruhe vor dem Sturm

Eines vorweg: Angelika Felendas Kriminalroman „Der eiserne Sommer“ ist kein tempo- und actionreicher Reißer, der die niederen Instinkte des Lesers mit detaillierten Beschreibungen von Gewalt und Grausamkeit kitzelt und einen Helden präsentiert, der eigentlich auf alles eine Antwort hat und unbeirrt seinen Weg geht.

„Der eiserne Sommer“ ist statt dessen eine solide, nicht allzu atemberaubende Kriminalgeschichte und ein wirklich sehr gelungener Historischer Roman. Kommen wir zunächst zum Aspekt der Kriminalgeschichte und fassen kurz die Handlung zusammen, ohne freilich etwas von der Auflösung zu verraten: Es ist der schicksalhafte Sommer 1914, in dessen Verlauf der Erste Weltkrieg ausbrechen wird, und der Schauplatz ist das scheinbar so gemütliche München. Der Kommissär Sebastian Reitmeyer wird mit dem Mordfall an einem Kellner betraut, der – wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt – Kontakte ins zu jener Zeit noch illegale Homosexuellenmilieu pflegte und die Tatsache, daß in diesem Milieu auch Männer aus den sogenannten besseren Kreisen und dem Militär verkehrten, dazu nutzte, sich mit Erpressung ein Zubrot zu verdienen. Als wenig später ein Komplice des Opfers getötet wird, dämmert es Reitmeyer, daß dort jemand versuchen könnte, einen politischen Skandal zu vertuschen, und kurz darauf wird ihm ebenfalls klar, daß dieser Jemand genügend Macht besitzt, um auch der Polizei Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Felenda erzählt die Kriminalgeschichte aus zwei Perspektiven. Da ist zum einen die eines auktorialen Erzählers, der – abgesehen von wenigen Kapiteln – ganz in der Perspektive des Protagonisten aufgeht und so den Leser an der Ermittlungsarbeit Reitmeyers, wie auch an seinen privaten Problemen, teilhaben läßt. Zum anderen werden immer wieder Tagebuchausschnitte eines in die Mordserie verstrickten Offiziers sowie kurze Memoranda von Militärs dazwischengeschaltet, die die Perspektive des Lesers erweitern, ihm allerdings bei aufmerksamer Lektüre schon im letzten Drittel erkennbare Hinweise auf die Auflösung geben. Der Spannung tut dies indes meiner Meinung nach keinen wirklichen Abbruch, denn als Leser ist man nachgerade fasziniert von der Welt, die die Autorin da auf den Seiten ihres Buches wiederauferstehen läßt.

Und hier sind wir schon beim Historischen Roman, einem Genre, in dem gerade in heutiger Zeit manch ein überehrgeiziger Germanist mit historischem Grundstudium den Leser mit unbeholfenen Gehversuchen zur Verzweiflung treibt. Da werden den Figuren dann seitenlange Exkurse über den geschichtlichen Hintergrund in den Mund gelegt, damit der Leser weiß, woran er ist, oder die Protagonisten denken und handeln wie Menschen unserer Zeit (besonders, wenn der Leser Sympathie für sie aufbringen soll), und – besonders übel – die Sprache paßt nicht zum Zeitkolorit, weil sie entweder zu modern oder zu „Moses, you splendid, adorable fool“-mäßig ist.

