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Rückkehr nach Budapest

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Márta wächst im sozialistischen Budapest auf, am Plattensee, wo sie herrliche Sommer mit ihrer Cousine Theresa verbringt. Doch ohne Theresa ist es einsam, und nach ihrem Schulabschluss entflieht Márta dem trinkenden Vater und reist zu ihr nach Ost-Berlin. Die Freundin nimmt sie mit in die Welt der künstlerischen Boheme, in Hinterhauswohnungen und verrauchte Kneipen, zur Lesung des jungen, regimekritischen Schriftstellers Konstantin.

Er ist umwerfend, rätselhaft, gequält. Beide verlieben sich in ihn, und natürlich ist die extrovertierte und selbstsichere Theresa die Glückliche – bis sie durch einen verhängnisvollen Umstand verhaftet wird. Zwischen den Verbliebenen entsteht eine gefährliche Nähe, ein Verrat liegt in der Luft, der Márta noch Jahrzehnte später verfolgen wird. Aber waren sie damals nicht alle gleichermaßen unschuldig? Und wird es ihr jemals gelingen, aus Theresas Schatten zu treten?

301 pages, Hardcover

Published February 24, 2025

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About the author

Nikoletta Kiss

5 books1 follower

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Community Reviews

5 stars
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4 stars
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8 (8%)
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Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for Elena.
1,041 reviews418 followers
February 24, 2025
Als Márta die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Cousine Theresa erreicht, wird sie gedanklich in ihre Kindheit und Jugend mit Theresa katapultiert. Früher standen sie sich so nah wie Schwestern, doch die Zeit nach dem Abitur und während des Studiums halt alles zwischen den beiden verändert. Während Márta in Ungarn mit ihrem alkoholkranken Vater und ihrem Freund lebte, befand sich Theresa mit ihrer Familie in der DDR. Nach einem Streit mit ihrem Freund flieht Márta zu Theresa nach Berlin, die sie dort in die künstlerische Szene mitnimmt. Gleich an ihrem ersten Abend lernen die beiden den Schriftsteller Konstantin kennen - und verlieben sich in ihn. Es beginnt eine schleichende Entfremdung der Cousinen, die in einer Verhaftung endet.

In "Rückkehr nach Budapest" erzählt Nikoletta Kiss von zwei Freundinnen, deren enge Beziehung an der toxischen Dreiecksbeziehung mit einem Mann zerschellt. Genau hier liegt für mich die größte Schwäche des Romans: Ich mochte diese Zentrierung der Gedanken der Protagonistin auf Konstantin nicht und fand es unangenehm zu lesen, dass sich Márta und Theresa ständig hintergehen und gegeneinander intrigieren. Gefallen haben mir die geschichtlichen Hintergründe des sozialistischen Ungarns und der DDR, die aber leider nicht so viel Raum eingenommen haben wie erhofft. Insgesamt hat mich der Roman eher enttäuscht und wird mir wohl nicht länger im Gedächtnis bleiben.
Profile Image for LeserinLu.
328 reviews39 followers
January 25, 2025
„Rückkehr nach Budapest“ ist ein atmosphärisch dichter Roman, der im sozialistischen Budapest der 1980er Jahre und dem subversiven Ost-Berlin der Künstlerinnen und Künstler spielt. Dieses Setting bildet den Hintergrund für eine Dreiecksbeziehung - so etwas ist ja eigentlich immer spannend!

Die Handlung dreht sich um Márta und ihre intensive Beziehung zu ihrer Cousine Theresa – einer dynamischen, selbstbewussten jungen Frau, deren Unbeschwertheit Márta fasziniert und zugleich einschüchtert. Márta wächst am Plattensee auf und will zum Studium nach Budapest, während Theresa schon lange nicht mehr in Ungarn, sondern in Ostberlin lebt. Als Márta sie dort besucht, lernen beide den geheimnisvollen Schriftsteller Konstantin Berger kennen und verlieben sich in ihn, während dieser sich nicht festlegen will. Zahlreiche Wendungen und Dramen, die sich bis in die Gegenwart lange nach der Wende ziehen, sind vorprogrammiert.

Ich habe den Roman an einem Tag verschlungen, weil mich Handlung und Setting so in ihren Bann gezogen haben. Auch die gleichzeitig poetische und klare Sprache hat mir gut gefallen. Insgesamt ist „Rückkehr nach Budapest“ ein fesselnder Roman über Freundschaft, Liebe, Verrat und die Frage nach persönlicher Schuld und Freiheit.
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
February 2, 2025
»Sie war mir schon immer voraus gewesen, manchmal nur um ein paar Erfahrungen, doch es kam mir oft wie Jahre vor. Sie war völlig angstfrei. Ich hingegen hatte stets das Gefühl, das Falsche zu tun, hinterfragte alles. Dabei hatte Theresa schon immer so viel mehr zu verlieren gehabt als ich.« (47)

In ihrem neuen Roman »RÜCKKEHR NACH BUDAPEST« schreibt die Autorin & Lektorin Nikoletta Kiss in einem Mix aus Rückschau und Gegenwartserzählung über das Aufwachsen im Sozialismus.

