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Panischer Frühling

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Ein Vulkanausbruch auf Island legt den europäischen Luftverkehr lahm, Zehntausende Menschen stranden an den Flughäfen. Während die Bilder der Aschewolke um die Welt gehen, steht über der Themse ein strahlend blauer Frühlingshimmel. Die Stadt wirkt wie abgeschnitten vom Rest der Welt. Auf der London Bridge begegnet die Erzählerin einem jungen Mann mit einem Feuermal im Gesicht. Jonathan verkauft die Obdachlosenzeitung. Er ist von der Südküste hierher geflüchtet, wo das Meer sich nimmt, was ihm nicht zusteht. Die beiden sind einander eigenartig vertraut. Sie teilen Verletzungen – den frühen Verlust des Vaters – und Hoffnungen, und allmählich, mit jedem Treffen ein wenig mehr, gehen die vergessenen Geheimnisse des einen in den anderen über. Dann aber verschwindet Jonathan ebenso plötzlich, wie sie einander begegnet sind, die Flugzeuge kehren zurück. Als der Frühling sich seinem Ende nähert, macht die Erzählerin sich auf die Suche, nach Jonathan, nach sich selbst.

221 pages, Hardcover

First published January 1, 2014

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About the author

Gertrud Leutenegger

23 books2 followers
Gertrud Leutenegger was a German-speaking Swiss poet, novelist, playwright and theatre director.

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Community Reviews

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2 stars
4 (9%)
1 star
5 (11%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Sophie.
289 reviews333 followers
April 21, 2016
Ein Roman, der sich mir leider überhaupt nicht erschließen konnte.
Lyrische Prosa ohne Weg und Ziel.
Es werden hunderte kleine Themen angerissen, das große Ganze existiert nicht.
Die unbenamste Ich-Erzählerin begegnet nach dem Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull einem Obdachlosen in London und beide baden im gegenseitigen Mitleid ihrer traurigen Schicksale.
Was diese Frau in London macht wird nicht näher erläutert, lieber verliert sie sich in detailreichen und völlig überladenen Naturbeschreibungen der Londoner Parks.
Es hat sich mir nicht erschlossen, was die beiden Figuren miteinander verbinden soll und wohin dieser frei assoziierende Roman wollte.
Ein großes Rätsel, wie es dieses Buch auf die Shortlist des DBP 2014 schaffen konnte.
Profile Image for Kerstin Herbert.
67 reviews17 followers
October 26, 2014
Worum geht es?
(Kurzbeschreibung des Verlags:)
Ein Vulkanausbruch auf Island legt den europäischen Luftverkehr lahm, Zehntausende Menschen stranden an den Flughäfen. Während die Bilder der Aschewolke um die Welt gehen, steht über der Themse ein strahlend blauer Frühlingshimmel. Die Stadt wirkt wie abgeschnitten vom Rest der Welt. Auf der London Bridge begegnet die Erzählerin einem jungen Mann mit einem Feuermal im Gesicht. Jonathan verkauft die Obdachlosenzeitung. Er ist von der Südküste hierher geflüchtet, wo das Meer sich nimmt, was ihm nicht zusteht. Die beiden sind einander eigenartig vertraut. Sie teilen Verletzungen – den frühen Verlust des Vaters – und Hoffnungen, und allmählich, mit jedem Treffen ein wenig mehr, gehen die vergessenen Geheimnisse des einen in den anderen über. Dann aber verschwindet Jonathan ebenso plötzlich, wie sie einander begegnet sind, die Flugzeuge kehren zurück. Als der Frühling sich seinem Ende nähert, macht die Erzählerin sich auf die Suche, nach Jonathan, nach sich selbst.
Ein zutiefst bewegender Roman über die eruptive Kraft der Erinnerung, die Suche nach der verlorenen Zeit. Über das Wiederfinden der eigenen Geschichte in einem anderen Menschen.

Warum ich es gelesen habe?
Obgleich dieses Buch war den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert war und es sogar auf die offizielle Shortlist schaffte, verpasste es den Einzug auf meine persönliche Shortlist denn knapp. Zwar war das Buch bei mir in der engeren Wahl; letzten Endes war es mir dann aber doch zu „britisch“.
Gelesen habe ich es nun trotzdem, weil es auch für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde, was mich dann doch neugierig machte, zu erfahren, was das besondere an diesem Buch ist.