Bei Angelika Felenda ist all dies – glücklicherweise! – nicht der Fall: Ihre Sprache ist insgesamt nüchtern, was gut zu der Krimihandlung paßt, und dabei grammatikalisch und stilistisch sicher. Die Dialoge wirken so, als könnten sie von den Menschen der damaligen Zeit wirklich gesprochen worden sein – manchmal mit einem leichten Dialekteinschlag –, und meiden alles Deklamatorische. Vielleicht ist dieses geschickte Händchen für Sprache, das die Autorin in ihrem Erstling zeigt, eben auch ihrem Beruf als Übersetzerin geschuldet, denn diese Tätigkeit schult ja darin, den Ton und Geist einer Vorlage möglichst genau wiederzugeben. Die Personen wirken ebenfalls so, als entstammten sie dem Kaiserreich, von dem uns nun fast 100 Jahre – und doch so viel mehr – trennen. Sie wirken dabei leicht distanziert, so als betrachte man alte Schwarzweißbilder, doch lassen uns die diversen Probleme des so nüchtern und ernst wirkenden Kommissärs dabei nicht etwa kalt: Wir fühlen mit ihm die Frustration, die sich daraus ergibt, daß er als Polizist gegen Militärs nicht ermitteln darf, weil diese einer eigenen Gerichtsbarkeit unterstehen, und daß er den Weisungen von Vorgesetzten folgen muß, die die Doppelmoral der damaligen Zeit bedingungslos unterstützen und dabei von „Staatsräson“ schwafeln. Auch die privaten Probleme Reitmeyers – seine Quasiverlobung mit einer Frau, die er gar nicht liebt, und sein Verlangen nach einer anderen Frau, die für ihn gesellschaftlich unerreichbar scheint, lassen es in dem Roman menscheln. Zum Reichtum der Atmosphäre tragen nicht zuletzt die zahlreichen Nebenfiguren bei, wie etwa der pedantische Brunner, der unfähige Inspektor Klotz, Reitmeyers pragmatischer Kollege Steiger, der ehrgeizige und zu leichter Selbstüberschätzung neigende Polizeischüler Rattler und der zynische Polizeipräsident. Hier liegt sicher noch Potential für manch weiteren Fall Reitmeyers, denn von dieser Polizeitruppe möchte man gerne wiederlesen.

Insgesamt ergibt sich aus dem Treiben dieser – und anderer – Figuren ein differenziertes und glaubwürdiges Sittengemälde der damaligen Zeit, das nicht durch allzu plakative Farbtöne aus dem Rahmen fällt. Die Sonderstellung des Militärs, die gesellschaftlichen Hierarchien und Klassenunterschiede, der Einfallsreichtum, mit dem die linksgerichtete Presse gesellschaftliche Mißstände anprangern mußte, Standesdünkel und Heuchelei – all dies wird geschickt dargestellt, ohne daß die Autorin der Verlockung von Besserwisserei und überheblicher Satire erläge. Allerdings sind die historischen Bezüge und Anspielungen oftmals so behutsam (und dadurch eben glaubhaft), daß ein gewisses historisches Hintergrundwissen beim Leser hilfreich ist. Auch ein gutes Namensgedächtnis sollte man für dieses Buch mitbringen.

Mir hat „Der eiserne Sommer“ ausnehmend gut gefallen, vielleicht weil ich das Buch nicht in erster Linie als reine Kriminalgeschichte gelesen habe. Aber dennoch funktioniert der Roman natürlich auch als solche. Besonders gut ist es der Autorin gelungen nachzuzeichnen, daß der Sommer 1914 für die meisten Zeitgenossen trotz des Attentats in Sarajewo erst einmal ein ganz gewöhnlicher Sommer war, daß sie alle ihren Alltagsgeschäften nachgingen und sich um ihre Alltagssorgen und -vergnügungen kümmerten und kaum erkannten, in welche Katastrophe die Politiker der Großmächte die Welt in Kürze steuern würden. So gebe ich denn alles in allem eine uneingeschränkte Leseempfehlung und freue mich schon auf den nächsten Reitmeyer-Fall.
Profile Image for Barbara Heckendorn.
475 reviews12 followers
July 11, 2020
This was an interesting read. It takes you back to the time when the WWI broke out. However, this event has only marginally something to do with the plot.
The story takes place in Munich, which is still a kingdom. Commissioner Reitmeyer has to clear up the death of a young man. At first it seems that he fell drunk and froze to death on the banks of the Isar. Reitmeyer doubts it. Thanks to an old childhood friend who is currently working in patology, he learns that this man was murdered. Soon there was a second dead man, who was also murdered. Reitmeyer begins to get to the bottom of the matter and realizes that it is about blackmail on a large scale. Photos of homosexual acts circulate among the officers of the royal bodyguard and the rich and aristocratic fathers are blackmailed.
Reitmeyer receives no support from his superiors, since the officers are a taboo subject and are only subordinate to the military, so that the civilian police may not carry out any investigations. Reitmeyer's team includes a young police inspector who is ahead of his time when it comes to investigations, supports Reitmeyer and puts himself in danger.
It was an exciting read.
Profile Image for Denise.
7,516 reviews137 followers
July 27, 2024
Munich in the summer of 1914: War is on the horizon, and a series of murders leading Reitmeyer, the detective in charge of the investigation, to suspect the involvement of military officers is about the last thing his superiors want. Treading carefully, however, proves difficult.