Márta wächst in einem kleinen Dorf in Ungarn zweisprachig auf. Ihre Cousine Theresa ist von Beginn an ihre beste Freundin, auch wenn die beiden nur die Sommermonate miteinander teilen können, bis Theresa mit ihrer Familie wieder zurück nach Berlin in die DDR kehrt. Als Márta 18 ist, ihre Mutter die Familie verlassen hat, Ihr Vater schwer alokohlabhängig ist, flieht sie zur geliebten Cousine nach Berlin. Dort lernen die beiden Konstantin kennen, der nicht nur in verschiedenen Heimen in der DDR Opfer von Gewalt geworden ist, sondern dies literarisch verarbeiten will. Es kommt wie es kommen muss: Beide Frauen verlieben sich in ihn.

Das ›Ménage à trois‹ zwischen Konstantin, Theresa und Márta ist weder heiß noch happy. Es zeigt zwar, dass mensch für seine eigenen und Wünsche einstehen muss, sonst erfüllen sie sich nicht. Aber die Irrungen, die diese Lieben und Freundschaften nehmen, sind für mich einfach unbegreiflich und ich bin wirklich genervt von der Unfähigkeit zu kommunizieren.

»Es gibt so Fragen, die man besser nicht stellt, bevor man weiß, wie man mit der Antwort umgeht.« 221

Das Thema Verrat unter Freundinnen wird gleich zweimal im Roman verhandelt: Zwischen Márta & Theresa und ein zweites Mal zwischen Márta und Paula. Beide Male kommt die Freundschaft dabei nicht gut weg, beide Male geht es um einen Mann, den beide für sich beanspruchen. Nichts daran, wie es im Roman verhandelt wird, ist besonders feministisch, neu oder bewegend. Ehrlicherweise war ich einfach genervt, wie schlecht hier Frauen für sich selbst einstehen, Grenzen setzen (und verteidigen) und noch schlechter kommunizieren. Nicht, dass die beschriebenen Männer es besser machen würden. Ganz und gar nicht.

»Genau das müsse ich tun, auf mich selbst hören, meint sie (Theresa’s Mutter). Wir Frauen seien sozialisiert, immer die Rolle der Umsorgenden zu spielen. Das Weib locke und verführe, tätschle, pflege und hege. Wie es sie nerve, wenn Frauen ihres Alters stolz darauf wären, dass ihre Ehe gehalten hatte.« 278 — dieser kurze feministische Ausbruch (lieben wir 🔥) von Theresa`s Mutter reicht aber nicht. Es hätte von solchen Botschaften so viele mehr gebraucht.

Neben dem vergangenen und dem aktuellen ›Ménage à trois‹ und den verbundenen Freund*innenschaften erzählt der Roman vom Kommunismus, der DDR und deren schrecklichen Umgang mit Heimkindern und vermeintlich ‚schwer erziehbaren‘ Jugendlichen, Widerstand im Kommunismus, Fehlgeburten & Abtreibung. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Themen besonders gut verhandelt werden und sie kommen definitiv aufgrund der ›Ménage à trois‹ sehr zu kurz. Mich konnte der Roman nicht begeistern und auch der Schreibstil konnte die fehlende Tiefe für mich nicht wettmachen.

2.5/5 ★
74 reviews4 followers
Read
February 24, 2025
Vergangenheit und Gegenwart, Ost-Berlin und Budapest