Wie war mein erster Eindruck?
Mir fiel es schwer, in die Geschichte hineinzufinden und dieser zu folgen.
Die Handlung springt sehr stark. Aktuelle Erlebnisse und Wahrnehmungen der Erzählerin rufen immer wieder deren Assoziationen und Erinnerungen zu Dingen aus der Vergangenheit wach. Diese sind zum Teil selbst erlebt, zum Teil aber auch rein historisch. Diese Wechsel kommen dabei vollkommen unvermittelt und ohne jede Ankündigung, was mich des Öftern orien¬tier-ungs¬¬¬los machte. Auch verstand ich nicht alle Gedankensprünge der Erzählerin wie etwa die-jenigen an die Anschläge auf die Londoner U-Bahn.
Hinzu kommt, dass es sich wieder einmal um einen dieser mich so nervenden Romane handelt, in dem es auch bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen gibt. Auch das trägt nicht gerade zu einem flüssigen Lesekomfort bei.

Wie fand ich das Buch insgesamt?
Über diese Frage habe ich lange nachgedacht, ohne sie wirklich beantworten zu können. Ich dachte, manches wird vielleicht klarer, wenn sich die Geschichte erst einmal „gesetzt“ hat. Bis jetzt ist das aber nicht geschehen.

Ich gebe zu, dass ich mir unter diesem Roman etwas anderes vorgestellt hatte. Ich dachte, es ginge mehr um den Vulkanausbruch und die Sperrung des europäischen Luftraums. Leutenegger benutzt diese Ausnahmesituation in „Panischer Frühling“ aber nur dazu, eine ganz besondere Atmosphäre des Abgeschnitten-seins der Briten vom europäischen Festland zu kreieren. – Für mich persönlich war das eine kleine Enttäuschung.

Die Geschichte, die Leutenegger stattdessen erzählt, ist einerseits anrührend, machte mich andererseits aber auch etwas ratlos.
Anrührend, weil in der Erzählung sehr gut deutlich wird, dass Zeitungsverkäufer Jonathan und die Erzählerin trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft in gewisser Weise ein ähnliches Schicksal – nämlich den frühen Tod des Vaters – teilen. Sie erkennen in den Geschichten des An–deren sich selbst wieder. Dies lässt zwischen beiden über alle offensichtlichen äußeren Unter–schiede hinweg eine tiefe Verbundenheit entstehen, die beide zwar nicht benennen aber sehr wohl spüren können.
Leider bleibt die Erzählung jedoch auf dieser Ebene stehen, ohne sich in irgendeiner Form weiterzuentwickeln, was mich etwas ratlos zurückließ. Weder erlebt der Leser eine innere Veränderung bei der Erzählerin bzw. Jonathan, noch gelingt es den beiden, dieses diffuse, für beide nicht recht greif- oder beschreibbare Gefühl der Nähe und des gegenseitigen Erkennens weiter mit Leben zu füllen und zu nähren. Stattdessen belassen es beide dabei, sich Geschichte aus ihrer Vergangenheit zu erzählen und die Gegenwart zur Gänze auszusparen.

Der Roman endet dann ausgerechnet an der Stelle, an der es für mich sehr richtig interessant geworden wäre, nämlich als die Erzählerin nach Jonathans Verschwinden beschließt, in an der Südküste Englands, wo er aufwuchs, zu suchen.
Wie sieht diese Suche aus? Findet sie Jonathan? Wie reagiert er hierauf? Wie geht es mit den beiden weiter? Was verspricht sie sich von dieser Suche? Was erwartet sie von Jonathan, sollte sie ihn tatsächlichen finden? – Keine dieser Fragen wird beantwortet. Die Einleitung des Romans nimmt so tatsächlich die gesamte Handlung bereits vorweg.

Auch blieb es mir bis zum Schluss ein Rätsel, weshalb die einzelnen Kapitel abwechselnd mit „low water“ und „high water“ überschrieben sind. Zwar findet sich auf Seite 69 der Hinweis, dass „die Flut zurückbringe, was die Ebbe nimmt“. Es ist aber keineswegs so, dass nur in den „high water“-Kapiteln Erinnerungen ausgetauscht und beschrieben würden, während in den „low water“-Kapiteln die Gegenwart geschildert wird.