Solid historical mystery.
Profile Image for Nicolai Levin.
232 reviews3 followers
May 12, 2023
München, Sommer 1914. Zwei Leichen, bei denen er nicht an Unfälle glaubt, und eine hässliche Erpressungsgeschichte, in der eindeutige Fotos schwuler Offiziere als Druckmittel verwendet werden, beschäftigen Kommissär Reitmeyer. Blöd, dass der Bruder seiner Flamme Caroline eines der Opfer in der Erpressungssache ist. Doppelt blöd, dass Militärpersonen nicht der allgemeinen Justiz unterliegen, sondern der Militärgerichtsbarkeit. Und dass deren Priorität darauf liegt, den Ruf der Truppe untadelig zu halten, zumal in Zeiten, wo nach dem Attentat von Sarajewo ein militärischer Konflikt spürbar in der Luft liegt.

Auch wenn selbst wir Älteren uns nicht mehr an den Juli 1914 erinnern können, bringt ihn Angelika Felenda sehr plastisch zum Leben. Das Historische hat sie meisterlich drauf: Ohne uns ihr umfassendes Faktenwissen im Übermaß aufzudrängen (wozu fleißig recherchierende historische Schreiberlinge ja gerne neigen), bringt sie uns diese ferne Zeit und ihre Lebensumstände glaubhaft näher, lässt uns eintauchen in den Alltag der Kriminaler, die Standessorgen der Offiziere und die sich hochschaukelnde Erregung der Massen, die nach ungläubigem Schock den anstehenden Krieg kaum mehr erwarten können. Als historischer Gesellschaftsroman funktioniert "Der eiserne Sommer" einwandfrei.

Bei der Krimihandlung allerdings hapert's. Die Idee ist gut, das schizophrene Verhältnis der Wilhelminischen Zeit zur (männlichen) Homosexualität gibt eigentlich alles her, was man braucht. Die Zutaten stimmen, aber irgendwie will kein schlüssiger Plot draus werden. Die eingeschobenen Tagebucheinträge eines Offiziers und die Aktennoten aus dem Kriegsministerium lüften große Teile des Geheimnisses sehr früh, die Ermittlungsgeschichte hat ihre Hänger und Längen und bekommt irgendwie die Spannungskurve nicht. Und (Achtung! Spoiler!) die Auflösung? Sie ist mir zu unbestimmt und am Ende unbefriedigend, ein bissl Verschwörungsgeschichte, ein bissl offenes Ende vor dem Abgrund des entsetzlichen Krieges.

Licht und Schatten auch bei den Figuren: Ermittler Reitmeyer bildet jene freie Projektionsfläche fürs Publikum, die einer Ermittlerfigur gut zu Gesicht steht. Seine Liebeskapriolen sind Ablenkung genug. Polizeischüler Rattler hat mir gefallen, vor allem, als ihm auch Schattenseiten zugestanden wurden. Caroline ist mir zu sehr Plotdevice und ihr Bruder Franz, um den sich doch am Ende viel drehen wird, bleibt langweilig und blass und mit einer bis an die Unglaubwürdigkeit reichenden Dummheit geschlagen, die mich geärgert hat.