Mit "Rückkehr nach Budapest" nähert sich die Autorin Nikoletta Kiss einem altbekannten Thema auf eine neue Weise. In der deutschsprachigen Literatur wurden die DDR und das Leben in Ost-Berlin bereits vielfach behandelt, sei es durch Historienromane oder Zeitzeugenberichte. Namhafte Autoren haben sich diesem Kapitel deutscher Geschichte gewidmet, wodurch die Erwartungen an Kiss hoch sind. Doch bereits der Titel und die Vita der Autorin deuten darauf hin, dass sie einen ungewöhnlichen Zugang wählt. Sie verwebt das sozialistische Budapest in das Narrativ, eine selten betrachtete Perspektive, die frische Impulse in das Thema bringt.
Der Roman erzählt die Geschichte der Protagonistin Márta, die zwischen zwei Welten steht. Ihre Teilmigration von Budapest nach Ost-Berlin ermöglicht ihr einen Blick auf das System, der sich von dem einer in der DDR aufgewachsenen Person unterscheidet. Márta flieht vor ihrem trinkenden Vater und findet Zuflucht bei ihrer Freundin in Ost-Berlin. Durch ihre sprachlichen und kulturellen Vorkenntnisse kann sie schnell in das kulturelle Leben der Stadt eintauchen. Dort begegnet sie Konstantin, einem Dichter, der sich zunehmend als regimekritischer Schriftsteller profiliert. Sein großes Romanprojekt entlarvt die Zustände in einem Internat, das von staatlicher Repression geprägt ist, und bringt ihn in Gefahr.
Als Konstantins brisantes Manuskript in Umlauf gerät, nimmt die Handlung eine dramatische Wendung. Márta wird in eine Auseinandersetzung verwickelt, die sie zwischen Loyalität zu ihren Freunden und der Angst vor dem repressiven System hin- und herreißt. Ihr Blick auf die politische Lage bleibt differenziert. Im Gegensatz zu Konstantin, der eine kompromisslose Haltung gegenüber dem Regime einnimmt, erkennt sie zwar dessen Mängel, verfolgt aber zunächst keine explizit politische Agenda. Vielmehr zieht es sie nach Berlin, um ihren Freundinnen Theresa und Katja nahe zu sein. Erst durch ihre Beziehung zu Konstantin entwickelt sie ein Bewusstsein für die politischen Verhältnisse, kann sich seiner Anziehungskraft jedoch nicht entziehen.
Márta ist eine ambivalente Protagonistin. Ihre Passivität und ihre Neigung, schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen, stehen im Kontrast zu Konstantins Entschlossenheit. Dieser Gegensatz erzeugt Spannung, insbesondere als ihre Freundschaft zu Theresa und Katja auf die Probe gestellt wird. Eifersucht durchzieht ihre Beziehungen, da Konstantin eine charismatische Macht auf alle ausübt. Kiss gelingt es, ein komplexes Beziehungsgeflecht zu zeichnen, das zwischen Faszination, Abhängigkeit und Rivalität schwankt.
Strukturell setzt der Roman auf eine raffinierte Erzählweise mit mehreren Zeitebenen. Die Haupthandlung in Ost-Berlin wird durch Mártas Gegenwartsperspektive in Budapest ergänzt. Nach vielen Jahren kehrt sie zur Beerdigung von Theresa zurück. Schnell wird deutlich, dass ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit in ihr nachwirken. Die Rückblenden erlauben es dem Leser, nach und nach in die Geschehnisse von damals einzutauchen. Dadurch entsteht nicht nur ein Wechsel zwischen Budapest und Ost-Berlin, sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Diese narrative Verzahnung macht deutlich, dass Mártas Leben nicht strikt in "damals" und "heute" unterteilt werden kann – ebenso wenig wie die Grenzen zwischen den beiden Städten klar gezogen werden können.
Die Stärke des Romans liegt in seiner differenzierten Figurenzeichnung. Besonders Konstantin bleibt im Gedächtnis, da seine Überzeugungen klar fassbar sind, obwohl er selbst mit Zweifeln zu kämpfen hat. Er zögert lange, sein Romanprojekt zu veröffentlichen, was seine Zerrissenheit verdeutlicht. Die anderen Charaktere sind weniger eindeutig gezeichnet, aber gerade dadurch spannend. Ihre Beweggründe bleiben lange unklar, was zu einem Geflecht aus Lügen und Intrigen führt, das Kiss geschickt entfaltet.
Auch das Motiv des Widerstands gegen das Regime wird überzeugend umgesetzt. Während viele Romane dieses Themas mit pathetischen Heldenerzählungen arbeiten, bleibt Kiss realistisch. Die Figuren werden mit der Härte des Freiheitskampfes konfrontiert, aber die Geschichte vermeidet überzogene Dramatisierungen. Stattdessen setzt sie auf feine Zwischentöne und den psychologischen Druck, der auf den Figuren lastet.
Insgesamt überzeugt "Rückkehr nach Budapest" durch seine Stärken: Es ist kein bahnbrechender Roman, aber er bietet eine selten gelesene Perspektive auf die DDR. Die literarische Qualität ist nicht überragend, doch das Zusammenspiel aus politischen Themen, persönlichen Beziehungen und einer komplexen Erzählstruktur hebt das Werk von anderen historischen Romanen ab. Besonders die Randgeschichte über die fragile Frauenfreundschaft zwischen Márta, Theresa und Katja verleiht dem Buch eine zusätzliche Tiefe. Nikoletta Kiss ist es gelungen, einen historischen Roman mit unkonventionellen Elementen zu schreiben, der sich durch eine interessante Erzählweise und nuancierte Figurenkonstellationen auszeichnet.
Profile Image for Johanna Berger.
124 reviews5 followers
February 22, 2025
Es wird sehr viel Tee getrunken in Nikoletta Kiss‘ Roman. Man sitzt zusammen, raucht und redet, oft aber bleibt viel ungesagt. Martá, die Ich-Erzählerin, fühlt sich in diesen Gesprächen sehr oft missbraucht als „Mülleimer für den Seelenkram all dieser Leute“. Sie ist daran nicht unschuldig. Denn sie ist eine Frau, die zuhört, geliebt werden will, Nähe sucht und so scheinbar findet und dann doch nicht wirklich. Denn das Leben besteht ja nicht aus Zuhören. So weiblich, so toxisch, so ärgerlich! Wenn sie die Initiative ergreift, bereut sie es gleich wieder. Die Protagonistin ist eine Frau, die in Beziehungsdingen kaum Eigeninitiative zeigt und einmal in Panik eine verheerende Entscheidung trifft. Die Schuld verfolgt sie.
Es geht um zwei Frauen und einen Mann, eine Dreiecksbeziehung. Der Roman hat zwei Ebenen, die Erzählgegenwart der erwachsenen und erfolgreichen Übersetzerin Martá und den Rückblick auf ihre Vor-Wende-Vergangenheit zwischen Budapest, Berlin und Wien.
In ihrer Kindheit und Jugend am Balaton sind Martá und Theresa unzertrennliche Freundinnen. Die enge Beziehung hält allerdings den Herausforderungen des Erwachsenseins und der Trennung nicht stand. Auf beiden Seiten wird dies verdrängt. Beide fühlen sich zum selben Mann hingezogen, einem ostdeutschen Schriftsteller im Umkreis verrauchter Dissidentenwohnungen am Prenzlauer Berg in Berlin. Konstantin Berger heißt der Traummann, ungreifbar und deshalb so anziehend. Passiv, wie sie ist, wartet Martá auf eine Umarmung, die nicht kommt. Die spontane und aktive Theresa schnappt ihn ihr weg. Zum schriftstellerischen Austausch ist Martá aber gut genug, irgendwann auch zu mehr. Am Ende glaubhafte Selbstermächtigung.
Der Hintergrund der Handlung ist die Zeit der Stasi in der DDR und der Geheimpolizei in Ungarn. Zensur und Repression, konspirative Treffen und Untergrundarbeit, eine Jugend im schrecklichen Jugendwerkhof.
Gut gefallen haben mir szenisch erzählte Passagen in Cafés, beim Warten auf einen Brief, beim nächtlichen Gang durch Budapester Straßen, … Und im zweiten Teil wird’s auch spannend, was mit der Entscheidung Martás zusammenhängt, einen Brief zu schreiben, der Theresa und Konstantin in eine äußerst gefährliche Situation bringt. Allerdings habe ich mich gefragt: Kann es sein, dass sich eine Ungarin damals nicht bewusst war, dass DDR-Behörden Briefe öffneten? Kann jemand, dem bewusst ist, dass Telefone abgehört werden, so naiv sein, einen Brief zu schreiben, der dazu angetan ist, die Adressatin ins Gefängnis zu bringen? Vielleicht ist die Verzweiflung der Protagonistin so groß, dass sie verdrängt, was bittere Realität gewesen ist. Die Ich-Perspektive lässt das im Dunkeln.
Keine literarische Offenbarung, aber ein schöner, gefühlvoller Unterhaltungsroman für Menschen, die an Zeitgeschichte interessiert sind.
71 reviews
December 31, 2025
Liebe, Freundschaft und Verlust – Ein Roman voller emotionaler Schwere

Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss erzählt eine Geschichte, die von Anfang an von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen ist. Das Cover suggeriert eine Leichtigkeit, die sich im Inhalt jedoch nicht widerspiegelt – vielmehr lastet über dem gesamten Roman eine emotionale Schwere, die sich bis zum Ende nicht auflöst.

Die Handlung dreht sich um Márta, die in einer Beziehung mit András lebt, aber während eines Besuchs bei ihrer Cousine Theresa in Ostberlin den jungen Schriftsteller Konstantin kennenlernt. Während Theresa sich körperlich zu Konstantin hingezogen fühlt, entwickelt Márta eine tiefgehende emotionale Verbindung zu ihm, die in intensiven Gesprächen und Briefen fortgeführt wird. Ihr innerer Konflikt zwischen Vernunft und Begehren, zwischen Loyalität und eigenen Wünschen, ist greifbar und schwer zu ertragen. Ich hoffte als Leserin auf einen Moment der Befreiung, eine emotionale Auflösung, doch dieser blieb aus.

Die Dreiecksbeziehung zwischen Márta, Theresa und Konstantin prägt den gesamten Roman – und genau darin liegt für mich auch eine der größten Schwächen. Die Fixierung der Protagonistinnen auf Konstantin nimmt so viel Raum ein, dass ihre eigene Entwicklung und ihr individuelles Schicksal oft in den Hintergrund rücken. Besonders störend empfand ich die Art, wie Márta und Theresa sich gegenseitig manipulieren und hintergehen, was die Beziehung zwischen den beiden immer weiter vergiftet. Dadurch fiel es mir schwer, wirklich mit ihnen mitzufühlen.

Positiv hervorzuheben sind die historischen Einblicke in das sozialistische Ungarn und die DDR, die interessante Hintergründe bieten, aber leider nicht die Tiefe erhalten, die sie verdient hätten. Ich hätte mir hier mehr Raum für die politischen und gesellschaftlichen Umstände gewünscht, anstatt dass die Handlung sich fast ausschließlich um das Liebesdreieck dreht.