Außerdem taucht immer wieder eine junge Frau im Amazonas auf -scheinbar die Tochter der Erzählerin. Aber auch dieser Charakter wird weder weiter entwickelt; noch ist die junge Frau in irgend einer Form relevant für das, was hier erzählt werden soll. Ein Streichen der Passagen hätte m.E. keinen Unterschied gemacht.

Diese Kritikpunkte sind vor allem deshalb so schade, weil Leutenegger einen sehr feinen Um–gang mit Sprache pflegt. Dies beweist sie vor allem bei ihren bildreichen Schilderungen des Frühlings in den Londoner Parks, wo z.B. „Wellen von lichtem Grün über die Welt flossen“ (Seite 65).
Auch an Medienkritik wird nicht gespart. So heißt es beispielsweise auf Seite 62: „Doch der Flugverkehr hatte sich restlos normalisiert. Kein Wort mehr von den verendeten Tiere, den Kindern mit Atemnot, dem mühseligen Ascheräumen von Feldern und Gehöften. Die Tagesschau war längst zu neueren Sensationen übergegangen.“
Profile Image for Esther.
Author 3 books50 followers
October 10, 2014
Die Ich–Erzählerin lebt (vorübergehend) in London. Die Geschichte beginnt im April 2010, als der Vulkanausbruch auf Island den Luftverkehr über Europa zum Stillstand bringt und erstreckt sich bis ca. Juni oder Juli. Die zahlreichen kurzen Kapitel beginnen jeweils mit dem Wasserstand der Themse, an die es die Erzählerin regelmäßig zieht. Dort trifft sie eines Tages, nicht zu lange nachdem sie nach London gegangen ist, den Obdachlosen und im Gesicht entstellten Jonathan. Eine merkwürdige Freundschaft entwickelt sich zwischen ihnen, die sich aus der Sicht der Erzählerin vorsichtig intensiviert und sich fast bis zu einer Art Abhängigkeit steigert.

Die Erzählerin durchlebt viele Erinnerungen aus ihrer Kindheit und ihrem Leben, teilweise sind diese etwas verworren und teilen sich oftmals nur in schwer deutbaren Traumsequenzen mit. Durch Jonathan werden sie zusammenhängender, da Teile seiner Erinnerung die gleichen Symbole beinhalten und somit ihre eigenen Erinnerungen lebhafter machen. Nachdem er ihr sein persönliches Inneres gezeigt hat, möchte sie auch ihr Geheimnis lüften, doch Jonathan ist verschwunden, zurück bleibt nur ein Fahrrad.
Das Geheimnis der Ich-Erzählerin erfahren wir nicht. Aus Andeutungen zu ihrem früh verstorbenen Vater oder zu der jungen Frau, die im Amazonasgebiet ist und ihre Tochter zu sein scheint, aus der Erinnerung an das Sommerhaus und den Onkel, sind wir versucht, ein Familiengeheimnis zu konstruieren. Was genau die Ich-Erzählerin bewegt, bleibt unklar.

Generell wirkt die Erzählerin auf mich ziemlich egozentrisch. Sie besucht Jonathan, wenn es ihr passt, hört ihm zwar meistens zu, verliert sich jedoch auf während seinen Erzählungen in ihre eigene Erinnerung. Sie setzt alles was er erzählt in Verbindung zu ihrer Erinnerung und den Bruchstücken daraus, die sie mit ihm teilen möchte. Es geht eigentlich immer nur um sie, selbst wenn sie offenkundiges Interesse vor allem an der Geschichte der Kinder aus dem East End hat, die im Krieg an die Westküste Englands geschickt wurden. Auch ist ihre Wahrnehmung teilweise fast gestört, z. B. ist sie einmal überzeugt, dass ihre „Froschgeschichten“ den Verkauf der Obdachlosenzeitung positiv beeinflussen würden, dann empfindet sie ihre Erinnerung an Frösche, Aale und Schleiereulen als „Vermittler auf den Irrgängen zwischen mir und Jonathan“ (S. 144).

Es gibt viele Andeutungen eines dunklen Geheimnisses und auch Hinweise auf böse Vorahnungen. „… dieses flüchtige Leben, seit Generationen von Kind an bedroht, jeden Augenblick konnte man es verlieren“ (S. 31), zweimal werden in Beschreibungen Rottöne mit „blutrot“ dargestellt (einmal für ein Kleid, einmal für Blumen), die Besuche von Jonathans Großmutter und auch der Ich-Erzählerin auf Friedhöfen. Doch bleiben all diese Anspielungen in meinen Augen nicht zu Ende gesponnene Fäden.