Für geschichtlich und an München interessierte Leser_innen allemal ein unterhaltsames Buch. Bei allen Vorbehalten werde ich die Reihe fortsetzen und hoffe, dass Suhrkamp in den beiden mir noch fehlenden Episoden eine_n Korrektor_in spendiert hat. Rechtschreibung ist nämlich nicht Frau Felendas ganz starke Seite, und offenbar hat niemand sich mehr die Mühe gemacht, die letzten Fehler zu eliminieren ...
Profile Image for Inga.
1,602 reviews63 followers
September 21, 2018
Audiobook Rezension:

Der Münchner Kommissär Sebastian Reitmeyer wird angesetzt, in einer Mordserie zu ermitteln. Schon bald führen ihn seine Nachforschungen in die Vergnügungslokale der Offiziere und gleichzeitig in die Schwulenszene. Seine Vorgesetzten machen ihm aber bald klar, dass er nur in gewünschte Richtungen ermitteln soll und darf, gegen das Militär darf er 1914 nicht vorgehen. Die Atmosphäre ist sowieso bereits angespannt durch das Attentat am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, das schließlich im Juli zum Beginn des ersten Weltkriegs führte.
Reitmeyer ist hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch, die Wahrheit aufzudecken (die noch viel unglaublicher ist als zunächst angenommen), und seinem Bestreben, seine ins Geschehen verwickelten Freunde zu schützen.

Das Audiobook wird überzeugend vorgetragen von Johannes Steck und Jens Wawrczeck, wobei letzterer die kommentierende Stimme des Bösewichts übernimmt. Angelika Felenda gibt ihren Charakteren Persönlichkeit und Tiefe und zugleich zeichnet sie treffend das historische Umfeld und die politischen Gegebenheit der Zeit ohne sich dabei zu sehr in Details zu verlieren. Der reine Krimileser wird das politische Wirrwarr um den Fall vielleicht nicht so sehr schätzen, aber die Kombination von Kriminal- und historischem Roman ist Felenda in diesem ersten Band gut gelungen.
Profile Image for Miriam.
310 reviews4 followers
July 2, 2017
Andere haben hier auch schon über diesen Krimi geschrieben. Ich schließe mich den guten Rezensionen an. Ich finde den Krimi gut lesbar, die Geschichte grundsätzlich gut erzählt und auch entsprechend recherchiert. In Bezug auf die Figurendarstellung hätte ich mir noch etwas tiefgehendere Charakterisierungen gewünscht, da wiederholte sich einiges doch öfter und so richtig nachempfinden kann ich die Verhaltens- und Denkweisen des Protagonisten nicht durchgängig. Zwischendurch etwas schematisch und auch insgesamt noch ein bisschen zu lang. ICh glaube, eine weitere Kürzung hätte den Spannungsbogen gestrafft und gut getan.
Das tut aber diesem guten Krimi keinen Abbruch. Und da ich gelesen habe, dass die Qualität der Bücher im Laufe der Reihe noch steigt, werde ich auf jeden Fall noch weitere Bücher aus der Reihe lesen.
Profile Image for Homunculus.
145 reviews14 followers
September 2, 2017
Spannender erster Fall von Kommissär Reitmeyer, der zu einer wirklich interessanten Zeit spielt (zur Zeit des Ausbruchs des ersten Weltkrieges).
Aufgrund der historischen Kulisse kommt der Kriminalfall nicht zu kurz.
Den schon erschienenen zweiten Teil werde ich sicherlich auch noch nachschieben
Profile Image for Kirstin.
788 reviews
September 18, 2020
Ein gut geschriebener historischer Kriminalroman, der im Sommer 1914 in München spielt. Ein guter Einblick in die damalige Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Profile Image for Kecks.
20 reviews
April 8, 2023
Okay read, good for people who love crime stories.
2 reviews
August 20, 2014
Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

Das Buch beginnt mit den Tagebuchaufzeichnungen eines Unbekannten. Es war etwas schwer, in die Thematik einzusteigen, bis die Geschichte um Kommissar - oder besser gesagt: "Kommissär" Sebastian Reitmeyer anfängt. Ich mag die Art, wie Frau Felenda schreibt, denn da die Geschichte in München spielt, gibt es hin und wieder ein paar "Schmankerln" Bayrisch, was natürlich zum Buch passt und wo man sich direkt nach Bayern versetzt fühlt.

