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"Antisemit!": Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument

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Antisemitismus ist eine der verruchtesten Formen moderner Ideologien. Diese Behauptung bedarf heutzutage keines Nachweises mehr, zu katastrophal waren seine Auswirkungen, als dass sie in Abrede gestellt werden könnte. Die Ächtung von Antisemitismus ist ohne jeden Zweifel eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Problematisch und kontraproduktiv wird es dort, wo ein vermeintlich kritischer Diskurs in herrschaftliches Bekenntnis umschlägt, wo Anti-Antisemitismus politisch missbraucht wird, wo sich eine vermeintlich kritisch auftretende Rezeption als ideologisch entpuppt.

Wenn beispielsweise Gegner der israelischen Vertreibungs- und Kriegspolitik wie Ilan Pappe oder Kritiker einer von ihnen identifizierten "Holocaust-Industrie" wie Norman Finkelstein unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Antisemitismus Auftritts- und Diskussionsverbote erhalten, ist das eine demokratiepolitisch gefährliche Entwicklung. Mehr noch: Der Vorwurf des Antisemitismus dient israelischen Lobbies als Instrument, ihre Gegner mundtot zu machen, notwendige Debatten im Keim zu ersticken.

Moshe Zuckermann wagt eine Analyse dieser Entwicklung. Für ihn steht fest, dass die Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als Parole im vermeintlichen Kampf gegen Antisemitismus "in eine fürchterliche Epidemie umgeschlagen ist." Längst schon sei sie zum Totschlag-Ideologem eines durch und durch fremdbestimmten Anspruchs auf politisch-moralische Gutmenschlichkeit geronnen. Ob man diese Epidemie heilen kann, wird sich erst erweisen müssen. Dass man sie erklären muss, scheint dringlicher denn je.

Die Vorstellung, geduldig warten zu können, bis sich diese Ideologie von selbst aufgelöst hat, ist irrig. Zu viel steht auf dem Spiel. Zu desaströs sind die Auswirkungen dieser Epidemie auf vernunftgesteuerte, emanzipative Bestrebungen der Gegenwart. Zu offensichtlich kommen gerade jene zu Schaden, die die historisch Verfolgten und ihre Nachkommen "beschützen" wollen - freilich nicht zuletzt durch das Selbstverschulden derer, die sich im Wohlgefühl einer Solidarität suhlen, die keine ist und ihrem Wesen nach auch keine sein kann.

208 pages, Paperback

First published January 1, 2010

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Moshe Zuckermann

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1,424 reviews107 followers
February 27, 2018
1) Deutsche Rezension
2) English Review

1) Deutsche Rezension
Die Wahl der Wörter, die der Autor hat, kann es manchmal schwierig machen, zu verstehen, was er sagt. Er schafft es immer noch, aber es kann schwierig sein. Trotzdem schaffte er es, die Botschaft zu vermitteln, dass Antisemitismus im Grunde eine Ursache für den Zionismus ist, wie der Zionismus davon lebt, wie das frühe Israel sich nicht wirklich für Shoah-Überlebende oder generell Juden interessierte die nicht zu seinen Zielen passte.
Die Wortwahl des Autors verbesserte sich jedoch im Laufe der Zeit. Während er Netanjahu in seiner Rede 2009 Lügen und Heuchelei vorwarf, war er viel leichter zu verstehen.
Und ich kann euch sagen; das hier würde viele Leute in der israelischen Sektion so wütend machen und ich fragte mich, was er für die deutsche Sektion bereithielt. Eigentlich nicht so viel. Zumindest weniger als ich vermutet hatte.
Gegen Ende war ich gespannt, wie er mit dem Thema Selbstzensur umgehen würde. Bis jetzt hatte er sich nie zurückgehalten, als er alle anderen Leute angriff und sich nicht um die ganze heilige Aura von z.B der Typ, der "Shoah" gemacht hat. Und er tat es nicht, bis jetzt wusste ich von Nazisploitation, aber ich wusste nicht, dass es wirklich Pornos gab, die in Israel besonders beliebt waren.
Ich habe am Ende nicht das volle Extra gelesen, weil mir das egal war. Ansonsten war das eine sehr angenehme Lektüre.

2) English Review
The choice of words that the author has can make it hard at first to understand what he is saying sometimes. He still gets it across but it can be difficult. Still he did manage to convey the message of how anti-Semitism is basically a cause for Zionism, how Zionism feeds on it, how the early Israel did not really care for Shoah survivors or any Jew not fitting their goals.
The author's choice of words improved over time though. While he was accusing Netanyahu of lying and hypocrisy during his 2009 speech he was much easier to understand.
And I can tell you; this would make soooooo many people furious in the Israeli section and it made me wonder what he had in store for the German section. Not that much actually. At least way less than I had suspected.
Towards the end I was quite curious to see how he would handle the topic of self-censorship. So far he had never held back when attacking all other people and not giving a shit about the whole holy aura of e.g. the guy who made "Shoah". And he did not, so far I knew of Nazisploitation but I did not know that there was actual porn that was especially famous in Israel.
I did not read the full extra at the end because I did not care about that. Otherwise this was a quite enjoyable read.
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