Es waren immer seehr lange Kapitel und mich haben die Zeitsprünge etwas getriggert und aus dem lesefluss gebracht. Am Anfang von dem Buch konnte man diese zum Beispiel noch gar nicht einordnen. Ich finde, das Buch spricht wichtige Themen an, insbesondere Identität, Herkunft, Familie und gesellschaftliche Erwartungen, und jeder Charakter war deswegen auf seine Art besonders und hatte seine eigenen Probleme. Allerdings haben mich diese ganzen Side Charakter irgendwann genervt, die Namen von Freunden der Zwillinge aus der Schulzeit und deren ausführlichen Geschichten fand ich etwas überflüssig, vor allem, weil viele dieser Figuren später keine wirkliche Rolle mehr spielten.
Auch die Beziehung zwischen den Schwestern hat mich stellenweise enttäuscht. Dass sie sich im laufe der Geschichte letztlich nur für einen einzigen Tag wiedersehen, finde ich schade und unbefriedigend. Besonders problematisch wirkte für mich, dass Stella nicht einmal zur Beerdigung eingeladen wurde oder zumindest davon erfuhr. Das fühlte sich weniger wie eine konsequente Entscheidung an, eher wie ein Rückschritt in der emotionalen Entwicklung der Charaktere und im Umgang mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit.
Generell wurde der generationsübergreifende Rassismus gut dargestellt, vor allem, wie tief er die Denkweisen, Entscheidungen und Selbstbilder der Figuren verändert hat. Insgesamt ist The Vanishing Half ein wichtiges, thematisch starkes Buch mit komplexen Figuren, gut für den Unterricht geeignet (am Besten gemeinsam in Etappen lesen, anstatt wie bei uns immer daheim allein), das jedoch durch dieStruktur und Side Storys für mich an Wirkung verloren hat:/