Komischerweise habe ich während des ganzen Lesens nie wirklich empfunden, dass die Geschichte ja 1914, also vor 100! Jahren spielt (was teilweise humorvoll beschrieben wird, wie z.B. das Auto, dass sogar 70 km/h schnell fuhr!) Kommissar Reitmeyer habe ich nicht als den jungen Mann empfunden, den er darstellen soll (im Buch ist er erst Anfang Dreißig) sondern als Mann um die 50 - warum das so ist, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht verbinde ich dies einfach mit der Zeit.

Der Kern - bzw. der Grund, aus dem die Morde geschehen, könnte durchaus in die heutige Zeit passen, vielleicht nicht 100% so, aber doch durchaus etwas abgewandelt. Kommissar Reitmeyer ist ein liebenswürdiger Mensch, der prinzipiell sanftmütig ist, jedoch auf mal auf den Tisch hauen kann, wenn´s ihm pressiert, sei es durch den auf eigene Faust ermittelnden Praktikaten oder die geheimnisvolle, möglicherweise etwas verheimlichende Bekannte, für die er auch noch widersprüchliche Gefühle hat.

Als die ersten Morde geschehen, kommt er trotz mehrerer Hindernisse selbst schließlich der Auflösung ganz nahe, obwohl man sich von höchster Stelle nicht ganz kooperativ zeigt und die ganze Angelegenheit lieber vertuschen möchte.

Ich hatte bei dem Buch nie das Gefühl, dass hier irgendetwas zu langatmig geschrieben wurde. Der Schreibstil ist angenehm und klar, es gibt keine Bandwurmsätze oder gar zu kurzen Sätze. Leider gibt es aber auch kein plötzliches Ende, das einen mit einem offenen Mund zurücklässt, man kommt während des Lesens schon bald der Verschwörung auf die Spur. Der Grund, weshalb ich dem Buch nur 3 Sterne gebe, ist, dass ich mir für eine Aufklärung irgendwie mehr versprochen habe. Ich dachte, es kommt noch der ganz große Knall, aber, wie schon gesagt: der Fall war für mich irgendwie "zu früh" aufgeklärt und man konnte schon früh ahnen, mit was alles zusammenhängt und wer die Drahtzieher sind. Auch die Geschichte um Sebastian Reitmeyer verlief für mich so im Sande und kam zu keinem wirklichen Abschuss. Da ja noch Nachfolgeromane folgen sollen, wird dies aber sicherlich noch weiter ausgeweitet.

Ein bisschen hätte ich mir auch mehr das Feeling aus diesem Jahr(zehnt) gewünscht, ein paar Mal wurde ja der Anfang des 1. Weltkriegs und der Auslöser angesprochen.

Trotz "nur" 3 Sterne (mit einem kleinen Plus) würde ich den Nachfolgeroman auch gern lesen, vor allem, da ich die Hauptfigur wirklich gerne mochte.

Meine Wertung somit: 3 Sterne

http://www.stephaniesabato.de/?p=87
Profile Image for Wal.li.
2,557 reviews70 followers
August 3, 2014
Militäradel
Gerade zu der Zeit als der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand einem Attentat zum Opfer fällt geschehen in München etliche Verbrechen, die Kommissär Sebastian Reitmeyer zugeteilt werden. Was zunächst aussieht wie ein Sturz mit Todesfolge, entpuppt sich durch die gewissenhafte Arbeit einer jungen Gerichtsmedizinerin als Mord. Überraschend für den Kommissär handelt es sich bei der jungen Ärztin um eine Bekannte aus den Jugendtagen Reitmeyers, der damals noch hochfliegende Pläne hatte und mit einem Jurastudium begonnen hatte. Durch den plötzlichen Tod der Eltern gezwungen, seinen Unterhalt selbst zu verdienen, schlug Sebastian Reitmeyer die Polizeilaufbahn ein und fühlt sich den ehemaligen Bekannten und Freunden nicht mehr recht ebenbürtig. Bei den Ermittlungen muss er jedoch erfahren, dass Reichtum vor persönlichen Problemen auch nicht schützt und dass eben die Familien der besseren Gesellschaft mehr mit seinem Fall zu tun haben als er je vermutet hätte.