Insgesamt ist Rückkehr nach Budapest ein Roman, der eine dichte, melancholische Atmosphäre schafft und mit emotionalen Konflikten arbeitet, die einen nicht loslassen – allerdings nicht immer auf angenehme Weise. Die permanente Schwere, die über der Geschichte liegt, wird nie wirklich aufgelöst, sodass ein bedrückendes Gefühl bleibt. Wer gerne tiefgründige, von innerer Zerrissenheit geprägte Geschichten liest, könnte hier dennoch fündig werden. Mich persönlich hat der Roman jedoch nicht ganz überzeugt und wird vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben.
2 reviews
Read
February 24, 2025
sehr gefühlvoll
Cousinen Marta und Theresa.
Marta lebt mit ihrer deutschen Mutter und ihrem ungarischen Vater in Ungarn. Ihre Mutter verlässt die Familie. Sie erträgt die Alkoholabhängigkeit des Mannes nicht mehr und lässt Marta bei ihrem Vater. Marta lernt ihren jetzigen Mann kennen. Dieser unterstützt Marta und ihren Vater. Doch Marta bricht aus der Situation aus und flieht zu ihrer Cousine Theresa nach Ostberlin. Von dort aus beginnt die Reise.
Die Geschichte findet vor der Wende satt und der Sozialismus hat die DDR noch immer fest im Griff. Die beiden Cousinen lernen Konstatin kennen. Er ein systemkritischer Schriftsteller und gefangen in der Zeit des Sozialismus. Beide Frauen verlieben sich in ihn, doch Konstantin entscheidet sich für Theresa. Der Verrat liegt schwer und reißt die zwei Cousinen endgültig auseinander. Die Beziehung zwischen den Beiden ist auch bis zum Tod von Theresa nicht mehr zu kitten.
Die Charaktere sind liebevoll und sehr detailliert ausgearbeitet und beschrieben. Marta und Theresa sind absolut unterschiedlich dargestellt. Marta zweifelt an sich und der Welt und ist sehr zurückhaltend. Sie ist ein Leben lang auf der Suche nach der Liebe und rennt hinter ihr hinterher. Therese dagegen hat ein großes Selbstbewusstsein und lebt dies auch aus. Sie ist für jeden Spaß zu haben und impulsiv in ihren Entscheidungen.
Der Sozialismus ist in jedem Satz spürbar. Vor allem als Schriftsteller und Systemkritiker hatte man es in der Zeit des Sozialismus sehr schwer. Freie Äußerungen waren dort nicht gewünscht und man wurde für diese ins Gefängnis gebracht. Auch nach der Wende ist diese Prägung in der Geschichte noch immer zu spüren.
Die Geschichte reißt einen mit und man ist schnell in der Zeit und leidet und (ver)zweifelt mit den unterschiedlichen Charakteren. Hat man mit dem Buch einmal angefangen, muss man es unbedingt zu Ende lesen. Auch wenn der mittlere Teil sehr langatmig ist.
Das Buch empfehle ich jeden, der politisch hochbedeutende und dramatische Geschichten mit ein bisschen Liebeskummer mag.


422 reviews4 followers
January 26, 2025
Als ich dieses Buch las, dachte ich oft an Menschen, die diese Zeit so intensiv miterlebt haben wie die Protagonisten in diesem Roman. Ich konnte mir bereits gut vorstellen, wie es war. Muss also für „Zeitzeugen“ noch toller sein, als öffnete man eine alte Schachtel voller Sommererinnerungen – nach Sonne duftend, bittersüß, ein wenig verblichen. Nikoletta Kiss gelingt es mit einer beeindruckenden Leichtigkeit, mich in eine vergangene Welt zu entführen, die für mich so ganz fremd war.
Es ist due Geschichte von Márta, die in den Wirren der Vorwendezeit zwischen Budapest und Ost-Berlin nach ihrem Platz sucht.Besonders die Schilderungen der Sommer am Balaton – dieser endlosen, magischen Tage, an denen die Zeit stillzustehen schien, bleiben mir in Erinnerung. Kiss beschreibt mit einer solchen Präzision, wie Márta und ihre Cousine Theresa zwischen Maisfeldern und Seeufer ihre Kindheit und Freundschaft leben, dass ich den heißen Teer unter den Schuhen und den Geruch von Sonnencreme förmlich spüren konnte.
Doch was dieses Buch so besonders macht, ist nicht nur die Nostalgie, sondern auch die historische Tiefe, mit der Kiss das Leben in den 1980er Jahren einfängt. Die politischen Spannungen, die Enge und Freiheit des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang, die rebellische Kunstszene in Ost-Berlin – all das wird lebendig erzählt.
Die Figuren sind allesamt komplex und ambivalent. Márta, die Erzählerin, erscheint oft unsicher und nachdenklich, immer im Schatten ihrer extrovertierten Cousine Theresa. Doch gerade diese Verletzlichkeit macht sie so nahbar. Der Verrat, der im Zentrum der Geschichte steht, wirft viele Fragen auf: Wie viel Verantwortung tragen wir für die Entscheidungen unserer Vergangenheit? Können alte Wunden je wirklich heilen?
Toll erzählt ist der Roman, die Autorin verwebt die Schicksale der Figuren kunstvoll miteinander, während sie die Themen Schuld, Loyalität und Selbstfindung aufgreift.
Super Buch, kann ich sehr empfehlen.
Profile Image for Karola.
812 reviews7 followers
February 23, 2025
Lebensgeschichten in historischem Gewand
Das Cover repräsentiert den anfänglichen Schauplatz dieses Romans gut. In einem Mix aus Rückschau und Gegenwart geht es um drei gegensätzliche Charaktere, über deren Aufwachsen im Sozialismus, um ihre Freundschaft und weiteren Lebensweg mitten in politischer Unsicherheit der ehemaligen DDR und von Ungarn. Die Ich-Erzählerin Márta Németh, introvertiert, unsicher und nachdenklich, durchlebt unterschiedliche, schwierige Zeiten mit Familien- und Beziehungsproblemen neben ihrer starken Freundschaft zu ihrer Cousine Theresa, eher angstfrei, selbstsicher, extrovertiert, spontan, egoistisch und verantwortungslos. Mit 18 Jahren vom Dorf in Ungarn ausgerissen nach Ostberlin zu Theresa lernen beide den Rebellen Konstantin Berger bei seiner Lesung kennen. In verschiedenen Heimen und der DDR-Strafvollzugseinrichtung Torgau als vermeintlich ‚schwer erziehbarer‘ Jugendlicher aufgewachsen verarbeitet er literarisch diese harschen Erfahrungen von Gewalt. Eine komplizierte Dreiecksgeschichte aus Liebe, Freundschaft, Verrat und viel Hoffnung wird langsam entblättert durch manchen unklar gekennzeichneten Rückblick zwischen Berlin – erstmals 1984 -, Wien 1986 und Budapest. Thematisiert werden weiterhin Alkoholismus, die Totalisierung und Befindlichkeit der Sprache nicht nur in der DDR mit unterdrückter alternativer Kunstszene, von Fehlgeburt und Abtreibung. Leider erschweren besonders die oft wechselnden Zeitebenen in Mártas Erinnerungen die zügige Einordnung im Gesamtkonzept des Romans, der anfangs langatmig dahin dümpelt.
Der historische, sozialistische Hintergrund gefällt besser als die komplizierten Emotionen der Hauptakteure.
Profile Image for Franziska Dreßler.
139 reviews
February 16, 2025
Toxische Dreiecksbeziehung