Die Sprache der Gertrud Leutenegger ist zugegeben wunderbar. Sie beschreibt ein London abseits der Touristenströme; der bengalische Bazar der Nachbarschaft der Ich-Erzählerin, die Nachbarn in dem eher ärmlichen Arbeiterviertel in dem sie abgestiegen ist, aber auch die Erinnerungen an die Familie der Erzählerin werden in bildhafter Weise gezeichnet. Das Sommerhaus ihrer Kindheit mit dem Waldzimmer und dem Salon steht mir in allen Farbschattierungen vor Augen.
Gleichzeitig fand ich diese Sprache ziemlich überzogen, wenn sie die direkte Sprache Jonathans wiedergegeben hat. Ich konnte mich nicht davon überzeugen lassen, dass ein junger Mann, der sein Leben als Außenseiter in Obhut seiner Großmutter verbracht hat, dessen Vater Fischer war und früh starb, in direkter Rede einen der folgenden Satz formen würde: „Eine trügerische Ruhe hatte sich in der Nacht unerwartet über das aufgewühlte Meer gelegt“ (S. 71) oder „Aus gigantischen Siedlungen ragen Glastürme mit Dächern wie Vogelschwingen, Wohnblocks steigen treppenartig bis zu den Wolken“ (S. 89).
Eine Randbemerkung: Ich hatte das Gefühl, dass nicht konsequent die Neue Rechtschreibung angewendet wurde, was mich teilweise wirklich irritierte.

Zusammenfassend war ich eher enttäuscht als begeistert. Es gibt für meinen Geschmack zu viele Elemente, die ich nicht zuordnen konnte und somit als überflüssig empfand und gleichzeitig hätte ich mir die Hauptgeschichte um Jonathan und die Ich-Erzählerin aus mehr als der fast autistischen Perspektive der Erzählerin gewünscht.
315 reviews
March 24, 2025
Sorry, aber irgendwie handelt es doch null von dem, was im Klappentext beschrieben wurde?
Finde die Sprache eigentlich ganz schön, aber die Handlung war super wirr und durcheinander.
Profile Image for Sabine Schwab.
28 reviews1 follower
September 4, 2021
Die Protagonistin in diesem Roman hängt in London fest. Durch einen Vulkanausbruch (ja,genau der mit dem unaussprechlichen Namen) in Island wurden europaweit Flüge gestrichen. Bei ihren Spaziergängen durch die Stadt lernt sie den Obdachlosen Jonathan kennen. Beide freunden sich an.
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Mit einem wirklich schönen Erzählstil entführt Gertrud Leutenegger uns nach London. Während wir gerade noch die moderne Straße entlangflanierten, baumeln plötzlich, in die Vergangenheit versetzt, die Köpfe von Hingerichteten an der Mauer.
Genau so betrachte ich auch gerne Großstädte, wenn ich sie besuche, das hat mir sehr gefallen.
Die Geschichte zwischen der Erzählerin und Jonathan ist frühlingsleicht, wird aber mit dem näher kommenden Sommer immer spröder, was ihr jedoch nichts von ihrem Reiz nimmt. Alles in allem ein schönes Buch, von dem ich mir sicher bin, dass es noch ein bisschen sacken muss, bevor ich es endgültig bewerten kann.
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Vorläufig ⭐⭐⭐⭐

#lesen #literatur #gegenwartsliteratur
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
June 2, 2015
geschichte um die ich- erzählerin aus deutschland, ausgewandert, lebend in london und den obdachlosen jonathan aus cornwall, lebend in london. geschichte einer sich entwickelnden liebe, rund um parallele biografische erfahrungen, sehr einfühlsammund mit steigernder erzähldichte erzählt. ein buch für leute, die london abseits der tourismus- und bankerpfade, also london im prekariat kennenlernen wollen. empfehlenswert.
Profile Image for John Hatley.
1,383 reviews235 followers
October 20, 2014
I'm trying to be a little more careful with my distribution of stars, but I find it very difficult indeed. This is a very good book, a story of sharing memories with a stranger, friendship, family. It was, incidentally, shortlisted for this year's Deutscher Buchpreis, understandably so.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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