Vor dem geschichtlichen Hintergrund entwickelt sich hier ein brisanter Fall, dessen Hintergründe so glücklicherweise in der heutigen Zeit nicht mehr stattfinden würden. Dennoch sind die Intrigenspiele zwischen den verschiedenen öffentlichen Institutionen sehr gut geschildert. Einflussnahme, Heimlichkeiten, Abteilungen, die ihr eigenes Süppchen kochen und mittendrin der Kommissär und sein aufmüpfiger Polizeischüler, die mit Hartnäckigkeit gewissenhaft die Wahrheit herausfinden wollen. Je näher sie dieser jedoch kommen, desto gefährlicher wird es. Gewisse Wahrheiten sollen einfach nicht ans Licht kommen und um dieses Ziel zu erreichen, ist den Beauftragten nahezu jedes Mittel recht.

In ruhiger dem Schauplatz angemessener Sprache liefert die Autorin ein packendes Zeitgemälde, das mit jeder Wendung mehr zu fesseln versteht. Die Arbeit der Polizei in der damaligen Zeit wird sehr anschaulich geschildert, die Anfänge der modernen Technik gepaart mit den hergebrachten Methoden. Die unterschwelligen Strömungen, die der Wahrheitsfindung nicht immer dienen. Das Alles in der Zeit des drohenden Krieges. Hinzu kommen die persönlichen Erlebnisse und Empfindungen des Kommissär Reitmeyer, die das Buch zu einer sehr gelungenen Mischung aus Zeitgeschichte, Kriminalfall und lebendigen Charakteren machen.

Der Beginn einer Reihe, deren Lektüre gerne weiterempfohlen werden kann.
Profile Image for yexxo.
907 reviews27 followers
August 11, 2014
Vor genau 100 Jahren spielt dieser Kriminalroman, der das damalige Zeitgeschehen nicht nur als wirkungsvollen Hintergrund nutzt, sondern aktiv in die Handlung miteinbindet. Ein junger Mann wird tot an der Isar gefunden und schon bald finden sich Beweise, dass er Kontakte zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft wie auch dem Militär hatte, wenn auch nicht unbedingt erfreulicher Natur nach Meinung diverser oberer moralischer Instanzen (bzw. die sich dafür halten). Weitere Morde geschehen und Kommissär Reitmeyer, der mit diesem Fall betraut wird, findet sich schon bald in der heiklen Situation, dass er erfolgreich ermitteln soll, aber nur so weit, wie es seinem Polizeipräsidenten und anderen Autoritäten gefällt. Doch er recherchiert weiter und gründlicher als Vielen lieb ist und muss feststellen, dass es sich um ein Komplott ungeahnten Ausmaßes handelt...
Historische Kriminalromane sind ja nicht gerade sooo häufig und meist dient die Vergangenheit nur als Kulisse für die eigentliche Handlung. Doch hier ist der Krimi ohne diesen geschichtlichen Hintergrund nicht denkbar. Sehr überzeugend stellt die Autorin die damaligen autoritären Verhältnisse dar, in denen das Militär ein Staat im Staate war und die hohen Herren (und auch Damen) aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung praktisch über dem Gesetz standen (neinnein, das ist nicht so wie heute. Ecclestone musste immerhin 100 Mio. € bezahlen ;-)). Man gehorcht blindlings den Vorgesetzten und wer es wagt, sich eigene Gedanken zu machen, wird schnell als renitent und Querkopf bezeichnet (schön beschrieben der junge Rattler als Polizeilehrling). Doch es gibt eine Gegenbewegung, die die schönen Künste und gerade das Nichtmilitärische feiert, zum Entsetzen all der konservativen Kreise, die noch immer die Macht besitzen. Diese dürsten nach einem Krieg, um all dies Weibische und Schwächliche endgültig auszumerzen und Deutschland in seiner ganzen Pracht und Stärke wiederauferstehen zu lassen. Ebenso überzeugend und anschaulich beschreibt die Autorin, wie nach dem Attentat in Sarajevo die Stimmung in der damaligen Bevölkerung angeheizt wurde, wie Wut und Zorn von Kriegstreibern geschürt wurden und sich dies in Attentaten gegenüber scheinbar Verdächtigen entlud, die gerade des Wegs daherkamen. Dazu ein spannender, immer wieder überraschender Krimi - was will man mehr?
Profile Image for Kathi.
130 reviews2 followers
August 5, 2014
Das Buch lässt sich am besten mit dem Begriff "historischer Kriminalroman" beschreiben, denn es versucht einen Spagat zwischen Kriminalroman und zeitgeschichtlicher Milieustudie, und zwar in einem sehr spannenden Zeitraum, nämlich dem Sommer 1914, direkt nach dem Attentat von Sarajevo, in den letzten Tagen vor der sog. Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Der Kriminalfall besitzt einen guten Spannungsbogen. Einige zu Anfang scheinbar unzusammenhängende Ereignisse fügen sich erst nach und nach zu einem größeren Bild. Da steckt auf jeden Fall Potenzial drin, was Lust auf die zukünftigen weiteren Bände der Serie macht, aber hier liegt auch die Schwäche des Buches. Dem ermittelnden Kommissar kommen nicht nur einmal zufällige Ereignisse und Begegnungen zu Gute - so oft, dass ab und zu die Glaubwürdigkeit darunter leidet, und der Fall phasenweise sehr konstruiert wirkt. Da besteht auf jeden Fall für die weiteren Bücher noch Luft nach oben, was den Aufbau der Fallaufklärung betrifft. Stellenweise kommt der Leser auch nicht ganz hinterher, was die Zusammenhänge zwischen einzelnen Personen und Ereignissen betrifft, aber gegen Ende klärt sich nichtsdestotrotz alles auf.