Marta und Theresa sind Cousinen und führen doch grundsätzlich andere Leben. Marta im Ungarn der 70er, Theresa mit ihren Eltern in der DDR. Und doch sind die beiden so eng miteinander verbunden, wie Schwestern. Bist Konstantin, der junge Berliner Dichter und Autor in ihr Leben tritt. Beide verlieben sich und eine ungesunde Dreiecksbeziehung beginnt.

Der ganze Roman beginnt mit der Todesnachricht von Theresa und Marta blickt nun auf die Beziehung und das gemeinsame Leben mit ihr zurück. Wie laut das ungesagte spricht, wenn es auf einmal keine Gelegenheit mehr gibt, es jemals auszusprechen, verdeutlicht der Roman dabei auf jeder Seite. Obwohl ich die nostalgischen Rückblicke in die Kindheit und Jugend in diese beiden so verschiedenen Welten wirklich interessant fand, so wenig emotional hat mich der Rest der Geschichte erreicht. Auch die politischen Probleme in der DDR sowie Ungarns zu dieser Zeit, waren mir nicht tiefgründig genug erzählt und hätten meiner Meinung nach mehr Raum benötigt. Mal wieder ein Roman, in dem es keiner schafft, vernünftig miteinander zu sprechen, um Probleme aus der Welt zu schaffen, in der Protagonisten Entscheidungen treffen, die kaum zum beschriebenen Charakter zu passen scheinen und Nebenhandlungen eröffnet werden, die für mich unnötig oder nicht zu Ende erzählt waren.

Eine nette Geschichte über eine toxische Dreiecksbeziehung, die mir trotz des besonderen Settings leider wenig gegeben hat, das im Kopf hängen bleiben wird.
Profile Image for Millane.
35 reviews11 followers
February 25, 2025
Manche Geschichten packen einen nicht nur mit ihrer Handlung, sondern vor allem mit ihrer Atmosphäre – und genau das macht diesen Roman so besonders.

Martha lebt mit ihrem alkoholkranken Vater in einem kleinen ungarischen Ort. Während sie darauf hofft, einen Germanistik-Studienplatz in Budapest zu bekommen, wird die Situation zu Hause immer unerträglicher. Also entflieht Martha zu der Person, mit der sie früher unzertrennlich war – zu ihrer Cousine Theresa, die mittlerweile in Ostberlin lebt. Mit Theresa streift sie durch die künstlerische Szene der Stadt und lernt auf einer Lyriklesung Konstantin kennen. Beide Frauen fühlen sich zu ihm hingezogen, doch zunächst hat er nur Augen für Theresa. Bis ein Manuskript von ihm alles verändert. In diesem erzählt er von der Gewalt, die er in Jugendwerkhöfen und Heimen der DDR erlebt hat. Plötzlich rücken Marthas Gefühle in den Hintergrund, denn als der Staat von dem Manuskript erfährt, wird sie unmittelbar mit den Schattenseiten des Systems konfrontiert.

Nicht nur in Berlin, sondern auch in Budapest gerät Martha in Kreise, die sich dem System kritisch entgegenstellen, und eröffnet dabei spannende Perspektiven auf die Unterschiede zwischen dem sozialistischen Ungarn und der DDR.

