„Das verwinterte Herz“ ist die jüngst erschienene Dark-Fantasy-Liebesgeschichte der Self-Publisherin Jennifer Pfalzgraf, deren Account ich schon eine ganze Weile auf Instagram folge. Somit war ich sehr neugierig, ihr zweites Buch und mein erstes von ihr zu lesen.
Die 23-jährige Hauptprotagonistin und Auftragsmörderin Germaine de Saint-Nazaire wird auf eine Mission geschickt – ausgerechnet mit dem Vicomte und Magier Miłosz Lepiński, mit dem sie eine unschöne Vorgeschichte verbindet, und ebenfalls ausgerechnet auf das Schloss ihres Vaters nahe Nantes in der Bretagne.
Sowohl das Genre als auch das historisch-französische Setting in den 1780ern, der Klappentext und meine Neugier auf Jennifers Schreiben haben mich zu dem Buch greifen lassen.
Im Kontrast zum historischen Setting wird die gesamte Novelle über gegendert, was gut zu den inhaltlich feministischen Themen passt. Nicht zuletzt dank der verhältnismäßig großen Schrift lässt sie sich sehr schnell lesen. Sowohl die schönen sprachlichen Bilder/Metaphern als auch ein gewisser Humor und Schlagabtausch zwischen den beiden Hauptprotagonist*innen konnten mich abholen. Erzählt wird durchgehend aus Germaines Perspektive und der Fokus liegt auf dem Romance-Anteil, sodass der Untertitel „Eine Dark Fantasy Novelle“ womöglich irreführend ist.
Es mag daran gelegen haben, dass mich dieses Buch zu einem ungünstigen Zeitpunkt erreichte. Denn leider muss ich für mich nach Beenden feststellen, dass hier neben all den durchaus positiven Aspekten zugleich viel Potential verschenkt wurde. Es tut mir so leid, dies schreiben zu müssen, insbesondere da ich um die vielen Rückschläge hinter den Kulissen weiß. Doch ich hoffe, meine Kritik ist primär hilfreich, statt demotivierend.
So hätte ich wahnsinnig gern mehr erfahren über die politischen sowie historischen Hintergründe in Bezug auf dieses spezielle Worldbuilding, ebenso wie über das (erbliche) Magie-System und die magischen und juristischen Gesetze (Warum werden Magie-Begabte verfolgt, gab es einen bestimmten Auslöser bzw. sind die Verfolgten nicht mächtiger als die Verfolger*innen? Wie stark sind die Unterschiede zu unserer realen Historie? usw.). Die Regeln der Magie, die bereits im Buch erklärt werden, finde ich in jedem Fall sehr cool.
Dasselbe gilt für ein relativ lineares Auftauchen und Lösen von Problemen; sie sind recht wenig ineinander verflochten, sodass es einfacher wirkt als es den Problemen an sich gerecht wird – auch hier hätte ich es besser gefunden, sich beim Erzählen mehr Zeit und die Protagonist*innen mehr strugglen zu lassen.
Eine bestimmte Idee (ich möchte nicht zu viel verraten) von Verwicklungen und etwas „Schicksalhaftem“ fand ich total gut gelungen und spiegelt darüber hinaus den Märchen-Charakter wider, den die Autorin im Nachwort anspricht.
Zu guter Letzt hätte ich mir gewünscht, die Protagonist*innen noch ausführlicher und tiefergehender kennenzulernen, um deren Beweggründe besser nachzuvollziehen, insbesondere die des Antagonisten, dessen einziges Attribut „böse“ zu sein scheint.
Bei der Liebesgeschichte, die die Tropes Grumpy-Sunshine und Enemies-to-Lovers in sich vereint, hätte ich noch mehr Slow-Burn präferiert, hier ist es aber eindeutig nur mein persönlicher Geschmack.
Diejenigen unter euch, die ebenfalls etwas für die genannten Tropes, feministische Liebesgeschichten mit Fantasy-Anteil, Märchencharakter und/oder historisch-französischem Setting übrighaben, sollten dieser kurzweiligen Lektüre eine Chance geben!
Herzlichen Dank an die Autorin für ihr Vertrauen und dieses Rezensionsexemplar!
[Unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar]
CN: (auch hinten im Buch angegeben) psychische Probleme, Tierleid (Pferd)/Töten eines Tiers, sexuelle Belästigung einer Minderjährigen (Rückblende), Gaslighting, Victim Blaming, Freiheitsberaubung, emotionale Vernachlässigung von Kindern/Liebesentzug, Sexismus, Mord, physische Gewalt, Tod (Erwähnung), Störung der Totenruhe, Wunden, Blut, scharfe Gegenstände, sexuell übertragbare Krankheit (Erwähnung)
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