Historisch kann ich nicht genau beurteilen, wie weit die Zeit korrekt dargestellt wird, insbesondere was den Zeitgeist betrifft. Stellenweise vergisst man, dass die Handlung 1914 spielt, da manche der Charaktere durchaus moderne Einstellungen an den Tag legen, was jedoch vermutlich korrekt ist, da das Spannungsfeld zwischen der monarchischen Tradition und den modernen politischen Entwicklungen ein durchaus wichtiges Thema ist, worüber ich gern noch ein wenig mehr gelesen hätte im Zusammenhang dieses Buches. Das politische Voranschreiten des Kriegsausbruchs wird jedoch immer wieder in die Handlung eingefügt, sodass das Setting des Buches stets präsent bleibt. Im Moment fällt es mir allerdings schwer vorzustellen, wie die weiteren Bände aussehen könnten, bin aber nichtsdestotrotz gespannt.

Abgesehen von den kleinen Schwächen ein duchaus lesenswertes Buch, das Lust auf mehr macht. Kriminalstories zur Zeit des ersten Weltkrieges sind in jedem Fall ein ausgesprochen spannendes Terrain, und ich würde gern mehr von dieser Serie lesen, dieses erste Buch war in jedem Fall sehr vielversprechend!
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
May 3, 2015
Kommissar Sebastian Reitmeyer gerät kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwischen die Fronten aus dienstlicher Pflicht, dem Korpsgeist des Militärs und seiner bisher allein freundschaftlichen Beziehung zu der jungen Ärztin Caroline Dohmberg, deren Familie er seit seiner Kindheit kennt. Die Konzentration von Truppen prägte damals die Atmosphäre in München, speziell die Vergnügungs- und Kneipenszene. Der Ermittler wirkt zunächst beruflich und privat wie ein Einzelgänger, der bei einer Tante lebt und sich als gesellschaftlicher Aufsteiger auf dem gesellschaftlichen Parkett jener Zeit offenbar noch unsicher bewegt. Reitmeyer ermittelt im Milieu Homosexueller und stößt bei seinen Nachforschungen schon bald auf Verbindungen seines Falls zu Militärangehörigen, zu denen er als ziviler Kriminalbeamter keinen Zugang hat. Zur Zeit der Strafbarkeit von Homosexualität hätte schon der geringste Verdacht homosexueller Beziehungen von Offizieren fatale Folgen gehabt. Reitmeyer zur Seite gestellt ist der schlaue, ehrgeizige Polizeischüler Rattler, der seinen älteren Kollegen mit seiner Findigkeit unangenehm Nacken sitzt. Unter dem wachsamen Auge einer zunehmend kritischen Presse bewegt Reitmeyer sich auf heiklem Terrain, seine Ermittlungen gefährden nicht nur ihn allein.