Ich habe es geliebt, in diese melancholische, atmosphärische Geschichte einzutauchen und das künstlerische und studentische Leben mitzuerleben, das ständig von der Balance zwischen Anpassung und Rebellion geprägt ist. Der Roman fängt nicht nur die künstlerische Aufbruchsstimmung ein, sondern auch die bedrückende Realität eines Systems, das kritische Stimmen unterdrückt.
Profile Image for Ancla Müller.
844 reviews5 followers
June 22, 2025
Das Leben, die Liebe und das Weltgeschehen

**** Worum geht es? & Mein Eindruck ****

Im Zentrum des Buches steht die emotionale Reise nach dem Verlust einer geliebten Person. Der Abschied bildet den Ausgangspunkt, doch im Fokus stehen vor allem Martàs Gefühle, ihre komplexen Freundschaften, erwiderte und unerwiderte Liebe – und ein Leben, das ihr immer wieder Steine in den Weg legt.
Martà ist eine vielschichtige, starke Figur. Leider verblassen die übrigen Charaktere neben ihr – oft stereotyp und weniger nuanciert gezeichnet. Das Buch trägt durchgehend eine gewisse Schwere in sich, die für mich sehr gut zur Zeit, zur politischen Atmosphäre in Ostberlin und Budapest und vor allem zu Martàs innerer Welt passt. Gesellschaft und Geschichte werden eindrucksvoll und atmosphärisch eingefangen. Emotional hat der Roman viel zu bieten, allerdings erschwerte mir der häufige Wechsel zwischen Zeitebenen den Zugang. Vergangenes wird immer wieder neu aufgeblättert, Szenen bleiben teils lange unbeendet – eine Gedankenreise, die für meinen Geschmack strukturierter hätte sein dürfen. Dennoch habe ich den Text sehr genossen: Kiss versteht es, mit klugen Akzenten und eindringlicher Sprache Interesse und Tiefe zu erzeugen.

**** Empfehlung? ****

Ein literarisch anspruchsvoller Roman über Liebe, Verlust und gesellschaftliche Umbrüche zur Zeit der DDR. Sprachlich stark, inhaltlich dicht – mit kleineren Schwächen bei Figurenzeichnung und Erzählstruktur. Für Leser*innen, die sich auf emotionale und politische Vielschichtigkeit einlassen möchten – definitiv eine Empfehlung.
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
February 23, 2025
Márta
Nikoletta Kiss wählt für ihren Roman „Rückkehr nach Budapest“ eine interessante Zeit und Konstellation: Zwischen Ungarn und DDR ab 1986.
Erzählt wird von der Ungarin Márta, die ihre Cousine Theresa in Ostberlin besucht und sich da in den Dichter Konstantin verliebt.Der wird aber der Freund von Theresa.
Konstantin leidet an der DDR. Er ist als Heimkind schlecht behandelt worden, seine regimekritischen Texte traut er sich deswegen nicht zu veröffentlichen. Aber Theresa will ein Manuskript von ihm nachWestdeutschland schmuggeln. Ein großes Risiko.

Die Handlung springt in den Zeiten. Es wird eindringlich erzählt, mit leicht melancholischen Ton. Es gibt die Szenen in der DDR. Dann wieder Jahre später ist gerade das Begäbnis von Theresa und Márta erinnert sich an vieles.

Es ist ein eher ruhiges Buch, dessen Stärke darin besteht, die Empfindungen der Figuren in dieser Zeit und Situation transparent zu machen.
47 reviews
February 25, 2025
Liebesdreieck

Wie schwierig muss es sein, in den selben Mann verliebt zu sein, wie die heißgeliebte, extrovertierte Cousine? Marta erlebt es am eigenen Leib, als sie sich in den selben Mann verliebt, wie ihre Cousine Theresa.
Der Roman erzählt die Geschichte dieses Liebesdreiecks vor der Kulisse Ostberlins und Ungarns der 80er Jahre. Marta, eine junge Frau aus einem Dorf am Balaton, besucht ihre Cousine Theresa in Ostberlin. Dort führt Theresa sie in einen Kreis von Künstlern ein, die sich in privaten Wohnungen trifft, und wo sie einen jungen Schriftsteller kennen lernt.

Neben der eigentlichen, eher schwierigen Liebesgeschichte geht es in diesem Roman um eine Zeit des Aufbruchs. Es ist eine Kritik an den bestehenden Systemen, sowohl in der DDR, als auch der politischen und sozialen Situation Ungarns. Eine wirklich gutes Buch, dass einen guten Einblick in die bestehenden Strukturen der damaligen Zeit gibt.
6 reviews
March 3, 2025
Das Buch handelt von der Protagonistin Marta und ihrem Zuhause in Ungarn, sowie von persönlichen Erfahrungen und familiären Ereignissen. Vergangenheit und Gegenwart greifen hier ineinander, wodurch eine tiefgründige Geschichte über Heimat und die eigene Identität entsteht. Die Geschichte ist sehr feinfühlig und atmosphärisch erzählt, man fühlt mit und empfindet das Gelesene als einen eigenen Teil von sich selbst. Der Schreibstil ist recht bildhaft ohne übertrieben zu sein, man meint selbst an den Orten zu stehen. Die Charaktere sind authentisch, vielseitig und ihre Entwicklung ist glaubhaft und realistisch dargestellt. Die Handlung hat eine gewisse Sog-Wirkung und man wünscht sich mehr davon. Sie regt zum Nachdenken über das eigene Leben an und lässt einen bestimmte Situationen mit einem anderen Blickwinkel betrachten. Insgesamt zwar ein Buch, mit einer etwas trüben Grundstimmung aber dennoch definitiv lesenswert.
36 reviews
February 24, 2025
Vorweg: ein gut geschriebenes Buch, für mich hat es leider nichts Besonderes. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und das Buch macht immer wieder Zeitsprünge, denen ich nicht ganz folgen konnte. Letzten Endes habe ich das Buch abgebrochen.