Ein historischer Kriminalroman, der in der aufgeheizten Stimmung vor Kriegsbeginn in der Münchener Homosexuellen-Szene spielt, schien eine spannende Lektüre zu versprechen, obwohl die Thematik im Krimi-Genre nicht gerade neu wirkt. Der historische Hintergrund und die Figuren haben mich angesprochen, die Figur des Sebastian Reitmeyer blieb jedoch zu blass, um mich fesseln zu können. Angelika Felenda lässt zwar außer Kriminalbeamten und Offizieren auch einfache Menschen auftreten, doch fehlte einigen ihrer Figuren die eigenständige Persönlichkeit. In einer Zeit festgefügter Klassenschranken lässt eloquentestes Schriftdeutsch eines bayrischen Polizeischülers oder einer Münchener Köchin in herrschaftlichen Diensten diese Figuren nicht gerade glaubwürdig wirken. Weder der Kriminalfall, seine Auflösung, noch die Hauptfigur konnten bei mir genug Zugkraft für einen Pageturner entwickeln.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
August 11, 2014
Sommer 1914, München. Das königliche Leibregiment steht kurz vor großen Feierlichkeiten als in Sarajewo das Ungeheuerliche passiert: der österreichische Thronfolger wird ermordet. Das Militär ist angespannt, eine Vergeltung muss kommen, da ist Ruhe in den eigenen Reihen absolut erforderlich. Von all diesen Ereignissen bleibt Kommissär Reitmeyer zunächst unbehelligt, er geht seiner Arbeit nach, die ihn gleich mit zwei mysteriösen Mordfällen auch vollends beschäftigt. Bald schon zeigt sich, dass in diese nicht nur Offizieren verwickelt sind, sondern er auch privat befreundet ist mit einem der potenziellen Täter. Doch wer hier Täter und wer Opfer ist, zeigt sich nicht gleich und Reitmeyer wirbelt mehr Staub auf, als für seine Gesundheit gut ist.

Angelika Felenda hat mit dem ersten Fall für Sebastian Reitmeyer einen spannenden Krimi vorgelegt, der geschickt in die Ereignisse kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges eingeflochten wurde. Der Protagonist ist hartnäckig als Ermittler, umsichtig als Mensch und verschiedenen Facetten gezeichnet, die ihn zu einer interessanten Figur machen, die den Roman trägt. Aber auch die Nebenfiguren, der Azubi Rattler oder auch die Ärztin Caroline, bestechen durch unterhaltsame Charakterzüge und verleihen dem Krimi eine für das Genre nicht immer gegebene Tiefe. Der Fall selbst bietet viele Schleifen und unterschiedliche Spuren und wird schließlich sauber und glaubwürdig gelöst. Besonders positiv aufgefallen ist mir die sprachliche Gestaltung, die mir durchgängig glaubhaft für die dargestellte Zeit erscheint.

Insgesamt: spannende Unterhaltung mit interessanten Figuren. Dafür gibt es 4,5 Sterne von mir.
Profile Image for Eva Müller.
Author 1 book78 followers
January 9, 2017
Das Buch wäre nur halb so lange gewesen wenn die Protagonisten zusammen mehr als eine Gehirnzelle gehabt hätten die sie sich teilen mussten. Zu jeder Gelegenheit treffen sie die absolut dümmste Entscheidung, die den Plot dann noch mehr in die Länge zieht...
Profile Image for Hel.
62 reviews5 followers
Read
May 20, 2017
Die Kindle-Ausgabe ist unleserlich.
Displaying 1 - 18 of 18 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.