Das Buchcover ist wunderschön gestaltet und für die Geschichte sehr zutreffend gewählt. Im Laufe des Romans (soweit ich ihn gelesen habe) begleiten wir zwei junge, befreundete Frauen. Die Geschichte spielt in den späten 80igern, kurz vor der Öffnung der Grenzen in der DDR und Ungarn.
Die unterschiedlichen Atmosphären, bzw politischen Regime, werden nicht nur anhand der beiden Städte, sondern auch anhand der verschiedenen Frauen darstellt. Die eine selbstbewusst, die andere zurückhaltend und eher introvertiert. Als ein junger Mann in die Gleichung kommt, wird zudem die Gefühlswelt beider Frauen ordentlich durcheinander gebracht.
Profile Image for Veronika.
297 reviews
April 29, 2021
"Egész idő alatt annyira el voltam foglalva magammal, hogy természetessé vált számomra, hogy szeret."
Profile Image for Bärbel.
143 reviews1 follower
February 24, 2025
Berührender Roman über Freundschaft und Begehren in der Vorwendezeit
Dieses Buch hat mich unmittelbar, von der ersten Seite an, in seinen Sog gezogen. Das geht mir längst nicht immer so, oft dauert es lange, bis ich warm werde mit dem neuen literarischen Kosmos, den ja jedes Werk eröffnet.
Hier befand ich mich gleich im Wechselspiel zwischen Budapest und (Ost-)Berlin, zwischen den Zeiten noch vor der Wende und sehr viel später dann, als Márta zurückblickt auf die Wirren damals.
Es ist ein Leichtes ihr, der Ich-Erzählerin, zu folgen in langen Rückbleden und einer auch nicht einfachen Gegenwart. Der Stil von Nikoletta Kiss hat mich ganz und gar gefesselt.
Die geschilderte Welt ist mir gar nicht so fremd gewesen, ich bin alt genug, um ebenfalls in den 80ern jung gewesen zu sein ... eine Zeit, in der auch ich tatsächlich lange Briefe geschrieben und erhalten habe, heute wahrscheinlich kaum mehr denkbar... Das Warten darauf, das Hasten zum Briefkasten, ach!
Und ich war als Westdeutsche auch bereits vor der Wende in der DDR. Die wirklichen Gefahren, die im Buch auch erwähnt werden, die Sehnsucht und das Risiko bei freiem Reden und Schreiben, das habe ich nur am Rande erlebt, nicht in dieser Intensität. Es ist eher erstaunlich, wie glimpflich es dann hier doch noch ausgeht, aber die Angst und Sorge sind spürbar.
Dass auch einige Schauplätze in Wien eingefangen werden, wo es zu einer kirsenhaften Wende kommt, freut mich. Denn die Autorin ist eine Meisterin im Einfangen der Atmosphäre.
Ein sehr lesenswertes Buch über die Freundschaft zwischen Frauen, die Ausweglosigkeiten des Begehrens, aber auch über Reife und Reflexion. Melancholisch und versöhnlich. Und auch ein Buch über die Jugend im ausgehenden Sozialismus.
Profile Image for Klara.
134 reviews40 followers
June 3, 2025
Wir befinden uns in Budapest und Ostberlin, beide noch gut versteckt hinterm Eisernen Vorhang, und begleiten Márta, Theresa und Konstantin bei ihren subversiven, systemkritischen Machenschaften. Besuchen Lyriklesungen in verrauchten Buden, trinken Bier in ungarischen Eckkneipen und wohnen gleichzeitig einem sich langsam entfaltenden Liebesdreieck bei, welches zwar in seiner Umsetzung nicht gerade vor innovativer Kreativität strotzt, aber den*die interessierte*n Leser*in nichts desto trotz bei der Stange zu halten vermag.

Ich sag mal so: Ich hab das Buch dolle gerne gelesen, hauptsächlich wegen der - Achtung, ich schreibe das schlimme Wort - Vibes 💅. Jugendkultur im Sozialismus, das holt mich einfach ab. War es ein großartiger Roman? Nicht so richtig. Aber gut war es doch, und manchmal ist gut auch einfach gut genug. Wie ihr wahrscheinlich mittlerweile alle wisst liebe ich Budapest außerdem mit meinem ganzen, kleinen Herzen, deshalb gibt’s jedes Mal einen Pluspunkt, wenn ich die Straßennamen wiedererkenne und mich kurz nach Ungarn träumen kann.

Okay, doch, einen Kritikpunkt muss ich noch loswerden: So gern ich das Präteritum auch für den allgemeinen Sprachgebrauch wiederbeleben würde - noch ist seine Zeit nicht gekommen. Wenn also in einem geschriebenen Dialog eine Achtzehnjährige zur anderen sowas sagt wie: „Weißt du noch, wie wir damals immer verreisten?“, kommt mir das doch reichlich gestelzt vor. Da stolpert man! Aber das nur am Rande. Kennt ihr das Problem…?

Jedenfalls 3,5/5 Sternen für diesen Budapest-Berlin-Roman und GaLiGrü von mir.
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